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Gedächtnistraining

Die Körperliste - ein unsichtbarer Spickzettel

Erinnern Sie sich an Ihre eigene Schulzeit? Vor einer wichtigen Klassenarbeit schrieben Sie einen Spickzettel, versteckten ihn gut, leicht greifbar. Während der Arbeit selbst brauchten Sie den kleinen Zettel gar nicht. Was Sie darauf geschrieben hatten, war gut im Gedächtnis verankert. Lernen Sie nun einen todsicheren Kopfgriff kennen, um Informationen perfekt abrufbar zu haben!

Gedächtnistraining: Die Körperliste - ein unsichtbarer Spickzettel Der unsichtbare Spickzettel hilft viele verschiedene Informationen im Kopf zu behalten © pixel dreams - Fotolia.com

Es ist eine originelle Idee, die Gregor Staub in seinem Programm hat: Der eigene Körper dient als Matrix für eine besondere Loci-Liste. 10 Punkte von Fuß bis Kopf bilden die Körperliste: 1. Fuß; 2. Knie; 3. Oberschenkel; 4. Gesäß; 5. Taille; 6. Brust; 7. Schulter; 8. Hals; 9. Gesicht; 10. Frisur. Diese Liste hat den Vorteil, dass man sie immer bei sich trägt. Wenn Sie sich die 10 Punkte einprägen, werden Sie vielleicht feststellen, dass Sie hier jede einzelne  Stelle am Körper spüren können. Das hat später seine Wirkung beim Lernen: Das Körpergefühl unterstützt Ihr Gehirn beim Behalten. Hören und Sehen werden durch das Fühlen als weiteren Eingangskanal ergänzt. Ein zusätzlicher Anker unterstützt damit das Gedächtnis. Tasten Sie ruhig beim Lernen der Körperliste die Stationen unterstützend ab und gehen Sie bewusst im Geist an den jeweiligen Punkt.

Lernwerkzeug Körperliste

Es ist wichtig, eine solche Liste in- und auswendig zu lernen, einschließlich der Ziffern. Diese sind zwar nicht bei jeder Nutzung von Belang, wohl aber dort, wo es auf die genaue Reihenfolge ankommt: die 10 Gebote, die acht Kanzler der Bundesrepublik, die sechs Unterrichtsstunden am nächsten Tag. Lassen Sie Ihrem Gehirn ruhig ein paar Tage Zeit dafür, aber gehen Sie im Geist immer wieder einmal Ihre Körperliste durch. Etwa beim Warten an der Ampel, an irgendeiner Kasse oder abends vor dem Einschlafen.

Je selbstverständlicher Ihnen diese 10 Stationen der Liste werden, desto zuverlässiger wird sie Ihnen anschließend als Lernwerkzeug dienen. Sie können dann auch je nach Aufgabe für die einzelnen Stationen Varianten wählen: den Schuh oder die Socke für den Fuß, die Hosentasche für den Oberschenkel, die Gesäßtasche statt des Körperteils, den Gürtel, das Herz, an dem Ihnen etwas besonders liegt, die Halskette, den Hut usw. Die Ziffern bleiben dabei unverändert den 10 Körperstationen zugeordnet. Eine Liste wird übrigens auch schon mal synonym Route oder auch Garderobe genannt. Eine einheitliche Nomenklatur hat sich für die Mnemotechnik bisher nicht herausgebildet.

Vielseitig einsetzbare Körperliste

Bevor Sie Ihre Schüler mit diesem Lernwerkzeug vertraut machen, würde ich an Ihrer Stelle erst einmal selbst die Einsatzmöglichkeiten praktizieren. Geübte Mnemotechniker brauchen keinen Einkaufszettel. Ich merke mir zum Beispiel die Sachen, die zu besorgen sind, indem ich sie Punkt für Punkt auf meine Körperliste „lege“. Wie es kommt, fülle ich meine unsichtbare Liste.

Nehmen Sie einfach einmal folgende zehn Lebensmittel: Käse, Butter, Äpfel, Schinken, Bananen, Schokolade, Mineralwasser, Hefe, Wurst, Mehl. Probieren Sie, wie gut Sie das behalten können: Käse zum Fuß, Butter zum Knie, Äpfel zur Hosentasche, Schinken zum Gesäß, Bananen zur Taille, Schokolade zum Herzen, Mineralwasser zur Schulter, Hefe zur Halskette, Wurst zum Mund, Mehl zur Frisur. Probieren Sie nach ein paar Minuten, ob Sie alle zehn Sachen zusammen bringen. Auch für den Tages- oder Wochenplan, eine „To-do-Liste“ also, ist die Körperliste ein ideales Medium und natürlich für das eigentliche Lernen.

Das Erfolgsgeheimnis: Assoziationen

Wahrscheinlich wird das mit den zehn Lebensmitteln nicht ganz auf Anhieb klappen. Daher setzen wir beim Lernen einen echten Verstärker ein: die Assoziation. Das geht am Beispiel mit der Einkaufsliste etwa so:

  1. Käse und Füße können gut oder weniger gut riechen.
  2. Das Kniegelenk funktioniert mit der Gelenkschmiere, also wie mit Butter geschmiert.
  3. In die Hosentasche stecke ich einen Apfel als Wegzehrung.
  4. Aus dem Hinterbein des Schweins macht der Metzger Schinken.
  5. Eine dunkelhäutige Schönheit tanzt mit einer Art Lendenschurz aus Bananen den Calypso.
  6. Was haben Sie von Herzen gern? Natürlich Schokolade!
  7. Schwer drückt die Kiste mit Mineralwasser auf die Schulter.
  8. An der Halskette hängt wie ein Medaillon das Briefchen mit Trockenhefe.
  9. Beißen Sie in Gedanken mit Genuss in die Bratwurst!
  10. Mit Mehl im Haar kommen Sie vom Einkaufen nach Hause.

Wetten, dass Sie auf diese Weise nichts von Ihrem unsichtbaren Einkaufsspickzettel vergessen! Glauben Sie mir: Assoziationen sind das Erfolgsgeheimnis aller Gedächtniskünstler. Originelle Einfälle machen von nun an auch für Sie den Unterschied zum gewöhnlichen Lernen.

Keine Angst vor Interferenzen

Mir der Körperliste können Sie vielseitig arbeiten. Auch der unsichtbare Spickzettel vor einer Klassenarbeit funktioniert so. Und wenn es um mehr als zehn Punkte geht, lässt sie sich problemlos erweitern:

  • Linke Hand,
  • Rechte Hand,
  • Linker Ellbogen,
  • Rechter Ellbogen,
  • Linkes Ohr,
  • Rechtes Ohr.

Sie können die Liste parallel für verschiedene Zwecke einsetzen ohne die Gefahr von Interferenzen, also Ähnlichkeitshemmungen, fürchten zu müssen. Den Unterschied machen die völlig anderen Assoziationen, die sich bei einem anderen Themenfeld einstellen, etwa bei der täglichen Vokabelration in der Fremdsprache. Übrigens verdanken wir den Begriff Körperliste Gregor Staub ((http://www.gregorstaub.com/20.html)), dem bekannten Schweizer Lerntrainer. Nutzen Sie auch unsere Arbeitshilfe. Und nun viel Erfolg mit dem unsichtbaren Spickzettel!

Horst Kasper

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