Fach/Thema/Bereich wählen
Dienstunfähig

Drohen finanzielle Einbußen bei längerer Krankheit?

Ob Unfall, Burnout oder Rückenprobleme, oft dauert es lange, bis jemand so weit genesen ist, dass er wieder arbeiten kann. Das ist problematisch, denn wenn Lohn- oder gar Krankengeldanspruch auslaufen, beziehungsweise eine vorzeitige Pensionierung in Betracht gezogen wird, droht eine finanzielle Dursstrecke.

Dienstunfähig: Drohen finanzielle Einbußen bei längerer Krankheit? Damit ein längerer Krankenhausaufenthalt nicht auch noch beruflich Probleme nach sich zieht, ist es wichtig, Vorkehrungen getroffen zu haben © WavebreakMediaMicro - Fotolia.com

„Bleibende Schäden habe ich nicht davon getragen", sagt Bernd Stöter (Name geändert). „Nach Ansicht der Ärzte hätte das auch anders ausgehen können." Trotzdem fällt es ihm schwer, im Zusammenhang mit seinem Unfall von „Glück im Unglück" zu reden.

Stöter fährt abends mit seinem Motorrad auf einer Landstraße, als plötzlich ein Wildschwein die Fahrbahn kreuzt. Der 54-Jährige ist ein versierter und seiner Einschätzung nach vorsichtiger Fahrer, dennoch hat er keine Chance. Er stürzt schwer, zieht sich diverse Knochenbrüche, Schürfwunden und innere Verletzungen zu. Die Behandlung im Krankenhaus dauert mehrere Wochen, daran schließt sich ein Aufenthalt in einer Reha-Klinik an. Insgesamt ist Stöter knapp sieben Monate krankgeschrieben.

Großer Unterschied zwischen verbeamteten und angestellten Lehrern

Beamte sind bei derartig langen Ausfällen klar im Vorteil. Sie erhalten die gesamte Zeit über den vollen Sold. Das ist bei Angestellten anders. Nach sechs Wochen läuft ihr Lohnanspruch aus. Stattdessen zahlt die Krankenversicherung ein Krankengeld, dessen Höhe sich auf 70 Prozent des Bruttogehalts beläuft. Der Maximalbetrag ist gedeckelt, er liegt bei  2887,50 Euro pro Monat.

Krankengeld kann in einem Zeitraum von drei Jahren maximal 78 Wochen bezogen werden. Damit es nicht zu einem finanziellen Engpass kommt, sollten Betroffene sich spätestens drei Monate bevor die Krankenkasse die Überweisungen stoppt, erkundigen, wie sie ihren Unterhalt sicherstellen können. Neben der Arbeitsagentur können Renten- und — wenn vorhanden — Berufsunfähigkeitsversicherung zuständig sein.   

Vorzeitiger Ruhestand: mit Abschlägen verbunden

Beamte können bei langen Ausfallzeiten in den vorzeitigen Ruhestand versetzt werden. Gemäß § 26 Abs. 1 Beamtenstatusgesetz kommt das in Betracht, wenn jemand innerhalb eines halben Jahres mindestens drei Monate dienstunfähig ist und voraussichtlich auch bleiben wird. Ein zeitlicher Rahmen dafür wird im Beamtenstatusgesetz nicht abgesteckt, stattdessen wird auf die Landesgesetze verwiesen. In den meisten Bundesländern wird jemand vorzeitig in Pension geschickt, wenn nach mindestens zwölfwöchiger Erkrankung nicht davon auszugehen ist, dass er in sechs Monaten wieder dienstfähig sein wird.

Oft geht das mit empfindlichen finanziellen Einbußen einher. Wird jemand vorzeitig pensioniert, muss er mit Abschlägen rechnen. Wer weniger als fünf Jahre gearbeitet hat, hat keinen Anspruch auf ein Ruhegehalt. Beamte auf Probe bekommen im Allgemeinen nur dann Pension, wenn sie aufgrund ihrer Tätigkeit dienstunfähig geworden sind.

Rehabilitation statt Versorgung

Allerdings gilt im Beamtenrecht der Grundsatz „Rehabilitation statt Versorgung". So können Lehrer, die nicht mehr dazu in der Lage sind, in vollem Umfang zu arbeiten, gemäß § 27 Abs.1 BeamtStG mit verringerter Stundenzahl unterrichten. Wer seine bisherige Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen gar nicht mehr ausführen kann, kann gemäß § 26 Abs. 3 BeamtStG anderweitig eingesetzt werden.

Entsprechend einem Bundesverwaltungsgerichtsurteil (BVerwG 2 C 73.08) ist die zuständige Behörde dazu verpflichtet, aktiv nach einer Weiterbeschäftigungsmöglichkeit für berufsunfähige Beamte zu suchen. Ein bloßes Nachfragen bei anderen Ämtern, ob zufälligerweise Bedarf besteht, reicht nicht aus. Falls erforderlich kann auch die Schwerbehindertenvertretung hinzugezogen werde.

Wiedereingliederungsprogramme für Lehrer

Bernd Stöter hat an einem Wiedereingliederungsprogramm für Lehrkräfte teilgenommen, die aus gesundheitlichen Gründen längere Zeit nicht arbeiten konnten. Derartige Maßnahmen werden in diversen Bundesländern angeboten, so zum Beispiel in Niedersachsen. Gemäß § 11 der Niedersächsischen Verordnung der Beamtinnen und Beamten an öffentlichen Schulen kann zunächst mit einer niedrigeren Stundenzahl begonnen werden, die stufenweise erhöht wird. Üblicherweise wird hierfür ein Zeitraum von einem Schulhalbjahr angesetzt, falls erforderlich, kann er verdoppelt werden. Anders als bei einer regulären Teilzeitstelle wird das Gehalt nicht anteilig zur Stundenzahl gemindert, sondern in voller Höhe ausgezahlt. In Betracht kommt das Programm für alle, die innerhalb eines Zeitraums von zwölf Monaten mindestens sechs Wochen krank waren. Die Teilnahme ist freiwillig.

Stefan Hirsch

Dazu passender Ratgeber
Dazu passende Arbeitshilfe

Mehr zu Ratgeber Beruf
Cookies nicht aktiviert

Ihr Browser akzeptiert derzeit keine Cookies.

Wenn Sie das Lehrerbüro in vollem Umfang nutzen möchten, dann muss in Ihrem Browser die Nutzung von Cookies erlaubt sein.

Was Cookies genau sind und wie Sie die Browser-Einstellungen ändern können, erfahren Sie auf dieser Seite: Cookies nicht aktiviert

×