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Heimliches Filmen

YouTube-Star wider Willen

Heimlich aufgenommene Kurzfilme aus dem Klassenzimmer kursieren im Internet zuhauf. Dabei ist es strafbar, Videos zu verbreiten, die ohne Einwilligung der Personen entstanden sind. Für die Betroffenen kann das sehr belastend sein.

Heimliches Filmen: YouTube-Star wider Willen Ein großes Problem: Wenn Schüler heimlich Lehrer oder Klassenkameraden im Unterricht filmen © Picture-Factory - Fotolia.com

Ein achtlos aus dem Fenster geworfener Papierflieger ist der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Der Lehrer herrscht den Jugendlichen an, dass Ding wieder reinzuholen. Als dieser sich weigert, weil es, wie er sagt, ja Leute gibt, die fürs Müllaufsammeln bezahlt werden, verliert der Pädagoge die Fassung. Er schreit, wütet, tobt, die Klasse grölt. Ende.

Gibt man bei YouTube „Lehrer rastet aus“ ein, erscheinen tausende von Beiträgen. Die meisten der Videos sind kaum eine Minuten lang, ihnen allen gemein ist eine kuriose Kameraperspektive. Der Grund: Diese Aufnahmen entstanden heimlich. Die Gefilmten wirken lächerlich, ihnen dürfte nicht wohl dabei sein, sich so zu sehen.

Uwe Leest, Vorstandsvorsitzender des Vereins „Bündnis gegen Cybermobbing e.V.“ erklärt auf Nachfrage, warum solche Videos sich so hartnäckig online halten: „Oft werden Bilder beziehungsweise Filme, die jemanden in verletzender Art und Weise zeigen, heruntergeladen und geteilt, ehe das Opfer etwas dagegen tun kann. Das macht es schwierig, die Verbreitung derartiger Inhalte zu stoppen, denn wird ein Video gelöscht, stellt es jemand anderes erneut online.“

Heimliches Filmen kann strafbar sein

Dabei ist die Rechtslage eindeutig. Gemäß § 33 Kunsturhebergesetz ist es bei Strafe verboten, ein Bild von jemandem in Umlauf zu bringen, dass ohne dessen Einwilligung gemacht wurde. Noch gravierender ist es, wenn jemand in einem sogenannten „höchstpersönlichen Lebensbereich“ ungefragt zur Kamera greift. Als solche gelten Privatwohnungen, aber auch besonders geschützte öffentliche Räume, wie zum Beispiel Sportumkleiden oder Toiletten. Nach § 201a StGB ist dann nicht bloß das Verbreiten, sondern schon das Filmen oder Fotografieren an sich strafbar.

Bei Filmaufnahmen die über eine Tonspur verfügen, kommt auch eine Strafbarkeit wegen Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes gemäß § 201 StGB in Betracht.

Weiterführende Links:

Der Verein Bündnis gegen Cybermobbing e.V. hält auf seiner Homepage zahlreiche Informationen für Lehrer, Eltern und Schüler bereit.

Die Agentur Revolvermänner hilft auch Privatpersonen, die von Cybermobbing betroffen sind, und kann dafür sorgen, dass problematische Inhalte aus dem Netz verschwinden. Ein lesenswerter Artikel zum Recht am eigenen Bild findet sich auf der Homepage des Magazins Photoscala.

Die JIM-Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest untersucht den Medienumgang junger Menschen. Hier wird auch analysiert, wie groß die Bedeutung von Plattformen wie YouTube bei Jugendlichen ist.

Allzu große Hoffnungen, dass Übeltäter ihre gerechte Strafe bekommen, sollte man sich allerdings nicht machen. Dass jemand seine IP verschleiert und deshalb nicht zu identifizieren ist, kommt nach Uwe Leests Erfahrungen zwar eher selten vor, doch er gibt zu bedenken: „Bei Polizei und Staatsanwaltschaft gilt Cybermobbing als Bagatelldelikt. Da werden üblicherweise keine aufwendigen Ermittlungen geführt.“

Regelmäßiges Monitoring ist empfehlenswert

Christian Scherg ist Geschäftsführer der Firma Revolvermänner GmbH. Seine Agentur hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Online-Reputation ihrer Klienten zu verbessern. Meist arbeitet Scherg für Firmen oder Prominente. Für Privatpersonen, die Probleme mit Cybermobbing hatten, war er jedoch auch schon tätig. Er empfiehlt ein regelmäßiges Monitoring: „Erfährt man von einem diskreditierenden Video erst, weil Freunde oder Kollegen einen darauf aufmerksam machen, hat man wertvolle Zeit vertan. Deshalb sollte man immer wieder gucken, was über einen selbst im Internet zu finden ist“, sagt Scherg im Interview. Dabei ist es teilweise gar nicht so einfach, missliebige Inhalte löschen zu lassen, weiß Scherg: „Vor allem Unternehmen wie YouTube oder Facebook reagieren vergleichsweise zäh auf Beschwerden. Dann ist es wichtig, hartnäckig zu bleiben und notfalls immer wieder auf eine Löschung zu drängen.“

Suchergebnisse auf Seite Eins selbst bestimmen

Noch schwieriger ist es bei illegalen Websites, wie zum Beispiel der inzwischen geschlossenen Mobbing-Plattform iSharegossip. Derartige Seiten haben kein Impressum. Die Betreiber bleiben anonym und müssen nicht fürchten, im Rahmen der Störerhaftung für gesetzeswidrige Inhalte belangt zu werden. Mit rechtstaatlichen Mitteln ist ihnen nicht beizukommen. Scherg rät: „Wer sich im Internet über jemanden informiert, schaut sich meistens nur die ersten Ergebnisse an. Schon was bei Google auf Seite Zwei steht, findet kaum Beachtung. Deshalb hilft es, problematische Einträge von der ersten Seite zu verdrängen, indem man eigene Inhalte erzeugt. Man kann zum Beispiel eine Website anlegen, auf der man sich selbst vorstellt und über seine Hobbys und Interessen berichtet.“

Doch so weit muss man es möglicherweise gar nicht kommen lassen, wenn man rechtzeitig Aufklärungsarbeit leistet. Vielen Kindern und Jugendlichen ist nicht bewusst, dass sie ernsthaft Schaden anrichten, wenn sie Lehrer oder Mitschüler heimlich filmen und ihr Werk veröffentlichen. Wer seinen Schülern klar macht, dass es ein grobes Unrecht darstellt, peinliche Videos ungefragt im Internet zu verbreiten, erspart sich möglicherweise Ärger.

Stefan Hirsch

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