Fach/Thema/Bereich wählen
Demokratieerziehung

Klassenrat: Wo debattieren etwas bewegt

Demokratieerziehung zeitigt große Erfolge, wenn Schüler/-innen einen Klassenrat gründen und über viele Schüleranliegen mitentscheiden können. Beispiele aus der Praxis zeigen, wie es geht – mit Erfolg für die Schulgemeinschaft.

Demokratieerziehung: Klassenrat: Wo debattieren etwas bewegt Das ist gelebte Demokratie: Sich gemeinsam und eigenverantwortlich für die Belange der Klasse einzusetzen © Africa Studio - stock.adobe.com

„Demokratie wagen im Klassenrat“ – das ist an der Erich Kästner Realschule in Ransbach-Baumbach mittlerweile festes Programm. Lehrer Georg Martin Schilk hält in diesem Zusammenhang besonders den Klassenrat „für eine gute Sache“. Schließlich sei es „schlicht und einfach Aufgabe der Schule (...), den Schüler als mündigen Bürger in eine (...) demokratische Gesellschaft einzuführen“ und dafür sei so ein Klassenrat „das beste praktische Beispiel“, sagt Georg Martin Schilk in einem Videoporträt der Modellschule für Partizipation und Demokratie in Rheinland-Pfalz.

Vor der Einführung des Klassenrates in den Klassenstufen 5 und 6 im Jahr 2003 mussten die Initiatoren zunächst Überzeugungsarbeit leisten: Während die Schüler/-innen der Idee positiv gegenüberstanden, waren einige Lehrer/-innen im Kollegium skeptisch: Geht da nicht Unterrichtszeit verloren, die mir dann hinterher in meinen Fächern fehlt? Georg Martin Schilk hat eher die Erfahrung gemacht, dass der Klassenrat und die anderen partizipativen Schülergremien wie Stufen- und Schulparlament unterm Strich für die Lehrer/-innen eine Arbeitsentlastung sind: Die Schüler/-innen diskutieren beispielsweise eigenständig über die Klassenfahrt oder lösen Streitigkeiten untereinander – Themen, die im Unterricht sonst viel Zeit rauben.

Einblicke in eine Klassenratssitzung

Der eingangs verlinkte Film gibt Ihnen ab Minute 1:05 einen ersten Eindruck von einer Klassenratssitzung, die die Schüler/-innen eigenständig organisieren und abhalten. Mit den Ämtern im Klassenrat übernehmen sie Verantwortung für bestimmte Bereiche: Die Vorsitzende leitet die Sitzungen, die Schriftführerin protokolliert die Diskussionen und Beschlüsse und der Zeitnehmer wacht über die Einhaltung der zeitlichen Vorgaben, etwa bei Diskussionen/Debatten der Klassengemeinschaft. 

Auf der Tagesordnung stehen Themen wie Sportnacht, Vorbereitung der Abschlussfeier, Projektwoche zu Gewalt an Schulen oder auch Meinungsverschiedenheiten zwischen Lehrern/Lehrerinnen und Schülern/Schülerinnen. Bei den Diskussionen der Schüler/-innen fällt auf, wie gut sie einander zuhören und aufeinander eingehen können. – Im Rahmen des systematischen Lernkompetenztrainings erweitern sie ab der 5. Klasse ihre sozialen und kommunikativen Kompetenzen: „Gesprächsführung, Textarbeit, Teamarbeit, Präsentationen, Umgangsformen“ – all das kommt ihnen nicht nur bei der Klassenratsarbeit, sondern auch im späteren Berufsleben zugute. 

Demokratie wagen im Klassenrat

Der Klassenrat tagt in regelmäßigen Abständen und folgt bestimmten Regeln, die einen kultivierten Ablauf gewährleisten. Auf der Tagesordnung stehen „inhaltliche Anliegen und Probleme“ oder „soziale Konflikte“, für die die gesamte Klasse in einem demokratischen Miteinander Lösungen sucht und findet. Prof. Hans Wocken beschreibt in seinem Beitrag „Demokratie lernen und leben im Klassenrat“, wie das konkret ablaufen sollte: Das erste Wort hat dabei immer „die*der Antragssteller*in“ bzw. „die*der Beschwerdeführer*in“ (ebd., S. 5). Bei inhaltlichen Fragen stellt das Plenum „zunächst klärende Nachfragen zu dem vorgebrachten Anliegen“. Dann folgt eine Pro- und Kontra-Runde für oder gegen einen Antrag oder „in einem Brainstorming Lösungsvorschläge für das anstehende Problem“ (ebd.).

Bei Konflikten stellen beide Kontrahenten ihre Sicht dar, bevor „die Mitschüler*innen ihre Wahrnehmung der Konfliktlage einbringen“. Dabei geht es „nicht um die Suche nach Schuldigen, sondern in erster Linie um eine sachliche Klärung und ein empathisches Verständnis des Konflikts“. Zuletzt sammelt die Klasse mögliche Lösungen und Vorschläge für „konkrete Regeln und Regelungen zur Kooperation und Kommunikation in der Klasse.“

Beschlüsse fassen – ein „Muss“

Am Ende jedes Tagesordungspunktes steht ein Beschluss, eine Vereinbarung, Lösung oder Abstimmung. Bei den Sachthemen und -problemen sollte laut Wocken „eine Konsenslösung, mindestens jedoch eine Zweidrittelmehrheit angestrebt werden“ (ebd.). Kampfabstimmungen sind kontraproduktiv: Sie spalten die Klasse. Und wenn sich partout kein Konsens finden lässt, rät Wocken zu einem Moratorium. – Vielleicht ist ja auch ein Kompromiss möglich, zum Beispiel bei der Entscheidung für ein Klassenfahrtziel: „In diesem Jahr fahren wir nach X, und im nächsten Jahr nach Y“ oder „Wir unternehmen einfach zwei kürzere Klassenfahrten“.

Bei einem sozialen Konflikt hingegen entscheiden die Beteiligten allein, welche Lösung für beide Seiten annehmbar ist. Immer gilt: Der Konflikt ist erst beendet, „wenn beide Konfliktparteien sich einvernehmlich auf eine Konfliktlösung verständigt haben“ (ebd.).

Falls auch Sie an Ihrer Schule oder in Ihrer Klasse einen Klassenrat initiieren möchten, hier noch eine gute Idee, die die Laborschule in Dresden im Rahmen einer Projektwoche zum Thema „Demokratie in der Schule“ umgesetzt hat: Die Schüler erstellten in Gruppenarbeit ein kurzes filmisches „Tutorial Klassenrat“, das die Arbeit in diesem Schülergremium vorstellt. – Herausgekommen ist ein knapp siebenminütiges Video, das pointiert über Ablauf und Themen des Klassenrats informiert und gleichzeitig zeigt, dass Partizipation und Demokratie in der Schule richtig viel Spaß machen kann.

Martina Niekrawietz

Dazu passender Ratgeber

Mehr zu Ratgeber Schulorganisation
Cookies nicht aktiviert

Ihr Browser akzeptiert derzeit keine Cookies.

Wenn Sie das Lehrerbüro in vollem Umfang nutzen möchten, dann muss in Ihrem Browser die Nutzung von Cookies erlaubt sein.

Was Cookies genau sind und wie Sie die Browser-Einstellungen ändern können, erfahren Sie auf dieser Seite: Cookies nicht aktiviert

×