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Schuljahr ohne Außenseiter

Gruppen-Spiele für eine Klasse ohne Außenseiter

Neu zusammengestellte Klassen haben ein hohes Risiko für Mobbing und Ausgrenzung. Mit bestimmten (Rollen-)Spielen schaffen Sie die Basis für ein friedliches Miteinander. 

Schuljahr ohne Außenseiter: Gruppen-Spiele für eine Klasse ohne Außenseiter Spiele fördern die Gemeinschaft © highwaystarz - stock.adobe.com

Mobbing und Ausgrenzung kommt besonders häufig in neu zusammengestellten Klassen vor, wie Mobbing-Expertin Prof. Mechthild Schäfer und die Autorin Gabriella Herpell in ihrem Buch „Du Opfer!“ ausführen: „Über heterogene Gruppen, Klassen beispielsweise, die sich noch nicht gefunden haben oder die in zwei Teile zerfallen wie z. B. cool / uncool, kann man leicht herrschen“, heißt es da (S. 38). Die Voraussetzungen in dieser Phase sind nicht nur für potenzielle Täter/-innen günstig, auch eine solche Klasse „profitiert“ womöglich auf Kosten einzelner, denn sie kann „über die gemeinsame Distanz zu einem Schüler zu einer homogenen Gruppe verschmelzen“ (ebd.). Deshalb ist der Beginn der 5. Jahrgangsstufe der ideale Zeitpunkt für eine präventive Unterrichtseinheit, die ein konstruktives Klassenklima ohne Diskriminierung und Außenseitertum fördert. 

Get-together mit tools4schools 

In den ersten Schultagen und -wochen in einer neuen Klasse stellen sich also praktisch auch die Weichen für das Klassenklima in den kommenden Schuljahren. Am besten planen Sie pro Woche zwei oder drei Stunden ein, um die Schüler und Schülerinnen in der Zeit nach den großen Ferien dabei zu unterstützen, in der neuen Lerngruppe ihren Platz zu finden

Direkt übernehmbare Unterrichtsideen dafür bieten die tools4schools der Innsbrucker Jugendrotkreuz-Organisation „kontakt+co“. Sie sind für die Jahrgangsstufe 5 und aufwärts konzipiert und widmen sich jeweils bestimmten Aspekten des gemeinsamen sozialen Lernens in dieser entscheidenden Phase: einer konfliktfreien Kommunikation, einer gesunden Bewältigung von Stress oder einem angemessenen Umgang mit Lob und Kritik.

Gemeinsamkeiten ausloten, Verschiedenheiten akzeptieren

In der Unterrichtseinheit „Wir werden eine Klassengemeinschaft“ (ebd.) ist das Spiel „Alle, die wie ich...“ besonders gemeinschaftsstiftend: Die Teilnehmenden stehen im Kreis und einer/eine erzählt etwas von sich: „Alle, die Fußball lieben, treten in den Kreis“. Die „Gleichgesinnten“ begrüßen sich, der Außenkreis applaudiert „für das mutige ‚Offenbaren‘“. Ganz wichtig: Alle Fragen sind erlaubt, aber niemand wird ausgelacht, und Beleidigungen sind absolut inakzeptabel: „Ganz wichtig ist, dass sofort auf den ersten (...) Regelverstoß reagiert und das Spiel gestoppt wird“, schreiben die Autor/-innen. Bei dem Spiel gehe es ja gerade darum, „die Mitschüler mit ihren Eigenheiten kennen zu lernen und zu akzeptieren, niemand soll Angst haben müssen, ausgelacht zu werden“.

„Als Gruppe handeln“: Kooperationsübungen

Besonders gut lernen sich die Schüler/-innen kennen, wenn sie ein gemeinsames Ziel haben. Darauf setzen die acht spielerischen Kooperationsübungen in der Unterrichtseinheit „Als Gruppe handeln“. Bei den „geteilten Quadraten“ sitzen 6 Schüler/-innen um einen Tisch und versuchen, möglichst schnell 15 Puzzleteile zu fünf vollständigen Quadraten zusammenzufügen. Ein Junge/ein Mädchen fungiert als Beobachter/-in, teilt zu Beginn drei Teile an die Mitspielenden aus und achtet darauf, wie die Zusammenarbeit läuft und ob die Spielregeln eingehalten werden: Es darf nicht gesprochen werden, niemand darf andere beeinflussen oder in die Figur eines/einer anderen hineingreifen. Eine verschärfte Variante des Spiels beteiligt die gesamte Klasse und birgt m. E. einiges Chaos-Potenzial, wenn jeder/jede mit 5 Puzzleteilen eine andere Karte zusammensetzen soll und Puzzleteile nur durch freiwilliges Schenken ausgetauscht werden. 

