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Was Schüler von YouTube-Stars lernen können

Sie berichten über Beauty, Games, News, Lifestyle — und sogar Bildung: Video-Blogger sind unter Schülern sehr beliebt. Wie Schüler lernen können, die Webvideos kritischer zu hinterfragen, lernen sie, indem sie selbst einen Video-Blog drehen.

Video-Blog: Was Schüler von YouTube-Stars lernen können Wenn Schüler selbst ein Video für einen Vlog drehen, merken sie erst, worauf es auch zum Thema Datensicherheit ankommt © SolisImages - Fotolia.com

Video-Blogger wie „LeFloid“, „YTitty“ oder „Dagi Bee“ haben einen starken Einfluss auf die heutige Jugendkultur. Sie haben Millionen junge Follower, die die Videos fleißig liken, kommentieren und teilen. Bei Events wie den „Video Days“ oder dem „Deutschen Webvideopreis“ wird ihre Beliebtheit sichtbar: Tausende junge Fans versammeln sich, um ihre Internet-Helden live zu sehen.

Manche Video-Blogger, auch „Vlogger“ genannt, haben selbst als Schüler angefangen und verdienen heute ihren Lebensunterhalt mit ihren Vlogs. Eine Traumvorstellung für viele Jugendliche. Doch die Schüler sollten sich auch kritisch mit den Videos auseinandersetzen. Das geht am besten, wenn sie selbst einen Vlog drehen. Nur so können sie nachvollziehen, was ein Vlogger leisten muss, damit ein Video „cool“ wirkt. Und sie lernen einiges über Schleichwerbung, Privatsphäre und Datenschutz dazu.

Natürlich müssen die Vlogs nicht bei YouTube veröffentlicht werden. Die Schüler können ihre selbst gedrehten Videos im Unterricht präsentieren und gemeinsam darüber diskutieren. In drei Schritten lernt die Klasse, das Medium zu reflektieren und kritisch zu hinterfragen.  

1. Recherche: Merkmale von Video-Blogs sammeln und strukturieren

Damit ein Vlog gelingt, braucht es zunächst eine gute Recherche. Es gibt mittlerweile unzählige Vlogger im Netz. Lehrer, die YouTube nur gelegentlich nutzen, können sich vorab auf der Website des Deutschen Webvideopreises einen guten Überblick verschaffen. Auch die Schüler können auf der Seite stöbern und ihr Wissen über die Vlogger-Community erweitern.

Dann geht es darum, sich auf einzelne Vlogs zu konzentrieren. In Gruppenarbeit einigen die Schüler sich auf je einen Vlogger, der ihnen am besten gefällt. In zwei bis drei Sätzen schreiben sie auf ein Din-A3-Blatt, worum es in dem Vlog geht. Daraus soll eine Mindmap entstehen: Die Schüler notieren inhaltliche Merkmale (z. B. witzig, spannend, originell) und visuelle Merkmale (z. B. bunt, steril, fröhlich, seriös). Anschließend führt jede Gruppe ein Video des Vloggers vor und erläutert die Begriffe der Mindmaps.

2. Diskussion: Den Einfluss von Video-Blogs kritisch hinterfragen

Im nächsten Schritt geht es darum, was sich hinter den Kulissen eines Vlogs abspielt. In der Webdoku „Die YouTuber — Stars einer neuen Generation“ erzählen drei Vlogger, wie ihr „Arbeitsalltag“ aussieht. Die Schüler können anhand der Doku die Aspekte herausarbeiten, die den Vloggern wichtig sind, wie zum Beispiel künstlerische Freiheit, Originalität, Glaubwürdigkeit, Interaktion und Privatsphäre. Diese Begriffe werden mit einer weiteren Mindmap veranschaulicht. Die Schüler verschaffen sich damit Klarheit über wichtige Aspekte eines Vlogs und es fällt ihnen nachher leichter, ein eigenes Konzept zu entwerfen.

Weiterführende Informationen:

Zur Unterrichtsvorbereitung empfiehlt sich der Text „YouTube als Teil der Jugendkultur“ über die gängigen YouTube-Genres. Darunter fällt auch das Genre „Personal Blog“ bzw. „Vlog“.

Der Galileo-Beitrag „Wie man mit YouTube Geld verdienen kann“ informiert über die Bedingungen, die YouTuber erfüllen müssen, um Geld zu verdienen.

