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KlassenCheckUp: So stärken Sie die Klassengemeinschaft

Wie geht es jedem und jeder einzelnen in unserer Klasse? Was läuft da eigentlich ab, wenn sich eine Klasse zusammenrauft? Und wie schaffen wir ein Wohlfühl-Klassenklima, in dem alle gut lernen können? Diese Fragen stehen bei einem handlungsorientierten „KlassenCheckUp!“ im Mittelpunkt.

: KlassenCheckUp: So stärken Sie die Klassengemeinschaft Gemeinsam lernen funktioniert sehr viel besser, wenn ein Wohlfühl-Klassenklima herrscht © JackF - stock.adobe.com

 „Eine Klassengemeinschaft ist ein fein austariertes Gebilde“, schreibt die Journalistin und Lehrerin Ulrike Ammermann in ihrem lesenswerten Beitrag auf der Website „Deutsches Schulportal“. Und wenngleich gelegentlich Freund und Feind im Lauf eines Schülerlebens wechselten und ab der siebten Klasse die ersten Liebesbeziehungen dazukämen, so sei alles doch eine Art soziales Ballett, das sich überwiegend geschmeidig verändere (ebd.).

Doch jede Lehrkraft weiß aus eigener Erfahrung, dass sich die Schüler und Schülerinnen vor dem gemeinsamen „Tanzen“ erst „zusammenraufen“ müssen. Das gilt vor allem in neu zusammengestellten Klassen nach dem Schulübergang oder zu Beginn der Mittelstufe. Und auch nach den großen Ferien werden oft „die Karten neu gemischt“, und die Jugendlichen versuchen in den ersten Wochen und Monaten, ihren Platz in der Gruppe zu finden. Dabei sind sie für Impulse zur Stärkung des Gemeinschaftsgefühls besonders empfänglich.

Mit dem Unterrichtskonzept „KlassenCheckUp!“ der Bundeszentrale für politische Bildung sensibilisieren Sie Ihre Schüler/-innen für Gruppenfindungs-Prozesse und fördern die Bereitschaft, aktiv zu einem guten Klassenklima beizutragen.

Das Gemeinschafts-Projekt „KlassenCheckup!“

Vier Unterrichts-Bausteine bieten Lehrkräften direkt übernehmbare Materialien und Ideen für eine handlungsorientierte, mehrstündige Unterrichtseinheit in den ersten Monaten des Schuljahres.

  • Zunächst reflektieren die Schüler/-innen bei einer anonymen Online-Befragung, wie es ihnen in der Gruppe geht. Sie nutzen dabei übrigens die Grafstat Software, die von der Bundeszentrale für politische Bildung gefördert und „für eine teilnehmer-aktive politische Bildungsarbeit in Schule, Jugend- und Erwachsenenbildung“ (ebd.) kostenfrei ist.
  • Bei der gemeinsamen Auswertung sammeln die Jugendlichen Erkenntnisse über verschiedene Aspekte des Klassenklimas und sehen, was gut läuft und woran noch gearbeitet werden sollte.
  • Mit spannenden Übungen, Experimenten und kooperativen Spielen erkunden sie gruppenpsychologische Prozesse und bringen gemeinsam das Leben und Lernen in der Gruppe voran.

„Wie geht es dir in der Klasse?“

Zum Einstieg und um ein aktuelles Stimmungsbild Ihrer Klasse zu bekommen, starten Sie direkt mit der Online-Befragung „KlassenCheckUp!“ auf der Website der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). Jede Schülerin und jeder Schüler füllt für sich den Fragebogen aus, bei dem einfach nur per Klick Aussagen wie „Ich finde in der Klasse schnell jemanden, wenn wir mit jemandem zusammenarbeiten sollen“ auf einer Skala von 1 („stimmt gar nicht“) bis 5 („stimmt ganz genau“) bewertet werden. Was die Schüler/-innen an ihrer Klasse gut finden, was sie stört und was sie gerne anders hätten, beschreiben sie mit eigenen Worten. Auch über ihre Wünsche hinsichtlich des Klassenklimas machen sie sich Gedanken (mehr Toleranz, weniger Gewalt etc.) Befragung und Auswertung erfolgen anonym, sodass jede und jeder ohne sozialen Druck ehrlich antworten kann.

