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Gemeinsam unterrichten

Teamteaching und Teamarbeit - Chancen und Möglichkeiten

Teamteaching ist vor allem in der Inklusionsarbeit etabliert. Dieser Artikel gibt einen breiten Überblick über die Hintergründe, Herausforderungen und Chancen von Teamteaching in der Regelschule.

Gemeinsam unterrichten: Teamteaching und Teamarbeit - Chancen und Möglichkeiten So profitieren alle vom Teamteaching © Hero Images - Shutterstock.com

In der heutigen digitalen Zeit wird Teamarbeit immer wichtiger, da sich die Lernkultur verändert hat. Auch Schüler/-innen müssen lernen, teamfähig zu sein, kooperativ zu planen und kreative Lösungen zu finden. In vielen Gruppenarbeiten und Unterrichtsmethoden wird dies verlangt. Doch nicht allein das Vermitteln und Üben dieser Kompetenzen ist von großer Bedeutung, sondern Lehrende können durch Teamteaching und wirklicher Teamarbeit auch ein gutes Vorbild sein. Nicht jede Gruppe ist ein Team. Die meisten Lehrer/-innen an Regelschulen sind Einzelkämpfer. Angst und Unsicherheit, beobachtet oder kritisiert zu werden oder sich umstellen zu müssen, hält etliche Lehrkräfte davon ab, in Kooperation zu unterrichten. Die alltägliche Situation in den Regelschulen macht die Umsetzung dieser Lehrmethode jedoch auch nicht unbedingt einfacher.

Eine zunehmende Heterogenität und schwierigere Schülerschaft, verlangen nach neuen Unterrichtsformen. Um allen Schüler/-innen gerecht zu werden, sind Differenzierungen und unterschiedliche Unterrichtsmethoden notwendig 

An den Förderschulen ist Teamteaching alltäglich, da mindestens zwei Kolleg/-innen in einer Klasse unterrichten. Die praktische Umsetzung an den einzelnen Schulen ist allerdings sehr unterschiedlich. An den Regelschulen ist dies personell und organisatorisch oftmals schwer umzusetzen. Dennoch sind in vielen Fällen zwei Lehrkräfte als Klassenlehrer/-innen für eine Klasse zuständig und nutzen Kooperationsmöglichkeiten bzw. treffen Absprachen. In Inklusionsschulen arbeiten, zumindest stundenweise, eine Regelschullehrkraft und eine Förderschullehrkraft zusammen, die miteinander kooperieren müssen.

So ist zu unterscheiden zwischen Teamteaching zweier Lehrkräfte in einer Klasse und kooperativer Teamarbeit mit Kolleg/-innen z. B. einer Stufe oder eines Faches. Beide Systeme sind wertvoll und notwendig. Von einer kooperativen und kommunikativen Zusammenarbeit der Lehrkräfte profitieren sowohl Schüler/-innen als auch Lehrer/-innen. Die Lehrenden lernen ebenso voneinander und können ihre Arbeit besser reflektieren. Die Kinder und Jugendlichen erfahren, wie Kooperation und Zusammenarbeit funktioniert und erhalten u. U. mehr (positives) Feedback.

Verschiedene Modelle der Teamarbeit

Erfolgreiche Teamarbeit hat ein gemeinsames Ziel und sucht gemeinsam nach Lösungen.
Hierbei gibt es verschiedene Modelle, die an den einzelnen Schulen individuell und nach entsprechenden Voraussetzungen umgesetzt werden können.

