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Übergang in die weiterführende Schule

Schulzeit-Ende: Was die Kids jetzt von Ihnen brauchen

Was passiert nach der Schulzeit? Für viele Schüler/-innen bedeutet das Ende der Schule auch ein Abschied und Trauer. Wir haben Tipps, wie Sie Ihre Schüler/-innen jetzt am besten unterstützen können.

Übergang in die weiterführende Schule: Schulzeit-Ende: Was die Kids jetzt von Ihnen brauchen So erleichtern Sie Ihren Schüler/-innen den Start nach der Schule © Andrey Popov - stock.adobe.com

Lebenslang erinnern sich die meisten Menschen an einschneidende Erlebnisse und daran, was sie in dem Moment gemacht haben, als „es passiert“ ist. Das können historisch bedeutsame Ereignisse sein wie die Zerstörung des World Trade Centers in New York, oder eben auch extreme Veränderungen in der eigenen Biografie. Letztere müssen gar nicht plötzlich kommen, sondern sind manchmal schon lange absehbar, wie das Ende der Schulzeit. Und trotzdem kann speziell dieser Abschied Schülerinnen und Schüler „eiskalt erwischen“. Denn diese Lebensphase ist eine brisante Mischung aus plötzlicher Freiheit und der immensen Verantwortung, die Weichen für ein glückliches Erwachsenenleben zu stellen.

Das überfordert viele Jugendliche so sehr, dass sie zu überaus scheuen „Schneeleoparden“ mutieren, wie Ulrike Bartholomäus beobachtete. Sie hat ein Buch über die Orientierungslosigkeit nach der Schule geschrieben, und wollte eigentlich mit Heranwachsenden über ihre Gefühle und Gedanken sprechen. Doch das war schwierig: „Wann immer man versucht, an sie heranzukommen, machen sie sich aus dem Staub und melden sich nicht mehr zurück“, erzählt die Autorin im Interview mit dem Tagesspiegel. Man bekomme „ihre Gedankenwelt einfach nicht zu fassen“. 

Schritt 1: Locker ins Gespräch kommen

Das ist also gar nicht so einfach und funktioniert auf jeden Fall nur ohne Druck und mit etwas Kreativität. Frau Bartholomäus verfiel darauf, die Kids von Gleichaltrigen interviewen zu lassen. Das hat geklappt, „die Schneeleoparden“ kamen „aus ihren Höhlen“ (ebd.).

Sie kennen Ihre Schülerinnen und Schüler natürlich am besten und wissen, wie Sie sie aus der Reserve locken können. Hier ein paar Ideen für „unaufdringliche Gesprächsangebote“:

  • Sie installieren eine Krisen-Sprechstunde, die die Kids nach Vereinbarung besuchen können.
  • Sie initiieren einen „Kummerkasten“ für anonym gestellte Fragen und Probleme rund um den Schulabschied, die Sie dann in regelmäßigen Abständen im Plenum aufgreifen. 
  • Sie signalisieren den Schülerinnen und Schülern, dass Sie sich selbst noch gut erinnern, wie die Zeit nach der Schule war. Vielleicht erzählen Sie ein bisschen, und die Kids sehen, dass Planlosigkeit, Trauer, Überforderung, Feiern „bis der Arzt/die Ärztin kommt“ etc. ganz normale (Gefühls-)Zustände in ihrer Situation sind. 

Schritt 2: Unterstützung bei der Trauerarbeit

Tatsächlich erleben Jugendliche das Ende der Schulzeit als krisenhaften Abschied, der nicht leicht zu bewältigen ist. In dem Beitrag „Ein langer Abschied von der Schule“ etwa schildern 5 Abiturientinnen ihren Abschieds-Blues in fünf Trauerphasen. – Ein Text mit einer bittersüßen Mischung aus Humor und Tragik, mit dem sich sicherlich viele Ihrer Schüler und Schülerinnen identifizieren können. Er eignet sich auch gut als Einstieg in eine Stunde zum Thema „Umgang mit Krisen“, wo Sie verschiedene Facetten des Themas aufgreifen könnten, wie z. B. das Suchtrisiko durch exzessive Mediennutzung nach dem Prüfungsstress, dessen Ausmaß Ulrike Bartholomäus bei ihren Recherchen überraschte (ebd.).

Alternativen dazu sind Bewältigungsstrategien in Krisen- und Trauerfällen, die gelernt sein wollen: Hintergrundinformationen und Anregungen dazu bietet die Bachelorthesis „Wenn der Tod Schule macht“ von Raphael Haag, der Schulsozialarbeit an der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg studiert hat. Hier finden Sie beispielsweise verschiedene Trauerphasenmodelle (ab S. 8), unter anderem das von Verena Kast, Informationen über die Besonderheiten der Trauer bei Jugendlichen, verschiedene Ansätze und praktische Methoden der Trauerarbeit inklusive Methodenkoffer im Anhang der Arbeit (ebd. ab. S. 62). 

