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Pausenaufsicht

5 Tipps für eine rechtssichere Pausenaufsicht

Aufsicht führen ist manchmal wie Flöhe hüten: Sie können unmöglich Ihre Augen überall haben. Diese 5 Praxis-Tipps unterstützen Sie bei einer rechtssicheren Gestaltung.

Pausenaufsicht: 5 Tipps für eine rechtssichere Pausenaufsicht So kommen Sie entspannt durch die Pause © highwaystarz - stock.adobe.com

„Wann verlieren Lehrer ihren Job?“ fragt Matthias Kohlmaier in der Süddeutschen Zeitung am 03.03.2016. Eine verbeamtete Lehrkraft etwa könne sich „einiges leisten“ bevor sie ihren „Status verliert“, so sei etwa „nur schlechter Unterricht“ noch kein Grund für eine Entlassung, und auch bei Alkoholmissbrauch oder Schwänzen komme es zwar zu disziplinarrechtlichen Konsequenzen, aber nicht zum Äußersten.

„Sofort brenzlig“ werde es hingegen für eine Lehrkraft, „wenn sie ihre Aufsichtspflicht vernachlässigt“ (ebd.). Die Schulleiterin eines Bayerischen Gymnasiums gibt Matthias Kohlmaier dafür ein Beispiel: „Setzt sich der Lehrer beim Skiausflug auf einen Jägertee an die Bar und zur gleichen Zeit hat ein Schüler auf der Piste einen Unfall, kann das gravierende Folgen für ihn haben“, nicht nur dienstrechtliche, sondern auch strafrechtliche. Wird er dann gar „wegen einer vorsätzlich begangenen Tat“ zu einer Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr verurteilt, endet das Beamtenverhältnis in dem Moment, wo das Urteil rechtskräftig ist (ebd.).

Kritisch wird es für eine Lehrkraft immer dann, wenn eine vorsätzliche oder auch grob fahrlässige Verletzung der Aufsichtspflicht vorliegt. Doch wann ist das der Fall? Und worauf sollten Sie bei der (Pausen-)Aufsicht im Schulgebäude und auf dem Pausenhof achten? Mit den 5 Praxis-Tipps in diesem Beitrag sind Sie auf der rechtssicheren Seite.

1. Wer die Rechtslage kennt, schafft Sicherheit!

Vorneweg die wichtigste Frage: Wo und wann besteht denn die Aufsichtspflicht überhaupt? Darüber informieren Sie die Übersichten über die deutschlandweit gültigen Regelungen auf der Website sofatutor

Bei Ermittlungen wegen einer möglichen Verletzung der Aufsichtspflicht steht eine Frage im Mittelpunkt: Wurde leicht fahrlässig, grob fahrlässig oder gar vorsätzlich gehandelt? Diese „Stufen der Schuld“, wie sie der bekannte Schulrechts-Experte und Lehrer Dr. Günther Hoegg in einem Vortrag im August 2015 nennt, sind auch vor Gericht ausschlaggebend. „Leichte Fahrlässigkeit heißt (...), Sie vergessen mal die Aufsicht wahrzunehmen“, erläutert er in Folge 185 von „Schule im Gespräch“. Wenn aber eine Lehrkraft beobachtet, wie ein Schüler oder eine Schülerin sich in Gefahr begibt, zum Beispiel bei einem Ausflug einen steilen Hang hinaufklettert (Video ab min 6:36), und die Lehrkraft denkt „es wird schon nichts passieren“ und es passiert etwas, dann wird das vor Gericht als grobe Fahrlässigkeit gewertet. Der Lehrkraft war ja klar, dass etwas passieren könnte, und sie hat nicht eingegriffen. Der Jurist empfiehlt daher unbedingt, eine Diensthaftpflicht bzw. Berufshaftpflicht abzuschließen, denn der Dienstherr haftet im Rahmen der Amtshaftpflicht nur für Schäden, die auf leichte Fahrlässigkeit zurückzuführen sind. Weitere Details zu Haftung, Regress und Absicherung finden Sie in diesem Artikel auf der Website info-beihilfe.de.

