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Back to school

Hygiene-Challenge: Regeln beachten und durchhalten

Hygiene- und Abstandsregeln sind für Jugendliche Spaßbremsen – und ihre Nichteinhaltung gefährlich. Aufklärung ist hier besonders wichtig. Das funktioniert am besten, wenn die Gefahren ohne erhobenen Zeigefinger immer wieder anschaulich deutlich gemacht werden.

Back to school: Hygiene-Challenge: Regeln beachten und durchhalten Jugendliche vergessen schnell, dass sie nicht mehr so eng beieinandersitzen dürfen © Syda Productions - stock.adobe.com

„Deutschrap gibt Corona-Nachhilfe“, so übertitelt Michael Rubach auf der Website hiphop.de einen Beitrag über den Allstars-Hit „Coroni Megamix“. Longus Mongus hatte auf Instagram einen kurzen Text gerappt, dessen Beat viele Kollegen aufgriffen. Am Ende (oder kommt da noch was?) widmeten sich 16 Parts (= Strophen) dem Thema Corona. Die Rapper geben Hygienetipps: öffentliche Verkehrsmittel meiden, Ellenbogen-Check statt Händeschütteln, solidarisch sein und zu Hause bleiben, um eine noch strengere Ausgangssperre zu vermeiden und Risikogruppen zu schützen, Maske tragen beim Einkauf, Hände 30 Sekunden lang waschen – tatsächlich werden fast alle von Virologen empfohlenen Hygienemaßnahmen angesprochen. Doch sie werden – wie manche Parts einzelner Rapper auf Instagram zeigen – leider auch wieder durch „Coolness“ konterkariert: Da hängt bei Longus Mongus der Mund-Nasen-Schutz lässig unterm Kinn, Musiker halten keinen Abstand, und als Rapper die Quarantänezeit totschlagen heißt offenbar, das Immunsystem durch Rauchen, Trinken, Kiffen und stundenlanges Zocken zu schwächen. – Im Unterricht ist der „Coroni Megamix“ deshalb mit Vorsicht zu genießen und kritisch zu hinterfragen.

Risiken thematisieren und bewusst machen

Die strikte Einhaltung der Hygieneregeln dient dem Schutz von Schülern und Lehrern, und natürlich auch von allen weiteren Kontaktpersonen. „Flatten the Curve“ ist die Devise und es bedeutet, die Zahl der Neuansteckungen möglichst niedrig zu halten. Das gebietet die soziale Verantwortung, denn nur, wenn die Infektionskurve flacher wird, ist gewährleistet, dass genügend Intensivkapazitäten für besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen zur Verfügung stehen. Gerade jetzt, wo die Maßnahmen schrittweise gelockert werden, ist es wichtig, die Hygiene-Basics zu automatisieren, zu verinnerlichen und weiter durchzuhalten, um nicht wieder in ein exponentiell steigendes Infektionsgeschehen zurückzufallen. Doch wie vermitteln Sie das Kindern und – vor allem – pubertierenden Jugendlichen?

Wichtig ist zunächst der Hinweis, dass auch junge Menschen nicht vor schweren Krankheitsverläufen gefeit sind: So ist zum Beispiel der – schwer übergewichtige – Rapper Fred the Godson an Covid-19 erkrankt und mit nur 35 Jahren daran gestorben.

Zudem beobachtet man in jüngster Zeit bei einigen Kindern und Jugendlichen bis 15 Jahre eine „mysteriöse Krankheit“, die mit entzündeten Blutgefäßen, „Fieber und oftmals Hautausschlag“ einhergeht, wie der Deutschlandfunk am 6.5.2020 berichtet. – „Coolness“ und Leichtsinn sind also unangebracht.

Auch die Tatsache, dass die Pubertät oft mit riskantem Gesundheitsverhalten einhergeht, sollte thematisiert werden: So „steigt mit dem Jugendalter das Mortalitätsrisiko deutlich an, wobei die Sterblichkeit unter Jungen doppelt so hoch ist wie unter Mädchen“, fasst die Website „DORSCH Lexikon der Psychologie“ zusammen (vgl. dazu den Eintrag „Pubertät, Gesundheitsrisiken“), zudem zeigten Jugendliche „eine erhöhte Responsivität für Stressoren und neg. [Anm.: negative] Affekte“.

