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Meinungsbildung

Fakten statt Fake-News!

Fake-News sind gefährlich, aber das Enttarnen kann Spaß machen. Das Netz bietet dazu Tools, Videos und Unterrichtsvorschläge, die sich für eine Freistunde ebenso eignen wie für ein mehrstündiges Unterrichtsprojekt. 

Meinungsbildung: Fakten statt Fake-News! Was ist Lüge, was ist Wahrheit? Das ist im Internet nicht so einfach auseinanderzuhalten © freshidea - Fotolia.com

Für „alarmierend“ hält Christa Gebel in ihrem ZEIT-Beitrag „Aktuell ist wichtiger als überprüft“ die Ergebnisse einer Studie der Stanford University (hier eine Zusammenfassung in englischer Sprache im „Wall Street Journal), „wonach die meisten amerikanischen Jugendlichen nicht zwischen glaubwürdigen Nachrichten und Fake-Nachrichten unterscheiden können“. Mit Donald Trump wählten die amerikanischen Erwachsenen im November 2016 einen Präsidenten, der belegbare Tatsachen leugnet, mit „alternativen Fakten“ punktet und die freie, unabhängige Presse diskreditiert. In dem Maße, in dem Lügen zum gesellschaftsfähigen Mittel der Politik (Link siehe oben) werden und unreflektierte Emotionen einen auf gesicherten Fakten basierenden demokratischen Diskurs verdrängen, steigt der Einfluss populistischer Kräfte und die Demokratie ist bedroht. 

Und wie sieht es in Europa bzw. in Deutschland aus? Auch hier gewinnen Rechtspopulisten an Boden, und der Begriff „postfaktisch“ wurde hierzulande sogar zum „Wort des Jahres 2016“ gekürt. — Ein Beleg dafür, dass das Wort „den öffentlichen Diskurs des Jahres wesentlich geprägt und das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben sprachlich in besonderer Weise begleitet“ hat, wie die Gesellschaft für deutsche Sprache auf ihrer Website wissen lässt. 

Besonders in den neuen Medien sind Fake-News nicht nur ein Mittel, um Klicks zu generieren und Geld zu verdienen, sondern auch ein politisches Mittel, um Angst, Wut und Hass zu schüren oder auch, um den Ausgang von Wahlen gezielt zu beeinflussen. Fake-News von seriösen Meldungen zu unterscheiden ist deshalb nicht nur ein wichtiges Lernziel im Medien- oder Politikunterricht, sondern eine zentrale Qualifikation im Rahmen einer fächerübergreifenden Demokratie-Erziehung im Sinne der Kultusministerkonferenz. Der folgende Beitrag unterstützt Lehrkräfte dabei mit Hintergrundwissen, Anregungen und Materialien für den Unterricht.

Fake-News: Begriffsabgrenzung und Hintergrund-Infos

Wie unterscheiden sich „Fake-News“ von „Bots“, „Trollen“ und „Sockenpuppen“? Markus Reuter grenzt die Begriffe in seinem ausführlichen und gut verständlichen Beitrag auf netzpolitik.org voneinander ab und erklärt mit Beispielen, was genau unter Fake-News, zu Deutsch „falsche Nachrichten“, fällt. 

Fake-News können laut Reuter „unterschiedliche Hintergründe“ haben: In den wenigsten Fällen sind sie einfach nur schlecht recherchiert oder Satire. Meist handelt es sich dabei um bewusste Falschdarstellungen mit dem Zweck, die Leser aus politisch oder kommerziell motivierten Gründen zu manipulieren. Frappierend ist besonders die Vielzahl von Falschmeldungen über Asylsuchende, die auf einer Deutschlandkarte anzeigen, wo überall schon fremdenfeindliche Gerüchte über Flüchtlinge aufgetaucht sind (thematisch gegliedert nach verschiedenen Straftatbeständen, Krankheiten, Hygieneproblemen etc.). 

