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Aktionstage & Projektideen zum Safer Internet Day 2024

Am 6. Februar 2024 findet wieder der „Safer Internet Day“ statt. Im Jahr 2024 lautet das Motto des internationalen Aktionstags „Let’s talk about Porno!“ – Die wichtigsten Infos sowie Anregungen und Impulse für spannende Aktionen und (Unterrichts-) Projekte finden Sie hier!

: Aktionstage & Projektideen zum Safer Internet Day 2024 Sicher im Internet. © kucherav - stock.adobe.com

Veröffentlicht 24.01.2024 – Wenn Teenager im Netz nach Antworten für ihre Fragen zu Liebe, Sex und Partnerschaft suchen, „treffen sie dort auch auf Verstörendes, Übergriffiges und Verbotenes“, so heißt es in einem Beitrag über sexuelle Belästigung im Netz auf der Website des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg. Oft sind das zum Beispiel pornografische Inhalte, wie auch die aktuelle JIM-Studie 2023 zeigt: Bei der repräsentativen Befragung gaben 23 Prozent von insgesamt 1200 Jugendlichen an, im vorangegangenen Monat ungewollt Online-Pornografie gesehen zu haben (ebd., S. 24).

 

Mit solchen Erfahrungen dürfen Teenager „nicht allein gelassen werden“, schreiben die Medienpädagogen und Medienpädagoginnen der EU-Initiative Klicksafe. Der diesjährige „Safer Internet Day 2024“ (SID) steht deshalb unter dem Motto „Let’s talk about Porno!“

Am 6. Februar 2024 findet der internationale Aktionstag statt, und wie immer sind Schulen und andere Akteure in Bildung und Gesellschaft dazu eingeladen, für diesen Tag spannende Projekte zu planen, die dann auf der Website des SID registriert werden können.

Impulse für „Ihr“ SID-Projekt

Den SID kann jede Schule und jede Lehrkraft frei gestalten, z. B. als Workshop mit externen Medienpädagogen oder Medienpädagoginnen, als schulweiten Projekttag mit verschiedenen Angeboten im Fach- und fächerübergreifenden Unterricht. Bei knappen zeitlichen oder personellen Ressourcen ist auch nur eine einzelne Unterrichtsstunde zu einem Thema rund um Sexualität, Identität und Pornografie denkbar. Auch Angebote für Eltern können an diesem Tag geplant werden, z. B. ein medienpädagogischer Vortrag über die Risiken der Internetnutzung oder ein Tutorial zur Einrichtung von technischen Schutzlösungen.

Auf der Suche nach Inspiration für „Ihr“ Projekt werden Sie womöglich auch auf der SID-Veranstaltungsseite fündig. Sie wird in den nächsten Wochen beständig um weitere neu registrierte Veranstaltungen anwachsen, von denen manche online stattfinden und für alle Interessierten zugänglich sind.

Da bietet beispielsweise die „Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes“ eine mehrtägige Online-Aktion zum Thema Missbrauchsdarstellungen in Chats an, die Jugendlichen, Eltern und Lehrkräften offensteht. Ein brisantes Thema, für das es auf der Website der Polizei-Kampagne „SOUNDS WRONG“ auch Clips und Erklär-Videos gibt, die z. B. darüber informieren, wie man Beiträge mit Kinderpornographie, meldet oder welche rechtlichen Konsequenzen die Verbreitung von Missbrauchsdarstellungen nach sich zieht.

Projektvorschläge und Anregungen von klicksafe

Pünktlich zu jedem Safer Internet Day stellt das Team von klicksafe eine ausführliche Broschüre mit Unterrichtseinheiten zum jeweiligen Themen-Schwerpunkt vor. Diese finden Sie auf der Seite der klicksafe-Materialien „Let’s talk about Porno!“ mit mehreren direkt übernehmbaren Stundenkonzepten.

Die Unterrichtsvorschläge knüpfen an die Lebenswelt und die Erfahrungen der Jugendlichen an. Da geht es z. B. um genau die Lebensphase, in der die Jugendlichen gerade stecken: um die Pubertät mit allen Themen, die in dieser Zeit plötzlich vordergründig werden, und über die die Kids nur mit den eigenen Peers und immer weniger mit Eltern und Lehrkräften reden möchten. In dieser Stunde werden die Schüler/-innen vermutlich trotzdem über diese Themen ins Gespräch kommen, dafür sorgt ein ausgeklügeltes Spiel mit Begriffs-Karten.

Beim Thema „Sexuelle Vielfalt“ klären die Jugendlichen zum einen spielerisch die für viele verwirrenden Begrifflichkeiten. Zum anderen geht es um einen wertschätzenden Umgang mit queeren Menschen, geschlechtlicher Vielfalt und sexueller Orientierung. Um die Schüler und Schülerinnen dafür zu sensibilisieren, kann u. a. die Folge „Outing“ der Jugendserie DRUCK, deren sympathischen Hauptfiguren dafür sensibilisieren, wie homosexuelle oder Transgender-Jugendliche fühlen und wie verständnisvolle Peers sie unterstützen.

