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Chancen durch Ziele

Mit Zielen arbeiten – Chance und Risiko

Die Arbeit mit Zielen besteht nicht nur darin, die Schulleistung unserer Schüler/-innen zu verbessern. Sondern sie ist sinnvollerweise so aufgebaut, dass sie unseren Schüler/-innen auf vielfältige Weise unterstützt.

Chancen durch Ziele: Mit Zielen arbeiten – Chance und Risiko Wer seine Ziele erreicht, ist motiviert © deagreez - stock.adobe.com

Mit Zielen arbeiten, bietet gute Chancen, unsere Schüler/-innen zu aktivieren und ihre Lernleis-tung zu steigern (Roth, Herbst, 2020). Aber selbst wenn sich unsere Schüler/-innen Ziele setzen, bedeutet das noch lange nicht, dass sie diese auch erreichen. Das ist sogar bei Erwachsenen oft nicht der Fall (Vohs, Baumeister, 2016). Dann wissen wir auch, dass die Arbeit an Zielen bei manchen Schülern und Schülerinnen zu Dauerstress und hoher Belastung führt (z.B. Bastian, 2016; Bergmüller, 2007). Unter welchen Voraussetzungen die Arbeit mit Zielen sinnvoll ist, zeigt Ihnen dieser Beitrag.

Erfolgskriterien für die Arbeit mit Zielen

Die Arbeit mit Zielen besteht nicht nur darin, die Schulleistung unserer Schüler/-innen zu verbessern. Sondern sie ist sinnvollerweise so aufgebaut, dass sie unseren Schüler/-innen,

  • frühzeitig Erfolge ermöglicht und ihre Selbstwirksamkeitserleben stärkt,
  • dass sie ihr Autonomiestreben berücksichtigt, indem sie mitentscheiden können,
  • dass sie unseren Schüler/-innen ermöglicht, aktiv zu sein,
  • dass sie unseren Schüler/-innen ermöglicht, positive Emotionen zu erleben,
  • dass sie unsere Schüler/-innen dabei unterstützt, Hindernisse zu bewältigen und sie im Umgang mit Fehlern stärkt, indem sie ihre Toleranz für eigene Misserfolge fördert.

Die Arbeit mit Zielen interessant gestalten

Die Schüler/-innen halten alle wichtigen Schritte bezüglich ihrer Arbeit mit Zielen auf einem Extra-Blatt fest. Einige Schulen bezeichnen diese Unterlage als Lernvereinbarung. Wenn wir aber vermuten, dass der Titel „Lernvereinbarung“ bei Schüler/-innen eher negative Emotionen auslö-sen könnte, weil sie sich mit Lernen immer wieder schwertun, bietet es sich an, einen anderen Titel zu wählen, wie z. B.

  • „Wie ich in der Schule besser werde“
  • „Meine Chancen, mich in der Schule zu verbessern“ usw.

Anregung: Unsere Schüler/-innen überlegen in Kleingruppen, welchen Namen sie ihrer Arbeit mit Zielen geben möchten.

Fallbeispiel: In einem Gymnasium fiel einem Schüler statt „Lernvereinbarung“ ein „Mein Ziel – meine Challenge“. Das fanden die meisten seiner Mitschüler/-innen eine prima Idee und über-nahmen dies.

Der Startschuss für das Ziel

Es bietet sich an eine kurze, auf die Schüler/-innen motivierend wirkende Einleitung in die Arbeit mit Zielen zu verfassen, wie z. B., „Schule ist manchmal nicht einfach. Aber wenn ich mit Zielen arbeite, habe ich gute Chancen, mich in der Schule zu verbessern“. Es bietet sich auch an, die im Abschnitt „Was ich davon habe, wenn ich mein Ziel erreiche“ (siehe gleich unten) erarbeiteten Überlegungen der Schüler/-innen aufzugreifen und hier einzuarbeiten.

Fallbeispiel: In einer Klasse formulierten die Schüler/-innen, „mit Zielen arbeiten macht es mir leichter, zu lernen“.

Sich ein Ziel setzen

Die Schüler/-innen überlegen sich ein erstes persönliches Ziel, das sie erreichen möchten.

Ein Ziel in Zwischenziele unterteilen

Alle unterteilen ihr Ziel in Zwischenschritte. Wichtige Kriterien für das erste Zwischenziel sind, damit unsere Schüler/-innen frühzeitig einen ersten Erfolg erleben.

  • Es soll realistisch sein.
  • Es soll zeitnah erreichbar sein.

Ziel und Zwischenziel sollen so konkret wie möglich beschrieben sein, sodass allen Schülern klar wird, was sie genau tun werden. Also z. B. „ich bereite mich auf die nächste Mathe-Prüfung wäh-rend drei Wochen, jeweils Montag bis Freitag 10 Minuten vor. Ich notiere täglich in meinem Trainingsblatt, ob ich das auch wirklich gemacht habe. Wenn ich es an einem Tag mal nicht ge-schafft haben sollte, dann spreche ich mit meinem Trainingspartner oder meiner Lehrkraft dar-über“.