Enttarnungs-Tools 

Besonders in den Sozialen Medien finden sich Fake-News zuhauf. Nach monatelangem Tauziehen hat nun endlich auch Marc Zuckerberg auf die Unzahl von Falschmeldungen bei Facebook reagiert (Details dazu in einem Artikel von Carolina Schwarz in der taz). Schon vorher hatten amerikanische College-Studenten (übrigens innerhalb von nur 36 Stunden!) mit fIB ein kostenfreies Programm entwickelt, das Fake-News auf Facebook enttarnt. Das ARD-Nachtmagazin berichtet in einem Video über die jungen Entwickler und ihre Software. 

Das Computermagazin chip stellt in einem kurzen Videotutorial und in einem ausführlicheren Artikel weitere Tools vor, mit deren Hilfe man Fake-News nachrecherchieren kann: Mit der Google-Bildersuche und vergleichbaren Suchprogrammen lässt sich zum Beispiel ein Bild im Netz auf Echtheit checken. Eine Personen-Suchmaschine hilft dabei, die „Autoren“ zu durchleuchten, und die Web-App FactCheck.org deckt Falschmeldungen in der US-Politik auf.

Unterrichtseinheit: Fake-News checken in drei Schritten

Mit dem Webportal (Deutschlehrer, weghören!) „So geht MEDIEN“ erklären ARD, ZDF und Deutschlandradio Schülern, wie Medien funktionieren. Hier finden Lehrer eine zweistündige Unterrichtseinheit für Schüler der Jahrgangsstufen 8 bis 10, die auf den Unterricht in verschiedenen Fächern ausgelegt ist. Ausgangspunkt ist dabei ein kurzes Video zum Thema „Lügen im Internet erkennen“, das anhand interessanter Beispiele zeigt, wie Fake-Videos entstehen und wie Fake-News in drei Schritten erkannt werden können:

  1. Check der Quelle (falls angegeben) auf Seriosität und Vollständigkeit 
  2. Inhaltlicher Faktencheck 
  3. Bildrecherche per Bilderrückwärtssuche

Die Arbeit mit dem Video eignet sich auch für eine einzelne Schulstunde, in der das sechsminütige Video angesehen und die drei Schritte anhand verschiedener Falschmeldungen im Netz angewendet werden.

Fake-News-Check für „zwischendurch“ 

Fact-News checken ist eine komplexe Angelegenheit und sollte regelmäßig im Unterricht aller Fächer thematisiert werden. Mit den mittlerweile zahlreichen gut gemachten und jugendgerechten Videos im Netz lässt sich das wichtige Thema auch einmal „zwischendurch“ aufgreifen. Zum Beispiel im Englischunterricht in englischer Sprache in verschiedenen Schwierigkeitsstufen von leicht (Beispiel: „Fact Checking“) bis anspruchsvoll (Beispiel: „How to Spot Fake News — FactCheck.org“). 

Im Deutsch- bzw. Politikunterricht oder zum Abschluss einer Unterrichtseinheit zum Thema Fake-News könnten auch einmal die ersten 11,5 Minuten des Beitrags des Medienmagazins ZAPP gezeigt werden. Hier geht es nicht nur darum, wie rechte Gruppierungen eine Falschmeldung für ihre Zwecke nutzen, sondern auch um die Internetplattform klagemauer.tv, die mit rechtspopulistischen Falschmeldungen und Verschwörungstheorien im Netz gegen seriöse Medien hetzt (hier dazu ein Beitrag auf der Website des Bayerischen Rundfunks).

