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Freundschaft in der Schulzeit

Seite an Seite: stark fürs Leben durch Freundschaft

Was persönliche Freundschaften oder freundschaftliche Beziehungen bedeuten und wie sie sich in der Schule entwickeln und gefördert werden können, erfahren Sie hier.

Freundschaft in der Schulzeit: Seite an Seite: stark fürs Leben durch Freundschaft Freundschaften sind wichtig für die soziale Entwicklung © Dima Aslanian - stock.adobe.com

Jule hüpft aufgeregt von einem Bein auf das andere, denn am folgenden Tag beginnt für sie der erste Schultag. „Ich bin so neugierig, ob ich eine Freundin finde.“, sagt sie zu ihrer Mutter. „Ich möchte gerne jemanden haben, mit dem ich in der Schule spielen kann.“ Freundschaften haben in unserer Gesellschaft einen hohen Stellenwert. Freunde zu finden, braucht Zeit und eine Freundschaft muss langsam wachsen. Das Gefühl von Zugehörigkeit, Ehrlichkeit und Nähe sind wichtige Faktoren, die eine Freundschaft ausmachen.

2011 haben die Vereinten Nationen den internationalen Tag der Freundschaft ausgerufen. Seit der Zeit wird dieser Tag weltweit am 30. Juli gefeiert. Obwohl dieser Tag einen offiziellen Status erhalten hat, ist er in der breiten Öffentlichkeit ein noch recht unbekannter politischer Aktionstag.

Freundschaften sind lebenswichtig

Schon im frühen Kindesalter suchen Kinder nach Freund/-innen, mit denen sie spielen und auf ihre Art kommunizieren können. Diese Kinderfreundschaften unterliegen im Kindergartenalter oftmals Fluktuationen und zeichnen sich dadurch aus, ob Kinder miteinander spielen können, ob es gegenseitige Zuneigung gibt und ob Wünsche und Interessen übereinstimmen.

Im Laufe ihrer Entwicklung haben Freundschaften verschiedene Funktionen. Jüngere Kinder entdecken im Kindergarten durch das gemeinsame Spiel die Welt. Sie lernen, sich miteinander auseinanderzusetzen durch Streiten und Vertragen, durch Austausch und gemeinsames Agieren. So erfahren die Kinder das Verhalten in sozialen Beziehungen und lernen viel über sich selbst. Ab der Grundschule bekommen Freundschaften eine andere Qualität. Meist sind es Gleichaltrige, die sich mit ähnlichen Interessen finden. Sie lernen, Gefühle zu zeigen und suchen gemeinsam nach Konfliktlösungen. Durch Vertrauen in den Freundschaften erfahren die Kinder sich selbst. Die Jugendlichen in weiterführenden Schulen finden häufig ihre Identität durch verschiedene Rollen in Cliquen. Die Freundschaften erhalten eine andere Qualität.

Schule als wichtiger Ort für Freundschaften

An dem internationalen Tag der Freundschaft steht das Thema im Mittelpunkt von Gesprächen, Feierlichkeiten und Aktionen. Dabei geht es um die Freundschaft zwischen Personen, aber auch um freundschaftliche Beziehungen zwischen einzelnen Ländern und Kulturen. Feste, Events oder kulturelle Rituale werden in vielfältiger Weise an diesem Tag durchgeführt. Freundschaften können gepflegt, Brieffreundschaften vertieft und Partnerschaften zwischen verschiedenen Kulturen in einem Land gefeiert werden.

Da der 30. Juli in diesem Jahr in allen deutschen Bundesländern in die Ferien fällt, kann das Thema „Freundschaft“ im Vorfeld oder nach den Ferien im Unterricht fächerübergreifend erarbeitet und vertieft werden. Gerade zum Anfang des Schuljahres eignet sich das Thema. Denn die Bedeutsamkeit von Freund- oder Partnerschaften sind für alle Kinder und Jugendlichen die Basis von gegenseitigem Verständnis und Vertrauen zueinander. Falls dies von der Schule erwünscht ist, kann der Tag auch nach den Ferien mit einem Fest oder in den Klassen gefeiert werden. Eine gute Vorbereitung auf das nächste Schuljahr. 

So erhalten die Schüler/-innen Impulse, mit ihren Freund/-innen an dem Tag zu feiern, sich etwas Gutes zu tun, aneinander zu denken oder internationale Begegnungen zu zelebrieren. Die im Folgenden aufgezeigten Angebote können dazu genutzt werden.

Didaktische & methodische Erarbeitung zum Thema Freundschaft   

Die Zielsetzungen im Unterricht zum Thema Freundschaft sind ausgerichtet auf Sensibilisierung, ethische Werte und das Erfahren von Eigenschaften wie Vertrauen, Toleranz und Verlässlichkeit. Durch die methodische und didaktische Erarbeitung dieses Themas bekommen die Schüler/-innen die Möglichkeit, die eigenen Vorstellungen von Freundschaft und deren Eigenschaften zu reflektieren und eventuell neu einzuordnen.

