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Sprachlernspiele für Deutschanfänger

Was tun mit Schülern im Unterricht, die kein Wort Deutsch sprechen? — Sprachlernspiele können das Schweigen brechen und DaZ-Anfängern spielend erste Sprachkenntnisse vermitteln.

DaZ: Sprachlernspiele für Deutschanfänger Am Anfang helfen Bildkarten beim Lernen erster Vokabeln © dreamblack46 - Fotolia.com

„HILFE — neues Kind spricht überhaupt kein Deutsch!!!“, unter dieser Überschrift bittet Grundschullehrer „hks“ auf der Website lehrerforen.de die Kollegen im Forum um Tipps. Er unterrichtet eine 3. Klasse und hat keine Erfahrung mit Kindern ohne Deutschkenntnisse. Auch gibt es keine Schüler in der Klasse, die übersetzen könnten.

Wie viele Kollegen kennt auch „FrauBounty“, Lehrerin in Nordrhein-Westfalen, das Problem. „Ihr“ Schüler ohne Deutschkenntnisse „erhält möglichst viele Förderstunden zum Erwerb der Zweitsprache“, ansonsten verständigt sie sich „mit Händen und Füßen“. „tigerente303“ empfiehlt die Anschaffung von LÜK-Kästen und „Bibo“ aus Bayern gibt Praxistipps zum Unterricht in allen Fächern: In Sport, Musik, Kunst „einfach mitmachen lassen. Das klappt schon irgendwie“. In Mathematik einen Pool von selbsterklärenden Arbeitsblättern verschiedener Schwierigkeitsgrade bereitstellen und in HSU „sprachlich leichtere Themen“ durchnehmen. Wenn Kinder ohne Deutschkenntnisse im Unterricht in den ersten Wochen wenig oder gar nicht sprechen, sollte man ihnen Zeit geben: „Lass dich nicht entmutigen!“, schreibt Bibo, eine seiner Schülerinnen hat ihn „von September bis Ende Dezember hartnäckig angeschwiegen“ und „dann losgelegt. Und zwar richtig.“

Sprachlernspiele für Deutschanfänger eignen sich sehr gut als Eisbrecher beim Einstieg in die deutsche Sprache. Der folgende Beitrag stellt Ihnen dazu eine umfangreiche Spielesammlung des Goethe-Instituts vor, die auf die Spracharbeit mit Geflüchteten mit geringen Sprachkenntnissen (A1-Niveau) ausgerichtet ist.  

Mit Sprachspielen Sprachhemmungen überwinden

In den ersten Lektionen des DaZ-Unterrichts lernen die Schüler in der Regel die Basics, mit denen sie sich in ihrer neuen Umgebung zurechtfinden können. Daran orientieren sich auch die sieben Themenfelder der „Handreichung Sprachlernspiele — Deutsch für den Anfang“, wie ein Blick ins Inhaltsverzeichnis (S. 6 f.) zeigt:

Weiterführende Hinweise:

160 Sprachlernspiele, kurz erklärt mit drei Zeilen, bietet die DaF-Lehrerin Esther Gaitanaki in ihrem DaF-Blog zum freien Download.

Sprachanimationen, Chants, Lieder und Spiele für den DaF- und DaZ-Unterricht versammelt die Broschüre „Neustart mit Deutsch“

  1. Begrüßen, sich vorstellen mit Name, Alter, Herkunft, Familie, Wohnort und Beruf
  2. Zeitansagen verstehen und sagen, nach der Uhrzeit fragen,
  3. Einkaufen“: Lebensmittel und Mengenangaben nennen, um etwas bitten, nach dem Preis fragen
  4. Meine Sachen“: Sagen, was man hat oder braucht, Farben benennen
  5. Mein Tag“: Erzählen, was man macht, beschreiben, wo man wohnt und was es in der Wohnung gibt
  6. Freizeit“: Über Hobbys sprechen und sagen, was man gern macht und wie man etwas findet
  7. Orientierung in der Stadt: Orte benennen, Weg erklären, Richtungen beschreiben, Schilder verstehen

Zu jedem dieser Themenbereiche finden sich mehrere Spiele mit jeweils unterschiedlichem Fokus: Die erste Hälfte der Spiele zielt auf die Wortschatzarbeit. Dabei prägen sich die Schüler neue Wörter ein, indem sie „Wörter lesen und wiedererkennen, verstehen und nachsprechen“ (ebd., S. 7). Die zweite Hälfte der Spiele regt „die sprachliche Interaktion zwischen den Lernenden an“: „Durch spielerische Aktivitäten in kleinen Gruppen oder auch mit wechselnden Partnern gibt es viel Gelegenheit für jede/n Einzelne/n zu sprechen“ (ebd.). Geübt werden dabei grammatische Strukturen in festen Wendungen und häufige Wiederholungen sorgen für wachsende Sicherheit und nehmen die Scheu vor der Anwendung des Gelernten.