  • "Teamteaching "
    Das bedeutet, dass beide Lehrkräfte (in einer Inklusionsklasse sind es Regelschullehrer/-in und Förderschullehrer/-in, in der Förderschule zwei Lehrkräfte.)  gemeinsam unterrichten. Hierbei übernimmt jeder im Wechsel die Führung der Stoffvermittlung.
  • Parallelunterricht ("parallel teaching")
    Die Lerngruppe wird geteilt. Jede Lehrkraft unterrichtet eine Gruppe. Der Lehrstoff ist für beide gleich.
  • Lehrerin und Beobachterin ("one teach, one observe")
    Der Unterricht wird vorrangig von einer Lehrkraft übernommen. Die andere beobachtet die Schüler/-innen und deren Verhalten.
  • Lehrer/in und Helfer/in ("one teach, one assist")
    Eine Lehrkraft führt den Unterricht durch. Die andere Lehrkraft unterstützt die Kinder beim Lernen. Sie kann gezielt auf Schwierigkeiten eingehen und Störungen regulieren.
  • Niveaudifferenzierter Unterricht ("remedial teaching")
    Die Klasse wird in zwei Lerngruppen, je nach Lernvoraussetzung, geteilt. Eine Lehrkraft unterrichtet die leistungsstärkeren Schüler/-innen. Die andere Lehrkraft arbeitet mit den Kindern, die stärkere Unterstützung bei dem Lernstoff brauchen. Sie bietet zusätzliches Material an und gibt differenzierte Hilfen.
  • Stationsunterricht ("station teaching") 
    Entsprechend zum Lernstoff werden Stationen aufgebaut, die von den Lehrkräften beaufsichtigt werden. Die Schüler/-innen wechseln von einer Station und von einer Lehrkraft zur nächsten.

Herausforderungen bei der Teamarbeit

Das Lehrerdasein war bis vor einiger Zeit noch weitestgehend so angelegt, dass jeder für sich allein gearbeitet, d. h. geplant, vorbereitet, durchgeführt und reflektiert hat. Im Laufe der Zeit hat sich dies jedoch geändert. Dennoch fehlen an etlichen Schulen die Möglichkeiten oder in manchen Fällen auch die Bereitschaft, Zusammenarbeit konsequent durchzuführen.

Teamteaching als kooperative Lehrmethode braucht Zeit, um sich zu entwickeln und kann nicht von heute auf morgen umgesetzt werden. Konflikte oder Missverständnisse müssen ausgeräumt werden. Es ist auch nicht leicht, alte Gewohnheiten abzulegen und sich auf neue einzulassen. Dazu müssen einige Hürden überwunden werden.
Zu den persönlichen Hindernissen gehören oftmals auch Gedanken oder Ausreden wie:

  • Dazu fehlt mir die Zeit.
  • Ich kann mich am besten auf mich selbst verlassen.
  • Ich möchte nicht noch mehr Belastung haben.
  • Allein kann ich schneller und besser planen und unterrichten.
  • Ich kann mir nicht vorstellen, dass das funktionieren soll.
  • Ich habe keine Lust, mich immer auf Treffen vorzubereiten.

Die schulischen Hindernisse hängen von der Organisation und Struktur der Schule ab.

  • Der Lehrplan muss überdacht und angepasst werden.
  • Es gibt zu wenig Fortbildungen an der Schule, die diese Thematik behandelt.
  • Die Stundenpläne sind noch nicht darauf eingestellt.
  • Regelmäßige Absprachen erfordern u. U. etwas mehr Zeit.

Schwierig kann es auch werden, wenn es keine Transparenz gibt und jeder seine Ideen für sich behält. Fähigkeiten und Erfahrungen, die jeder mitbringt, werden nicht immer gewürdigt oder anerkannt. Fehlende Kompromissbereitschaft schafft Konflikte und erschwert die Zusammenarbeit.

Die Vorteile und die Freude am gemeinsamen Arbeiten, müssen erst kennen gelernt und erfahren werden. Im Team zu arbeiten, kann in jedem Fall mehr Spaß machen und Probleme im Unterricht müssen nicht allein bewältigt werden.

Entwicklungsphasen einer Teamarbeit

Für die Teamarbeit in der Schule müssen Räume geschaffen werden, damit sie sich entwickeln kann. Die Teamentwicklungsprozesse laufen in verschiedenen Phasen ab:

Erste Phase „Forming“: Die Kollegen/-innen tauschen sich untereinander aus und lernen sich so besser kennen. Klärende und offene Gespräche beseitigen Missverständnisse. Gemeinsame Ziele werden angesprochen und Arbeitsschritte festgelegt.