Auch die vier bewegten Übungen beziehen die gesamte Klasse ein: 

  1. Da wird eine „Menschenstatue vorsichtig in ihre Bestandteile“ (max. 12) zerlegt und in einer anderen Ecke des Klassenraums wieder zusammengesetzt. 
  2. Oder die Schüler/-innen bilden einen engen Kreis und setzen sich alle auf ein Zeichen der Lehrkraft „auf die abgewinkelten Knie des/der hinter ihnen Stehenden“. Dabei kommt man sich natürlich recht nah. 
  3. Etwas mehr Abstand lässt sich mit der Übung „Luftballonjongleure“ halten, bei der die Luftballons nicht den Boden berühren dürfen. 
  4. Beim „Jurtenkreis“ (ebd., S. 4) stehen die Spielenden abwechselnd mit dem Gesicht nach innen und nach außen im Kreis und halten sich fest an den Händen. Auf ein Zeichen lässt sich dann jeder/r langsam nach vorne fallen und spürt, dass er „gehalten“ wird. 

Beim Kooperationsspiel „Du spiegelst mich“ stehen sich zwei Schüler/-innen gegenüber, eine/r fängt an, sich „zu sanfter Musik“ im Zeitlupentempo zu bewegen, der/die andere wird zum Spiegelbild. Gespielt wird in zwei Varianten:

  1. Die Kids vereinbaren, wer „der/die Führende“ ist. 
  2. Die Führung wird „während des Spiegelns nonverbal gewechselt“ (ebd., S. 3).

Bei diesem und den anderen „Kooperationsspielen für 2“ („Rücken an Rücken“, „Zwei am gleichen Bleistift“) lernen sich die Schüler/-innen besonders gut kennen, wenn immer wieder andere zusammenspielen.

Gruppenfindungsphasen: gezielt intervenieren! 

Natürlich spüren Sie als Lehrkraft intuitiv, wann welche Art von Spielen zur Förderung einer konstruktiven Klassengemeinschaft angemessen ist. Am sinnvollsten ist es aber, gezielt in den einzelnen Gruppenfindungs- bzw. Teambuildings-Phasen zu unterstützen. 

Die Autor/-innen der Handreichung „Das pädagogische Rollenspiel im Ethikunterricht“ ziehen diesbezüglich das Phasenmodell für Gruppenfindung/Teambuilding des US-Psychologen Tuckman aus den 1960er-Jahren heran (ebd., S. 62): 

  1. „Forming“ bezeichnet die erste Phase, in der sich die Schülerinnen und Schüler „erst orientieren“ müssen. Noch gibt es Unsicherheiten, vielleicht auch Ängste – ein guter Zeitpunkt für Kennenlern-Spiele.
  2. In der zweiten „Storming“-Phase wird die Hierarchie in der Gruppe ausgefochten, Spannungen und aggressives Verhalten kommen auf. Hier könnte der Umgang mit Konflikten und Feedback geübt werden.
  3. In der „Norming“-Phase können Rollenspiele dabei helfen, „konstruktive Gruppenregeln“ zu entwickeln, auszuprobieren und zu reflektieren.
  4. Und in der letzten, der „Performing“-Phase „hat sich die Gruppe (...) stabilisiert“, die Positionen der einzelnen sind klar, die Gruppenregeln etabliert. Die Mitglieder sind gelöster, fühlen sich meist akzeptiert und vertrauen einander, die Kommunikation ist „offener – das ist eine gute Basis für „eine intensivere Arbeit mit Rollenspielen“.

Mit den vielen weiteren spielerischen Kennenlern-, Vertrauens-Kooperationsübungen und Warm Ups (vgl. S. 13–20) lässt sich das „Zusammenraufen“ Ihrer Klasse ebenfalls ganz gezielt fördern. – Viele davon übrigens auch wunderbar als „Notnagel“ für Vertretungsstunden geeignet.

Martina Niekrawietz


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