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Digitale Benotung leicht gemacht

Auch im virtuellen Klassenzimmer gibt es Noten

Das virtuelle Klassenzimmer bereichert den Unterricht, erfordert aber auch eine neue Form im Umgang mit Prüfungen. Dieser Beitrag stellt Ihnen Tools und Ideen für Feedback und Bewertung im digitalen Unterricht vor.

Digitale Benotung leicht gemacht: Auch im virtuellen Klassenzimmer gibt es Noten Nützliche Tipps für die virtuelle Bewertung © Coloures-Pic - stock.adobe.com

Wie sieht eigentlich das Zeugnis der Zukunft aus? Eine spannende Frage, die Bastian Benrath und Nadine Bös im Februar 2022 in der Frankfurter Allgemeinen stellen. Noch gebe es einige Hürden, doch „zumindest technisch“ arbeite man daran im Hinblick auf papierlose Schulzeugnisse: So hätte die Bundesdruckerei „eine Technologie entwickelt“, um Zeugnisse in digitaler Form auszustellen, und an „einer zweistelligen Zahl“ von Schulen in Nordrhein-Westfalen seien bereits – „zusätzlich zur papierenen Urkunde – digitale Abiturzeugnisse ausgestellt worden. Ziel war es dabei, „eine fälschungssichere Urkunde zu erstellen, bei der jeder Empfänger überprüfen kann, dass sie auch wirklich von der unterzeichnenden Schule ausgestellt wurde.“

Das Problem des digitalen Zeugnisdokuments selbst ist also gelöst. Doch bei Bewertung und Leistungsfeedback im digitalen Unterricht stehen die meisten Bundesländer und Schulen noch am Anfang. Es genügt ja nicht, einfach analoge Aufgaben zu digitalisieren (z. B. als PDF), um sie dann an die Schülerinnen und Schüler zu übermitteln, die sie ihrerseits wieder analogisieren (= ausdrucken), um sie dann zu bearbeiten und digital (als Scan oder abfotografiert) wieder an die Lehrkraft zurückzusenden. Dieser Beitrag stellt Ihnen gute Tools und Ideen für Feedback und Bewertung im digitalen Unterricht vor.

Diverse Online-Prüfungsformate

Das virtuelle Klassenzimmer bereichert den Unterricht mit neuen Lernformen, und diese erfordern „unbedingt“ auch neue Prüfungsformate, betont Cornelia Schneider-Pungs in ihrem Blogbeitrag „Feedback und Bewertung im digitalen Unterricht“. Sind solche Online-Bewertungen „sorgfältig konzipiert“, wären sie „genauso aussagekräftig wie traditionelle Formen der Beurteilungen“ und vergleichbar „etwa mit Präsenztests und Abschlussprüfungen“. Im Folgenden einige ihrer Vorschläge.

Quizze fürs schnelle Feedback zwischendurch

Wenn Sie unterrichtsbegleitend ein „kontinuierliches Feedback während des Lernprozesses“ einbauen möchten, eignen sich dafür besonders gut Quizze oder generell „Aufgaben ohne Prüfungsrelevanz“ (ebd.). Dafür gibt es diverse Tools, eines davon ist Kahoot, das Ihnen dieser Beitrag im Lehrerbüro näher bringt. 

Open-Book- und Take-Home-Prüfungen

Falls Sie mit Microsoft Teams arbeiten, eröffnet die Aufgaben-Funktion vielfältige Möglichkeiten, z. B. Open-Book-Prüfungen, also schriftliche Prüfungen, die ohne Aufsicht geschrieben werden. Wie dieses Manual der Universität Bonn zeigt, erfordert sowohl die Vorbereitung als auch die Durchführung solcher Klausuren zunächst einen größeren Zeitaufwand. Sind Ihre Schülerinnen und Schüler jedoch einmal mit dem Konzept vertraut, geht es viel schneller, und einmal konzipierte Prüfungen lassen sich immer wieder verwenden.

