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Selbstorganisiertes Lernen

Advance Organizer: eine Lernlandkarte als Orientierungshilfe

Mithilfe eines Advance Organizers lassen sich Lerninhalte so visualisieren, dass Schüler in die Lage versetzt werden, ein Themenfeld selbstständig zu erarbeiten. Die klare Struktur dieser Lernlandkarte dient als Orientierung und Bezugspunkt für das zu erwerbende Wissen.

Selbstorganisiertes Lernen: Advance Organizer: eine Lernlandkarte als Orientierungshilfe Visuell verdeutlicht der Advance Organizer für die Schüler das zu erarbeitende Thema © Nataly Meenen

„Das menschliche Gehirn organisiert sein Wissen in Schemata bzw. in Modellen als Abbilder der Wirklichkeit. Es legt ‚kognitive Landkarten‘ an, um die Vielfalt der neuen Informationen in die schon vorhandenen Strukturen einordnen zu können. Um neuen Lernstoff aufnehmen zu können, ist es deshalb wichtig, bereits zu Beginn des Lernprozesses mentale Pläne zu formieren und geeignete Pfade zu legen.“

Der Advance Organizer (manchmal auch als Advanced Organizer) ist eine Möglichkeit, im Voraus („in advance“) eine solche „kognitive Lernlandkarte“ anzubieten, welche den künftigen Lernprozess strukturiert („organizer“). (Grundlegend: D.P. Ausubel (1960): The use of advance organizers in the learning and retention of meaningful verbal material. Journal of Educational Psychology, 51, 267-272.) Aufgrund seiner visuellen Struktur schafft der Advance Organizer letztendlich nicht nur eine visuelle Verknüpfung der einzelnen Lerninhalte, sondern er bietet — ähnlich wie beispielsweise eine Mindmap — auch eine visuelle Erinnerung der Lerninhalte.

Ein erster strukturierter Überblick

Ein Advance Organizer präsentiert in abstrakter und verkürzter, aber übersichtlicher Form die wesentlichen Inhalte, Zusammenhänge und Erkenntnisse der folgenden Lerneinheit. Er dient den Lernenden dazu, ihnen vor der (selbstständigen) Erarbeitung bestimmter Lerninhalte einen ersten strukturierten Überblick über die zu erarbeitenden Inhalte und Zusammenhänge zu verschaffen. Als Gedankengerüst und Orientierungshilfe unterstützt der Advance Organizer dabei, die neuen Erkenntnisse sinnvoll in einen größeren Zusammenhang einzubinden. Damit ist er aufgrund seiner Struktur weit mehr, als ein bloßes Inhaltsverzeichnis.

Ein Advance Organizer sollte in der Regel von der Lehrkraft erstellt und den Lernenden mit dem Einstieg in eine neue Lerneinheit zur Verfügung gestellt werden. Über eine erste inhaltliche Orientierung, die meist über einen kurzen Lehrervortrag erfolgen wird, können die Schüler bereits vorhandenes (Vor-)Wissen (re-)aktivieren und miteinander in Beziehung setzen. Allein durch solch einen Zugang werden die Schüler außerdem in die Lage versetzt, ihr schon bestehendes Wissen in größere Zusammenhänge einzuordnen und zu verknüpfen. An dieser Stelle ist es zu empfehlen, den Lernenden ausreichend Zeit zur Verfügung zu stellen, den Advance Organizer mithilfe weiteren Wissens oder nach eigenem Interesse (individuell) zu ergänzen.

Bezüge herstellen und sichtbar machen

Während der eigentlichen Erarbeitung der Lerninhalte hilft der Advance Organizer den Lernenden dabei, ihre neuen Erkenntnisse in einen größeren Zusammenhang zu verorten und einzubinden. In dieser Phase kann er aber auch dabei helfen, den gesamten Lernprozess im Blick zu halten, indem schon erarbeitete Elemente abgehakt werden oder beispielsweise ein Pfeil an genau der Stelle platziert wird, die gerade erarbeitet wird.

In einem Advance Organizer sollten vor allem Bilder, Grafiken, Begriffe und kurze Texte integriert sein, die in Beziehung zueinander gesetzt werden, sodass für die Lernenden die Verbindung zwischen den einzelnen Elementen erkennbar wird.

Darstellung nicht überfrachten

Ein Advance Organizer sollte zwar die zentralen Lerninhalte und Zusammenhänge darstellen. Eine direkte umfassende Erschließung desselben ist durch die Lernenden am Anfang des Erarbeitungsprozesses nicht vorgesehen. Deshalb sollte ein Advance Organizer nicht überfrachtet werden. Vor allem eine allumfassende inhaltliche Tiefe muss und sollte hier nicht geboten werden, denn die inhaltliche Tiefe wird erst nach und nach durch die Beschäftigung mit dem Problem bzw. Thema erreicht. Um einer Überfrachtung zu entgehen und damit die Übersichtlichkeit nicht zu gefährden, empfiehlt es sich, nicht mehr als etwa zwanzig bis dreißig Begriffe/ Elemente zu verwenden.

Organisationshilfe und Prüfinstrument

Zu Beginn des Einsatzes ist davon auszugehen, dass die Schüler noch nicht in der Lage sind, die einzelnen Inhalte sowie die dargestellten Beziehungen zu verstehen — das ist aber auch nicht das Ziel eines Advance Organizers. Er soll als Organisationshilfe dienen, den selbst gesteuerten Lernprozess vorzustrukturieren.

Darüber hinaus bietet sich ein Advance Organizer aber durchaus auch für eine Leistungsüberprüfungen nach einer abgeschlossenen Lerneinheit an: einzelne Elemente können entfernt und müssen im Hinblick auf eine sinnvolle Struktur wieder ergänzt und eingefügt werden, einzelne Elemente könnten auch herausgegriffen und sollen im Hinblick auf die Bedeutung in diesem Zusammenhang dargestellt werden, es können aber auch bewusst Fehler eingebaut werden, die von den Schülern gesucht und als solche begründet herausgestellt werden.

So bietet der Advance Organizer als Lernlandkarte nicht nur Orientierung in einem neuen Themenfeld, sondern zeigt dem Schüler auch, ob er das Thema durchdrungen hat — oder womöglich ein Stück weit noch einmal auf der „Karte“ zurückgehen muss.

Frank Lauenburg

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