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Workshop

Erklärvideos selbst machen

Lern- und Erklärvideos sind nicht erst seit Corona-Zeiten bei Schülern beliebt. Dabei ist es gar nicht so schwer, selbst zum „Video-Lehrer“ zu werden. Ein kleiner Kollegen-Workshop kann helfen, Unterrichtsinhalte digital aufzubereiten.

Workshop: Erklärvideos selbst machen Es ist gar nicht so schwer, als Lehrer eigene Erklär- und Lernvideos zu produzieren © 1001color - stock.adobe.com

„Hat YouTube die besseren Lehrer?“ – Mit dieser provokanten Frage übertitelt die Hörfunk- und Onlinejournalistin Sabine Tenta auf der WDR-Website ihren Beitrag über eine Studie, deren Ergebnisse im Juni 2019 veröffentlicht wurden. Im Auftrag des Rats für kulturelle Bildung waren deutschlandweit rund 800 Schüler befragt worden. Und 47 Prozent von ihnen nutzen YouTube-Lernvideos, um nicht-verstandene Unterrichtsinhalte zu rekapitulieren, um sich auf Prüfungen vorzubereiten oder um ihr Wissen zu vertiefen. (vgl. dazu S. 8 der auf der WDR-Website verlinkten Studie).

Das Medium Lernvideo kommt also bei Jugendlichen gut an. Deshalb sehen auch viele Lehrkräfte Erklärvideos als gute Ergänzung zum eigenen Unterricht bzw. als Unterstützung in Zeiten von Homeschooling während der Corona-Pandemie . Manche Lehrer würden auch gern eigene Erklärvideos für ihre Schüler drehen, um sie zum Beispiel für individualisiertes Lernen oder für die Methode „Flipped Classroom“ zu nutzen (vgl. dazu den unten verlinkten Beitrag). Doch wie geht das?

Einen schnellen Einstieg in die Filmbildung mit YouTube-Formaten bietet die Broschüre „Erklärvideos im Unterricht“ der Initiative „FILM+SCHULE NRW“. Auf nur neun Seiten geben die Autoren einen schnellen Überblick über die drei Erklärvideo-Formate: Explainity-Clip, How-To-Video und Erklärvideo im Vlogging-Stil und über die technische Ausstattung dafür.

Die Broschüre bietet auch Anregungen für einen kleinen Praxis-Workshop, den Sie gemeinsam mit interessierten Kolleginnen und Kollegen initiieren könnten. Erste Aufgabenstellungen können übernommen werden.

Drei Videoformate für verschiedene Unterrichtszwecke

Mit Explainity-Clip bezeichnet man Erklärvideos „im Legetrick-Stil“. Hier benötigen Sie  eine weiße Fläche (Tonpapier) und die eigenen Hände, die die Figuren, Symbole, Wörter und andere einzeln ausgeschnittene Elemente, passend zum gesprochenen Erklärtext aus dem Off, ins Bild schieben und wieder wegwischen. Das ist alles. Ein gut gemachtes Legetrick-Video kann in wenigen Minuten komplexe Zusammenhänge transparent machen, etwa die sogenannte „Flüchtlingskrise“ in Deutschland und Europa (Link zum Video auf S. 5 der Broschüre). Für „Spannung oder gar einen persönlichen Bezug“ sorgen dabei „fiktive Protagonisten“, deren Geschichte erzählt wird (Storytelling).

How-To-Videos sind Videotutorials, mit denen Tätigkeiten vorgemacht und die einzelnen Schritte erläutert werden. Geeignete Themen: Fahrrad flicken, Rührei machen, Mathematikaufgaben lösen usw.

Vlogging bedeutet „Blogging im Videoformat“. Der Moderator spricht direkt in die Kamera bzw. zum Betrachter, wie man das etwa von bekannten YouTubern wie Rezo oder LeFloid kennt. In den Vordergrund rücken dabei Persönlichkeit und Meinung des Vloggers, „was durchaus den Charme des Videos ausmachen kann“, so die Erfahrung der Autoren (S. 7). – Das ideale Medium, um den Schülern beispielsweise Impulse und Tipps für eine Stoffsammlung im Aufsatzunterricht (Erörterung) zu geben, um verschiedene Arbeitsaufträge für eine eigenständige differenzierende Gruppenarbeit der Schüler zu stellen oder um den Schülern Praxistipps zur Vorbereitung auf eine schriftliche Prüfung mitzugeben.