„Was denkst du über Pornos?“

Eine der großen Stärken dieser Unterrichtsmaterialien von klicksafe: Die Jugendlichen werden für voll genommen, und es wird ihnen nicht moralinsauer eine mutmaßlich „richtige Meinung“ aufgezwungen. Das gilt besonders auch für die Stunde zum Thema Porno, die bezeichnenderweise mit Einstellungssache übertitelt ist.

Zunächst füllt jede Schülerin und jeder Schüler einen Fragebogen zu Pornografie aus, der anonym bleibt und später nicht eingesammelt wird. Der Bogen enthält bewusst provokant formulierte Behauptungen, z. B. „Mädchen haben nicht so viel Spaß beim Sex wie Jungs“ oder „Pornos zeigen Sex so wie er auch im wirklichen Leben stattfindet“ oder „Es ist nicht schlimm, ein Dickpic/Clitpic zu versenden“. Die Jugendlichen positionieren sich dazu mit „richtig“, „weiß nicht“ oder „falsch“.

Alternativ kann zur selben Befragung eine „Raumskala“ durchgeführt werden: Dazu werden entlang einer Achse im Raum Blätter mit „stimme zu“, „weiß nicht“ und „stimme nicht zu“ ausgelegt, und vier oder fünf der Fragen des Fragebogens nacheinander vorgelesen, woraufhin die Schüler/-innen sich entsprechend ihrer Meinung positionieren. „Warum steht ihr auf dieser Position?“ „Welche Argumente sprechen für diese Position?“ „Wer hat ein Gegenargument?“ Mit diesen Fragen stößt die Lehrkraft eine Diskussion an. Dabei stärkt und unterstützt sie Minderheitenpositionen, z. B. in der Rolle des „Advocatus diaboli“.

Zum Abschluss werden noch die Fragen „Wo gab es die größten Meinungsverschiedenheiten? Woran könnte das liegen?“ geklärt.

Wenngleich in der Stunde keine Lerninhalte im üblichen Sinn transportiert werden, haben die Jugendlichen doch frei ihre Meinung geäußert, die der anderen gehört und alle haben sich aktiv mit Argumenten und Gegenargumenten auseinandergesetzt.

Pornografie: „Vorsicht, strafbar!“

Manchmal ist eine Meinung aber einfach nur falsch. Das zeigt die Unterrichtseinheit „Recht und Gesetz Pornografie“ (aus der Broschüre von klicksafe). Zum Einstieg positioniert sich die Klasse wieder zu einer Frage, doch diesmal zu einer, auf die das Gesetz eine klare Antwort gibt: „Darf man als Jugendliche/r unter 18 Jahren in Deutschland Pornografie konsumieren?“

Egal, was die Jugendlichen glauben, richtig ist die folgende Antwort: „Der Konsum von Pornografie ist nicht per se verboten, allerdings die Weitergabe oder Zugänglichmachung von Pornografie an Minderjährige. Anbieter müssen sicherstellen, dass Jugendliche nicht mit Pornografie in Berührung kommen, da sie jugendgefährdend ist. Achtung Ausnahmen: Besitz von Tier-, Kinder- und Gewaltpornografie ist generell verboten.“

Aber was heißt Weitergabe? Was Zugänglichmachung? Wie alt sind Minderjährige? Und was genau bedeutet Kinderpornografie? Das finden die Jugendlichen bei der nächsten Übung heraus, indem sie zunächst fünf einfache Situationen beurteilen, die entweder erlaubt oder verboten sind.

Fall: Porno auf dem Handy

„Lukas (15) zeigt seinem Freund Tarek (13) einen Porno auf dem Handy.“  Vergleichbare Situationen gibt es vermutlich täglich auf jedem Schulhof. Doch Unwissenheit schützt auch Jugendliche vor Strafe nicht: Wenn Lukas erwischt wird, kann er womöglich dafür zur Rechenschaft gezogen werden, dass er „einem Minderjährigen, und sogar einem Kind, Pornografie gezeigt hat“, steht in der Broschüre geschrieben. „Im schlimmsten Fall kann es sich um eine Form von sexuellem Missbrauch handeln“, heißt es weiter. Und das kann mit einem Eintrag ins Polizeiliche Führungszeugnis geahndet werden, üblicherweise kommen noch Erziehungsmaßnahmen und Sozialstunden dazu. Was wie ein Streich aussieht, ist in Wirklichkeit eine Straftat, die für Lukas wirklich unangenehme Folgen haben kann.

Der Safer Internet Day klärt auf und kann präventiv schützen.

Martina Niekrawietz


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