Gefahren sichtbar machen, Überzeugungsarbeit leisten

Das Risiko einer Corona-Viren-Infektion ist eine unsichtbare Gefahr. Deshalb ist es wichtig, die Ansteckungswege zu visualisieren. YouTuber Checker-Tobi tut dies etwa mit einer halbvollen Mehltüte, die er – effektvoll mit Hustengeräuschen – rhythmisch drückt. Die Übertragung durch Schmierinfektionen verbildlicht er mit Glitter-Pulver beim Streichen eines Käsebrots mit „ungewaschenen“ Händen. Obwohl sein Video „Der Viren-Check“ an Kinder gerichtet ist, ist es auch für Ältere und Erwachsene überraschend, wie flächendeckend sich das Virus verbreitet, wenn man es versäumt, sich die Hände zu waschen. Warum man dabei nicht an Seife sparen sollte, demonstriert dieses Video: Mikroben verhalten sich wie der Zimt in dem Video, und das Virus mit seiner äußeren Fettschicht wird durch Seife zerstört und unschädlich gemacht.

Diverse Videos im Netz zeigen eindrucksvoll die Verbreitung des Virus durch Aerosole. So prüfte beispielsweise die Redaktion des Wissensmagazins Quarks Sinn und Zweck eines Mundschutzes in diesem Video: Mit einer Spezialkamera filmte das Team die Verbreitung der Tröpfchen beim Husten und Niesen – ohne und mit verschiedenen Masken. „Unsere unwissenschaftliche Empfehlung nach dem Experiment: Ja, tragt einen Mundschutz!“, so die Redaktion im Untertext zum YouTube-Video. Und auch, warum man an einem Mundschutz nicht dauernd „‘rumzuppeln“ sollte, erklärt das Video.

Wer in die Suchmaschine „Verbreitung Aerosole Video“ eingibt, erhält zahlreiche weitere anschauliche Filme, etwa um zu demonstrieren, warum wir nicht in die Hand, sondern in die Ellenbogenbeuge husten sollten.

Hygieneregeln in Wort, Bild und Film

Die wichtigsten Hygienetipps bringen die Materialien auf der Website infektionsschutz.de auf den Punkt. Hier finden Sie zum Beispiel die 10 wichtigsten Hygienetipps als Infografik, die Sie gut sichtbar im Klassenraum, auf den Gängen und im Schulhof aufhängen können. Bei den Waschbecken positionieren Sie am besten das Schaubild „Richtig Händewaschen“. Und unter dem Menüpunkt „Informationen in anderen Sprachen“ finden Sie die wichtigsten Materialien und Hygieneregeln in vielen verschiedenen Sprachen – auch für Ihre Schüler mit Migrationshintergrund und deren Familien hundertprozentig verständlich. – Den Film „Warum Abstand halten so wichtig ist“, ebenfalls auf der Seite zu finden, gibt’s übrigens auch in englischer Sprache. – Ideal, um im Englischunterricht das Hörverstehen Ihrer Schüler zu verbessern.

Auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung veröffentlicht zahlreiche Erklärfilme rund um das Virus auf dem YouTube-Kanal der BZgA. Die „Antworten auf häufig gestellte Fragen“ allerdings sind offensichtlich mit heißer Nadel gestrickt und bieten nichts als Fakten, manchmal aufbereitet mit einfachen Grafiken und mit monotoner Stimme vorgetragen.

Materialien zum Thema Hygiene im Lehrerbüro

Hier in Ihrem Lehrerbüro finden Sie diverse Materialien für eine Unterrichtseinheit in Sachen Hygiene- und Verhaltens-Regeln: Wie wäre es zum Einstieg mit einem kurzweiligen Wissenstest zum Thema Hygiene? (Link siehe unter diesem Artikel). Ihr Lehrerbüro bietet Ihnen dazu für Schüler ab der 7. Klasse die unten verlinkte Quiz-Geschichte zum Corona-Virus „Party oder Pandemie“. Wie der Titel schon vermuten lässt, setzt die Rahmengeschichte in der Lebenswelt der Schüler an. Das tut übrigens auch der „Mini-Corona-Hygiene-Führerschein“, der einige knifflige Hygienefragen in eine unterhaltsame Quizgeschichte mit Multiple-Choice-Antworten verpackt. 

