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Positive Bildung

Beziehungsarbeit für Wohlbefinden in der Schule

Soziale Beziehungen gehören im Leben von Menschen zu den tragenden Säulen und stellen ein Teil der Positiven Bildung dar. Erfahren Sie, was Beziehungen bedeuten und wie Sie diese mit konkreten Übungen im Unterricht fördern.

Positive Bildung: Beziehungsarbeit für Wohlbefinden in der Schule Perma-Model - Relationship: Jemandem etwas Gutes tun © hakase420 - stock.adobe.com

Positive Psychologie in Schulen steckt im deutschprachigen Raum noch in den Kinderschuhen. Konkret geht es um den Ansatz der Positiven Bildung, der mit Martin Seligmann (Lichtinger 2021) in Australien entwickelt wurde. Er verfolgt das Ziel, Schulleben und Unterricht so zu gestalten, dass dem Anspruch von Leistungen und dem Wohlbefinden von Schüler/-innen gleichzeitig Rechnung getragen werden kann. Über das PERMA-Modell für Wohlbefinden ist das nicht nur möglich, es zeigt sich vielmehr, dass Wohlbefinden und Leistung sich gegenseitig beeinflussen (Brohm und Endres 2017). Wirken Sie auf das eine ein, so beförden Sie damit automatisch auch das andere. PERMA steht als Akronym für fünf Faktoren, die es durch Übungen zu aktivieren gilt:


  • P meint Positive Emotionen,
  • E steht für Engagement,
  • R (Relations) repräsentiert Beziehungen,
  • M (Meaning) bedeutet Sinn und
  • A (Accomplishment) beschreibt Selbstwirksamkeit durch Zielerreichung.


In einer Beitragsreihe werden alle fünf Faktoren erläutert und jeweils Materialien für die Umsetzung im Schulalltag vorgestellt. Wobei es in diesem Beitrag um das „R" für Beziehung oder positive Beziehungsarbeit geht.

R wie Relations – Positive Beziehungen

„Nur sehr wenig, was positiv ist, ist einsam.“ (Seligman 2015). Im PERMA-Modell steht Relation zwar an dritter Stelle – nur so ergibt es das treffende Akronym – dennoch ist allseits klar, dass soziale Beziehungen im Leben von Menschen nicht erst seit COVD-19 als tragende Säule zu verstehen sind. Menschen sind auf Gemeinschaft hin angelegte Wesen, sodass neben Personalisation die Sozialisation eine zentrale Funktion von Schule darstellt (Wiater 2012). Konkret geht es also darum, in Schule und Unterricht positive Beziehungen zwischen Lehrer/-innen und Schüler/-innen sowie in der Gruppe der Schüler/-innen zu etablieren und zu pflegen. Praktisch versteht die Positive Bildung im Wesentlichen darunter, anderen Gutes zu tun und über das Gute, das wir tun oder das uns widerfährt, miteinander zu sprechen. Unseren Mitmenschen Gutes zu tun, sie mit sogenannten „Acts of Kindness“, also großen oder kleinen Freundlichkeiten, zu erfreuen, fördert unser Wohlbefinden. Wir verspüren in der Regel bereits im Tun positive Emotionen wie Freude oder Zuneigung (Seligman 2018). Zudem erleben wir, wirksam und wichtig zu sein in der Welt und rückt unsere Selbstbezogenheit in den Hintergrund. Dies kann uns ablenken von negativen Gedanken oder Grübeleien, denn unsere Aufmerksamkeit ist bei unseren Nächsten.&

Hilfsbereitschaft macht uns darüber hinaus auch deshalb glücklicher, weil wir spüren, dass uns andere dankbar sind. Unsere Selbstwahrnehmung eines mitfühlenden, prosozialen Menschens wird unterstützt, das Gefühl von Zusammengehörigkeit und Gemeinschaft wird gestärkt (Lyubomirsky 2018). Gutes miteinander zu teilen hat zudem Effekte bei demjenigen, mit dem wir teilen. Die damit verbundenen und beim Erzählen präsenten Emotionen bei uns können den oder die anderen anstecken. Sie spüren selbst das Positive und werden dadurch veranlasst, ebenfalls Gutes zu tun (Rozin und Royzman 2001).