Wer eine Freistunde produktiv nutzen möchte, spielt einfach mit den Schülern eine Runde „Fake-News Bingo für Soziale Netzwerke“. Die Anleitung dazu findet sich auf der Website saferinternet.at als Download. Die Aufgabe: Fake-News in einem beliebigen sozialen Netzwerk zu typischen Themen („Bestimmte Gruppen verhalten sich ‚schlecht‘“, „Tiere werden auf spektakuläre Weise gerettet“ ...) oder gemäß gewisser Kennzeichen („emotionale Begriffe, z. B. schrecklich, unfassbar, „Lügenpresse“, „Bilder mit roten Einkreisungen und Pfeilen“ ...) aufspüren. Besonders viel Spaß macht es den Schülern, wenn verschiedene Gruppen gegeneinander antreten.

Die Bingokarte kann — je nachdem, wie viel Zeit für die Aufgabe zur Verfügung steht — natürlich auch in reduzierter Form bearbeitet werden. 

Fake-News enttarnen für Fortgeschrittene

„Fakt oder Fake“ ist der Titel einer Unterrichtseinheit (Stand Februar 2017) für Jugendliche ab 14 Jahren auf klicksafe.de. Das Konzept ist auf eine 45-Minuten-Stunde ausgelegt, kann aber ohne weiteres auch auf 90 Minuten ausgedehnt werden und bietet dann ausreichend Zeit für Diskussionen und Arbeitsaufträge zu dem doch sehr komplexen Thema. 

Zum Einstieg sehen die Schüler entweder das Video „Fact Checking“) oder — weitaus spannender — sie erstellen gemeinsam oder in Partner- oder Gruppenarbeit eine Fake-Nachricht mithilfe der Website www.24aktuelles.com. Anschließend erarbeiten sie anhand von Hetz-Meldungen aus dem Netz Indikatoren für bewusste Falschmeldungen. 

Der oben beschriebene mehrschrittige News-Check gemäß der Kriterien „Quelle“, „Fakten“, „Bilder“ und „Aktualität“ wird in den didaktisch-methodischen Hinweisen zwar detailliert beschrieben (S. 5), jedoch in dieser Unterrichtseinheit nicht explizit eingeübt. Hierauf sollte unbedingt eine Extrastunde verwendet werden.

Dafür behandeln die Autoren des Unterrichtskonzepts in der Phase der Ergebnissicherung zwei andere wichtige Aspekte: Sie sammeln seriöse Quellen und zudem Ideen, was man gegen rechtsextrem motivierte Fake-News tun kann. An dieser Stelle kommt das Poster „Achtung Hinterhalt!“ von der Website jugendschutz.net zum Einsatz: Es bietet hilfreiche Links, 

  • um rechten Fake-News zu widersprechen, 
  • um sich in Eigenregie über Tools zum Entlarven von Falschmeldungen zu informieren,
  • um Bilder zu checken
  • oder um sich an Profis zu wenden, die Fake-News aufdecken. 

Fake-News keine Chance geben

Angesichts der Gefahr, die von tendenziösen Falschmeldungen ausgeht, ist Petzen nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich geboten. Immer häufiger nehmen jetzt deshalb auch seriöse Medien gefälschte Nachrichten ins Visier. So hat sich die ARD „dazu entschlossen, das Thema journalistisch anzupacken“: Im April 2017 ging deshalb das Projekt faktenfinder an den Start: Gezielte Falschnachrichten werden identifiziert, gesammelt und auf Relevanz überprüft. Wer „gezielte Falschmeldungen“ entdeckt, sollte diese einfach an faktenfinder(at)tagesschau.de weiterleiten.

Und unter no-hate-speech.de/melden erfahren die Schüler, an welche Stellen sie sich in den verschiedenen sozialen Medien wenden können (Linkliste!) und wie und wo man Anzeige erstatten kann. Denn — und auch das ist im Zusammenhang mit dem Thema „Fake-News“ eine wichtige Information für die Schüler — das Internet ist kein rechtsfreier Raum, und Volksverhetzung, Vortäuschen einer Straftat, Verleumdung, Beleidigung oder üble Nachrede können auch dort verfolgt werden.

Martina Niekrawietz

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