Um die Hygienemaßnahmen speziell in der Schule drehen sich auch die unten verlinkten Unterrichtsmaterialien hier im Lehrerbüro. Neben den zentralen Vorgaben wie Abstand halten oder regelmäßig und richtig Händewaschen bekommen die Kids auch noch einige weitere Praxistipps, z. B. regelmäßiges Lüften des Klassenzimmers, Türen mit dem Ellenbogen öffnen oder den wichtigen Hinweis „Nicht mit den Händen ins Gesicht fassen“. Und die Materialien „Corona-Virus, Hygiene“ für die Klassen 5 bis 10 berücksichtigen weitere wichtige Aspekte, zum Beispiel warum die Schüler Ihr Smartphone nicht teilen und wie sie es regelmäßig reinigen sollten. 

Last but not least sei noch auf eine kreative „Challenge“ für Ihre Schüler hingewiesen: Die Schüler konzipieren und drehen selbst ein Erklärvideo zu „Hygieneregeln bei Infektionskrankheiten“. – Je nach Infektionslage zu Hause allein bzw. mit Familienmitgliedern oder mit verteilten Rollen in einem Filmteam, das sich online verständigt und Materialien tauscht. – Das unten verlinkte Unterrichtskonzept mit Arbeitsblättern minimiert dabei Ihren Vorbereitungsaufwand. Da jedoch viele der Arbeitsaufträge in Gruppenarbeit gelöst werden sollten, gilt es noch praktische Alternativmethoden zu entwickeln und ggf. Fragen zum Ablauf zu klären: Über welches Tool kommuniziert das Team? Wer übernimmt welche Aufgabe und an welchen Stellen des Arbeitsprozesses müssen die Schüler kommunizieren? etc.

Hygieneverhalten verstetigen

Wer Halbwüchsigen die Hygienetipps nachhaltig vermitteln möchte, lässt es am besten nicht mit einer einzelnen Unterrichtseinheit bewenden. Rufen Sie die Maßnahmen zum Eigen- und Fremdschutz immer wieder ins Gedächtnis. Zum Beispiel mit den verschiedenen Unterrichtsmaterialien in Ihrem Lehrerbüro oder indem Sie mit den Schülern gemeinsam eine Pressekonferenz des RKI verfolgen, für Jugendliche besonders interessante Folgen des Corona-Podcasts des Virologen Christian Drosten vorstellen oder mit der Klasse über tagesaktuelle Ereignisse und Trends diskutieren, zum Beispiel über die unsäglichen „Hygiene-Demos“, die sich gegen die Corona-Maßnahmen der Politik wenden, und Verschwörungstheorien, Impfgegnern und (Rechts-)Extremisten eine Bühne bieten. 

Grundsätzlich wäre es auch schön, wenn es Ihnen gelingt, den persönlichen Erfahrungen und Erlebnissen der Schüler Raum zu geben: Welche Maßnahmen trefft ihr beim Sport, bei Bandproben etc.? Wie geht es dir mit der Ansteckungsgefahr? Welche Situationen bereiten dir Angst? Wie läuft es in eurer Familie? Wo und wann gibt es „Stress“? – Wenn Sie mit Ihren Schülern über solche wichtigen Fragen sprechen, stärken Sie nicht nur die Lehrer-Schüler-Beziehung, sondern Sie werden auch immer wieder Ansatzpunkte für die Gesundheitsprävention finden. Apropos: Nach wie vor haben Kinder und Jugendliche in Corona-Zeiten ein höheres Risiko, Opfer von Gewalt und sexuellem Missbrauch zu werden. Auch dieses heiße Eisen sollte der Unterricht anpacken, denn betroffene Schüler sollten unbedingt erfahren, wo sie sich im Falle eines Falles Hilfe holen können.

Martina Niekrawietz

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