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Verkehrsrisiko

Achtung Unfallgefahr: Smartphone & Co.

Jugendliche lieben Handys und nutzen sie überall. Im Straßenverkehr kann das fatale Folgen haben. Experten schätzen, dass durch Smartphones abgelenkte Verkehrsteilnehmer ähnlich gefährdet sind wie alkoholisierte. Ein Multitasking-Test öffnet Schülern die Augen.

Verkehrsrisiko: Achtung Unfallgefahr: Smartphone & Co. Wenn Schüler nur noch ihr Handy im Blick haben und ihre Umgebung allzu sehr ausblenden, kann es gefährlich werden © Monkey Business - Fotolia.com

Erst ab ca. 10 Jahren sind Kinder zur „Schätzung der Geschwindigkeit (…) einigermaßen in der Lage“, sagen Entwicklungspsychologen (vgl. dazu: Walter Funk: „Kinder als Radfahrer in der Altzersstufe der Sekundarstufe 1“, S. 6).

Doch diese entwicklungsbedingten Fähigkeiten werden durch das Handy konterkariert: Ab 11 Jahren nutzen die meisten Schüler ihr eigenes Smartphone in jeder Lebenslage, leider auch im Straßenverkehr: „Internationale Studien zeigen, dass es immer mehr Unfälle gibt, in die Fußgänger verwickelt sind, die durch ihr Handy abgelenkt waren“, schrieb die WAZ am 05.02.2014.

Unfallprävention in anderen Ländern

In Japan und in den USA gibt es bereits erste Versuche, das Risiko zu reduzieren, wie Autor Jan Bösche im Deutschlandradio Berlin berichtete („Abgelenktes Laufen“, Sendung vom 11.11.2014) In Japan wurde eine Funktions-App entwickelt, die das Handy abschaltet, wenn es bewegt wird. In Portland, Oregon, gibt es „sprechende Busse“, die handyfixierte Fußgänger warnen, wenn sie abbiegen: „Pedestrians, Bus is turning!“

„Distracted Walking“ lautet in den USA der neue Fachbegriff für abgelenktes Laufen, das dem Begriff „Handycap“ eine ganz neue Dimension verleiht. In New Jersey verteilt die Polizei deswegen Strafzettel, in Utah, Salt Lake City, gibt es seit August 2014 sogar schon einen Strafzettel, wenn man mit dem Smartphone an der Straßenbahnhaltestelle steht und mit dem Arm oder Bein in den Fahrbereich hineinragt.

Laufen und Texten — Multitasking funktioniert nicht

Kann man laufen und gleichzeitig eine SMS schreiben? „Natürlich geht das“, antwortet eine junge Frau auf die Frage eines Reporters des Südwestrundfunks in der Stuttgarter Fußgängerzone. In einem etwa 6-minütigen Video veranschaulicht das SWR-Team die Gefahren von Handys und Kopfhörern im Straßenverkehr. Ein Passant gibt zu, dass seine Schwester bereits einmal mit einer Straßenlaterne kollidiert ist. Texten und Gehen, beide Vorgänge erfordern sehr komplexe Gehirnaktivitäten. „Wenn wir dem Gehirn zu viel zu tun geben, dann kann es zu Fehlern kommen“, fasst ein Wissenschaftler der Universität Alabama die Ergebnisse von Labortests zusammen. (dradio, „Abgelenktes Laufen“, Link s. o.)

Aber beim Warten auf die S- oder U-Bahn ist doch ein Blick aufs Display gefahrlos? Nicht wirklich, wie Bilder von Überwachungskameras aus den USA zeigen. „Menschen, die wie ferngesteuerte Roboter durch die Gegend taumeln“, bewegen sich langsam, den Blick aufs Display geheftet, auf die Bahnsteigkante zu und stürzen aufs Gleis oder sie laufen gegen die Wand. (SWR-Video, Link s. o.) — Aufnahmen, die bei Jugendlichen vermutlich zunächst für Heiterkeit sorgen, aber gerade deswegen auch „haften“ bleiben und beim nächsten Warten auf die Bahn wieder präsent werden.