„Gruppenzwang“ erkunden: das Asch-Experiment

In einer Gruppe verhalten sich die meisten Menschen anders als sonst. Sie beugen sich zum Beispiel dem Konformitätsdruck in der Gruppe, und das kann so weit gehen, dass sie ihre eigenen Wahrnehmungen oder Einstellungen komplett leugnen.

Mithilfe des Asch-Experiments erleben die Schüler/-innen das Phänomen live im Klassenzimmer: Dazu wählt die Lehrkraft zwei oder drei Jugendliche aus und schickt sie unter einem Vorwand heraus. Sie werden bei der folgenden Gruppenarbeit auf verschiedene Kleingruppen verteilt. Inzwischen brieft die Lehrkraft die Jugendlichen im Klassenraum: Gleich werden sie in Gruppenarbeit einfache Aufgaben lösen: Ein Strich auf einer Karte soll einem gleichlangen Strich auf einer zweiten Karte mit drei Strichen zugeordnet werden. Es gibt insgesamt sechs Durchgänge, und ab dem vierten Durchgang vertreten die eingeweihten Schüler/-innen geschlossen dasselbe falsche Ergebnis. Wie wird sich die unwissende Testperson verhalten, wenn alle anderen in der Gruppe einstimmig für den falschen Vergleichsstrich plädiert?

Tatsächlich gelingt es nur 25 Prozent der Proband/-innen, dem Konformitätsdruck standzuhalten und gegenüber der Gruppe das eigene Ergebnis zu verteidigen. Drei von vier Testpersonen hingegen schwenken um und schließen sich dem Gruppenergebnis an. Entweder, weil sie verunsichert sind und ihrem eigenen Urteil nicht mehr trauen, oder um einen Konflikt zu vermeiden.

In manchen Klassen besteht die Gefahr, dass die Versuchspersonen „aufgrund ihres Verhaltens in der Experimentsituation gehänselt werden“. Um das zu verhindern, kann der Versuch auch „in Form einer kurzen Szene durch Schülerinnen und Schüler“ (ebd.) dargestellt und anschließend mit begleitender Textarbeit erörtert werden. Direkt übernehmbare Materialien dafür liefert die Seite der bpb.

Ist Teamwork besser als Einzelarbeit? 

Um das herauszufinden, machen die Schüler/-innen ein weiteres Experiment (hier unter „Teamwork immer vorne?“): Drei Jugendliche treten in Einzelarbeit gegen Vierer- oder Fünfergruppen an, die nach dem Zufallsprinzip zusammengewürfelt wurden. Tatsächlich lösen die Arbeitsgruppen die Aufgaben auf einem Arbeitsblatt in der Regel „schneller und auch korrekter“ als die Schüler/-innen in Einzelarbeit. Solche Synergie-Effekte sind ein Vorteil von Teamarbeit.

Im Plenum reflektieren die Jugendlichen dann über die Vor- und Nachteile des Lernens und Arbeitens in der Gruppe. Der Fokus liegt dabei auf zwei Fragen:

  1. Warum lassen sich manche Aufgaben besser in der Gruppe lösen?
  2. Wann ist Einzelarbeit sinnvoller(er)?

Auch hierzu gibt es wieder direkt übernehmbare Arbeitsmaterialien von der bpb.

Daten-Auswertung: Wo besteht Handlungsbedarf?

Die Online-Befragung zeigt nicht nur den momentanen Status Quo des Klassenklimas, sondern gibt auch klare Hinweise darauf, woran gearbeitet werden kann: Die Fragen des Grafstat-Fragebogens beleuchten sieben Aspekte des Klassenklimas, die beim Baustein „Auswertung der Befragungsdaten“ unter „Kategorien“ aufgeführt sind: Wichtige Punkte sind beispielsweise der Klassenzusammenhalt, die Lern- und Arbeitsatmosphäre oder auch die Kommunikation. Ein weiterer zentraler Inhaltsaspekt ist die soziale Interaktion innerhalb der Klasse: Hier werden etwa Ausgrenzung und Meinungspluralität, der Umgang mit Konflikten und Konkurrenzdenken, oder auch die Hilfsbereitschaft untereinander thematisiert.

