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Individuelles Lernen

Zehn Tipps, den Unterricht individuell zu gestalten

Der Bildungsauftrag impliziert, allen Schüler/-innen die Möglichkeit zu geben, die Lernziele zu erreichen. Diese 10 Tipps geben Ihnen Anregungen, die Schulkinder individuell zu fördern.

Individuelles Lernen: Zehn Tipps, den Unterricht individuell zu gestalten Schulkinder im individuellen Lernen unterstützen © kardd - stock.adobe.com

Der Bildungsauftrag impliziert, dass alle Schüler/-innen die Möglichkeit erhalten sollen, die jeweiligen Lernziele des Richtlinienplanes in allen Fächern zu erreichen. Mit der Methode des individuellen Lernens können die Schüler/-innen entsprechend ihren Möglichkeiten und ihres Lerntempos gefördert werden. Wobei zu beachten ist, dass es nicht um Einzelarbeit geht. Sozial- und Interaktionsformen bzw. Partner- und Gruppenarbeiten gehören weiterhin unbedingt dazu. Individuelles Lernen und gemeinschaftliches Handeln sind Grund-Prinzipien, die Kernkompetenzen von Kindern und Jugendlichen zu fördern. Mit anderen Worten, Stärken zu stärken und Schwächen zu schwächen. Dabei ist von Bedeutung, den Schüler/-innen zu vermitteln, dass das Ziel jeder Lerngruppe ist: Nach individuellen Möglichkeiten gemeinsam zu lernen.

In der Grundschule lässt sich das System des individuellen Lernens auch im Rahmen der Binnendifferenzierung gut implementieren. So können weiterführende Schulen darauf aufbauen.

Ziele des individuellen Lernens:

  • Eine Lernhaltung wird entwickelt oder unterstützt.
  • Die Förderung ist an das persönliche Leistungsvermögen angepasst.
  • Die Lernenden haben mehr Zeit, sich mit dem Stoff auseinander zu setzen.
  • Eigenständiges Arbeiten wird gefördert.
  • Verschiedene Arbeitsmaterialien ermöglichen unterschiedliche Zugänge.

Um den Unterricht zu individualisieren, gibt es verschiedene Ansätze. Dazu gehören unterschiedliche Lernzeiten, Kleingruppen- und Einzelarbeit, differenziertes Material und Aufgaben, die in den Unterricht einfließen. In individuellen Lernsettings arbeiten die Schüler/-innen selbstständig an ihren eigenen Themen, um Inhalte zu üben oder Erlerntes zu wiederholen.

Struktur und verschiedene Lernräume 

Eine strukturierte Lernumgebung schafft die Möglichkeit, selbstgesteuertes und kooperatives Lernen umzusetzen. Verschiedene Lernecken in der Klasse (ein aufstellbares Indianerzelt, Leseecke, Arbeitsnischen, etc.) oder Lernräume (Atelier, Flur, Arbeitsräume, leere Klassenräume, etc.) sind günstige Voraussetzungen. Eine lange Regalwand, in der in Kinderhöhe die geordneten Materialien und Arbeitsaufgaben liegen, helfen den Schüler/-innen, ihre Sachen schneller und selbständig zu finden. Die Angebote verändern sich mit den steigenden Stufen. In höheren Jahrgängen nimmt die Projektarbeit zu, die noch älteren Schüler/-innen erarbeiten in Lernteams Themen und ihre Präsentation.

Die individuellen Lernzeiten müssen in den Stundenplan und die allgemeine Raumnutzung eingebaut werden. Dabei geht es um geführte – offene und interaktive Unterrichtseinheiten. Beobachtungs- und Dokumentationsbögen für jede/-n Schüler/-in, in dem der individuelle Leistungsstand und die Lernfortschritte festgehalten werden, sind wichtige Instrumente.

Der Schultag beginnt mit einem zeitlich begrenzten offenen Anfang vor dem eigentlichen Schulbeginn, um sich auf den Unterricht einzustimmen. In der Zeit können die Schüler/-innen entscheiden, ob sie sofort mit ihren Lernaufträgen anfangen oder sich mit einem/r Partner/-in über das anstehende Thema austauschen. Der folgende Unterricht wird danach mit einem Signal angezeigt.

10 Anregungen zur individuellen Unterrichtsgestaltung

1. Regeln schaffen Struktur

Regeln für die Arbeitsmethoden werden vorher besprochen und in der Klasse visualisiert. Zum Beispiel: auf einem Plakat, einem persönlichen Regelblatt oder auf Impulskarten mit Symbolen für die Regeln:

  • Lies deine Aufgabe konzentriert durch, wenn möglich zweimal.
  • Versuche, die Aufgabe zunächst allein zu lösen.
  • Wenn du Hilfe brauchst, frage eine/n Mitschüler/-in, ob er/sie helfen kann.
  • Wenn du nicht weiterkommst, frage deine/n Lehrer/-in.

2. Individuelle Lernsettings

Neue Lerninhalte werden im gemeinsamen Unterricht erarbeitet und dann individuell geübt und gefestigt. In dieser offenen Lernzeit arbeiten die Schüler/-innen selbst bestimmt nach einem Kompetenzraster. Sie suchen sich die Aufgaben zu ihrem Kompetenzbereich oder einem Fach in ihrem Wochenheft. Darin finden sie die Lerninhalte und Arbeitsaufträge zu verschiedenen Fächern wie Deutsch, Mathematik, Sachkunde und spezifische Lernziele, die den Lernvoraussetzungen der einzelnen entsprechen. Der Zugang zu den Materialien ist übersichtlich strukturiert und nach Sachgebieten und Schwierigkeitsgrad eingeteilt. Der Lernortort wird selbständig ausgesucht. Wer Hilfe braucht, wird von der Lehrkraft unterstützt.