Ein Kinospot schreckt auf

Mit einer spektakulären Aktion in einem Kino in Hongkong  vermittelte ein führender Autohersteller den Besuchern, wie gefährlich die Handynutzung am Steuer ist: Die Kinobesucher nehmen in dem Spot die Perspektive des Autofahrers ein: Starten, Radio einschalten und mit lautem Geräusch beschleunigen. Ein Blick ins überwiegend junge Publikum zeigt, dass dabei vor allem die männlichen Zuschauer körperlich mitgehen, wenn sie sich in die Sitze drücken. In schneller Fahrt geht es eine ganze Weile auf einer kleinen baumgesäumten Straße dahin, bis jemand an einem Laptop „Send now“ klickt und im Kino scheinbar sämtliche Handys gleichzeitig klingeln. Sofort kramen alle ihre Mobiltelefone heraus, schalten ein und — im selben Moment, in dem sie auf das Display schauen, fährt der Wagen mit lautem Krachen an einen Baum, die Windschutzscheibe splittert. Alle sehen schockiert auf die Leinwand, wo der Spot erscheint: „Handys sind heute die führende Ursache für Todesfälle am Steuer. — Dies ist eine Erinnerung daran, die Augen nicht von der Straße zu lassen.“

Multitasking — ein Test-Projekt für Schüler

Gefährlich sind natürlich nicht nur klingelnde Handys und das Schreiben von SMS, sondern auch andere Aktivitäten oder Ereignisse, die uns im Straßenverkehr ablenken: das Hören lauter Musik zum Beispiel, das Einstellen des Fahrradtachos, ein Schluck aus der Wasserflasche oder im Auto ein Streitgespräch mit dem Beifahrer.

Doch wie lassen sich die Schüler für diese Risiken sensibilisieren? Am besten im Rahmen eines Projekttages, empfiehlt der Deutsche Verkehrssicherheitsrat auf der Website multitasking-nicht-auf-der-strasse.de.

Den theoretischen Background zum Thema liefert der zugehörige „Leitfaden für Lehrer. Informations- und Unterrichtsmaterialien ab Klassenstufe 7“. Er differenziert nicht nach Altersstufen, sondern nach Art der Verkehrsbeteiligung. Der minutiös vorbereitete Aktionstag beginnt mit einer Lehreinheit von etwa zwei Stunden (kann auf CD bestellt werden!). Danach teilen sich die Schüler in vier Arbeitsgruppen und durchlaufen den Praxisteil mit mehreren Übungen und Experimenten. (Zeitbedarf: ebenfalls 2 Stunden)

Die Ablenkungsgefahr durch Beifahrer beim Autofahren wird beispielsweise so vermittelt: Ein Schüler ist der Fahrer, der versucht, „im übertragenen Sinn eine Fahraufgabe zu lösen“, etwa eine Kugel durch ein Holzlabyrinth mit Löchern navigieren. Drei „Mitfahrer“ versuchen, ihn nach bestimmten Vorgaben abzulenken („Mitfahrer 1 soll zum Beispiel den Fahrer mit Fragen nach den Jungs und Mädchen in der Klasse nerven und seinen Fahrstil kritisieren.“)

Ähnlich erkenntnisreich werden die Ablenkungen durch Musik und Simsen vermittelt.

Die Ergebnisse der Praxisphase hält die Lehrkraft stichpunktartig in einem Vordruck fest. Anschließend ist Kreativität gefragt, wenn die Schüler eine Wettbewerbsaufgabe erfüllen. Sie müssen dazu „1. eine Collage erstellen, 2. eine Ideenskizze für ein Theaterstück anfertigen, 3. ein Drehbuch für einen Film schreiben und
4. Eine Geschichte kreiieren“. („Projekttag“) Die Gewinner der Jugendaktion 2013 liefern Anregungen für eigene Ideen.

Dass dieser Projekttag gut durchführbare Aufgabenstellungen bietet und von den Jugendlichen tatsächlich angenommen wird, gewährleistet übrigens ein Pretest im Vorfeld mit einer 7. Klasse eines Berliner Gymnasiums.

Martina Niekrawietz

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