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Distanzunterricht

Fernunterricht: Neue Praxistipps für den digitalen Schulalltag

Ein Geheimrezept für guten digitalen Unterricht, das überall gleich funktioniert, gibt es wohl nicht. Mit unseren Praxistipps bekommen Sie aber viele Ideen an die Hand, die Sie direkt im Unterricht umsetzen können.

Distanzunterricht: Fernunterricht: Neue Praxistipps für den digitalen Schulalltag Gute vorbereitet in den Fernunterricht © Stock Rocket - stock.adobe.com

Der erste Unterrichtstag nach den Weihnachtsferien startete in vielen Bundesländern ohne Präsenz im Klassenraum, dafür vielerorts mit technischen Problemen. Am Abend berichtete die ARD-Tagesschau vom Ausfall vieler Lernplattformen. In den sozialen Medien versuchten einige Lehrkräfte, den Flop mit Galgenhumor zu nehmen und die technischen Pannen sind nach den Weihnachtsferien das zentrale Thema. Trotzdem findet Onlineunterricht statt und die Nachfrage nach Ideen und Materialien für „guten Distanzunterricht“ ist groß. Aber „guter Onlineunterricht“ – was ist das eigentlich? Wie aktivieren Sie Ihre Schüler/-innen und erreichen auch diejenigen, die sonst auf die eine oder andere Weise „abtauchen“? Dieser Beitrag gibt Ihnen dazu einige Praxistipps an die Hand und pickt für Sie ein paar „Rosinen“ aus dem Netz, die Sie mit wenig Aufwand und einfachen Mitteln sofort direkt umsetzen können.

Ein Padlet voller Ideen

Vielleicht arbeiten Sie in digitalen Gruppenarbeitsphasen bereits mit Padlets. Falls Ihnen das nichts sagt, lernen Sie hier eines kennen, das viele gute Anregungen für motivierenden Fernunterricht auf den Punkt bringt. Joschka Falck, digital ambitionierter Lehrer und Referent für Fortbildungen von Lehrer/-innen, nutzt das kollaborative Tool, um eine Vielzahl von „Gestaltungsideen für Online-Fortbildungen (oder Video-Unterricht)“ nebst Hinweisen auf geeignete Tools zusammenzutragen. Nutzer/-innen können das File mit seiner strukturierten Ideensammlung direkt im Netz ergänzen. Nach Genehmigung durch den Autor des Padlets steht der Beitrag dann direkt online. 

Das tabellenartige Padlet funktioniert dabei wie eine Stoffsammlung. Festgelegt sind die Oberpunkte, unter die sich dann thematisch passende Vorschläge, Linksammlungen, Statements, Gedanken etc. einreihen: Unter dem Punkt „Mögliche Video-Konferenz-Plattformen“ finden Sie beispielsweise Alternativen zu den in den Bundesländern eingeführten Kursmanagementsystemen bzw. Lernplattformen oder auch Vergleiche verschiedener Webkonferenzsysteme. Mit dem Lehrerbüro sind Sie für Unterrichtstage, an denen Moodle, Mebis & Co. nicht laufen, ohnehin bestens gerüstet. Sie können unter “Meine Einstellungen” Lerngruppen anlegen und dort Unterrichtsmaterial digital zur Verfügung stellen. Mit einem Zugriffscode, den Sie bei den Lerngruppen im Bereich Schreibtisch erhalten, haben die Schüler/-innen über meinelerngruppen.de direkten Zugang auf die Unterlagen. Ein eigener Punkt im frei verfügbaren Padlet von Falck widmet sich zudem den Rahmenbedingungen für reibungslosen Fernunterricht. Und für einen abwechslungsreichen Unterricht mit verschiedenen Sozialformen, Medien und Methoden sorgen die Tipps und Tools für interaktive Abstimmungen, Austausch im Plenum, Organisation von digitalen Gruppenarbeiten sowie für Zusammenfassung und Feedback.

Verlässliche Rahmenbedingungen schaffen

Sorgen Sie in Homeschooling-Phasen für eine feste Struktur, die Sie Ihren Schüler/-innen rechtzeitig kommunizieren, z. B. am Freitag für die kommende Woche. Beginnen Sie Ihre Stunde(n) wenn möglich mit einer Webkonferenz im Plenum. Joschka Falck empfiehlt, das „Meeting mindestens 20 Minuten vor Beginn“ zu eröffnen und für erste Schüler/-innen präsent zu sein (vgl. dazu den Punkt „Rahmenbedingungen“ im oben verlinkten Padlet von Joschka Falck). – Im Fachunterricht der Sekundarstufe ist das natürlich nur möglich, wenn im Stundenplan entsprechende Pufferzeiten zwischen aufeinanderfolgenden Fächern vorgesehen sind. Empfehlenswert sind regelmäßige Pausenzeiten jedoch allemal: Ihre Schüler/-innen können dann eine kurze Auszeit nehmen, z. B., um an die frische Luft zu gehen oder etwas zu essen. Wenn möglich kalkulieren Sie bzw. das Stundenplanteam genügend Vorlauf für Technik-Check, Troubleshooting und Support ein. Vielleicht gibt es an Ihrer Schule einen IT-affinen Kollegen oder eine Kollegin, die einzelnen Schüler/-innen – während der Unterrichtszeit oder zu festgelegten Zeiten – als Ansprechpartner bei technischen und anwendungsbedingten Schwierigkeiten zur Seite stehen. 

