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Experimente im Chemieunterricht

Sicherheit muss an erster Stelle stehen

Schülerexperimente machen Spaß und veranschaulichen komplexe naturwissenschaftliche Phänomene. Wenn Kinder und Jugendliche allerdings mit Bunsenbrenner, kochendem Wasser und gesundheitsschädlichen Chemikalien hantieren, stehen manch einem Lehrer die Schweißperlen auf der Stirn.

Experimente im Chemieunterricht: Sicherheit muss an erster Stelle stehen Sicherheitsvorschriften sollten von den Schülern bei chemischen Experimenten unbedingt eingehalten werden © weerasak - Fotolia.com

Ein Chemielehrer des Berliner Schliemann-Gymnasiums lässt seine Schüler eine „Pharaoschlange“ erzeugen. Hierzu werden in Holzasche eingebettete Emser-Pastillen mithilfe von etwas Spiritus angezündet: Es entsteht ein kurios wirkender Aschewulst. Das Ergebnis sieht verblüffend aus, der Versuch gilt als vergleichsweise ungefährlich. An diesem Morgen geht jedoch alles schief: Eine Flasche Spiritus fängt Feuer, explodiert, mehrere Schüler werden verletzt. Ein 17-Jähriger zieht sich Verbrennungen zweiten und dritten Grades zu, er muss für mehrere Tage ins künstliche Koma versetzt werden.

Bundesweit berichten Medien über den Vorfall, die Reaktionen fallen entsprechend heftig aus. So sagt Kommunalpolitiker Stefan Blauer in einem Artikel des Online-Portals Prenzlauerberg-Nachrichten, er beobachte „seit Jahren“, dass „im Chemieunterricht immer wieder Schüler und Lehrer in Mitleidenschaft gezogen werden“. CDU-Mann Blauer vermutet: „Vielleicht ist das Personal nicht ausreichend geschult oder es wird zu brisantes Material verwendet, mit dem die Lehrkräfte nicht umgehen können.“

Unfälle sind vergleichsweise selten

Eine Einschätzung, die man nicht zwangsläufig teilen muss. Die Statistik der Deutschen gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) beschreibt beispielsweise ein ganz anderes Bild: Hier werden Pausen und Sportunterricht als Hauptgefahrenquellen benannt. Verletzungen im Chemielabor kommen an Schulen dagegen so selten vor, dass sie noch nicht einmal separat ausgewiesen werden.

Dass manch einem Kollegen dennoch die Schweißperlen auf der Stirn stehen, wenn Kinder und Jugendliche mit Bunsenbrenner, kochendem Wasser oder gesundheitsschädlichen Chemikalien hantieren, liegt auf der Hand. Auch wenn vergleichsweise selten etwas passiert, so kann derartigen Situationen ein beträchtliches Gefahrenpotenzial innewohnen. Neben Sorgen um das Wohl der Schüler steht dann oft auch die Frage im Raum, welche Folgen einem als Lehrer drohen, wenn jemand im Unterricht verletzt wird.

Weiterführende Verlinkungen:

Die DGUV bietet eine Broschüre zum Download an, in der über den Versicherungsschutz an Schulen informiert wird.

Hinweise zum Umgang mit Gefahrenstoffen an Schulen gibt es auf der Homepage der Bezirksregierung Düsseldorf.

Die von der Unfallkasse Nordrhein-Westfalen betriebene Website sichere-schule.de informiert, wie man den Chemieunterricht sicher gestaltet.

Elke Biesel von der DGUV sagt im Interview: „Schülerinnen und Schüler sind grundsätzlich beim Besuch einer Bildungseinrichtung gesetzlich unfallversichert:  während des Unterrichtes, in den Pausen und auf den Wegen zum Schulort bzw. zurück nach Hause. Auch wenn ein Experiment „missglückt“ ist — also möglicherweise die Lehrkraft oder ein Schüler einen Fehler gemacht hat — ändert das nichts am Versicherungsschutz. Es gilt § 7 Abs. 2 SGB VII: Verbotswidriges Handeln schließt den Versicherungsfall nicht aus.“

Bei grober Fahrlässigkeit Regress möglich

Die DGUV haftet jedoch nur für Personenschäden, Sachschäden übernimmt der kommunale Schadensausgleich. Ein Freibrief für leichtfertiges Agieren ist das nicht. „Falls es sich um einen Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit handeln sollte, kann der zuständige Unfallversicherungsträger nachträglich Regress fordern“, gibt Elke Biesel zu bedenken. In der Praxis dürfte das jedoch äußerst selten vorkommen. Grobe Fahrlässigkeit ist ein gesetzlich nicht näher definierter Extremfall, der gemäß ständiger Rechtsprechung dann vorliegt, wenn „die erforderliche Sorgfalt in besonders hohem Maße verletzt wurde“ oder „naheliegende Überlegungen nicht angestellt wurden“. Zumindest bei derartig schweren Unterlassungen kommt bei einem Unfall auch eine Strafbarkeit des Lehrers, zum Beispiel wegen fahrlässiger Körperverletzung, in Betracht.

Damit es gar nicht erst so weit kommt, dass Unfallfolgen zu beklagen sind, hat die Kultusministerkonferenz eine knapp dreihundert Seiten starke Broschüre zum Thema Sicherheit an Schulen herausgegeben. Hierin findet sich auch ein separates Kapitel zum Chemieunterricht. Dort ist unter anderem aufgeführt, welche Schutzmaßnahmen ergriffen werden müssen, wie Experimente durchgeführt werden sollten und auf welche Versuche verzichtet werden muss. Darüber hinaus gibt es in diversen Bundesländern noch weitergehende Regelungen, welche auf den Internetseiten der zuständigen Kultusministerien verlinkt sind.

Stefan Hirsch

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