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Motivation leicht gemacht

Schüler/-innen mit Tricks motivieren

Warum ein Wörterbuch bei Schüler/-innen wohnt, warum Linien motivieren und was es sonst noch für Tricks zur Motivation gibt. Das alles erfahren Sie in diesem Beitrag.

Motivation leicht gemacht: Schüler/-innen mit Tricks motivieren Motiviert lernt es sich viel leichter © Dirima - stock.adobe.com

Die Schüler/-innen einer 5. Klasse kommen fröhlich, sich unterhaltend und teilweise auch lachend zur ersten Stunde ins Klassenzimmer. Sie sprechen darüber, wie ihr Wörterbuch heiße und wo es wohne. Manch ein anderer, der das vielleicht hört, wundert sich. Wieso haben stinknormale und langweilige Wörterbücher in einer oberfränkischen Realschule bitte Namen und Wohnorte? Ein Mädchen kichert, ihres hieße nun „Schorschi“. „Halt“, du hast die Linie hier vergessen“, meint ein anderes und zupft die Freundin am Ärmel. Sie muss lachen, geht zwei Schritte zurück und dann nochmals grinsend und mit Schwung über eine grüne Linie am Fußboden ins Klassenzimmer zum Deutschunterricht. Das zweite Mädchen tut es ihr gleich. Motiviert in den Deutschunterricht, wie ist das möglich? 

Positive und negative Werte definieren

Die Klasse hatte wenige Tage zuvor diskutiert, wie man sich selbst an die positiven Aspekte von Schule erinnern könne. Dass man in die Schule geht, um zu lernen, Freunde zu treffen, später den Abschluss möchte, ihn als Sprungbrett für das braucht, was man später einmal machen möchte. Die Linie am Fußboden erinnert daran, „dass nun ein anderer Raum, eine andere Zeit als zu Hause oder in der Freizeit“ betreten wird. Ab hier ist Lernzeit und –Raum.“ Deshalb das „andere“ Hereinkommen am Morgen.                                                                                                     

Weiter sollten alle überlegen, was sie nicht mögen, was ihnen schwerfällt und was gut gekonnt oder gerne gemocht wird. In einem Lehrer-Schüler-Gespräch passend zur Unterrichtseinheit (z. B. Gedanken artikulieren und anderen zuhören) kam jeder kurz zu Wort. Negatives wurde angehört, das Positive aber verstärkt hervorgehoben. Wurden Ähnlichkeiten bei Hobbys oder Vorlieben festgestellt, konnten sich die Kinder verabreden, neue Klassenkameraden kennenlernen. 

Motivationsposter gestalten 

In meinem Unterricht ging es aktuell um die Klassenlektüre „Harry Potter und der Stein der Weisen“ – mit Schwerpunkt auf „neue Schule, neues Umfeld, sich neu orientieren“. Alle Kinder hatten ein buntes Din-A4 Blatt als persönliches Mini-Motivationsposter notiert und gestaltet. Dort steht was es mag und gut kann. Die wurden sichtbar im Klassenzimmer aufgehängt und dienen nun am Morgen vor dem Unterricht als Gesprächsstoff. Alle wollten wissen, was andere geschrieben hatten. Hat ein Kind im Unterricht ein Motivationstief, kann subtil und empathisch an individuelle Stärken erinnert werden. 

Motivationslinie und –poster sollten keine Dauererscheinung sein, damit verlören sie ihre Wirkung. Wenn sie aber drei- bis viermal im Schuljahr mit zeitlicher Unterbrechung zum Einsatz kommen, leisten sie gute Dienste, sie sind Erinnerungsstütze - wenn selbst erarbeitet wurde, was sie bewirken sollen. Eigene Schülerideen aufzugreifen, ist immer besser, als ihnen fremde Konzepte überzustülpen. Nach dem Motto: „Hier ist eine Linie, siehst du sie, bist du ab sofort motiviert.“ Fremdbestimmung funktioniert. Eigenantrieb aber deutlich besser.

Wie funktioniert das Lernen?

Im Unterricht selbst machte ich die Erfahrung, dass Lernen leichter fällt, wenn aktiv etwas getan werden kann. Rechtschreibregeln beispielsweise werden effektiver verstanden, wenn die Schüler/-innen neben, Sprechen, Hören, Sehen auch aktiv handeln können. Haptisches Erleben, Üben durch „Be-greifen“ spricht andere Lernkanäle an – das bedeutet effektiveres Lernen. Das Agieren mit den Händen beansprucht beide Gehirnhälften. 