Eine verständliche „Anleitung zur Nutzung der Video-Software für Teilnehmer*innen anhängen“ – auch das ist ein guter Tipp aus dem Padlet von Falck. Falls Sie für Ihre Schüler/-innen neue Tools einsetzen möchten, bitten Sie einfach Ihre IT-Kolleg/-innen, diese im Vorfeld in ihrem Unterricht einzuführen. Idealerweise auch gleich mit einem Tutorial, mit dem die Jugendlichen Anwendungsprobleme eigenständig lösen können. Video-Tutorials oder Text-Manuals für die Klasse erstellen – das kann eine sinnvolle Aufgabe für Ihre Schüler/-innen im Medienkompetenz- oder Deutschunterricht sein. 

Damit es auf der zwischenmenschlichen Ebene klappt, legen Sie für den Chat und die interaktive Zusammenarbeit ein paar einfache Regeln fest. Am besten gemeinsam mit den Schüler/-innen: Eine zweistündige Unterrichtseinheit dazu finden Sie auf der Website medienkompetenzrahmen.nrw.

Methodenvielfalt mit bedacht

Die Einführung neuer komplexer Unterrichtsmethoden, wie zum Beispiel Flipped Classroom (vgl. dazu den unten verlinkten Beitrag hier im Lehrerbüro), würde Ihre Schüler/-innen im reinen Distanzunterricht überfordern. Einfachere Methoden, die bereits aus dem Präsenzunterricht bekannt sind, eignen sich besser für den Fernunterricht. Die Methodensammlung auf der Website QUA-LiS Schulentwicklung gibt Ihnen ein umfangreiches Repertoire an die Hand, immer gleich mit Hinweisen, zu welchen Unterrichtszwecken und -phasen die jeweiligen Methoden passen. Auch ein Wechsel der Sozialformen bringt Abwechslung in Ihren Fernunterricht: Blitzlicht, Placemat online, Zettel-Twitter, Marktplatz, Ampel, Koordinatensystem, Vier gewinnt und weitere Methoden für den Distanzunterricht, zusammengestellt von Christian Feierabend, finden Sie hier.  

Übrigens: Arbeitsblätter und (Schul-)Bücher gehören auch oder gerade beim Homeschooling zum Schulalltag. Besonders gut funktioniert beim Lernen ein „Mix aus analog und digital“, wobei ein „kürzerer Einsatz digitaler Medien wirksamer [ist] als [eine] lange Einsatzdauer“. (Vgl. dazu: „Im digitalen Zeitalter qualitätsorientiert lernen. Chancen und Grenzen digitaler Medien“, Handreichung für Lehrkräfte des Landesinstituts für Schulentwicklung Stuttgart, S. 14). Digitale Medien wie interaktive Lernprogramme und Apps, Erklärvideos etc. sollten also „wohldosiert“ zum Einsatz kommen, umso mehr, als Ihre Schüler/-innen im Distanzunterricht ja bereits ohnehin täglich mehrere Stunden am Bildschirm verbringen.

Hellwach mit Warm-ups

Warm-ups bringen müde Teenager morgens und zwischendurch auf Touren. Unter „Ideen für den Einstieg“ finden Sie auf Joschka Falcks Padlet ein breites Spektrum von Anregungen, unter anderem dieses ZEIT-Video für „mehr Spaß im Video-Call“: Wie wäre es z. B. mit einer Runde Bewegung? Die erste Person macht eine Bewegung vor, die anderen greifen sie auf und fügen, der Reihe nach, eine eigene hinzu. Dabei kommt nicht nur der Kreislauf, sondern auch das Gedächtnis in Schwung. Alternativ erstellen jeweils drei bis vier Schüler/-innen witzige Collagen aus ihren Screens. Sich trotz Bildschirm gegenseitig ganz bewusst wahrnehmen und sehen, das bleibt bei der Online-Kommunikation oft auf der Strecke, gelingt aber damit oder beim Zeichnen von Mitschüler/-innen sicherlich ganz wunderbar.

Unter dem Beitrag finden Sie zwei weitere Artikel zum Thema Videoseminare. Darin erfahren Sie mehr über kreative Bewegungsideen, animierende Spiele für den Videounterricht und Tools, wie Sie den Onlineunterricht gestalten können. Nach einer kurzen, bewegungsintensiven und kreativen Phase kann der konzentrierte Unterricht in lockerer Atmosphäre (wieder) starten.

Martina Niekrawietz

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