Relation-Übungen für den Unterricht

1. Positive Storytelling

Eine Möglichkeit, positive Emotionen in der Klasse zu erzeugen, ist die Methode des „Positive Storytelling“. Sie eignet sich für alle Schularten und Schulstufen. Im Prinzip geht es darum, erfreuliche Erlebnisse miteinander zu teilen und so das Positive in den Blick zu rücken. Dies führt nachweislich zu einem sogenannten Positivitätseffekt:

  • Wir spüren Dankbarkeit darüber, dass wir das erleben konnten,
  • fühlen uns freudiger sowohl als Erzähler/-in als auch als Zuhörer/-in
  • und nehmen als Zuhörer/-in die Erfahrungen auf, um selbst aktiv zu werden und andere mit kleinen Freundlichkeiten zu überraschen.

Positive Storytelling bringt Wohlbefinden über einen Blick zurück.


Und so geht es: 
  1. Nehmen Sie sich mit Ihrer Klasse circa 15 Minuten Zeit. 
  2. Erklären Sie Ihren Schüler/-innen zum Beispiel anhand von Bildern, wie wir Menschen funktionieren und wie wichtig es ist, das Gute zu sehen. 
  3. Gruppieren Sie die Schüler/-innen in Tandems oder zu viert. 
  4. Jeder darf nun erzählen, worüber er / sie sich heute / diese Woche (im Unterricht) besonders gefreut hat. 
  5. Lassen Sie im Anschluss drei Schüler/-innen berichten, was sie von ihrem Tandem gehört haben. 
  6. Reflektieren Sie gemeinsam folgende zwei Fragen: 
    - Wie geht es mir, wenn ich diese Geschichten höre? 
    - Wie habe ich mich gefühlt, als ich das erzählt habe? 

2. Silberstreif-Mittwoch

Die Übung zum Silberstreif-Mittwoch ist ebenfalls prinzipiell für alle Schularten und Schulstufen möglich. Sie erfolgt im Plenum und richtet den Blick auf das Zukünftige. Es geht darum, sich im weitesten Sinne eine positive Zukunft auszumalen – als Start über einen Aspekt, der sich nach und nach zu einem Bild, einer Vision verdichten kann. Gedanken an eine positive Zukunft evozieren die positiven Emotionen der Hoffnung. Diese sind entscheidend dafür, dass Menschen Anstrengungsbereitschaft entwickeln können. Wenn wir überzeugt sind, dass wir eine gute Zukunft haben und Ziele und Möglichkeiten sehen, dann sind wir geneigt, die Zielerreichung zu wollen und dafür Anstrengung und Ausdauer auf uns zu nehmen.

Eine positive Zukunftsaussicht gibt uns mehr Ausdauer für die Ziele.

Literaturhinweise

Lichtinger, U. (2021): Flourishing - Wohlbefinden und höhere Leistungen in der Schule. In: Starke Lehrer - starke Schule 2021 (46).

Lyubomirsky, Sonja (2018): Glücklich sein. Warum Sie es in der Hand haben, zufrieden zu leben. 2., aktualisierte Neuausgabe. Frankfurt, New York: Campus Verlag.

Rozin, Paul; Royzman, Edward (2001): Negativity ibas, negativity dominance and contagion. In: Personality and Social Psychology Review (5), S. 296–320.

Seligman, Martin (2018): PERMA and the building blocks of well-being. In: The journal of positive psychology 13 (4), S. 333–335. DOI: 10.1080/17439760.2018.1437466.


Und so geht es:
  1. Nehmen Sie sich mit Ihrer Klasse an einem Mittwoch circa 15 Minuten Zeit. 
  2. Bitten Sie Ihre Schüler/-innen an etwas zu denken, worauf sie sich in der nächsten Woche oder im nächsten Monat freuen. 
  3. Lassen Sie die Schüler/-innen in der Runde davon erzählen. 
  4. Notieren Sie das Gesagt mit je einer Überschrift oder einem Stichwort auf einer Powerpoint - der Silberstreif-PP der Klasse. Alternativ können Sie kleine Zettel nehmen, diese in einem Silberstreifglas sammeln und für alle sichtbar aufstellen. 
  5. Zeigen Sie den Schüler/-innen die Sammlung immer wieder und ergänzen Sie sie, wenn Sie diese Übung mit der Klasse wiederholen. 

Was noch zu beachten ist

Aktivitäten in der Positiven Bildung gelingen in erster Linie dadurch, dass sie über einen Zeitraum von mehreren Wochen habitualisiert werden. Hier haben sich fünf Wochen bewährt. Zudem sind Reflexionen zu den Emotionen hilfreich, da dadurch die Wirksamkeit der kleinen Übungen bewusst gemacht werden. 

Ulrike Lichtinger

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