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Urheberrecht

Filme im Unterricht: So handeln Sie rechtssicher

Was ist rechtens? Wo begebe ich mich bereits auf unsicheren juristischen Boden? Das Urheberrecht hat so seine Fallstricke — auch wenn’s darum geht, Filme im Unterricht zu zeigen. Es ist also wichtig zu wissen, was erlaubt ist und was eben nicht.

Urheberrecht: Filme im Unterricht: So handeln Sie rechtssicher Wo darf ich mit wem welchen Film ansehen? — Fragen die geklärt werden müssen, bevor die Vorführung losgeht © cutimage - Fotolia.com

„Darf ich generell einen Film, den ich mir aus einer Videothek geliehen habe in [sic!] Unterricht zeigen?“, fragt ein Junglehrer auf lehrerforen.de. Die Kollegen sind geteilter Meinung: „Die Vorführung im Klassenraum ist eine öffentliche Aufführung. Selbst für Lehrmedien muss man in aller Regel die Lizenz für öffentliche Aufführungen einkaufen“, schreibt einer. Eine Lehrerin kontert: „Unterricht ist nicht öffentlich — oder wann ist bei dir der letzte Passant durch die Klasse spaziert?“ Doch so einfach ist das leider nicht, wie ein Blick ins Urheberrechtsgesetz zeigt.

Nach § 15 Abs. 3 Satz 2 UrhG gehört zur Öffentlichkeit „jeder, der nicht mit demjenigen, der das Werk verwertet, oder mit den anderen Personen, denen das Werk in unkörperlicher Form wahrnehmbar oder zugänglich gemacht wird, durch persönliche Beziehungen verbunden ist.“ Demnach sind die eigene Familie und der Freundeskreis natürlich nicht-öffentlich.

Doch sind auch Schüler und Lehrer bzw. die Schüler in einer Klasse untereinander „durch persönliche Beziehungen verbunden“? Urheberrechtsanwälte verneinen das, während nach Ansicht „der Justiz- und Kultusministerien“ in Deutschland Filmvorführungen im Klassenverband nicht öffentlich sind. (Vgl. dazu: Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung Dillingen: Medienrecht und Schule, S. 23, Stand 22.02.2017).

Filmvorführungen im Klassenverband

Noch gibt es bezüglich der Öffentlichkeit des Klassenunterrichts keine eindeutige Rechtsprechung. Daher bewegen sich Lehrer in einer rechtlichen Grauzone, wenn sie ein durch das Urheberrecht geschütztes Filmwerk im Unterricht zeigen. (Vgl. dazu: „Muss das Urheberrecht in der Schule beachtet werden?“ auf der Website des Berufsverbands der Rechtsjournalisten e. V.)

Deshalb empfiehlt es sich, hier sehr genau zu differenzieren, denn nach „derzeitiger Rechtsauffassung ist nur der unmittelbare Unterricht in einer Schulklasse oder einer vergleichbaren (...) Arbeits- bzw. Neigungsgruppe nicht öffentlich“, betonen die Autoren der Handreichung „Medienrecht und Schule“ (Link s. o.) der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung Dillingen. Dem Klassenunterricht vergleichbar sind nur im Stundenplan festgeschriebene Arbeitsgruppen, die von einer Lehrkraft betreut werden, wie etwa „Wahl- und Förderunterricht, Schulchor, AG Schulspiel, Schulmannschaften im Sport etc.“ (ebd.)

Filme außerhalb des Klassenverbands in der Schule

Wer Filme in klassenverbandsübergreifenden Veranstaltungen zeigen will, muss „bei den Berechtigten eine entsprechende Erlaubnis einholen“ oder Filme mit entsprechender Lizenz bei Bildstellen und Medienzentren ausleihen, raten die Autoren der Website lehrerfortbildung-bw.de.

Weiterführende Hinweise:

Welche Werke aus welcher Quelle dürfen Sie als Lehrer wo vorführen bzw. in digitaler Form bereitstellen? Ein kurzer Blick auf die „Checkliste: Musik und Video“ auf dem Lehrerfortbildungsserver Baden-Württemberg, und Sie wissen Bescheid.

Was darf ich in der Filmbildung? Das Filmbildungsportal „FILM+SCHULE NRW“ beantwortet häufig gestellte rechtliche Fragen zur Arbeit mit Spielfilmen in der Schule.

Konkret gilt das für alle öffentlichen schulischen Aktivitäten, „insbesondere für Tage der Offenen Tür, Schulfeste, Schulpublikationen (Schülerzeitung, Jahresbericht, Schulradio), öffentliche oder für die ganze Schule zugängliche Theater-, Musik- oder Sportveranstaltungen usw.“ (Medienrecht und Schule, Link s. o., S. 23 f.)