Auch ein Take Home Exam ist eine schriftliche Prüfung, die zu Hause „im Umfang einer bestimmten Bearbeitungsdauer“ stattfindet. Hier sind ebenfalls Hilfsmittel bei der Lösung der Aufgaben zulässig. Und weil es auch hier keinerlei Aufsicht gibt, sollten Sie vermeiden, dass sich die Schülerinnen und Schüler untereinander absprechen können. Hilfreich sind dabei die folgenden Tipps auf der Website „Digitaler Freischwimmer“: Halten Sie die Bearbeitungszeit kurz, sodass jeder und jede Jugendliche zusehen muss, die eigenen Aufgaben zu lösen. Vermeiden Sie „Aufgaben, die lediglich Faktenwissen abfragen, reine Rechenaufgaben oder Aufgaben im Antwort-Wahl-Verfahren“, über die man sich schnell austauschen kann. Erstellen Sie verschiedene Prüfungsvarianten, um „ein Abschreiben“ zu verhindern usw.

Arbeitsergebnisse präsentieren

Nordrhein-Westfalen war eines der ersten Bundesländer, das im Sommer 2020 beschlossen hatte, bei der Leistungsbewertung Präsenz- und Distanzunterricht gleichwertig zu gewichten. Bei der Lernerfolgsüberprüfung und Leistungsbewertung in der Praxis stand vor allem die Präsentation von Arbeitsergebnissen im Fokus. Wie das dann konkret aussehen könnte, stellt die Schulbehörde in einer „Handreichung“ zusammen:

  • Die Schülerinnen und Schüler präsentieren mündlich, z. B. über Audiofiles/Podcasts, Videosequenzen oder im Rahmen von Videokonferenzen. Die Königsdisziplin ist natürlich ein Erklärvideo, bei dessen Erstellung die Jugendlichen auch gleich ihre digitalen Kompetenzen erweitern.
  • Oder sie dokumentieren ihre Arbeitsergebnisse schriftlich und multimedial, z. B. in digitalen Portfolios, Lerntagebüchern oder E-Books. Oder auch rein textlich mit Blogbeiträgen oder kollaborativ geschriebenen Texten.

Natürlich geht auch nach wie vor das gute, alte „Ausfragen“, ganz einfach per Videokonferenz.

Must-See: Vortrag von Björn Nölte

Wenn Sie noch ein halbes Stündchen Zeit haben, möchten wir Ihnen einen Vortrag ans Herz legen, der Ihnen viele gute Impulse für die Leistungsbewertung im digitalen Klassenzimmer gibt: Björn Nölte ist Schulaufsichtsreferent, erfahrener Seminarlehrer und natürlich selber Lehrer für Deutsch, Geschichte und Politik an der Voltaireschule in Potsdam. Seine Impulse für Leistungsbewertung im digitalen Klassenzimmer hat er direkt in der Praxis erprobt und teilweise auch zusammen mit seinen Schülerinnen und Schülern entwickelt. So hatte er beispielsweise am Ende eines Schuljahres in seiner 10. Klasse noch drei Wochen Zeit übrig, und schlug seinen Schülern und Schülerinnen folgendes vor: Ich erzähle euch jetzt, welche Themen und Inhalte in der Oberstufe auf euch zukommen, und ihr überlegt euch, welches Thema euch interessiert, womit ihr euch in den folgenden Wochen beschäftigen wollt, und auch, wie wir eure Arbeit dann bewerten könnten. De facto war der Plan, dass der Lehrer für 23 Schülerinnen und Schüler dann 23 jeweils individuell auf die Aufgabe und das gewählte Thema zugeschnittene Leistungsbewertungen machen wollte. Der Effekt war enorm: „Ich hab nie wieder in einer Lerngruppe in dem Alter derart motivierte, aktive Schülerinnen und Schüler erlebt, die auch selber im Nachhinein gesagt haben, wir haben so viel gemacht, wie sonst nicht.“ – Ein spannendes Experiment, das nicht das einzige in Björn Nöltes Vortrag bleiben sollte ...

Martina Niekrawietz


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