An dieser Stelle ist auch eine gute Gelegenheit, die Eckdaten der Vlogs genau unter die Lupe zu nehmen. Wie viele Abonennten und Likes weisen die Vlogs auf? Wo taucht Werbung auf? Werden die Vlogger gesponsert oder platzieren sie Produkte in den Videos? In einer anschließenden Diskussionsrunde erörtern die Schüler, welche Argumente für und welche gegen die Vermarktung von Vlogs sprechen. Denn ein Vlog ist zeitaufwendig und erzeugt Kosten. Was spricht dagegen, diese Kosten mit Werbeeinnahmen zu decken? Oder gar den Lebensunterhalt mit seinem Hobby zu verdienen? Dabei stehen auch Fragen zur Diskussion, wie: Wie weit sollte ein Vlogger gehen? Sollte er dem Zuschauer Produkte anpreisen, nur um damit Geld zu verdienen?

Fragen wie diese schärfen die Medienkompetenz. Die Schüler versetzen sich in die Lage eines Vloggers, der gern von seinen Videos leben würde, durchdenken aber auch ihre Rolle als Zuschauer, der womöglich von Schleichwerbung beeinflusst wird.  

3. Umsetzung: Konzeption und Produktion eines Vlogs

In dieser Unterrichtsphase ist Kreativität gefragt. Jede Gruppe erarbeitet nach einem Brainstorming ein Exposé: Was ist die Kernidee und das Grundthema? Auf welche Art und Weise soll berichtet werden? Die Schüler können sich hierfür an den vorher erstellten Mindmaps orientieren. Die Vorgabe: Der Vlog muss sich um das Thema Schule drehen. Die Schüler sollen sich überlegen, wie ein Schulthema spaßiger, unterhaltsamer oder kreativer dargestellt werden kann, zum Beispiel: „Wir rappen Goethe“, „Die witzigsten Spickzettel“, „Geschichte in 60 Sekunden“ oder „Mathematik für Faulenzer“. — Es gibt viele Möglichkeiten, ein Bildungsthema jung und netzgerecht darzustellen. Vlogger wie „MrWissen2Go“ oder „Die Klugscheisserin“ sind gute Beispiele dafür.

Die jeweilige Gruppe entscheidet, wer und wie viele Personen vor der Kamera sprechen bzw. agieren sollen. Damit die Aufnahme gelingt, wird der zu sprechende Text vorher gemeinsam entworfen und  stichwortartig notiert. Die Aufnahme sollte nicht mehr als drei Minuten dauern. Webvideos, die länger sind, wirken schnell ermüdend. Um das Ganze aufzulockern, können die Schüler auch Wörter und Sätze auf bunte Pappen schreiben und sie während der Aufnahme ins Bild halten — eine simple und kreative Art, Grafiken einzublenden.

Es folgen die Dreharbeiten. Vlogger verwenden ein überschaubares Equipment: eine Digitalkamera, ein Mikrofonaufsatz, ein Stativ und eine günstige „Softbox“ für ein angenehmes Licht. Die Schüler stellen das Equipment vor einem Hintergrund ihrer Wahl auf, zum Beispiel vor eine Wand mit bunten Postern oder einem Regal mit bunten Gegenständen. Aber auch eine weiße Wand kann je nach Konzept passend sein.

Mit Programmen wie dem kostenlosen Windows-Movie-Maker oder Apples kostenloser Software iMovie können die Aufnahmen dann geschnitten werden. Vlogs werden so minimal wie möglich bearbeitet — so wirken sie spontaner und glaubwürdiger. Einzelne Sätze oder Versprecher werden entfernt, längere Sequenzen, wie zum Beispiel das Zeichnen einer Skizze, können im Zeitraffer zusammengefasst werden.

Hat jede Gruppe ihren Vlog fertiggestellt, können sie die Videos den Mitschülern präsentieren. In einer letzten Reflektionsphase halten sie fest: Wie wirkt der Vlog auf den Zuschauer? Was ist daran originell? Was hätte man besser machen können? Und nicht zu vergessen: Wie viel gibt der Sprecher von sich und seiner Privatsphäre preis? Könnte man das Video ohne Bedenken im Internet veröffentlichen?

Am Ende haben die Schüler nicht nur ihre Kreativität und ihr Wissen medial dokumentiert, sie haben auch gelernt, Webvideos besser einzuschätzen und kritisch zu hinterfragen. Außerdem haben sie nachher ein sensibleres Gespür für wichtige Aspekte wie Privatsphäre und Datenschutz. Ein Vlog ist eine unterhaltsame und praxisnahe Methode, um die Medienkompetenz der Schüler zu stärken.

Ananda Bräunig

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