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Regeln für die Zusammenarbeit

Strategien zur effektiven Klassenführung

Es gibt wohl keinen störungsfreien Unterricht. Viel eher ist es die Aufgabe der Lehrkraft Störungen zu steuern. Die Strategien zur Klassenführung aus diesem Beitrag helfen dabei.

Regeln für die Zusammenarbeit: Strategien zur effektiven Klassenführung Lehrkräfte können die Klassegemeinschaft positiv beeinflussen © Rido - stock.adobe.com

„Störungsfreier Unterricht ist eine didaktische Fiktion!“, sagt Lohmann (2003, S. 13). Mit dieser nüchternen Auskunft ist klar, dass wir als Lehrkräfte sowohl vorwegnehmende Strategien zur Prävention wie auch problemlösende Strategien zur Reaktion auf Unterrichtsstörungen benötigen. Im weiten Feld der Lehrer-Kompetenzen hinsichtlich Didaktik, Diagnostik, Methodik, Fachlichkeit, oder Pädagogik spielt also auch die Klassenführungskompetenz eine wesentliche Rolle im Gelingensprozess von Unterricht.

„Before you plan classroom activities for the first week, you need to have your room and materials ready and to have identified your rules, procedures and consequences.“ (Evertson, 2009, S. 64). Was auf den ersten Blick eher trivial erscheint, ist als Gesamtwirkung jedoch entscheidend. Denn „Lehrkräfte, die sich mit Erfolg an diesen Prinzipien orientieren und sich auf diese Weise prospektiv-vorausschauend und proaktiv (statt intervenierend und reaktiv) verhalten, haben nachweislich wesentlich weniger Schwierigkeiten mit der Klasse und gewinnen so mehr Zeit und Ressourcen, die den eigentlichen Lehraufgaben zugutekommen“ (vgl. Helmke, 2009, S.185).

Techniken zur Klassenführung

Schon der Klassiker Kounin hat Techniken der Klassenführung festgehalten, die noch heute als Ausgangspunkt dienen (Kounin 1979, Reprint 2006). Seine Grundüberlegung dabei ist der sog. „Welleneffekt“, also die Wirkung von Zurechtweisungen bei anderen, nicht zurechtgewiesenen Schülern. Er hat das Klassenführungsverhalten von Lehrkräften als einer der ersten untersucht und einzelne wirkungsvolle Merkmale beschrieben:

Allgegenwärtigkeit und Überlappung:

Als Lehrkraft weiß man, was aktuell in der Klasse vor sich geht und lässt dieses Wissen die Schüler/-innen auch spüren. Eigene Wahrnehmungen teilt man verbal oder nonverbal mit (ohne Vorwurf, sondern als Ich-Botschaft) und macht sie so bewusst. Um ein Störverhalten zeitnah einzudämmen, sollen kleinere Störungen sofort, mit direkter Ansprache sowie kurz und bündig unterbunden werden. Der allgemeine Lärmpegel soll veranschaulicht werden, ebenso wie die Toleranzgrenzen darin, z. B. mit einer Geräuschampel oder einem Lärmbarometer. Zugleich ist man als Lehrkraft in der Lage, zeitgleich mindestens zwei Unterrichtsprozesse (beispielsweise Unterrichtsgespräch und Ermahnung) zu steuern und damit überlappend die unterrichtsfremden Aktivitäten hinter den Unterrichtsvorgang zu stellen.

Schwung und Reibungslosigkeit:

Die Lehrkraft sorgt für das passende Lerntempo und Lernniveau, sodass der Unterricht störungsfrei ablaufen kann. Beispielsweise sollten Inhalte und Methoden so ineinandergreifen, dass sie sich im Anspruchsgrad nicht gegenseitig blockieren. Die Länge und Ausführlichkeit von lehrerzentrierten Phasen wird auf die allgemeine Aufmerksamkeitsspanne abgestimmt. Die Übergänge von einer Unterrichtsaktivität zur nächsten sollten ohne Verzögerungen durch Schüler/-innen vonstattengehen. Kleinere rhythmisierende Moderationen der Lehrkraft machen den Verlauf reibungslos, beispielsweise ein Klangsignal zum Aufräumen, ein Lied zum Kreisbilden, eine Ankündigung zum Arbeitsende, ein Time Timer zur Arbeitszeitdauer usw.