Um in das Thema Freundschaft einzusteigen, eignet sich dieses Arbeitsblatt zum Thema Freundschaft. Dieses können Sie exklusiv hier herunterladen:

Arbeitsblatt Freundschaft »

Zunächst lässt sich durch verschiedene Unterrichtsformen herausfinden, welche freundschaftlichen Beziehungen schon vorhanden sind. Hierzu helfen Methoden im Unterricht wie:

  • Kooperatives Lernen mit Partnerarbeiten, Gruppenarbeiten (in verschiedenen Fächern).
  • Partnerspiele
  • Freiwillige Aufgabenverteilungen auf zwei Schüler/-innen oder eine Kleingruppe (zum Beispiel Blumendienst, Tafeldienst, etc.)
  • Erzählen oder Vorlesen von Freundschaftsgeschichten
  • Speeddating: Jeweils zwei Schüler/-innen setzen sich zusammen und haben 10 Minuten Zeit, sich auszutauschen - auf ein Thema bezogen oder persönliche Inhalte. Es erklingt ein Gong und dann finden sich neue Paare, die dann wieder 10 Minuten Zeit haben für ein Partnergespräch, usw. Nach der Aktion werden die Gespräche ausgewertet, wer gerne mit wem arbeitet.

Beobachtungen dazu können dokumentiert oder in einem Soziogramm festgehalten werden.
Um sich dem Thema Freundschaft zu nähern, eignen sich gesprächsorientierte Sequenzen, die mit Bildmaterial unterstützt werden.

  • Freundschaften gibt es auf viele Art und Weise. Die Schüler/-innen schreiben auf, welche Arten von Freundschaften sie kennen.
  • Es gibt Freundschaften zum Beispiel zwischen: Kindern, Erwachsenen, Menschen und Tieren, verschiedenen Kulturen, Ländern, Städten und Schulen.
  • Die Schüler/-innen schauen sich Fotos an, auf denen verschiedenartige freundschaftliche Beziehungen zu erkennen sind. (Fotos dazu findet man im Internet oder in Zeitschriften).
    - Sie finden eine Überschrift für die Bilder.
    - Sie entscheiden sich für ein Bild, welches ihrer Meinung nach eine Freundschaft am deutlichsten darstellt.
    - Über die Erfahrungen und Kenntnisse wird diskutiert.
    - Die Schüler/-innen erklären, warum eine Freundschaft wichtig ist.
  • In verschiedenen Arbeitsschritten soll herausgefunden werden, was eine Freundschaft bedeutet.

Aufgabe: Jeder bekommt ein Blatt und schreibt auf, was zu einer Freundschaft gehört.
Wenn alle fertig sind, werden die Blätter auf den Boden gelegt. Alle setzen oder stellen sich um die Blätter und diskutieren darüber. Die Ergebnisse werden auf eine lange Papierbahn (Packpapier o. Ä.) geklebt und aufgehängt.

  • Die Gruppe schaut sich die Säulen der Freundschaft an und redet darüber.
  • Eine Freundschaft kann sich durch verschiedene Faktoren auszeichnen. Dazu gehören:
    - gleiche Interessen,
    - ähnliche Gedanken,
    - gleiche Vorlieben,
    - gleiche Sprachebene,
    - Gefühle.

Zu den wichtigen Elementen gehören diese Säulen als Träger eines Freundschaftsgebildes:

Die Säulen der Freundschaft (nach Angela Hentschel 2022)

Wie und wo findet man Freunde?

Freunde zu finden, ist nicht immer leicht. Gegenseitige Vorliebe füreinander muss langsam wachsen. Sich anlachen, Sympathie zeigen oder gleiche Interessen sind eine gute Grundlage, um eine Freundschaft aufzubauen. Aufeinander zugehen, ehrliches Interesse zeigen und Komplimente machen, sind hilfreiche Aktionen.

Ab dem Grundschulalter sind schon durch das Erkennen von Emotionen, gezielter Kontaktaufnahme und Gemeinsamkeiten langfristige Freundschaften möglich. Bei Jugendlichen spielen Vertrauen, Sicherheit und Unterstützung eine zunehmende Rolle.

Es gibt verschiedene Einrichtungen oder Institute, in denen man leichter eine Freundschaft schließen kann. Beispiele:

  • in der Schule
  • in einem Verein
  • bei Geburtstags-Feiern
  • im Urlaub
  • beim Sport
  • Über das Internet, wenn sich daran Begegnungen, persönliche Kommunikation und Aktionen anschließen. (In dem Zusammenhang kann auch über die Gefahren von angeblichen „Internet-Freunden“ gesprochen werden.)

Unterschied zwischen Mädchen- und Jungenfreundschaften

  • Die Schüler/-innen erarbeiten in Partnerarbeit, was der Unterschied zwischen Mädchen- und Jungenfreundschaften ist.
  • Die Partner schreiben Stichworte dazu auf.
  • Die Ergebnisse werden im Plenum diskutiert und dokumentiert.