Das erforderliche technische Equipment

Womit können Erklärvideos nun gefilmt werden: mit  dem iPad, dem Smartphone oder der Kamera? Antwort: Alles geht. Alle Aufnahmemedien werden besprochen. Sie erfahren auch, welches sich am besten für welches Videoformat eignet (vgl. S. 8 f.). Auch bei dem Vorschlag zur anschließenden praktischen „Gruppenarbeit“ kommen sowohl Handy, Tablet als auch Digitalkamera zum Einsatz.

Lehrergruppen, die den Workshop ohne begleitende Fortbildungsinstitution veranstalten wollen, sollten einen IT-Kollegen hinzuziehen. Er kann zum Beispiel bei Problemen mit der Kompatibilität von Hard- und Software oder mit unterschiedlichen Dateiformaten schnelle Abhilfe schaffen. Auch bei der Anschaffung bzw. Nutzung von Schnittprogrammen oder (später möglicherweise kostenpflichtigen) Apps ist seine Expertise nützlich.

Crash-Kurs: einfache Video-Drehs für Einsteiger

Auf die theoretischen Grundlagen folgen in der FILM+SCHULE NRW-Broschüre einfache Aufgabenstellungen für Ihr erstes eigenes Lernvideo. Sie haben die Wahl zwischen drei verschiedenen Aufgabenformaten – oder Sie versuchen, sich gleich alle drei Videoformate anzueignen. Das ist ideal für eine kollegiale Lernvideo-AG, bei der sich gleich mehrere Kollegen schlau machen wollen. Finden sich in den Gruppen Lehrkräfte mit gemeinsamen Fächern zusammen, können sie später ihre selbst gebastelten Filme auch untereinander austauschen.

Für die ersten Gehversuche finden Sie Themenvorschläge, die mit kurzen Filmlängen umzusetzen sind: Sie erläutern zum Beispiel in einem einminütigen Explainity-Clip, wie der Dreisatz funktioniert oder in Ihrem How-to-Video in zwei Minuten, wie man eine Kamera auf einem Stativ montiert. Die zugehörigen Aufgabenblätter skizzieren auch immer kurz den Ablauf, sodass die einzelnen Arbeitsschritte von der Erstellung eines Storyboards bis zur Übertragung des fertigen Projektes auf das Präsentationsmedium (z. B. Laptop) klar umrissen sind.

Praxistipps zeigen Ihnen, worauf Sie bei der Umsetzung der einzelnen Videoformate achten sollten: Bei Explainity-Clips etwa gilt die Regel „Tell one story only“ (S. 5), How-to-Videos haben „ein angemessenes Tempo, sodass man dem Gezeigten gut folgen kann“ (S. 6), bei Vlogging-Videos steht die Botschaft im Vordergrund und der Moderator ist lediglich dazu da, „um Aufmerksamkeit und Empathie bei den Zuschauern zu erzeugen“ (S. 7). Bei allen Videoformaten sind natürlich Störgeräusche und Ruckeln beim Filmen zu vermeiden.

Der zeitliche Aufwand für den Lernvideo-Kurs hält sich im Rahmen: Für die Gruppenarbeitsphase, in der das Erklärvideo produziert wird, setzen die Autoren gerade einmal eine halbe bis ganze Stunde an. Das ist aber wahrscheinlich bei digitalen Neulingen ein wenig zu knapp bemessen.

Anschließend „sollten die produzierten Filme gemeinsam gesichtet, die Erfahrungen reflektiert und Einsatzmöglichkeiten der Erklärvideo-Produktion im Fachunterricht diskutiert werden“, raten die Redakteure von FILM+SCHULE NRW (S. 3). Nimmt man noch zwei oder drei Stunden hinzu, um vor Drehbeginn die technischen Voraussetzungen, die Geräte und das reibungslose Zusammenspiel von Hard- und Software auszuloten, reichen bei durchschnittlich medienaffinen Nutzern ein bis zwei Tage für den Workshop völlig aus.

Vielleicht ist das auch eine Initialzündung für einen eigenen schulinternen digitalen Lernkanal mit Lern- und Erklärvideos durch die eigenen Lehrerinnen und Lehrer.

Martina Niekrawietz

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