Besser lernen mit Bewegung

Viele der Spiele werden am Tisch gespielt. Doch auch für Bewegung ist gesorgt: Beim „Plätze-Tauschen“ etwa sitzen die Teilnehmer im Stuhlkreis, der Spielleiter bittet alle aufzustehen, die zum Beispiel Turnschuhe tragen und die Plätze zu wechseln. Schnell setzt sich der Spielleiter auf einen freien Platz und gibt seine Rolle an den Übriggebliebenen weiter. Beim „Phonetik-Hüpfen“ hüpfen die Schüler bei Wörtern mit bestimmten Lauten (etwa stimmhaftes „s“, stimmloses „s“ und „sch“) nach links, nach rechts oder nach vorn. Bei Wörtern ohne diese Laute hüpfen sie zurück.

Geringer Vorbereitungsaufwand

Der Aufwand für Lehrkräfte hält sich in Grenzen: Die grundlegenden Prinzipien der Spiele sind ohnehin bekannt (Domino, Bingo, Schwarzer Peter, Quartett, Pantomime ...), und die Materialien — meist Karten — stehen als Kopiervorlagen zum freien Download. Für viele Spiele braucht man überhaupt keine Materialien oder hat sie sowieso dabei, wie Schere, Papier und Stift.

Die übersichtlichen Spielbeschreibungen erläutern in einfachen, kurzen Sätzen den Ablauf des jeweiligen Spiels. Mit einem Blick sieht die Lehrkraft, auf welche Gruppengröße bzw. Sozialform (Gruppenarbeit, Partnerarbeit, Einzelarbeit, Plenum ...) das Spiel ausgelegt ist, wie viel Zeit dafür angesetzt werden sollte und welche Materialien vorzubereiten sind. — Die Zusammenstellung der Material-Sets mit ausgeschnittenen und laminierten Bild-, Puzzle-, Domino- und Wendekarten, Scheren, Buntstiften etc. wäre auch eine schöne Aufgabe für den Werkunterricht der Klasse, wobei die Schüler in gemischten Arbeitsgruppen (deutsche und DaZ-Schüler) aktiv werden und schon einmal ins Gespräch kommen könnten.

Flexibel für jede Lerngruppe

Bei den Beschreibungen finden sich immer auch Spielvarianten z. B. mit komplexeren oder zusätzlichen Aufgaben. Das ermöglicht den Schülern individuelles Lernen im eigenen Tempo und der Lehrkraft den flexiblen Einsatz in heterogenen Lerngruppen.

Meist sind die Sprachlernspiele für kleinere Gruppen gedacht. In größeren Sprachförderklassen lassen sich die ersten Spiele (Wortschatzübungen) im Themenfeld zusätzlich an Spielstationen anbieten. Damit ist gewährleistet, dass auch wirklich alle Schüler aktiv in die Spiele eingebunden sind.
Möglichkeiten zur Differenzierung bieten sich zudem vor dem Einsatz jedes Spiels: Da prüft die Lehrkraft zunächst, ob die Lernenden bereits die erforderlichen sprachlichen Voraussetzungen mitbringen. Bei der Erarbeitung fehlender Wörter und Wendungen unterstützt die Lehrkraft dann die Schüler, die ganz am Anfang stehen, während die fortgeschrittenen Deutschlerner sich den Wortschatz eigenständig erschließen, indem sie zum Beispiel Wortschatzkarten erhalten, „ihre“ Wörter nachschlagen, und sie den anderen erklären.

Wer im Klassenraum mit PCs oder Notebooks ausgestattet ist, findet auf der Website des Goethe-Instituts ein vielfältiges Online-Lernangebot, das speziell auf junge Geflüchtete mit und ohne Deutschkenntnisse ausgerichtet ist. Auch hier lernen die Kids und Teenager spielend, zum Beispiel mit dem „Deutschtrainer A1“, mit einer Vokabeltrainer-APP fürs eigene Handy und mit vielen weiteren kostenfreien Tools.  
 

Martina Niekrawietz

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