3. Lernteppich (selbst gemacht)

Zu einzelnen Fächern oder Aufgaben können Lernteppiche selbst erstellt werden. Dazu helfen lange Malerpappe- oder Tapetenbahnen, auf die man die Lernaufgaben malt, schreibt oder klebt. Diese werden für Kleingruppen- oder Einzelarbeiten auf den Boden gelegt. Die Ergebnisse der Aufgaben werden auf mitgeführten Zettel geschrieben oder stehen auf Karten, die dazu gelegt werden können.

4. Sprinteraufgaben

Eine Individuelle Förderung innerhalb des Unterrichts sind Sprinteraufgaben. Als Anhang zu der Bearbeitung eines Arbeitsblattes gibt es zusätzliche Aufgaben für die Schüler/-innen, die früh fertig sind. Wer eine Zusatzaufgabe schafft, erhält ein zusätzliches Feedback.

5. Lerntagebuch

Die Schüler/-innen legen ein Lerntagebuch an. Nach einer gemeinsamen Lernsequenz  werden die persönlichen Schwierigkeiten zu den jeweiligen Fächern eingetragen. Die Schüler/-innen notieren, was ihnen schwer gefallen ist oder was sie nicht verstanden haben.  So erhält die Lehrkraft eine Übersicht über die Lernausgangslage und kann individuelle Wochenziele und Arbeitsblätter vorbereiten. Die Lernfortschritte werden ebenso dokumentiert.

6. Lerntheke

Verschiedene Aufgaben liegen, je nach Fach, in mehreren Schubfächern bereit. Sie sind eingeteilt in: leicht – mittelschwer – schwer. Die Schüler/-innen haben eine vorgegebene Zeit, in der sie ihre Aufgaben selbst wählen, lösen und abheften. Sie entscheiden nach ihrem eigenen Lerntempo und Schwierigkeitsgrad, wie weit sie kommen. Auf einem Laufzettel kann jede/r eintragen, welche Aufgaben er/sie schon gelöst hat und welche noch nachgeholt werden müssen.

7. Fahrstuhl

Bei der Fahrstuhl - Methode werden die Anforderungen in verschiedene Etagen eingeteilt. Zu jeder Etage des Fahrstuhls gibt es Streckenblätter mit Aufgaben, die gelöst werden müssen. Auf den Streckenblättern gibt es zunächst einen Abschnitt zu Kompetenzen, die erworben werden müssen und danach abgehakt werden. Anschließend werden die eigentlichen Aufgaben auf dem nächsten Abschnitt gelöst.  
Die Aufgaben werden überprüft. Bei richtigen Lösungen fährt der/die Schüler/-in eine Etage höher und erhält einen neuen Streckenplan. Hat er/sie eine Kompetenzaufgabe nicht gelöst, wird sie in der nächsten Etage wieder aufgenommen. Ist die letzte Etage erreicht, gibt es eine Belohnung.

8. Markt der Fähigkeiten

Eine Kooperation verschiedener Klassen aus einer Stufe schafft die Möglichkeit, an einem Tag den „Markt der Fähigkeiten“ durchzuführen. Die Klassenräume werden dazu geöffnet und in jedem Raum gibt es verschiedene kreative Angebote aus unterschiedlichen Fächern. Die Schüler/-innen können selbst entscheiden, was sie schon gut können und gerne machen möchten. In dieser Zeit geht es nicht darum, Lernziele zu erreichen, sondern individuelle Ressourcen zu nutzen. So können u. U. auch „schwächere“ Schüler/-innen zeigen, was sie „sonst so drauf haben“.

9. Helfersysteme

Die Heterogenität in einer Klasse kann sich positiv auswirken, wenn alle Kompetenzen ineinanderfließen. Wenn Schüler/-innen sich gegenseitig unterstützen und helfen, lernen sie die Inhalte intensiver. Hilfe zu geben oder anzunehmen, will auch gelernt sein. Unterstützend sind dabei Karten, die jedes Kind selbst erstellen kann. Dazu werden zwei kleine Quadrate aus Pappe (ca. 10 x 10 cm) in der Mitte geknickt, sodass sie stehen können. Auf das erste wird geschrieben: Ich brauche Hilfe. Auf das zweite: Ich kann helfen. Je nach Lernsetting können die Schüler/-innen entscheiden, ob oder welches Schild sie während der Einzelarbeit aufstellen wollen und dann entsprechend reagieren.

10. Präsentation und Feedback

Die Unterrichtsstunden werden so angelegt, dass die Schüler/-innen Zeit für ihre Präsentationen und eine Feedbackrunde haben. Dabei werden die einzelnen Ergebnisse nicht verglichen, sondern der individuelle Leistungsfortschritt gewürdigt. 

Individuelles Lernen fördert eigenständiges Denken, Kreativität und Unabhängigkeit.
Je mehr Lernräume eine Schule bieten kann, desto leichter lässt sich individuelles Lernen umsetzen. Sind zusätzliche Räume nicht vorhanden, muss der Klassenraum mit verschiedenen Lernecken entsprechend gestaltet werden. Individuelle Angebote mit ausreichendem Material und einer Binnendifferenzierung, können auch in einem Klassenraum im Unterricht implementiert werden.

Angela Hentschel


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