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Selbstreflektion im Lehreralltag

Methode zur Selbstreflexion für Lehrkräfte

Im Referendariat und im Berufsleben ist es für Lehrkräfte notwendig sich im eigenen Handeln zu überdenken. So kann man aus seinem Handeln lernen. Wir stellen eine Methode zur Reflexion vor.

Selbstreflektion im Lehreralltag: Methode zur Selbstreflexion für Lehrkräfte Zeit nehmen, gehört zur Selbstreflexion © stanciuc - stock.adobe.com

Der amerikanische Philosoph und Hochschulprofessor Donald Alan Schön hat bereits 1983 in seinem Buch „The Reflective Practitioner“ (New York, 1983) darauf aufmerksam gemacht, dass herkömmliches Fachwissen und Expertise heutzutage nicht mehr ausreichen, um der wachsenden Komplexität und Unbeständigkeit beruflicher Praxis gerecht zu werden. Er postulierte die Notwendigkeit zur Selbstreflexion im beruflichen Kontext, ein Aspekt, der sich inzwischen vollkommen in der schulischen Ausbildungspraxis etabliert hat. Schon im Referendariat arbeiten die angehenden Lehrkräfte an einer reflektierten Praxis. Doch auch später im Berufsleben wird es für Lehrkräfte immer wieder notwendig und wichtig sein, im Sinne des reflektierenden Praktikers zu agieren und sich im eigenen Handeln neu zu überdenken. Reflexivität beinhaltet in diesem Sinne die Fähigkeit, mit Veränderungen umzugehen und aus Erfahrungen zu lernen und zu handeln.

Raus aus der Grübelfalle

Weiterführende Literatur

Greif, Siegfried (2008): Coaching und ergebnisorientierte Selbstreflexion. Göttingen.

Schön, Donald A. (1983): The reflective practitioner. How professionals think in action. New York.

Tisdale, Tim (1998): Selbstreflexion, Bewusstsein und Handlungsregulation. Weinheim.

Was bedeutet nun eigentlich Selbstreflexion, die mehr als eine ungezielte Grübelei über Gewesenes darstellen könnte? Selbstreflexion ist die zentrale Kompetenz für erfahrungsbasiertes Lernen und damit auch für professionelles Lehrerhandeln. Siegfried Greif (2008) beschreibt aus psychologischer Sicht unterschiedliche Ausprägungen von Selbstreflexion (vgl. Greif 2008, S. 35ff). Eine ergebnisorientierte Selbst- und Problemreflexion wird demnach als bewusster Prozess erklärt, in dem eine Person die eigenen Vorstellungen und Handlungen durchdenkt und Folgerungen für künftiges Handeln daraus zieht.

Nach Tisdale (1998) erfüllt Selbstreflexion drei wesentliche Funktionen:

  1. Denken und Handeln werden verändert, indem man die erlebte Situation als nicht zielführend erkennt
  2. Das eigene Denken und Handeln wird mit Erfahrungswerten aus bereits erprobten Abläufen abgeglichen
  3. Selbstreflexion strukturiert das künftige Denken und Planen, indem es immer wieder auf Situationsangemessenheit überprüft

Im schulischen Setting werden vielfältige Möglichkeiten zur Selbstreflexion angeboten, sei es Einzelsupervision, Gruppensupervision, Fortbildung oder schulpsychologische Angebote. Auch die Kollegiale Hospitation mit gegenseitiger Unterrichtsbeobachtung ist ein Baustein, ebenso wie Teamgespräche und Kollegiale Fallberatung.

Portfolio beleuchtet eigenes Erleben

Wer lieber indirekt in eine selbstreflektierende Praxis gehen möchte, kann auf die praxisbegleitende Führung eines Lerntagebuchs bzw. Portfolios zurückgreifen. Dies wird begleitend geführt und bietet die Möglichkeit, es mit einem Mentor/ einer Mentorin zu besprechen. Das eigene Erleben wird professionell beleuchtet und beschrieben, um eine Grundlage für den Austausch und die daraus resultierenden Veränderungsmöglichkeiten zu schaffen.

Persönliche Erfahrungen im Lehrerleben, prägende Ereignisse und Beobachtungen in der Schule sowie eigene Entwicklungsschritte werden im Portfolio festgehalten. Besonders wichtig sind die persönlichen Stellungnahmen und Gedanken dabei. Wie hat die Situation auf mich gewirkt? Wie konnte ich das Problem schließlich lösen? Wer/ was hat mir dabei geholfen?

Portfolio als professionelles „Poesiealbum“

Dabei darf das Erstellen eines Entwicklungsportfolios auch Freude bereiten und eine schöne Erinnerung zu (Erfolgs-)Erlebnissen schaffen. Ähnlich einem Poesiealbum oder Tagebuch kann es auch zu späteren Zeitpunkten anregend und zufriedenstellend sein, darin zu lesen. Die Zusammenstellung soll Spaß machen, ästhetisch ansprechen und inhaltlich ordnen. Man legt eine Sammlung an, führt Dokumente, Fotos oder andere Schriftstücke zusammen, legt Beispiele aus dem Schulalltag bei und verwendet Ausschnitte von Fachartikeln oder interessanten Büchern.

Sinnvoll ist es, sich zunächst einen begrenzten Zeitraum, z. B. das laufende Schuljahr zu gliedern und eine grobe Vorstellung zu fixieren, welche Aspekte zur Reflexion man festhalten möchte. Abseits vom amtlich zu führenden Schriftwesen stellt das eigene Portfolio einen Ort dar, an dem man alles ablegen kann, was der eigenen Weiterentwicklung und Selbstreflexion dient.

Das Portfolio hilft, eine Zäsur im Alltag zu setzen, Dinge im doppelten Wortsinn festzuhalten und damit die Möglichkeit zu schaffen, sie von allen Seiten so zu beleuchten, dass eine Veränderung möglich wird. So können dann praktische Erfahrungen und wissenschaftliches Wissen in der Weise zusammenwirken, dass Professionalität entsteht.
Um mit Soren Kierkegaard zu schließen: „Verstehen kann man das Leben rückwärts, leben muss man es vorwärts“.

Claudia Omonsky


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