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Teamfähigkeit

Das Zufallsprinzip im kooperativ gestalteten Unterricht

Das Kooperative Lernen zielt auf die Aktivierung jedes einzelnen Schülers ab. Doch es ist kein Geheimnis, dass es nun einmal aktiviere und passivere Schüler gibt. Damit sich jedoch niemand komplett aus Gruppenarbeitsphasen herausziehen kann, wird das Zufallsprinzip empfohlen.

Teamfähigkeit: Das Zufallsprinzip im kooperativ gestalteten Unterricht Werden nach der Gruppenarbeit Schüler ausgelost, die das Gruppenergebnis präsentieren sollen, ist eine engagierte Mitarbeit weitestgehend gesichert © Africa Studio - Fotolia.com

Jede Lehrperson kennt es: Schüler werden in Gruppen eingeteilt - oder suchen sie sich selbst - und erhalten einen Arbeitsauftrag. Die schnelleren, leistungsstärkeren  bzw. -orientierteren oder aus anderen Beweggründen besonders engagierten Schüler übernehmen den Hauptteil der Gruppenarbeit. Einzelne passivere, introvertierte oder demotivierte Gruppenmitglieder halten sich gekonnt zurück. Somit repräsentiert das Gruppenergebnis, genau genommen, nicht die gesamte Gruppe, sondern die Einzelleistung einiger weniger, die für ihre Gruppe in die Bresche gesprungen sind.

Möchte man nun eine gerechtere Arbeitsteilung innerhalb der Gruppen gewährleisten, können klare Einzelaufgaben übertragen oder Rollen zugeschrieben werden. Wenn Schüler A von der Zuarbeit seiner Gruppenmitglieder B, C und D abhängig ist, um seine Teilaufgabe erledigen zu können, kann sich niemand mehr ausklinken, ohne dabei aufzufallen. Doch es ist nicht immer möglich - oder sinnvoll - , einzelne Teilaufgaben zu stellen. Alternativ bietet sich das Zufallsprinzip an, um alle Schüler in die Pflicht zu nehmen. Zwar wird die Intensität der Mitarbeit weiterhin von den individuellen Motivationen der Schüler abhängen, doch immerhin sind alle Gruppenmitglieder überhaupt in den Erarbeitungsprozess involviert.

An welchen Stellen lässt sich nun ganz konkret mit dem Zufallsprinzip arbeiten? Erstens können die Gruppen per Zufall zusammengestellt werden. Zweitens können Arbeitsergebnisse, seien es Einzel- oder Gruppenergebnisse, stichprobenartig eingesammelt und überprüft werden. Und drittens können diejenigen Schüler, die ihr Gruppenergebnis mündlich präsentieren sollen, ebenfalls zufällig ausgewählt werden.

Warum sind Zufallsgruppen pädagogisch sinnvoll?

Durch zufällig zusammengestellte Gruppen kann verhindert werden, dass die Zusammenarbeit lediglich auf der Basis gegenseitiger Sympathie fußt – was nicht selten dazu führt, dass Gruppenarbeit in einem regelrechten „Kaffeeklatsch“ endet, da sich die ohnehin miteinander befreundeten Gruppenmitglieder so viel Außerunterrichtliches zu berichten haben.

Werden die Gruppen per Zufallsverfahren zugeteilt, ist einerseits eine Durchmischung und somit eine große Heterogenität innerhalb der Gruppen gewährleistet. Und andererseits werden die Schüler auch mit gewissen sozialen Spannungen konfrontiert, die innerhalb des Klassenverbandes vorherrschen. Dies kann im Extremfall natürlich auch dazu führen, dass die Gruppenarbeit nur unzureichend oder sogar überhaupt nicht erledigt wird. In Klassen mit hohem Konfliktpotenzial sollte daher zumindest darauf geachtet werden, dass ein „kontrolliertes Zufallsprinzip“ eingesetzt wird. Dies bedeutet, dass allzu rivalisierte Schüler oder das Mobbing-Opfer und der für das Mobbing hauptverantwortliche Mitschüler natürlich nicht gemeinsam einer Gruppe zugeteilt werden sollten.

