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Tablets im Unterricht

Das iPad gewinnbringend im Unterricht einsetzen

Das iPad ermöglicht trotz Hygienemaßnahmen im Präsenzunterricht kooperatives und kreatives Lernen. Auch im Onlineunterricht ist es eine Hilfe und Bereicherung für den Unterricht.    

Tablets im Unterricht: Das iPad gewinnbringend im Unterricht einsetzen Als Lehrer den Unterricht mit dem Tablet gestalten © Africa Studio - stock.adobe.com

Digitale Medien und online-gestützter Unterricht werden in Zeiten der Corona-Pandemie so intensiv diskutiert wie noch nie. Jeder, ob Politiker, Eltern, Journalisten, Schüler oder sonstige Interessengruppe meint, sich ein Urteil über den Berufsalltag eines Lehrers in Zeiten von Corona bilden zu können. Die Herausforderungen, vor denen wir seit dem März des letzten Jahres stehen, sind nicht dieselben, die es vor zwei Jahren zu bewerkstelligen galt. Wir sehen unsere Schülerinnen und Schüler teilweise wochenlang gar nicht. Dann nur über Videokonferenzen, wenn die Systeme stabil laufen. Trotzdem wird erwartet, dass die Lernenden im Lernstoff weiterkommen, wir unsere Inhalte - obwohl wir es so nie gelernt haben - nicht Face-to-Face, sondern über digitale Medien an den Mann bringen sollen. Das sind die echten Herausforderungen: Dem Anspruch an den eigenen Unterricht gerecht werden, keinen Lernenden zurücklassen und das Ganze dann auch noch gerecht benoten.

Welche Hilfsmittel können wir Lehrenden uns bedienen? Hierzu gibt es zwei Bereiche, die genauer betrachtet werden müssen. Zum einen wie kann ich das iPad gewinnbringend in meinen Unterricht einplanen, wenn meine Schüler in Präsenz sind, und zum anderen, wie kann ich das iPad sinnvoll nutzen für meine Schülerinnen und Schüler, die im Onlineunterricht arbeiten.

Das iPad im Präsenzunterricht einsetzen

Beginnen wir mit dem einfacheren Aspekt: Wie nutze ich das iPad im Präsenzunterricht? Die Besonderheit des Lernens in Präsenz ist, dass wir viele Methoden und Arbeitsformen aufgrund der Hygienebestimmungen gar nicht durchführen dürfen. Gruppen- oder Partnerarbeiten können aufgrund der Abstandsregel nur schwierig, bis gar nicht durchgeführt werden. Wie sollen die Lernenden dann aber kooperativ Lernen? Nehmen wir einmal das Beispiel der Schreibkonferenz. Normalerweise tauschen die Gruppen ihre Hefte aus, füllen einen Kriterienkatalog aus und geben anhand ihrer Aufzeichnungen eine mündliche Rückmeldung zu dem geschriebenen Text. Aber Halt! Hefte dürfen nicht ausgetauscht und Gruppen nicht gebildet werden.

Ich nutze hierzu die iPads in meinem Unterricht. Die Schülerinnen und Schüler fotografieren ihre Texte ab. Der zugeteilte Partner bekommt diese per „AirDrop” geschickt und hat nun den Text vor sich, um ihn bearbeiten zu können. Das Blatt mit den Kriterien habe ich zuvor jedem Lernenden ausgeteilt. Auf diesem kann dann die Bewertung des Textes vorgenommen werden. Wenn die Rückmeldung fertig ist, wird diese auch wieder per „AirDrop” an den Partner zurückgeschickt. Es fehlt zwar der mündliche Austausch über den Text, aber eine Rückmeldung kann so auf jeden Fall gegeben werden. Vor allem tut es auch den Kindern gut, wenn es eine persönliche Ansprache gibt. Arbeitsergebnisse aus dem Unterricht können ebenso abfotografiert und über einen Beamer mit oder ohne AppleTV gespiegelt werden.

