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Gefühle und Emotionen

Positives Lernen erleben durch Engagement

Das Engagement im Unterricht zu fördern, ergibt sich aus den passenden Aufgaben für die jeweiligen Stärken der Lernenden. Dieser Punkt ist ein Teil von PERMA und sorgt für Wohlbefinden beim Lernen.

Gefühle und Emotionen: Positives Lernen erleben durch Engagement PERMA - Engagement für bessere Leistungen © thingamajiggs - stock.adobe.com

Zahlreiche empirische Studien aus dem Feld der Positiven Bildung lassen erkennen, dass Wohlbefinden und Leistung in der Schule weniger als diametrale Pole, sondern vielmehr als notwendige komplementäre Teile verstanden werden müssen. Erhöht sich das Wohlbefinden von Schülerinnen und Schülern, so verbessern sich nachweislich auch deren Leistungen. Umgekehrt führen gute Leistungen zu mehr Wohlbefinden – eine Aufwärtsspirale kann entstehen (Seligman, M. E. P.). Unter Wohlbefinden wird dazu mehr gefasst als Wohlfühlen. Es handelt sich um ein psychologisches Konstrukt, das von Martin Seligman über fünf Faktoren definiert wird, die jeder für sich und in Zusammenspiel Wohlbefinden ermöglichen bzw. erhöhen. Gezielte, sorgfältig erprobte Übungen können auf einzelne Faktoren positiv einwirken und dazu beitragen, das individuelle Wohlbefinden zu erhöhen.  Überschrieben werden diese fünf Elemente mit dem Akronym PERMA, jeder einzelne Buchstabe repräsentiert dabei einen Faktor.  

In den vorauslaufenden Beiträgen wurden bereits P, Positive Emotionen sowie R, Relations, also Beziehungen, vorgestellt. Dieses Mal geht es um E, Engagement, die beiden Folgemale werden M, Meaning, Sinn, und A, Accomplishment, Selbstwirksamkeit, erläutert. 

Literaturverzeichnis 

Brohm, Michaela; Endres, Wolfgang (2017): Positive Psychologie in der Schule. Die »Glücksrevolution« im Schulalltag. 2., erw. Aufl Weinheim: Beltz J. 

Niemiec, Ryan M. (2019): Charakterstärken. Trainings und Interventionen für die Praxis. 1. Aufl. Bern: Hogrefe. 

Seligman, Martin E. P. (2015): Wie wir aufblühen. Die fünf Säulen des persönlichen Wohlbefindens. Vollständige Taschenbuchausgabe, 2. Auflage. München: Goldmann (Goldmann, 22111). 

Aufblühen durch Engagement (E) 

Aufblühen von Menschen bedeutet im Wesentlichen, dass sie sich entfalten können, sich für etwas Großes engagieren und in den Flow kommen (Brohm und Endres 2017). Entfalten können meint Potentialentfaltung bzw. eine Orientierung an den Stärken von Menschen – ohne dabei Schwächen gänzlich außer Acht zu lassen. Im Kontext der Positiven Psychologie wurden 24 universell gültige Stärken identifiziert und sechs Tugenden zugeordnet. Sie werden als Charakterstärken bezeichnet und als „innere Bestimmungsfaktoren des gelingenden vollen Lebens“ (Niemiec). Diese inneren Dimensionen entsprechen zugleich universellen Werten, die in Gemeinschaften für gutes Zusammenleben maßgeblich sind. Sie sind alle prinzipiell in uns Menschen angelegt, allerdings sehr unterschiedlich ausgeprägt. Können Menschen in ihnen gestellten Aufgaben ihre größten Stärken überwiegend einbringen, so potenziert sich die Wahrscheinlichkeit für hohe Motivation, hohes Engagement.  

Eine komplexe Aufgabe an unseren Stärken entlang aktiviert unser Bestreben, mit Ausdauer und Leidenschaft zu Erfüllung zu kommen. Dies ist eine ideale Ausganglage für Flow, dem Zustand vollkommener Vertiefung in eine Sache in völliger Selbst- und Zeitvergessenheit. Um Engagement zu fördern, ergeben sich zwei Entwicklungspunkte:  

  1. Einer davon beinhaltet, die passenden Aufgaben, Anforderungen zu bieten, die weder unterfordern oder gar langweilen noch überfordern und stressen.  
  2. Der zweite Entwicklungspunkt wird definiert durch das Bestreben, in den gestellten Aufgaben möglichst die zentralen Charakterstärken zu aktivieren und zur Bearbeitung einzubringen.  

Konkret bedeutet dies für Schule und Unterricht, dass – wie allseits bekannt – Aufgaben binnendifferenziert oder idealerweise individualisiert adressatengerecht angeboten werden. Darüber hinaus macht es zudem Sinn, dass Schüler/innen ihre Charakterstärken kennen und darauf achten lernen, diese möglichst in den ihnen gestellten Aufgaben einzubringen.  

Übungen für die Praxis

Stärkendusche 

Diese Übung dient der Förderung des Positivity Bias, es wird nicht der Frage nachgegangen, was jemand nicht kann, sondern es wird ein bewusst positiver Blick auf die Stärken der Schüler und Schülerinnen gelegt. Dies kann die Entwicklung eines positiven Selbstkonzepts unterstützen. Zudem wird dadurch in der Regel eine Atmosphäre von Freude und Dankbarkeit erzeugt – zwei Positive Emotionen. 

  • Nehmen Sie sich mit Ihrer Klasse 15 Minuten Zeit und halten Sie kleine bunte Karten und Stifte bereit. 
  • Wählen Sie gemeinsam mit der Gruppe ein Kind für die Kreismitte, das eine Stärkendusche bekommen soll. 
  • Die anderen überlegen sich, was der Mitschüler, die Mitschülerin gut kann und schreiben es auf eine Karte. 
  • Jeder liest seine Karte vor und überreicht sie dem Kind in der Mitte. 
  • Reflektieren Se gemeinsam zu zwei Fragen: 
  1. Wie geht es mir in der Kreismitte, wenn ich von meiner Klasse höre, was ich gut kann? 
  2. Was ist meine Super-Stärke? Wie kann ich sie noch besser beim Lernen einsetzen? 
Super-Stärken-Arbeit 

In dieser Übung steht eine positive Selbstreflexion im Fokus. Schüler/-innen entwickeln einen Blick auf das, was sie gut können und wo sie Potentiale haben. Diese Erkenntnis wird mit dem Stärkeneinsatz in der Praxis verbunden, der durch die kurze Phase des Partner-Dialogs mit neuen Ideen angereichert werden kann. 

  • Nehmen Sie sich mit Ihrer Klasse 30 Minuten Zeit. 
  • Lassen Sie die Schüler/-innen in den 24 Charakterstärek ihre 10 größten Stärken markieren oder auch weitere ergänzen. 
  • Geben Sie Ihnen dann Zeit, die drei wichtigsten - ihre Super-Stärken - herauszuschreiben. 
  • Dann überleben die Schüler/-innen, wo sie ihre Stärken im Unterricht und beim Lernen nutzen bzw. wo sie sie noch einsetzen können. 
  • Lassen Sie sich, zu zweit darüber austauschen.
  • Anschließend reflektieren Sie im Plenum: 
  1. „Wie hat euch die Übung gefallen?"
  2. „Was habt ihr dabei über euch gelernt?"

Ulrike Lichtinger

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