Generell ist die Auseinandersetzung mit - leichteren - Spannungen jedoch wichtig. Schließlich bedeutet Teamkompetenz nicht, mit Mitschülern konstruktiv zusammenarbeiten zu können, mit denen man ohnehin viel Zeit verbringt. Teamfähigkeit zeigt sich vielmehr darin, dass man auch mit Leuten zu guten Ergebnissen gelangt, die man sich eben nicht freiwillig ausgesucht hat und die man von sich aus auch lieber gemieden hätte. Teamfähigkeit stellt somit ein regelrechtes Kompetenzbündel dar, bestehend aus Kommunikationskompetenz, Empathiefähigkeit, Verantwortungsübernahme und eben auch Kompromissbereitschaft sowie Konfliktfähigkeit.

Natürlich können wir nicht davon ausgehen, dass diese vielen komplexen Kompetenzen allein dadurch auf- und ausgebaut werden, dass wir die Schüler in Zufallsgruppen stecken. Es braucht hier auch eine regelmäßige Thematisierung von Teamfähigkeit und ihrer Bedeutung und eine ebenso regelmäßige gemeinsame Prozessreflexion nach getaner Gruppenarbeit.

Wie kann die Verbindlichkeit in Zufallsgruppen erhöht werden?

Auch in per Zufall zusammengestellten Gruppen besteht die Gefahr, dass Einzelne die Hauptarbeit erledigen und die anderen den Begriff „Team“ bewusst fehlinterpretieren nach dem Motto: „Toll, ein anderer macht’s!“ Insofern sollte das Zufallsprinzip noch einen Schritt weiter reichen. Wenn vorab angekündigt wird, dass stichprobenartig einige verschriftlichte Einzelarbeitsergebnisse eingesammelt werden, kann hierdurch die Verbindlichkeit erhöht werden, sich bereits in der „Think-Phase“, also der Einzelarbeit, tatsächlich mit der Aufgabe zu beschäftigen.

Wenn die Gruppen allesamt an demselben Thema arbeiten, kann zuweilen nicht jedes Gruppenarbeitsergebnis im Plenum vorgestellt werden. Dies verbietet teilweise die verfügbare Zeit und teilweise würde, bei erwartbar sehr ähnlichen Ergebnissen, hierdurch auch eine unerwünschte Monotonie entstehen. Insofern mögen sich manche Gruppen im Nachhinein fragen, wofür sie überhaupt an der Aufgabe gearbeitet hätten, wenn diese doch sowieso nicht zur Kenntnis genommen werde.

Womöglich werden sie in der nächsten Gruppenarbeit mit weniger Engagement und Disziplin zu Werke gehen. Auch hier kann das Zufallsprinzip Abhilfe schaffen, indem zum Beispiel zwei Gruppen ausgewürfelt werden, die ihre Plakate mündlich vorstellen sollen, und zwei weitere ausgelost werden, die ihr Ergebnis in schriftlicher Form beim Lehrer einreichen müssen. Somit wird die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass sich jede Gruppe um ein zumindest akzeptables Ergebnis bemühen wird, da die Chance - oder Gefahr -, ausgewählt zu werden, recht groß ist.

Doch wie ist außerdem zu gewährleisten, dass sich jeder einzelne Schüler nicht nur für sein Einzelarbeitsergebnis, sondern auch für das der ganzen Gruppe verantwortlich zeigt? Indem beispielsweise wieder ein Zufallsverfahren angekündigt wird. Wenn die Schüler wissen, dass potenziell jeder ausgewählt werden kann, um das Gruppenergebnis später vor der Klasse zu präsentieren und damit seine Gruppe zu repräsentieren, sind sie plötzlich nicht mehr nur für sich selbst verantwortlich, sondern stehen unter einem gewissen sozialen Zugzwang.

Welche methodischen Möglichkeiten des Zufallsprinzips gibt es?

