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Auszeit

Rechtliche Grundlagen zum Sabbatjahr

Wenn der Beruf zur Tretmühle wird, kann eine längere Pause für neue Kraft und Motivation sorgen. Das Freistellungsjahr gibt verbeamteten und angestellten Lehrern die Möglichkeit, der Schule den Rücken zu kehren - für ganze zwölf Monate.

Auszeit: Rechtliche Grundlagen zum Sabbatjahr Eine Weltreise ist nur eine der vielen Möglichkeiten, die ein Sabbatjahr bietet © goodluz- Fotolia.com

Kein Burnout, keine Sinnkrise, keine Familienprobleme: Wenn Hendrik K. gefragt wird, warum er sich für ein Sabbatjahr entschieden hat, klingt seine Begründung unspektakulär: „Grundsätzlich gefällt mir meine Arbeit, aber mit den Jahren haben sich Routine und Monotonie eingeschlichen, die ich loswerden will. Durch die Auszeit kann ich Distanz gewinnen und neue Impulse sammeln. Ich möchte wieder Spaß am Beruf haben.“

Das Freistellungsjahr, auch Sabbatjahr oder Sabbatical genannt, stellt im öffentlichen Dienst eine Sonderform der Teilzeitarbeit dar. Es beginnt mit einer mehrjährigen Ansparphase, in der man bei unveränderter Stundenzahl auf einen Teil seines Gehalts verzichtet. In der meist einjährigen Freistellungszeit, in der man nicht arbeitet, wird das gesammelte Guthaben ausgezahlt. Über die Länge der Ansparphase kann der betreffende selbst entscheiden: Üblich ist eine Dauer von zwei bis zu sechs Jahren. Auf diese Weise entsteht während des Sabbatjahres ein Einkommen, das zwei Drittel bis sechs Siebtel der sonst bezogenen Dienstbezüge beträgt.

Motivationsschub statt Burnout

Die meisten Lehrer kehren nach einem Sabbatjahr mit einem deutlichen Motivationsschub an ihren Arbeitsplatz zurück. Das Burnout-Risiko, bei dieser Berufsgruppe besonders hoch, wird drastisch gemindert. Bei welchen Aktivitäten das Sabbatjahr verbracht wird, wie z.B. Hausbau, Fortbildung oder Fernreise, liegt in der Entscheidung des Einzelnen. Der zwölfmonatige Urlaub bietet eine Fülle von Möglichkeiten, zu entspannen, den Alltag hinter sich lassen und all das in Angriff zu nehmen, für das sonst keine Zeit blieb. Probleme bei der Rückkehr in das Erwerbsleben kommen zwar vor, doch die positiven Effekte überwiegen, so der Tenor einer Studie des englischen Department of Education.

Unterschiede zwischen den Bundesländern sind gering

Landesspezifische Eigenheiten halten sich in Grenzen. Ilse Schaad von der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft bestätigt das: „Verordnungen zum Sabbatjahr werden zwar auf Landesebene erlassen, allerdings gibt es zwischen den Bundesländern nur geringe Abweichungen. Auch für Beamte und Angestellte gelten vielerorts dieselben Regeln.“

Unterschiede existieren dennoch: So können beispielsweise in Baden-Württemberg mehrere Sabbaticals miteinander kombiniert werden. Daraus ergibt sich die Möglichkeit, nach einer sechsjährigen Ansparphase zwei freie Jahre einzuplanen. In den meisten Bundesländern lässt sich das Freistellungsjahr zudem als vorzeitiger Eintritt in den Ruhestand organisieren.

Dass der Wiedereintritt in den Beruf an der bisherigen Schule stattfindet, wird nicht überall garantiert. Hier lohnt ein genauer Blick in die Vorschriften. Möglicherweise können individuelle Absprachen eine unerwünschte Versetzung ausschließen.

Schwierigkeiten bei Funktionsstellen

Ein Sabbatjahr einzulegen, wird mitunter bei Lehrern problematisch, die Funktionsstellen bekleiden. Vor allem Schulleiter benötigen in diversen Bundesländern eine Ausnahmegenehmigung. Nicht immer wird diese gewährt. Der Grund: Es ist schwierig, für die Dauer der Freistellungszeit eine adäquate Vertretung zu finden. Nach Ansicht des Oberverwaltungsgerichts Nordrhein-Westfalen ist das eine zulässige Rechtfertigung: Eine Rektorin hatte versucht die Bewilligung einer Jahresfreistellung mit sechsjähriger Ansparphase durchzusetzen. Die Klage wurde abgewiesen (Aktenzeichen: 6 A 698/10).

Hendrik K. hatte hingegen keine Schwierigkeiten bei der Genehmigung seins Sabbaticals: „Warum auch? Wenn sich jemand eine Auszeit nimmt, um danach voll motiviert durchzustarten, ist das für alle Beteiligten von Vorteil.“

Stefan Hirsch


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