Sind die Zwischenziele realistisch?

Fallbeispiel eins: Julius, Ein Schüler einer 9. Klasse, der schon seit Jahren erhebliche Probleme mit Mathematik hatte, sagte „ich will jetzt endlich gute Noten in Mathe haben.“.

Dieser Wunsch ist verständlich, aber wenig realistisch. Vielleicht gibt es auch mal eine bessere Note für ihn, das ist dann aber möglicherweise nur eine Ausnahme. Wir müssen ja damit rechnen, dass Julius erhebliche Lernlücken hat, die es ihm erschweren, neue Inhalte zu verstehen.

Fallbeispiel zwei: Eine Lehrperson sagte zu Juan, der sich ein sehr hohes Zwischenziel gesetzt hatte, „schön, dass du dir dieses Zwischenziel gesetzt hast, Juan. Ehrlich gesagt, finde ich es aber sehr anspruchsvoll. Wie wäre es, wenn du erst einmal mit einem kleineren Ziel anfängst – und später mit diesem Ziel weiter machst…“.

Der Sinn hinter dem Ziel

Die Schüler/-innen besprechen, welche Vorteile sie davon haben, wenn sie ihr Ziel (Zwischen-ziel) erreichen. Wenn einem Schüler dazu nichts einfällt, können die Mitschüler und die Lehrper-son eigene Ideen einbringen.

Fallbeispiel: Eine Lehrperson hat zum Ziel „Hausaufgaben machen“ gesagt: „Neulich hat mir eine Schülerin, die das Ziel hat, regelmäßig ihre Hausaufgaben zu machen, gesagt, „es geht mir besser, wenn ich meine Hausaufgaben gemacht habe. Denn wenn ich meine Hausaufgaben nicht mache, stresst mich das manchmal so sehr, dass ich nachts nicht mehr gut schlafen kann.“ Kennst du das oder ähnliches? Könnte es bei dir auch so sein, dass du dich besser fühlst, wenn es dir ge-lingt, regelmäßig deine Hausaufgaben zu machen.“

Ziele können Stress auslösen

Sich Ziele setzen, kann sehr hilfreich und motivierend, aber für einige Schüler/-innen auch belas-tend sein. Um gegenzusteuern bieten sich z. B. Einzel- oder Kleingruppengespräche mit diesen SuS an.

Fallbeispiel: Frau Peters sagte zu einer Schülerin, bei der sie vermutete, dass es sie unter Druck gesetzt hat, ihr Zwischenziel zu erreichen: “Hat es dir geholfen, dir Ziele zu setzen – oder hat dich dein Zwischenziel unter Druck gesetzt? Das kommt nämlich auch immer wieder vor …”

Ziele erreichen und wohlfühlen

Ziele können einige Schüler/-innen auch unter erheblichen Druck setzen. Hier geht es darum, dieses Risiko einzugrenzen. Die Schüler/-innen besprechen wieder in Kleingruppen, „wie kann ich mein Ziel so erreichen, dass ich mich dabei wohlfühle oder nicht überfordere – auch wenn das schwierig ist“. Bitte erwarten Sie dann nicht, dass ein Schüler selbst gute Vorschläge gleich um-setzen kann. Es wird bei einigen Schüler/-innen länger dauern, bis sie in der Lage sind, hier Fort-schritte zu machen. Natürlich bleiben wir mit unseren Schülern und Schülerinnen zu diesem Thema im Gespräch.

Oft bietet es sich an, die Eltern der Schüler/-innen einzubinden. Denn Eltern, die sehr ehrgeizig sind, was die Schulleistungen ihres Kindes anbelangt, oder sich große Sorgen um seine schuli-sche Entwicklung machen, können großen Druck auf ihr Kind ausüben und es dadurch ungewollt sehr belasten und in seiner Lernentwicklung behindern. Die Schüler/-innen sollten daher mit un-serem Vorschlag, ihre Eltern einzubeziehen, einverstanden sein.

Umgang mit Hindernissen

Die eigene Vorstellungskraft ist die High-Tech-Technik, um Vorsätze erfolgreich umzusetzen. Sie ermöglicht uns, bereits heute Lösungen für die Probleme von morgen zu entwerfen. Eine der wichtigsten Studien zu diesem Thema stammt von Taylor and Pham (1999). Sie arbeiteten mit Studenten, die ihr Lernverhalten verbessern wollten und bildeten drei Gruppen:

Die Visionen-Gruppe:

Die Teilnehmer der „Visionen-Gruppe“ dahingehend instruiert, innerlich ihr Ziel zu imaginieren. Sie sollten sich vorstellen, wie sie nach einer guten Examensnote die Glückwünsche ihrer Eltern, von Freunden, Bekannten usw. entgegennehmen und mit sich selbst zufrieden sein würden.