Zufallsgruppen können mithilfe eines ganz normalen Kartenspiels gebildet werden, indem beispielsweise alle Könige eine Gruppe bilden sollen oder auch alle Herzkarten. Wenn der Lehrer noch ein zweites Kartendeck dabei hat, kann damit nach der Gruppenarbeit direkt auch derjenige Schüler ausgelost werden, der das Gruppenergebnis vorstellen soll. Sollen Zweierteams gebildet werden, bieten sich Memokarten, zerschnittene Sprichwörter oder berühmte Persönlichkeiten - mit dem Vornamen auf der einen und dem Nachnamen auf einer anderen Karte - an. Für Viererteams können überdies ein Quartett oder in vier Teile zerschnittene Postkarten eingesetzt werden.

Für Dreierkonstellationen bietet sich ein „Line-Up“ an, bei dem die Schüler sich nach einem bestimmten Kriterium in einer langen Reihe aufstellen. Hierfür können in der Reihe auf- oder absteigend zum Beispiel das Geburtsdatum, die Größe des Lieblingstieres, die Hausnummer oder der Anfangsbuchstabe des Vornamens als Kriterien der Anordnung aufgegeben werden. Anschließend kann der Lehrer beispielsweise aus jeweils drei nebeneinanderstehenden Schülern eine gemeinsame Gruppe bilden. Eine andere Möglichkeit besteht darin, bei zum Beispiel zehn zu bildenden Dreiergruppen bis Zehn durchzuzählen, sodass alle 1er, alle 2er usw. ein gemeinsames Team bilden.

Sollten die Schüler im Vorfeld bereits wissen, wie die Gruppen abgezählt werden und sich unter Umständen so positionieren, dass sie auf jeden Fall in einer gemeinsamen Gruppe landen werden, ist es sinnvoll, uneinheitlich einzuteilen, d.h. mal, wie beschrieben, alle 1er, 2er, 3er usw. jeweils einer Gruppe zuzuordnen, mal Blöcke zu bilden („Ihr vier bildet nun zusammen eine Gruppe“) oder mal versetzt zu zählen (1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 7, 6, 5, 4, 3, 2, 1 etc.), um anschließend wieder alle 1er, 2er, 3er usw. in eine Gruppe einzuteilen.

Ein kontrolliertes Zufallsverfahren, wie es oben, beispielsweise im Fall von Mobbing, erwähnt wurde, ist etwa möglich, indem man die Schüler zur Gruppeneinteilung unterschiedlich farbige Karten ziehen lässt. Stellt man fest, dass zwei Schüler, die unter keinen Umständen zusammenarbeiten sollen, zwei unterschiedliche Farben gezogen haben, so kann man anschließend einheitliche Farbengruppen bilden. Ziehen die betreffenden Schüler beide dieselbe Farbe, kann man die Klasse dazu auffordern, Vierergruppen zu bilden, in denen jede Farbe nur ein einziges Mal vertreten sein darf.

Sollen einzelne Schüler ausgelost werden, ihr Einzelarbeitsergebnis einzureichen oder das Gruppenplakat zu präsentieren, so kann ein Vielseitenwürfel genutzt werden. Solche Würfel gibt es unter anderem als 8er, 10er, 12er, 16er, 20er und 30er. Der Lehrer benötigt lediglich eine durchnummerierte Liste und kann mithilfe der auf dem Würfel angezeigten Zahl den- oder diejenigen Schüler auswählen.

Das Kooperative Lernen empfiehlt keinesfalls, ständig mit dem Zufallsprinzip zu arbeiten, da auch dieses irgendwann verbraucht sein kann oder sich der permanente Druck, unter dem die Schüler dabei stehen, kontraproduktiv auf die Stimmung der Klasse auswirken kann. Doch es immer wieder einmal einzusetzen, erhöht die Chance, möglichst alle Schüler kognitiv zu aktivieren, da es dadurch nicht mehr so leicht möglich ist, sich in der relativen Anonymität der eigenen Klasse zu verstecken.

Dennis Sawatzki

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