Noch ein Hinweis: Lassen Sie sich nicht dadurch irritieren, dass es in Raphael Haags Abschlussarbeit um die Trauer nach dem Tod eines geliebten Menschen geht. Auch wenn bei einem Schulabschied niemand stirbt, verlieren die Jugendlichen doch in dieser Lebensphase einen Großteil der wichtigsten Menschen in ihrem Leben: Lehrkräfte und damit manchmal „Lebenslehrer oder -lehrerinnen“ und in der Regel auch auf einen Schlag oft fast alle ihrer Freunde, Freundinnen und Peers, mit denen sie bisher den Schulalltag geteilt haben.

Schritt 3: Lebenspraktische Probleme lösen

Oft sind es besonders auch lebenspraktische Themen, die die Jugendlichen in dieser Umbruchzeit wirklich interessieren. 

  • Wie kann man mit „wenig Kohle“ klar kommen?
  • Wie geht das eigentlich, eine eigene Wohnung suchen? 
  • Worauf muss man beim Abschluss eines Mietvertrags, bei der Gründung einer WG etc. achten? 
  • Was ist besser, Ausziehen oder Hotel Mama? Usw. 

Wenn Sie diese Fragen in den letzten Wochen des Schuljahres aufgreifen, werden Ihre Schülerinnen und Schüler vermutlich dankbar sein. Und vielleicht haben die Kids danach auch mehr Kapazität für eine andere wichtige Frage: Wie stelle ich die Weichen richtig bei meiner Berufswahl? 

Schritt 4: Einen Plan haben ist gar nicht so schwer

Schule aus und endlich Zeit zum Faulenzen, Reisen, Feiern - hier ist Augenmaß besser als monatelanges „Dauerchillen“, von dem Ulrike Bartholomäus abrät: „Alle Psychologen und Hirnforscher“ hielten das für „kontraproduktiv“, sagt sie im oben verlinkten Interview, durch „langes Nichtstun sterben Nervenzellen ab.“ Wer keine Lust zum Studieren oder zu einer Ausbildung hat, sollte dann „einfach jobben“, rät sie. Auch ein „Gap Year“ sei „eine sehr gute Idee.“ 

Es kann gut sein, dass die Jugendlichen kurz vor oder nach den Abschlussprüfungen wenig Lust auf eine vernunftgesteuerte Planung der nächsten Wochen, Monate oder gar Jahre haben. Doch – wie auch der Text der fünf Abiturientinnen zeigt – der Entscheidungsdruck steigt nach dem Schulabschied schnell:

„Die Ersten ziehen in den folgenden Tagen und Wochen in andere Städte, machen ein Auslandsjahr, beginnen ein duales Studium. Wenn wir gefragt werden, was wir machen wollen, entgegnen wir genervt: „Schlafen.“ Inzwischen werden wir Ahnungslosen sogar von manchen Mitschülern komisch beäugt.“

Vielleicht ist genau das dann der richtige Zeitpunkt, um auch den letzten zögerlichen „Ahnungslosen“ noch einmal Entscheidungshilfe zu geben. Zum Beispiel bei einer allerletzten Schulveranstaltung zum Thema „Schulabschluss – was jetzt?“ ein paar Wochen nach dem Schulabschied. Bei dieser Gelegenheit könnten Sie Ihren ehemaligen Schülerinnen und Schülern ein paar Webadressen vorstellen, um sich schnell über die Optionen den Überblick zu verschaffen: zum Beispiel das umfassende Dossier „Wie geht’s weiter nach der Schule?“ auf dem deutschen Bildungsserver. Hier finden Lehrkräfte übrigens auch für alle Möglichkeiten von Ausbildung über Gap-Jahr und Studium „wertvolle Unterrichtsmaterialien für Klassen, die kurz vor dem Schulabschluss stehen.“ Mit dabei ist auch die „Berufswahl-App „Aivy“ mit „kurzen Challenges“, mit denen die Jugendlichen ihre „versteckten Stärken und Potenziale“ entdecken können. Und beerobi.de, eine tolle Website, die interaktiv über Ausbildungsberufe informiert, stellt ihnen dieser Beitrag hier in Ihrem Lehrerbüro vor.

Schritt 5: Den Abschied aktiv gestalten

Gut loslassen fällt leichter, wenn wir selbst aktiv werden und auch, wenn wir gemeinsam Abschiedsrituale zelebrieren. Auch hierbei sind die Jugendlichen möglicherweise froh, wenn Sie sie unterstützen.
Zum Beispiel, wenn es um Ideen für die Abschluss-Zeitung geht. Oft finden sich Anregungen und Tutorials dazu auf den Websites von Druckereien oder Anbietern von verschiedenen „Abschlussprodukten“. Ein wirklich fundierter Beitrag mit weiterführenden Links findet sich etwa auf der Seite von Daniela Meisch: „10 Ideen für eine schöne Abizeitung“.

Martina Niekrawietz


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