Fach/Thema/Bereich wählen
Klassenfahrt

Bei grobem Fehlverhalten ab nach Hause?

Chaos, kurze Nächte und kleine bis mittelschwere Konflikte sind auf Klassenfahrten kaum zu vermeiden. Wenn Schüler aber mit groben Regelverstößen die gesamte Exkursion gefährden, kann es notwendig werden, sie vorzeitig nach Hause zu schicken. Dabei sollten einige Punkte beachtet werden.

Klassenfahrt: Bei grobem Fehlverhalten ab nach Hause? Wenn Schüler gegen Regeln verstoßen haben, kann man sie unter bestimmten Voraussetzungen auch nach Hause schicken © iStockphoto.com/Georgijevic

Als Rainer Löhr (Name geändert) nachts aus seinem Bett in der Jugendherberge geklingelt wird, steht die Polizei vor der Tür. Zwei 16-Jährige waren durchs Fenster ihres Schlafraums nach draußen geklettert, hatten getrunken, geraucht und aus purem Übermut versucht, einen Mülleimer an einem Bushäuschen anzuzünden. Löhrs spontane Reaktion: Für die Jungs ist die Reise zu Ende! Die Eltern sollen sie abholen!

Konsequentes Handeln ist gefragt

Aber muss man, sollte man so reagieren? Realschullehrer Schwarz meint: „Wenn ich mitbekomme, dass Schüler auf einer Klassenfahrt etwas Unerlaubtes tun, gebe ich normalerweise erst mal eine gelbe Karte.Aber die beiden hatten nicht bloß ein bisschen Mist gebaut, sondern gleich mehrere heftige Regelverstöße begangen. In so einem Fall darf man sich keine Inkonsequenz erlauben, sonst macht bald jeder, was er will.“

Dass Schwarz kein Freund davon ist, Schüler vorzeitig nach Hause zu schicken, hat auch mit dem Organisationsaufwand zu tun. „Man muss Schule und Eltern informieren, dafür sorgen, dass die Abreisenden sicher ankommen und kann sich auf etliche enervierende Diskussionen einstellen. Dadurch geht viel Zeit verloren, die geplanten Unternehmungen mit dem Rest der Klasse bleiben auf der Strecke.“

Vorzeitige Heimreise muss vom Schulleiter angeordnet werden

Juristisch gelten Klassenfahrten als „Unterricht an einem anderen Ort“. Ein vorzeitiges Zurückschicken kommt einer vorrübergehenden Suspendierung von der Schule gleich, einer Ordnungsmaßnahme, die nur durch den Schulleiter angeordnet werden darf. Wer das nicht berücksichtigt, kann zum Schadensersatz verpflichtet werden. So geschehen im Fall eines Jugendlichen, dessen Klassenfahrt nach Italien bereits am zweiten Tag ein abruptes Ende fand. Er hatte sich vor Ort eine Soft-Air-Pistole gekauft, ein nicht ganz ungefährliches Spielzeug, das in Deutschland unters Waffengesetz fällt, in Italien jedoch auch für Minderjährige frei verfügbar ist. Nachdem er vom Balkon herunter geschossen hatte, unter anderem auf das Auto der Hostelbesitzerin, setzte sein Lehrer den Schützen kurzerhand in den Zug Richtung Heimat. Zu Unrecht, wie das Verwaltungsgericht München nach einer Klage der Eltern urteilte (Aktenzeichen: M 3 K 04.4332). Nicht nur, weil nach Ansicht des Richters eine Wegnahme der Waffe, verbunden mit einer Ermahnung, genügt hätte. Vor allem hätte die vorzeitige Rückkehr durch den Schulleiter beschlossen werden müssen. Dieser wurde allerdings vor vollendete Tatsachen gestellt. Der beklagte Lehrer musste den Eltern des Jugendlichen die Kosten für die Klassenfahrt und die außerplanmäßige Heimreise nebst Zinsen erstatten.

Links zu diesem Thema:

Auf den Internetseiten vieler Großstädte finden sich Informationen für Lehrer, die eine Klassenfahrt planen. Berlin zum Beispiel gibt Auskunft über Sehenswürdigkeiten, Führungen und preiswerte Übernachtungsmöglichkeiten.


Im Jugendschutzgesetz steht, was Kindern und Jugendlichen erlaubt beziehungsweise verboten ist.

Eltern übernehmen Kosten des Rücktransports

Im Normalfall ist es jedoch Sache der Eltern, die Kosten für den Rücktransport ihres Kindes und gegebenenfalls für die der Begleitperson zu übernehmen. Und zwar auch dann, wie das Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen in einem Beschluss vom 30.04.2010 feststellte, wenn der Schüler aus gesundheitlichen Gründen früher als geplant nach Hause muss. Dies ergebe sich aus dem Schulverhältnis, ein Anspruch auf Aufwandsentschädigung bestehe nicht, so die Urteilsbegründung (Aktenzeichen: 19 A 993/07).

Optimal ist es, wenn ein Schüler von seinen Eltern abgeholt wird. Ist das nicht möglich oder aufgrund der Entfernung unzumutbar, kann die Begleitperson für die Klassenreise den Schüler nach Hause bringen. Allerdings fehlt sie dann vor Ort. Ausflüge und Aktivitäten, die nach mehr als einer erwachsenen Aufsichtsperson verlangen, müssen daher ausfallen.

Schüler, die selbständig genug sind, können allein fahren

Den Schüler einfach am nächsten Bahnhof abzusetzen, mag eine verlockende Alternative sein, doch lässt sich das mit der Aufsichtspflicht in Einklang bringen? Rechtsanwalt Holger Diedrichs sagt: „Da kommt es auf den Einzelfall an. Man sollte sich genau fragen: Wie selbständig ist das Kind? Welche Erfahrungen hat es? Einem normal entwickelten 16-Jährigen könnte man durchaus zumuten, allein mit dem Zug zu fahren. Aber man sollte auf jeden Fall Rücksprache mit den Eltern halten – und wenn man sich unsicher ist, lieber jemanden mitschicken.“
Doch auch wenn alles problemlos abläuft, bleibt ein schaler Beigeschmack. Ganz gleich, wie grob das Fehlverhalten war, das Verhältnis zum betroffenen Schüler und seinen Eltern dürfte empfindlich gestört sein, wenn eine Schulfahrt für ihn außerplanmäßig endet. Wer es bei kleineren oder harmloseren  Regelverstößen bei einer Ermahnung belässt, erspart sich viele Konflikte. 

Stefan Hirsch

Dazu passender Ratgeber
Dazu passende Arbeitshilfe

Mehr zu Ratgeber Schule
Cookies nicht aktiviert

Ihr Browser akzeptiert derzeit keine Cookies.

Wenn Sie das Lehrerbüro in vollem Umfang nutzen möchten, dann muss in Ihrem Browser die Nutzung von Cookies erlaubt sein.

Was Cookies genau sind und wie Sie die Browser-Einstellungen ändern können, erfahren Sie auf dieser Seite: Cookies nicht aktiviert

×