Fächerübergreifender Umgang mit dem Thema

  • Herstellen von einem Freundschaftsarmband, das dann an den/die Freund/in verschenkt wird.
  • Ein Freundschaftsbuch mit bemalten Seiten, das immer wieder erweitert werden kann. Zum Beispiel:
    - Gegenseitiger Handabdruck in das Buch drücken.
    - Lieblingsmotive des/der Freund/in zeichnen.
    - Das Lieblingstier mit Wasserfarbe malen.
    - Die Lieblingsblume malen, (usw.)
    - Freundschaftsgedichte eintragen.
  • Eine Einladungskarte für die/den Freund/in zum 30. Juli  herstellen für…Kino, Essen, Konzert, Spielnachmittag, Nintendo, Sport, etc.
  • Einen Aufsatz schreiben , was Freunde sind und warum sie wichtig sind.
  • Partnerarbeit: Gedichte oder Texte zum Thema Freundschaft im Internet finden. Die Ergebnisse werden besprochen.
  • Die Schüler/-innen stellen ein Freundschaftsplakat durch Malen, Schreiben oder als Collage her. Beispiele:
    1. Hier möchte ich mit dir sein: am Strand, beim Fußball, beim Shoppen, im Wald, auf einem Bauernhof, auf dem Spielplatz, etc.
    2. In dem Film möchte ich gerne mit dir spielen: 5 Freunde, Ernie und Bert, Zwei Freunde und ihr Dachs, Boule und Bill, etc.
  • Die Schüler/-innen schreiben und gestalten einen Freundschaftsbrief. Beispiele:

Das wollte ich Dir immer schon sagen!

  • - Danke, dass ich mit Dir über alles reden kann.
  • - Danke, dass Du mir immer zuhörst.
  • - Danke, dass ich Dir vertrauen kann.
  • - Danke, dass wir so viel zusammen machen können.

Du bedeutest mir viel!

  • - Ich bin so froh, dass Du mein/e Freund/in bist.
  • - Ich werde immer für Dich da sein.
  • - Du gibst mir das Gefühl von Sicherheit.
  • - Mit Dir fühle ich mich unbesiegbar.

Gefühle in der Freundschaft

„Ein richtiger Freund sieht, dass deine Seele weint, obwohl du lächelst“. (Hentschel)
Zwischenmenschlichen Beziehungen, so auch Freundschaften, haben etwas mit Gefühlen zu tun. Dazu gehören Sympathie, Vertrauen und auch Enttäuschungen. Je mehr eine Freundschaft gewachsen ist, umso mehr spielen auch Gefühle eine Rolle.

  • Die Schüler/-innen beschreiben in einer Gesprächsrunde, welche Gefühle ihnen bekannt sind.
  • Sie ordnen zu, welche Gefühle zu einer Freundschaft gehören.
  • Sie erhalten ein Blatt, in dem sie die Ergebnisse ihrer Gedanken eintragen.

Freundschaft kann auch Verlust bedeuten

Wenn man eine/n Freund/in hat, fühlt man sich stark und hat jemandem, mit der/dem man sich verbünden kann – „gegen den Rest der Welt“. Die Säulen der Freundschaft (s. o.) kommen zum Tragen. Brechen einige Säulen durch verschiedene Umstände weg (Umzug, andere Schule, keine Lust mehr, veränderte Interessen, usw.), so kann dies eine Freundschaft gefährden und das Freundschaftskonstrukt fällt auseinander. Die Schüler/-innen erfahren, dass diese Situation passieren kann. Verlust und Traurigkeit können in diesem Fall dominante Gefühle sein. Unterstützung und Verständnis sind hierbei unbedingt gefragt, um den Verlust zu bearbeiten und nicht an dem eigenen Selbstwertgefühl zu zweifeln. Verarbeitete Verlusterfahrungen in der Freundschaft helfen, wieder neue Bindungen eingehen zu können.
Die Schule unterstützt Prozesse

Ehrlichkeit, emotionale Nähe und Vertrauen sind wichtige Komponenten, die eine Freundschaft ausmachen. Freunde sind wertvolle Begleiter im Leben eines jeden Menschen, unverzichtbar und individuell. Stabile Freundschaften machen gesund und glücklich. Viele wichtige Lebensphasen und Entwicklungen werden durch Freundschaften geprägt. Ohne eine/n Freund/in können sich Selbstbewusstsein, Individualität und soziales Verhalten schwer entfalten. So kann auch die Schule durch Unterricht oder pädagogische Sequenzen, freundschaftlichen Beziehungen der Schüler/-innen untereinander fördern und gleichzeitig davon profitieren. Im Sinne von Sozialverhalten und Verantwortungsbewusstsein gehört das Entwickeln und Erleben von Freundschaften auch zu den Schlüsselkompetenzen, die in der Schule angebahnt werden müssen.

Angela Hentschel


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