Wenn Sie die Auswertung nicht – wie im Unterrichts-Baustein 3 vorgeschlagen – mit dem Thema „wissenschaftlich fundierte Datenauswertung“ verbinden möchten, erstellen Sie mit Grafstat einfach eine automatisch generierte grafische Auswertung (vgl. dazu die Kurzanleitung im oben verlinkten Text „Auswertung der Befragungsdaten“). Der KlassenChekUp! bietet auch Potenzial für ein fächerübergreifendes Projekt mit Kolleg/-innen verschiedener Fächer: Fragebogen-Analyse, Interpretation von Statistiken und Auswertungsmethoden passen gut in einen Workshop „Online-Befragungen“, den Sozialkunde-, Mathematik- und IT-Lehrkräfte gemeinsam planen und anbieten.

Gezielte Maßnahmen fürs Klassenklima

Gute Beziehungen zwischen Menschen brauchen Pflege. Das gilt auch für die Beziehungen der Schüler/-innen in der Klassengemeinschaft. Deshalb widmet sich der vierte Unterrichts-Baustein des KlassenCheckUps einer nachhaltigen Beziehungsarbeit.

Ausgangspunkt sind die Erkenntnisse der Auswertung der Online-Befragung. Die Autor/-innen der Unterrichtsmaterialien empfehlen zunächst, die Stärken der Klassengemeinschaft „pointiert, wohlwollend und lobend“ hervorzuheben. Auf diese Weise erfahren die Schüler/-innen Wertschätzung für ihre Ehrlichkeit und Offenheit. In einem nächsten Schritt verständigt sich die Klasse auf zwei oder drei Teilbereiche des Klassenklimas, an denen sie in nächster Zeit arbeiten möchte. Die Auswahl dazu geeigneter Maßnahmen übernimmt entweder die Lehrkraft, oder sie stellt den Jugendlichen Optionen zur Auswahl.

In Ihrem Lehrerbüro nutzen Sie einen ganzen Pool von Ideen und fertigen Materialien, um das Klassenklima zu verbessern und die Klassengemeinschaft zu stärken. Hier ein paar Beispiele:

Die Basis für eine gute Lern- und Arbeitsatmosphäre sind gemeinsam vereinbarte Verhaltensregeln. Mit kooperativen Spielen und Arbeitsformen macht der Regelfindungsprozess Spaß, wie der Beitrag „Die besten Tipps für Klassenregeln“ zeigt.

Den Klassenzusammenhalt und die Hilfsbereitschaft fördern Sie am eindrücklichsten mit Kooperationsspielen wie „Auf hoher See“ oder der „Gordischer Knoten“ (vgl. dazu die Website spielefuerviele.de). Vielfältige Ideen – auch für höhere Jahrgangsstufen – beinhaltet im Lehrerbüro der Beitrag „Gruppen-Spiele für eine Klasse ohne Außenseiter“.

Zu guter Letzt hier noch der Hinweis auf eine Neuerscheinung hier in Ihrem Lehrerbüro: In seinem Material „Wir werden eine Klasse!“ bietet Dr. Lars Schmoll einen Leitfaden für Lehrkräfte, der zeigt, wie Sie auf allen Ebenen die Weichen für eine gute Klassengemeinschaft stellen: z. B. mit Regeln und Ritualen, mit wertschätzendem und angemessenem Feedback oder mit Impulsen für die Teamentwicklung. Besonders auch die Praxistipps zur Mobbing-Prävention und -Intervention seien Ihnen ans Herz gelegt (ab S. 58). Wenn in der Klasse auch nur ein einziger Jugendlicher gemobbt wird, ist es für alle vorbei mit einer guten Klassengemeinschaft.

Martina Niekrawietz


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