Die Hindernisse bewältigen Gruppe:

In dieser Gruppe sollten sich alle in Schritt eins notieren, was sie vom Lernen abhalten könnte, wie beispielsweise, schönes Wetter, eine Feier mit Freunden, eine Verabredung und vor allem keine Lust zum Lernen haben.In Schritt zwei , stellten sie sich im Rahmen eines Mentaltrainings vor, wie sie trotzdem vor ihren Büchern bleiben würden und sich nicht durch derartige Hindernis-se vom Lernen abbringen ließen. Hindernisse durch gezielte Vorsätze bewältigen: Das „wenn…, dann“ Konzept (Oettingen, 2017).

Fallbeispiel.: Einem Schüler fiel es schwer, am Nachmittag mit den Hausaufgaben anzufangen. Er vereinbarte mit seiner Lehrerin und seinen Eltern an jedem Tag zur gleichen Zeit zu beginnen, auch wenn er keine Lust hat. Sein Bewältigungsstrategie lautete, „Wenn ich keine Lust habe, die Hausaufgaben zu machen, was durchaus normal ist, dann:

  • Mache ich mir erst einmal klar, welche Vorteile ich habe, wenn ich sie trotzdem mache.
  • Dann richte ich in Ruhe meinen Arbeitsplatz her.
  • Dann stelle ich die Aufgaben zusammen und fange mit der leichtesten an.
  • Wenn ich die leichteste Aufgabe bearbeitet habe, darf ich mir ein Kompliment machen, wie z. B. „die erste Aufgabe hast du schon geschafft – prima. Jetzt darfst du eine kleine Pause machen, wenn du möchtest und dich wohl fühlen.“ (Aber nicht das Handy anmachen).
Die dritte Gruppe erhielt kein Training:

Welche Gruppe war am erfolgreichsten? Natürlich die zweite Gruppe. Ihre Mitglieder waren sogar auf schlechte Noten vorbereitet. Ihre Strategie: „Bei schlechten Noten lerne ich einfach wei-ter“. Deshalb wurden sie besser. Da konnten die Teilnehmer/-innen der „Visionen-Gruppe“ nicht mehr mithalten. Nachdem sie die Realität in Form schlechter Noten bald eingeholt hatte, war ihr Lerneifer wie ein Strohfeuer, schnell erloschen.

Haupthindernisse beim Erreichen der Ziele

  • Etwas für den Schüler attraktives kommt dazwischen.
  • Der Schüler hat nach einiger Zeit keine Lust mehr, an seinem Ziel zu arbeiten: Das ist ganz normal und nichts Ungewöhnliches. Selbst wenn Schüler/-innen sogar einmal sehr motiviert waren, an ihrem Ziel zu arbeiten, kann es geschehen, dass diese Motivation abnimmt. Klar ist, dass Motivation keine konstante Größe ist, sondern erheblichen Schwankungen unterliegt.
  • Der Schüler ist nicht gut organisiert, beziehungsweise vorbereitet. Typisch ist hier, dass Schüler/-innen bestimmte Unterlagen, die sie benötigen, z. B. in der Schule vergessen haben, usw.

Stellen wir uns vor eine Schülerin hatte als Ziel, regelmäßig die Hausaufgaben zu machen. Dann stellte sich aber heraus, dass ihre dreijährige Schwester sie immer wieder störte, in dem sie in ihr Zimmer kam. Hier bietet es sich an, die Schülerin zu unterstützen und ihre Eltern um Hilfe zu bitten.

Einen Plan B haben

Keine Lehrkraft möchte natürlich, dass die Schüler/-innen ihre Ziele nicht erreichen – im Gegen-teil. Damit die Schüler/-innen aber auch auf diesen Fall vorbereitet sind, sollten sie im Vorfeld darüber nachdenken, wie ein Plan B aussieht. Dann sind sie zumindest schon ein bisschen auf

diese Situation vorbereitet. Die Enttäuschung ist nicht so groß, als wenn sie sich nicht auf diesen Fall vorbereiten. Deshalb ist ein Plan B wichtig. Die Schüler/-innen überlegen also in Kleingrup-pen, wie ihr Plan B aussehen könnte. Einige Wochen nachdem alle Schüler/-innen einen Plan B entwickelt haben, lassen Sie als Lehrkraft die Schüler/-innen noch einmal darüber nachdenken, ob sie an ihrem Plan B festhalten wollen oder ob ihnen inzwischen ein anderer Plan eingefallen ist.

Ein Plan B hilft vielen Menschen dabei, die Enttäuschung über ein nicht erreichtes Ziel schneller zu überwinden.

Christoph Eichhorn


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