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Funktionsstellen

Mehr Geld für mehr Arbeit

Im Schuldienst sind Aufstiegsmöglichkeiten rar. Außergewöhnliches Engagement ist zwar gern gesehen, wird für gewöhnlich allerdings nicht mit einer Beförderung belohnt. Für diejenigen, die ein gewisses Mehr an Arbeit nicht scheuen, kann eine Funktionsstelle eine interessante Perspektive bieten.

Funktionsstellen: Mehr Geld für mehr Arbeit Mehr Verantwortung tragen, neue Herausforderungen wagen — vor allem Frauen sind gefragt © contrastwerkstatt - Fotolia.com

„Neben den neuen Aufgaben haben mich natürlich auch die finanziellen Vorteile gereizt“, antwortet Sebastian Hofer (Name geändert) auf die Frage, warum er sich für eine Funktionsstelle entschieden hat. Der 38-Jährige unterrichtet an einer integrierten Gesamtschule, dort ist er außerdem Fachbereichsleiter für Ganztagsunterricht und Sport. Mit den Anforderungen ist auch sein Einkommen gewachsen: Anstatt nach A12 wird Hofer nun nach A13 besoldet, in seinem Fall ein Unterschied von mehreren hundert Euro. Für den Familienvater ein willkommenes Zubrot. Leistungsabhängige Beförderungen gibt es für Lehrer üblicherweise nicht, ebenso wenig wie die für den öffentlichen Dienst typischen Regelbeförderungen. Das Gehalt wird stattdessen mit zunehmender Anzahl der Dienstjahre erhöht.

Genügt einem das nicht, stellt  eine Beförderungsstelle eine Möglichkeit dar, neue Aufgaben zu bekommen und ein höheres Einkommen zu erwirtschaften. Hierzu zählen die erwähnten Funktionsstellen, ebenso wie Koordinationsstellen, Schulleitungsstellen und Tätigkeiten in der Lehrerausbildung.  Wobei hier von Bundesland zu Bundesland Unterschiede bestehen, sodass der Zuwachs an Verantwortung nicht zwangsläufig mit einem Zuwachs an Geld einhergeht.

Vor allem Frauen sind gefragt

Die Bewerbungsvoraussetzungen unterscheiden sich ebenfalls von Bundesland zu Bundesland. Häufig werden mindestens fünf Jahre Berufserfahrung gefordert. Da Frauen im Funktionsstellenbereich oftmals unterrepräsentiert sind, haben Bewerberinnen vielerorts geringfügig bessere Aussichten auf Erfolg.

Wer an einer kleinen Schule arbeitet (und dort bleiben möchte) hat vergleichsweise schlechte Chancen. Klar, denn wo es nur einen Schulleiter, einen Stellvertreter und vielleicht eine handvoll Lehrer gibt, besteht kaum ein Bedarf an zusätzlichen Kräften mit administrativen Aufgaben. Ansonsten richtet es sich nach Größe des Kollegiums und Schulform, wie viele Funktionsstellen einer Schule zugebilligt werden.

Noch vor einigen Jahren wurden vakante Posten im organisatorischen Bereich in vielen Bundesländern nur durch Hinweise an den schwarzen Brettern der betreffenden Schule bekanntgegeben. Heute werden sie üblicherweise im Internet ausgeschrieben, entweder auf den Homepages der Kultusministerien oder auf landeseigenen Bewerbungsportalen wie zum Beispiel der nordrhein-westfälischen Website Stella.  Das Bewerbungsverfahren ist auf Landesebene  geregelt, neben dem Schulleiter haben üblicherweise auch Schulkonferenz und Gleichstellungsbeauftragter ein Wörtchen mitzureden.

Weiterführende Links:

Landesspezifische Regelungen sind zumeist auf den Internet-Seiten der zuständigen Ministerien beschrieben. Hier hält zum Beispiel die Hamburger Behörde für Schule und Berufsbildung Informationen für Interessierte bereit.

Das Nachrichten-Portal „Legal Tribune Online“ berichtet in einem Artikel über die Sabbatjahr-Problematik.

In einem Artikel der Welt werden die eingeschränkten Aufstiegsmöglichkeiten von Lehrern thematisiert. Dort wird auch eine Idee zu einer leistungsgerechten Bezahlung vorgestellt.

Zahlreiche Stellen sind unbesetzt

Insgesamt dürfen Bewerber sich gute Chancen ausrechnen. Durch Pensionierungswellen und Umstrukturierungen wird vielerorts händeringend nach Lehrern gesucht, die bereit sind Extraaufgaben zu übernehmen. Einem Bericht der Berliner Morgenpost zufolge, gab es 2014 allein in der Bundeshauptstadt rund 830 freie Funktionsstellen.

„Ich denke, dass viele von einer Bewerbung absehen, weil sie befürchten, dass ihre Arbeitsbelastung dadurch zu stark wächst“, vermutet Hofer. „Auch ich hatte zunächst Bedenken, muss aber sagen, solange nicht grade das Sportfest ansteht oder ähnliches, hält sich der Stress in Grenzen.“ Klar ist: Mit den Tätigkeiten im verwaltenden oder organisatorischen Bereich geht stets Verlust von Unterricht einher. Sebastian Hofers wöchentliche Stundenzahl sank von 26 auf 24. Durch die Ermäßigung soll seine Mehrarbeit ausgeglichen werden. Begeisterten Pädagogen wird die Aussicht, weniger zu unterrichten und stattdessen etwa Vertretungspläne zu erstellen, möglicherweise  nicht behagen.

Doch auch von anderer Seite winken Nachteile. Schulen können schwerlich auf Koordinatoren und Organisationstalente verzichten. Daher werden Funktionsstelleninhaber, die zum Beispiel als Bundesprogrammlehrkräfte ins Ausland gehen wollen, in Baden-Württemberg frühestens nach drei Jahren hierfür freigestellt (Erlass des Kultusministeriums Erlass des KM vom 26.04.2010, Az.: 13-6419.140/40).

Auch für Altersteilzeit oder Sabbatjahr gibt es in diversen Bundesländern Einschränkungen, wenn man eine Funktionstelle innehat. So wurde der Antrag einer nordrhein-westfälischen Rektorin auf ein Sabbatical abgelehnt. Eine Klage gegen diese Entscheidung blieb erfolglos. Nach Ansicht des Gerichts ist es zulässig, wegen der Schwierigkeit „eine adäquate Vertretung während des Freistellungsjahres sicherzustellen, eine Teilzeitbeschäftigung in Form einer Jahresfreistellung grundsätzlich zu verweigern.“ (Aktenzeichen: 6 A 698/10).

Die Vor- und Nachteile sind also abzuwägen, wenn man sich für eine Funktionsstelle bewerben will. Neben den möglichen finanziellen Vorteilen, kann auch eine neue Herausforderung ein Zugewinn im Berufsleben sein.

Stefan Hirsch

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