Zweite Phase „Storming“: Nach einiger Zeit des Zusammenarbeitens können Konflikte, bzw. eine Streitphase auftreten. Das Rollenverhalten wird durch Abgrenzung oder mangelnder gegenseitiger Wertschätzung kritisch. Die Rollenverteilung ist nicht klar definiert. Ein Austausch mit einem anderen Team kann hilfreich sein. Die Bereiche wie Zusammenarbeit, Erwartungshaltung und Zieldefinierung muss neu abgesprochen und abgeklärt werden.

Dritte Phase „Norming“: Es geht um klare Absprachen, nach denen die Aufgabenverteilung, Regeln und Verantwortlichkeiten neu überarbeitet und festgehalten werden. Das gemeinsame Ziel steht im Fokus. Das Team arbeitet nach der Frage: Wie wollen wir weiterkommen?

Vierte Phase „Performing“: Diese Phase ist geprägt durch die tatsächlich gelungene Teamarbeit. Die gegenseitige Akzeptanz und zugelassene Freiräume können gelebt werden. Möglicherweise werden neue Ziele und Perspektiven erkannt und festgehalten.

Faktoren für die erfolgreiche Umsetzung

Sehen Sie Teamarbeit als Chance, Ihre Kompetenzen, Fähigkeiten und Erfahrungen, gemeinsam mit einem/er Kollege/in auszubauen und sich gegenseitig zu festigen oder aufzufangen. Zusammen ist man stärker. Damit Teamarbeit gelingen kann, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein. Ehrlichkeit, Toleranz, Akzeptanz und gegenseitigem Vertrauen bilden ein wichtiges Fundament. Einige Faktoren spielen dabei eine wesentliche Rolle:

Die Beziehungsebene
  • Die Bereitschaft zur Zusammenarbeit ist eine wichtige Voraussetzung.
  • Die Gleichberechtigung aller Beteiligten ist selbstverständlich und eine Rollenverteilung wird festgelegt.
  • Die pädagogischen Vorstellungen bzw. Erziehungsstile und Werte sollten kongruent sein und besprochen werden.
  • Kompromissbereitschaft und Akzeptanz sind wichtige Bereiche.
  • Arbeitsformen und deren Organisation müssen besprochen werden.
  • Gegenseitige Wertschätzung und eine offene Feedbackkultur sind wichtige Komponenten.
  • Zur Weiterentwicklung der Teamarbeit, gehört die gemeinsame Reflektion und die Arbeit an der Beziehungsebene.
Die Persönlichkeitsebene
  • Mut, neue Wege zu gehen und sich auf Kolleg/-innen einzulassen, sind eine wesentliche Grundlage.
  • Eine wichtige Voraussetzung ist die Bereitschaft, Verantwortung im Team zu übernehmen.
  • Die Teamsitzungen müssen im Stundenplan platziert und gemeinsam beschlossen werden. Das bedeutet Flexibilität innerhalb des eigenen Zeitrahmens.
  • Eine positive Grundeinstellung, Toleranz und Offenheit unterstützen die Teamarbeit.
  • Offen sein für konstruktive Kritik, hilft bei der Zusammenarbeit und Weiterentwicklung.
  • Die führende Rolle zeitweise abgeben zu können, fördert die eigene Persönlichkeitsentwicklung.

Teamarbeit in der Jahrgangsstufe oder im Fach

Teamarbeit oder Teamteaching ist nicht nur an inklusiven Schulen oder Förderschulen möglich. Teamarbeit kann auch an Regelschulen (einschließlich Grundschulen), ohne Inklusive Beschulung mit den Lehrkräften einer Stufe oder dem gleichen Fach gelingen. Ein solches Konzept unterstützt die Arbeit der Kollegen/-innen, hilfsbereit und offen miteinander umzugehen und mehr Unterstützung und positives Feedback zu bekommen. Ideen und Materialien können besser ausgetauscht und Planungen reflektiert werden. Gemeinsame Bewertungsstandards werden festgelegt und Probleme im Unterricht untereinander besprochen. Durch die vielfältig eingesetzten Methoden und der Austausch von unterschiedlichem Vorwissen und Kompetenzen, entsteht lernwirksamer Unterricht. Ebenso werden die Unterrichtskompetenzen erweitert, eine positive Lernkultur entwickelt und flexible Lernformen vermittelt. Es gibt eine klare Aufgabenverteilung, genaue Zielsetzungen und Reflektion möglicher Problemoffenbarung. Jeder fühlt sich verantwortlich und aus verschiedenen Sichtweisen und Methoden wird effektive Zusammenarbeit.