2. Beaufsichtigen Sie kontinuierlich, präventiv und aktiv

„Prävention, Kontinuität und Aktivität“ sind in der Rechtsprechung die drei relevanten Kriterien für adäquate Aufsichtsführung. In einem „Schulrechts-Crashkurs“ erläutert Anja Hanke von der GEW, was konkret damit gemeint ist: 

  • Prävention bei der Aufsichtsführung bedeutet, „vorausschauende Umsicht“ walten zu lassen. In der Praxis heißt das z. B., dass Sie vor einer Wanderung mit der Klasse selbst erst einmal die geplante Strecke gehen, um gefährliche Situationen auszuschließen.
  • Kontinuität oder „ununterbrochene Beständigkeit“ zeigen Sie, wenn Sie im Aufsichtsbereich präsent und in Bewegung sind, auf die Schüler/-innen fokussieren und gegebenenfalls konsequent eingreifen. Wichtig ist dabei, dass sich die Kinder oder Jugendlichen auch wirklich beaufsichtigt fühlen.
  • Aktivität oder „kontrollierende Nachdrücklichkeit“ heißt z. B., dass Sie bei Gefahren reagieren und Regeln, die Sie aufstellen „auch einfordern“.

3. Handeln Sie situationsangemessen 

„Alle Lehrkräfte an einer Schule sind immer während des Schulbetriebes aufsichtspflichtig“, betont Anja Hanke im oben verlinkten GEW-Video. Welches Ausmaß von Beaufsichtigung angemessen ist, hänge von der jeweiligen Situation ab, z. B. vom Alter und der Reife der Schüler/-innen, von ihrer Einsichtsfähigkeit, dem Unterrichtsort und -fach und den Vorerfahrungen der Lehrkraft mit den jeweiligen Kindern oder Jugendlichen.

Doch es ist eine Gratwanderung zwischen Aufsicht und Vertrauen, denn das „Maß der Aufsicht“ ist „in Einklang zu bringen mit dem Erziehungsziel, die wachsende Fähigkeit und das Bedürfnis der Kinder zum selbständigen verantwortungsbewussten Handeln einzuüben“, wie es das Staatliche Studienseminar für das Lehramt an Gymnasien in Trier in seinen „Grundätzen zur Aufsichtspflicht“ formuliert.

Wie finden Sie da am besten das richtige Maß zwischen Freiheit und Kontrolle? Anja Hanke bringt hier den „gesunden Menschenverstand“ ins Spiel, oder wie Jurist/-innen sagen „Sorgfalt wie in eigenen Angelegenheiten“: „Geht mit Schülerinnen und Schülern und Dingen so um, wie ihr mit euren eigenen Kindern oder (...) Sachen umgehen würdet.“ (vgl. im oben verlinkten GEW-Video ab min 9:41).

4. Für alle transparente Regeln

Regeln aufstellen und für alle Schüler/-innen sichtbar aufhängen – das reicht nicht, so die Erfahrung von Grundschullehrerin und Bloggerin Frau Locke: „Man muss es einfordern, vorleben und umsetzen“, schreibt sie. Bei ihr dürfen dann die Kinder zunächst auf einen Klebezettel schreiben, was sie selbst sich für „den Umgang und das Lernen in der Klasse“ wünschen. Das ist auch bei den Pausenregeln ein guter Einstieg.

Die Regelungen sollten schulweit gültig und allen Beteiligten bekannt und von allen Aufsichtspersonen mitgetragen sein: 3 bis 5 kurze, einprägsame Regeln, die die Lehrkräfte immer wieder in den Klassen thematisieren. Besonders gut prägen sich übrigens Pausenregeln ein, wenn die Kinder selbst in regelmäßigen Abständen als Pausen-Helfer/-in auf ihre Einhaltung achten.

5. Präsent sein und in Kontakt gehen

Präsenz zeigen und immer wieder mit den Kindern oder Jugendlichen Kontakt aufnehmen, das wirkt sich nicht nur positiv auf das Verhalten der Schülerinnen und Schüler aus, sondern hat auch noch einen anderen wichtigen Effekt: Die Kids werden sich dann besser an die persönliche Begegnung mit Ihnen in der Pause erinnern. Und wenn tatsächlich einmal etwas passiert, können die Schülerinnen und Schüler bezeugen, dass Sie Ihre Aufsichtspflicht ordnungsgemäß wahrgenommen haben. 

Martina Niekrawietz


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