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Kollegium

Konflikte mit der Schulleitung: Was ist zu tun?

Gelegentliche Meinungsverschiedenheiten mit dem Vorgesetzten gehören zum Arbeitsalltag - auch im Kollegium. Doch wenn zwei berechtigte Interessen aufeinander prallen, können daraus ernsthafte Probleme entstehen.

Kollegium: Konflikte mit der Schulleitung: Was ist zu tun? Sonderurlaub, Stundenplan, Vertretungsstunden: Konfliktpotential zwischen Schulleiter und Lehrer © iStockphoto.com/track5

„Die Arbeit war nicht zu schwer. Nur denken in dieser Klasse viele, für Deutsch braucht man nicht zu lernen“, sagt Christoph Köhler verärgert. In dem Aufsatz hatten 14 von 26 Schülern seiner Klasse eine Fünf oder eine Sechs geschrieben. Bei derartigen Ergebnissen muss der Rektor die Gültigkeit der Noten bestätigen, doch der Vorgesetzte von Köhler weigert sich. „Was folgt daraus? Soll man unterdurchschnittliche Anforderungen stellen, wenn ein Fach von den Schülern nicht ernst genommen wird?“ Der Realschullehrer vermutet, dass sein Schulleiter Problemen mit Schülern und Eltern vorbeugen wollte. Dennoch hätte er sich mehr Rückendeckung gewünscht. Dass Konflikte mit der Schulleitung eskalieren, ist selten. Gelegentliche Misstöne gehören dagegen zum Alltag, besonders dann, wenn zwei berechtigte Interessen einander entgegenstehen. Wird z.B. Sonderurlaub oder eine Fortbildung beantragt, sodass Unterricht auszufallen droht, soll jemand Mehrarbeit übernehmen oder werden Stundenplanwünsche nicht erfüllt, ergibt sich daraus ein gewisses Konfliktpotential. Auch wenn sich Eltern bzw. Schüler über einen Lehrer beschweren oder pädagogische Konzepte stark divergieren, können Schwierigkeiten entstehen.

Links zum Thema:

Auf der Website der nieder-sächsischen Landesschul-behörde findet man Infor-mationen zu den dort aktiven Schulbezirkspersonalräten.

Die Personalvertretung wird auf Landesebene gesetzlich reguliert, die Vorschriften der einzelnen Bundesländer ähneln sich jedoch in hohem Maße. Die in Niedersachsen geltenden Rechtsnormen finden sich zum Beispiel hier.

Die Gewerkschaften bieten ihren Mitgliedern eine kostenlose Rechtsberatung an. Die GEW-Hessen macht hier auf diese Möglichkeit aufmerksam, in anderen Bundesländern gibt es ähnliche Angebote.

Die rechtliche Situation

Kommt es zum Konflikt mit dem Schulleiter, sollte man Ruhe bewahren. Wer sich Bedenkzeit erbittet, vermeidet den Fehler, vorschnell zu reagieren, und hat die Möglichkeit, seine eigene Position zu hinterfragen. Oft kann es helfen, sich über die rechtlichen Hintergründe einer strittigen Situation zu informieren. Wie viel Mehrarbeit einem Lehrer beispielsweise zugemutet werden darf, ist in den entsprechenden Gesetzen der Bundesländer festgeschrieben.

Das Oberverwaltungsgericht Münster hat in einem Urteil vom 17.1.1997 außerdem entschieden: „Mehrarbeit kann nur angeordnet werden, wenn dies zur Erledigung wichtiger, unaufschiebbarer Aufgaben unvermeidbar notwendig ist und wenn die Umstände, die die Mehrarbeit erfordern, vorübergehender Natur sind und eine Ausnahme gegenüber den sonst üblichen Verhältnissen darstellen.“ (Aktenzeichen: 6 A 7153/95)

Dasselbe gilt für andere typische Konfliktfelder, wie Sonderurlaub oder die Teilnahme an Klassenfahrten und Schulausflügen. Auch hier existieren verbindliche Regelungen, die sich nicht mit einem „Anders geht’s halt nicht!“ beiseite wischen lassen. Wer seine Position mit einem Hinweis auf die juristische Lage untermauert, kann schwerlich übervorteilt werden.

Personalräte können vermitteln

Auch die Personalräte können bei Konflikten helfen und vermittelnd eingreifen. Dazu Klaus Teichmann, Haupt- und Realschullehrer sowie Mitglied eines Personalrates: „Die Aufgaben der Personalräte ergeben sich aus dem Personalvertretungsgesetz. Dazu zählen die Mitwirkung an Personalentscheidungen, die Überwachung der Einhaltung zugunsten der Beschäftigten erlassener Gesetze und die Entgegennahme von Beschwerden. Wir können bei Konflikten als vermittelnde Instanz hinzugezogen werden, allerdings sind unsere Entscheidungen nicht immer verbindlich.“

Das heißt, dass der Personalrat in vielen Fällen lediglich eine Empfehlung ausspricht. Es bleibt dem Rektor überlassen, ob er sich daran hält oder nicht. Der Vorteil: Durch ein solches Vorgehen wird die Beziehung zum Vorgesetzten nicht so sehr belastet, wie zum Beispiel durch eine Klage. Ein kollegiales Miteinander, das beiden Seiten entgegenkommen dürfte, ist weiterhin möglich.

Abberufung nur in Extremfällen

Und das ist wichtig, denn lassen sich die Wogen nicht mehr glätten, ist guter Rat teuer. Während bei einem stellvertretenden Schulleiter einiges von der Zustimmung des Kollegiums abhängt, hat man gegen einen regulär eingesetzten Rektor kaum eine Handhabe. Nur in Extremfällen kommt es vor, dass Schulleiter ersetzt werden.

So zum Beispiel an der Bernhard-Riemann-Schule im niedersächsischen Scharnebeck. Diese hatte eine besorgniserregende Entwicklung hinter sich. Die Zahl der Klassen pro Jahrgang war von sechs auf zwei zurückgegangen, bei Inspektionen war die Schule zwei Mal durchgefallen.

Schuld war nach Ansicht von Schülern, Lehrerschaft und Elternrat der Schulleiter, der mit seinem dominant-autoritären Führungsstil seit mehr als zehn Jahren die Weiterentwicklung der Schule blockierte. Erst als das halbe Kollegium schließlich mit Versetzungsanträgen drohte und die Schüler medienwirksam protestierten, lenkte das Kultusministerium ein, und versetzte den ungeliebten Direktor an die Landesschulbehörde.

Stefan Hirsch


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