YouTube im Unterricht

Laut einer Umfrage zur YouTube-Nutzung im Unterricht setzen zwar 90 Prozent aller Lehrkräfte YouTube-Videos im Unterricht ein, doch nahezu jeder Dritte besitzt „keinerlei Kenntnis zur Rechtslage“. Was sollten Lehrer dazu wissen? Das fasst Wolfgang Dax-Romswinkel auf der Website des Medienzentrums Rhein-Sieg-Kreises für Videos mit YouTube-Standardlizenz zusammen (Stand: 9.02.2015):

  1. YouTube-Videos „dürfen als Internetstream nicht-öffentlich vorgeführt werden“. „Nicht-öffentlich“ bedeutet — wie oben dargestellt: Sie dürfen YouTube nur im Unterricht mit Klassen oder vergleichbaren Arbeitsgruppen (s. o.) verwenden. Warum nur als Internetstream? Weil das vorherige Speichern auf dem Rechner, von dem aus vorgeführt wird, als Vervielfältigung durch Download gilt, und „meist nicht zulässig“ ist, denn das ist „weder durch das Zitatrecht gedeckt noch als Privatkopie zu qualifizieren“, so die Antwort in den FAQs zum Urheberrecht in der Schule im Webportal internet-abc.
  2. Video-Clips bis zu einer maximalen Länge von 5 Minuten dürfen auf Schulservern gespeichert werden, „wobei der Zugang mittels Passwortschutz auf einzelne Lerngruppen beschränkt sein muss“ (ebd.). Längere Clips sind nur für private Zwecke zulässig. Und „Unterricht ist für Lehrkräfte kein privater Zweck“, so Dax-Romswinkel (Link s. o.).

Grundsätzlich muss natürlich darauf geachtet werden, dass im Unterricht verwendete YouTube-Videos nicht offensichtlich rechtswidrig eingestellt sind. Einige Indizien für einen illegalen Upload nennt der Autor des lesenswerten Beitrags „YouTube im Unterricht — Urheberrecht für Lehrer/innen“ auf lehrerfreund.de.

Mitschnitte von Schulfernsehsendungen

Darf man Schulfernsehsendungen mitschneiden? „Kein Problem“, sagen die Autoren des Schulfernseh-Webportals Planet Schule, das zu den Landesrundfunkanstalten SWR und WDR gehört. Der Mitschnitt ist erlaubt und durch § 47 des Urheberrechtsgesetzes geregelt: Demnach dürfen Schulen „einzelne Vervielfältigungsstücke von Werken, die innerhalb einer Schulfunksendung gesendet werden, durch Übertragung der Werke auf Bild- oder Tonträger herstellen“ und diese dann im Unterricht verwenden. Allerdings sind sie „spätestens am Ende des auf die Übertragung der Schulfunksendung folgenden Schuljahrs zu löschen“. Wer also etwa im September 2017 eine Sendung aufnimmt, muss diese spätestens bis 31. Juli 2019 löschen. — Das ist laut § 1 des Hamburger Abkommens in der Regel der letzte Tag des Schuljahres an allen Schulen. Um diesen Termin nicht zu versäumen, empfiehlt es sich, direkt auf den Bild- oder Tonträger und in der Bestandsliste einen Vermerk mit dem Aufnahme- und dem davon abhängigen spätesten Löschtermin aufzunehmen.

Fernsehsendungen allgemein

Wenn es auch verlockend ist, private Mitschnitte — etwa aus Wissenschaftsmagazinen — von öffentlich-rechtlichen Sendern in den Unterricht einzubinden, sollte man doch besser davon absehen. Denn bei Fernsehsendungen gibt es einen eng gesteckten Rahmen: Sie dürfen im festen Klassenunterricht nur gezeigt werden, „wenn es sich um „Tagesaktuelles“ handelt oder direkt aus dem Internet (z. B. über eine Mediathek)“ gestreamt wird (Website lehrerfortbildung-bw.de).

Natürlich spricht nichts dagegen, bei ARD, ZDF & Co. einfach unbürokratisch anzufragen, wie eine Lehrkraft in ihrem Kommentar zum Beitrag „YouTube im Unterricht — Urheberrecht für Lehrer/innen“ (Link s. o.) vorschlägt: Sie hat „bei den öffentlich-rechtlichen Sendern per Mail jeweils nach einem Persilschein für die Nutzung im Unterricht gefragt und diesen auch bekommen.“

Eine Anmerkung zum Schluss: Trotz sorgfältiger Recherche in möglichst aktuellen und seriösen Quellen übernimmt die Autorin dieses Textes keinerlei Gewähr für die Richtigkeit der dargestellten Informationen und Zitate. Für verbindliche Rechtsauskünfte wenden Sie sich bitte an einen Anwalt, an Ihren Schulträger oder an das Kultusministerium.

Martina Niekrawietz

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