Best Pracitice für Teamteaching

Ein tolles Beispiel, wie Teamarbeit gelingen kann, ist die Helene-Lange-Schule in Wiesbaden. Dort sind alle Lehrer/-innen einem Team und einer Jahrgansstufe zugeordnet. Die meiste Zeit ihres Stundenkontingents arbeiten sie in dieser Jahrgangsstufe. Da gibt es beispielsweise das Jahrgangsteam 5, das Jahrgangsteam 6 oder 7 (usw..), welches das Unterrichten weitgehend aller Fächer innerhalb der ihm zugeordneten Stufe übernimmt.

Ein weiteres Beispiel ist die Gesamtschule Holweide mit dem „Team-Kleingruppen-Modell (TKM). Dort werden drei Klassen eines Jahrgangs von etwa sechs bis acht Lehrkräften betreut. Das bedeutet, dass ein Lehrer/-innen-Team für eine entsprechende Jahrgangsstufe verantwortlich ist, gemeinsam den Fachunterricht, Projektwochen und Unterrichtszeiten plant und durchführt und gleichzeitig für die ;pädagogische Arbeit zuständig ist. Zur Teamarbeit kann gehören, dass Lehrkräfte auch fachfremd unterrichten. Die Teamsitzungen finden in strukturierter Form statt.

Gemeinsame Planung

Teamarbeit in einer Schule muss in Struktur, Organisation und das Schulprofil implementiert werden. Ein übergeordnetes Konzept bildet die Basis für die kooperative Arbeit. Darauf aufbauend können die einzelnen Teams ihre Planungen, Vorhaben oder Unterrichtsreihen erstellen.
Dazu gehören:

  • Fachkonferenzen (zum Beispiel einmal im Quartal oder nach Bedarf)
  • Austausch über die effektive Zusammenarbeit und Rollenverteilung
  • Je nach Organisation auch mal fachfremd unterrichten
  • Planung der Unterrichtsreihen
  • Unterrichtsplanungen für die einzelnen Fächer
  • Gegenseitige Anregungen für die einzelnen Unterrichtsstunden
  • Ressourcenverteilung
  • Planung gemeinsamer Klassenarbeiten (für die jeweiligen Stufen)
  • Feststellen des Erwartungshorizontes
  • Gegenseitiger Austausch von Materialien
  • Förderdiagnostische Notwendigkeiten
  • Räumliche Verteilung
  • Gemeinsame Auswertung des Unterrichts und der Konfliktbewältigung

Teamarbeit ist chancengerechter

Literaturtipp

Enja Riegel: Schule kann gelingen! Wie unsere Kinder wirklich fürs Leben lernen; Fischer-Verlag, Frankfurt 2004; 255 Seiten, 17,90 Euro

Die verschiedenen Modelle der Teamarbeit, implizieren gleichzeitig mehr Chancengleichheit für die Schüler/-innen. Größere Methoden- und Perspektivenvielfalt sowie weitere
Differenzierungsmöglichkeiten, entlasten die Lehrkräfte und schaffen erweiterte Lernräume für die individuellen Voraussetzungen von Kindern und Jugendlichen. Sie können im eigenen Tempo lernen und erhalten mehr Anregungen, Unterstützung und Feedback.

Das gegenseitige Vertrauen im Team, eine gute Konfliktkultur und die gemeinsame Verantwortung, kann zu motivierterem Arbeiten und besseren Ergebnissen führen. Nicht zuletzt stellt Teamarbeit eine wesentliche Unterstützung für alle Lehrkräfte dar, die täglich mit schwierigen Situationen im Unterricht kämpfen müssen. Sie sind mit diesen Problemen nicht allein, sondern in einem Team, welches viele Konflikte auffangen oder gemeinsam lösen kann.

Angela Hentschel


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