Planung von Regeln und Verfahrensweisen

Neben der Vorbereitung von Klassenraum und Materialien gehört zum effektiven Klassenmanagement auch die Planung von Regeln und Verfahrensweisen. Einige wenige, verständliche und vernünftige Regeln werden etabliert, die auch miteinander kompatibel sind und nicht etwa gegensätzlich. Diese sind möglichst positiv formuliert und sollten für alle verbindlich sein. Damit werden sie jederzeit durchsetzbar und bleiben transparent. Gute Regelformulierungen können auch noch konkretisiert werden. Beispielsweise gilt die Regel: „Es spricht immer nur eine Person und wir hören ihr zu“. Dies kann weiter ausgearbeitet werden mit Vertiefungen wie:

  • Wir beachten die Melderegeln.
  • Wir hören unseren Mitschülern zu.
  • Wir hören auf die Rede der Lehrperson.

Literaturtipps 

Evertson,C.; Weinstein, C. Hrsg. (2006): Handbook of Classroom Management Research. New York. 

Kounin, Jacob (2006): Techniken der Klassenführung (Original der deutschen Ausgabe 1976). Münster 

Lohmann, Gerd (2003): Mit Schülern klarkommen. Professioneller Umgang mit Unterrichtsstörungen und Disziplinkonflikten. Berlin. 

Weidner, Margit (2006): Kooperatives Lernen im Unterricht. Das Arbeitsbuch. Seelze.

Weitere Regeln und Verfahrensweisen könnten zum Beispiel festlegen, welche Schüler/-innen sich in welcher Richtung mit dem Stuhl zum Tafelkreis und zurückbewegen, um sich möglichst wenig gegenseitig zu behindern und den Platzwechsel reibungslos zu gestalten. Auch für das Einholen von Hilfe in Freiarbeitssituationen können eigene Prozeduren festgehalten werden. Eine Meldeampel mit Wäscheklammer oder eine Meldeuhr auf jedem Schülerarbeitsplatz zeigt nonverbal an, dass man die Lehrerhilfe benötigt. Die Gesamtsituation von Abwarten – Arbeiten – Nachfragen wird damit erheblich vereinfacht.

Klassenunterricht erfordert in sich die Notwendigkeit des Zusammenarbeitens und zeigt damit auch zukunftsweisend auf, wie Schüler/-innen sich in sozial-emotionaler Hinsicht entwickeln können. Mit kooperativen Lernformen fördert die Lehrkraft soziale Prozesse beim Lernen besonders gut. Dabei kommt der Entwicklung von einer losen Gruppe hin zu einem echten Team besondere Bedeutung zu. In positiv verstandener gegenseitiger Abhängigkeit erleben die Gruppenmitglieder sich eigenverantwortlich und mitverantwortlich zugleich. Weidner hält fest, dass die Gruppenprozesse beim Kooperativen Lernen mindestens genauso wichtig sind wie das Arbeitsprodukt (Weidner, 2006, S. 29).

Aber auch die Unterbindung von unangemessenem Schülerverhalten stellt eine wichtige Säule im Klassenmanagement dar. Interventionen als reaktive Strategien unterbrechen den Unterricht und stellen die Störung explizit als Thema in den Vordergrund. Damit soll der bereits gestörte Unterricht schnellstmöglich wieder aufgegriffen werden können, während die Problemlösungen erst im Nachgang erfolgen (vgl. Lohmann, 2003, S. 156). Hilfreich sind hierbei beschreibende und nicht-drohende Rückmeldungen, die keinen Ermahnungscharakter haben. Man sollte nie etwas ankündigen, das man nicht umsetzen kann. Der Schüler behält eine echte Wahlmöglichkeit und wird nicht erpresst. Er kann sich frei entscheiden. Darum sind die Interventionen, Konsequenzen und Strafen mit der Klasse abgestimmt. Dabei ist es wünschenswert, nicht die Stufe der Bestrafung zu erreichen, sondern logische Konsequenzen aufzuzeigen. Eine vorab mit allen Teammitgliedern erarbeitete und gemeinschaftlich getragene Eskalationsleiter können der Lehrkraft Rückhalt geben. Die Stufen der Eskalationsleiter sollten dann auch immer eingehalten werden, damit man nicht in eine Entweder-Oder-Situation gerät.

Die effektive Klassenführung soll helfen, jeden Schüler/ jede Schülerin mit dem Unterricht erreichen zu können und in eine aktive Auseinandersetzung mit dem Lerninhalt zu führen. Viele kleine Bausteine im Lehrerhandeln können hierbei helfen und bedeuten im Gesamtzusammenhang eine klar strukturierte und angenehme Lernatmosphäre, die Sicherheit und Lernfreude ermöglicht.

Claudia Omonsky


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