Die linke Hand wird durch die rechte Hemisphäre, die rechte Hand durch linke gesteuert. Umgekehrt werden der rechten Hälfte Informationen von der linken Hand vermittelt und der linken Gehirnhälfte von der rechten Hand. Sachverhalte werden somit durch praktisches Arbeiten schneller und nachhaltiger „be-griffen“, im wahrsten Sinne des Wortes. Überwiegend für Logik, Reihenfolgen, Mathematik und Sprache ist die linke Gehirnhälfte zuständig. Die rechte Hemisphäre überwiegend für Musik, Bilder, Vorstellungen, Rhythmus, Emotionen und Intuition. Das Gehirn arbeitet also vielschichtiger, wenn beide Hemisphären durch das Agieren mit den Händen miteinander in ihrer Arbeitsweise verknüpft werden (Rita Messmer: Mit […] Kindern [L]ernen lernen). Das Arbeiten mit beispielsweise Lehr- und Lernmaterial nach Montessori fand in meinem Unterricht schon oft Verwendung. Auch LÜK-Kästen funktionieren nach diesem Prinzip.  Für die gibt es übrigens Material für verschiedenste Unterrichtsinhalte bis zur 8. Jahrgangsstufe. Da solche Übungsmaterialien andere Lernkanäle ansprechen als bloßes Zuhören, Schreiben und Reproduzieren, sind viele Kinder nicht abgeneigt, damit zu üben und zu lernen; die meisten lieben sogar diese Art, „anders als andere“ zu arbeiten.

Wörterbücher nutzen 

Was hatte es aber nun mit den Namen und Wohnorten der Wörterbücher zu Beginn auf sich? Es ging im Deutschunterricht um die Inhalte „Wörterbücher nutzenlernen, als Nachschlagewerke nutzen, Wörter nachschlagen und finden“. Außerdem darum, warum das gelbe, unhandliche Ding, das viele Leute kennen, „DUDEN“ heiße. Ein Schüler meinte aus Spaß, wenn er das Teil verlegen würde, würde es „Meier“ heißen. Dadurch kamen die Schüler/-innen darauf, ihrem Wörterbuch andere, spannendere und lustigere Namen zu geben. Und schon hatte das Teil seinen Schrecken verloren. Es war nämlich interessanter „Kongking“, „Schnecki“ oder „Schorschi“ mitzubringen, aufzuschlagen und dann auch noch Wörter in ihm oder ihr zu finden. Wie spannend war das denn, bitte! Als Hausaufgabe mussten in den „neuen Zimmermitbewohnern“ Wörter gesucht, gefunden, notiert und grammatikalische Grundlagen gelernt werden. Um das Ganze noch witziger und diesmal zum Lektüreunterricht passend zu machen stellten die Kinder außerdem vor, wo und wie IHR Wörterbuch zu Hause bei ihnen „wohnt“. Die mitgebrachten Fotos zeigten Wörterbücher fein säuberlich auf dem Regal auf dem Schreibtisch, neben einer schönen Grünpflanze, mit „Freunden“ im Blickfeld auf einem Bücherregal aber auch neben Spielfiguren, in einem Puppenbett oder mit digital hinzugefügter Haarfrisur. Das gab Anlass zur Diskussion – Gesprächsregeln, etwas präsentieren, vor der Klasse sprechen, Miniplakate gestalten u. a. Inhalt nebenbei und vor allem mit viel Freude und Hingabe an die Sache wurden gelernt und „tatsächlich“ „be-griffen“. Das Nachschlagen im Wörterbuch während des Unterrichts klappte selbstverständlich nicht ohne Lernen, Übung und Wiederholung. Dennoch waren die Scheu vor dem sperrigen Teil und das normalerweise langweilige „Drumherum“ aufgehoben.

Motivation auf vielen Wegen

Durch solche Vorgehensweisen sind Schüler/-innen grundsätzlich motivierter - eine positive Grundhaltung ist immer förderlich, egal wofür. Außerdem wird mit vergleichbarem Vorgehen Bewegung ins Klassenzimmer gebracht. Aufstehen, etwas zeigen, vor die Klasse treten und etwas erklären, das Wörterbuch mitbringen, aufschlagen usw. Aber auch das Arbeiten mit Lernzirkel oder Stationentraining mit „montessoriähnlichem“ Lernmaterial, das Agieren mit den Heften und Plättchen des oben genannten Kastens, das alles fordert und fördert Bewegung. Auch kurze Unterbrechung beim Wegpacken oder Herholen von Arbeitsmaterial, etwas zu trinken und dabei aufstehen zu dürfen (natürlich leise), angeleitete Übungen sorgen für Bewegung und damit Abwechslung. Das kann motivieren. Motiviert sein fördert effektiveres Lernen. Effektiveres Lernen und einfacheres Verstehen wiederum fördern Motivation.

Marylin Albert-Legniti


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