Im Musikunterricht ist singen und das praktische Musizieren fast bis gar nicht möglich. Hier bietet die App „GarageBand” einen Ersatz. Die Lernenden können auch ohne „echte Instrumente“ musizieren oder selbst Musik produzieren, bzw. komponieren. Es steht sogar ein viel größerer Pool an Instrumenten zur Verfügung als ansonsten im normalen Musikunterricht. Auf der Strecke bleiben hier das fachgerechte Musizieren und der echte Umgang mit Instrumenten. Jedoch ist dies meiner Meinung nach ein geringer Preis im Vergleich dazu, nur musiktheoretisch arbeiten zu können.

Den Onlineunterricht kreativ gestalten

Viel komplizierter ist es hingegen für die Lernenden, die nicht in die Schule kommen dürfen. Auch hier sind kooperative und kollaborative Arbeitsformen wichtig. Diese müssen jedoch auch von der Lehrkraft überprüfbar und einsehbar sein. Hier bieten einige Apps von Apple gute Möglichkeiten, dass Lernende gemeinsam an einem Produkt arbeiten, die Lehrkraft jedoch den Arbeitsfortschritt mit beobachten kann.

Nehmen wir zuerst die App „Keynote”. Hier kann die Lehrkraft eine Präsentation anlegen und mehreren Schülerinnen und Schülern Zugang zu der aktuellen Präsentation gewähren. Diese können dann gemeinsam an der Präsentation arbeiten und diese erstellen. Hier kann die Lehrkraft die Arbeitsfortschritte vom eigenen Tablet aus beobachten und hat somit die Möglichkeit auch den Arbeitsprozess und nicht nur die fertige Präsentation zu bewerten. Die Zusammenarbeit, die normal im Unterricht stattfindet und dort beobachtet werden kann, wird so für die Lehrerin oder den Lehrer sichtbar und kann benotet werden.

Eine weitere Möglichkeit des kollaborativen Arbeitens bietet die App „GoodNotes“. Hier kann ein Notizbuch mit schon versehenen Aufgaben von der Lehrperson erstellt werden. Dieses kann wieder an einzelne Schüler/-innen oder sogar die ganze Klasse zur gemeinsamen Arbeit verschickt werden. Vorstellbar ist, dass man ein Notizbuch zum Thema „Mein Corona-Lern-Tagebuch“ erstellt. Auf der ersten Seite des Notizbuchs stellt die Lehrkraft die Arbeitsweise vor. Dies könnte sein: „Schreibe jede Woche in dein Corona-Lern-Tagebuch. Schreibe auf, was du gelernt hast. Berichte, wo du Probleme hattest. Du kannst auch erzählen, was dir leichtgefallen ist. Besonders schön ist es, wenn du noch ein persönliches Erlebnis mit uns teilen willst.”.

Auch Regeln müssen festgehalten werden: Jeder schreibt nur auf seine Seiten! Jeder darf alles lesen!

Diese „GoodNotes“-Datei schickt man dann an alle Schülerinnen und Schüler der Klasse. Optimalerweise stellt man das Vorgehen in einer Videokonferenz vor und erklärt gemeinsam die Regeln und den Arbeitsprozess. Das Schöne daran ist, dass das Notizbuch aus „GoodNotes“ nachher als PDF gespeichert und ausgedruckt werden kann. Somit kann man der Klasse, wenn sie wieder in Präsenz anwesend ist, ihr Lerntagebuch ausdrucken. Dies ist nicht nur eine Erinnerung für später an diese besondere Schulzeit, sondern das Corona-Lerntagebuch kann mit in das allgemeine Lernportfolio übernommen werden. Sollte die Klasse sogar schon ein e-Portfolio führen, so können die Seiten auch digital importiert werden. Auch hier ist der Lernprozess sichtbar und bewertbar für die Lehrkraft.

Eine positive Seite ist in der Pandemie zu sehen: Wir alle sind gezwungen uns nun endlich mit der digitalen Revolution auseinanderzusetzen. Wir müssen kompetent werden im Umgang mit den digitalen Medien und vor allem müssen wir kreativ werden darin, wie wir die Möglichkeiten der Apps für uns und unseren Unterricht gewinnbringend einsetzen können.

Babett Kurzius-Beuster


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