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Schüler aktivieren - aber wie?

Die Lernspirale als Aktivierungszirkel

Die Schüler müssen mehr und ihre Lehrkräfte weniger arbeiten. Das ist die Kernbotschaft der neueren Lern- und Gehirnforschung. Das Gros der Schüler ist vorrangig praktisch-anschaulich begabt und braucht daher zum nachhaltigen Lernen vor allem eines: vielfältige Lern- und Interaktionsaktivitäten.

Schüler aktivieren - aber wie?: Die Lernspirale als Aktivierungszirkel Mit den geeigneten Methoden lernen Schüler schneller und haben mehr Spaß © Picture-Factory - Fotolia.com

Die gängigen Förderkonzepte stellen viel zu stark auf die lehrerzentrierte Einzelkindbetreuung ab. Die Lehrkräfte sollen sich um alles und jeden kümmern. Sie sollen beobachten und bewerten, beraten und betreuen. Sie sollen individuelle Förderpläne erstellen und passgenaue Materialien, Aufgaben und Lernhilfen offerieren.

Bieten Sie Hilfe zur Selbsthilfe

Dieses „Pampern“ ist genau das Gegenteil von dem, was Not tut. Schüler brauchen vor allem Selbstständigkeit und Selbsthilfekompetenz, Kooperationsfähigkeit und Anstrengungsbereitschaft. Das ist der Schlüssel zur wirksamen Lernförderung. Je besser nämlich die Schüler/innen alleine zurecht kommen und voneinander und miteinander zu lernen verstehen, desto zielstrebiger und „pflegeleichter„ werden sie und desto flexibler und rascher schaffen sie es in der Regel auch, etwaige Probleme und Unsicherheiten selbstständig zu überwinden.

So funktioniert die Lernspirale

Lernspiralen sind lerntheoretisch begründete Lernablaufmuster und stehen für vielschichtige Schülerarbeit und differenziertes Fördern und Fordern. Ausgangspunkt einer jeden Lernspirale ist ein bestimmter Lerngegenstand (Input). den die Schüler mittels spezifischer Lerntätigkeiten, Lernpartner und Methoden zu erschließen haben. Angesagt ist demnach vielseitiger Arbeitsunterricht mit differenzierten Lernhandlungen, Sozialformen und Methoden.

Der Begriff Lernspirale ist dabei in Anlehnung an den althergebrachten Spiralbohrer definiert und meint das schrittweise sich Hineinbohren in den jeweiligen Lerngegenstand. Gestartet wird mit diversen Informationsaktivitäten; dann folgt die „Nachhilfephase“ in Zufallsgruppen. Daran schließen sich schriftliche und/oder mündliche Konstruktionsphasen zum vertiefenden Wissensaufbau an. Danach kommen einschlägige Präsentations- und Reflexionsphasen, bevor schließlich spezifische Transferphasen folgen können.

 

Mit differenziertem Arbeitsunterricht binden Sie Schüler besser ein

Die Lernspirale steht für eindringliches Arbeiten und Lernen. Sie gewährleistet Tätigkeitsvielfalt, Lernpartnerwechsel, Methodenwechsel, Aufgabendifferenzierung, Produktvielfalt und Hilfsmittelwechsel (vgl. das Beispiel in Abb. 1).

Das ist Differenzierung und Aktivierung im besten Sinne des Wortes. Lernspiralen binden die Schüler als Helfer und Miterzieher konsequent mit ein, nehmen sie mittels Losverfahren immer wieder in die Pflicht und sichern dadurch ein relativ hohes Maß an Lernanstrengung und wechselseitiger Hilfe und Kontrolle.

Die Schüler agieren und kooperieren. Sie lesen, planen, schreiben, zeichnen, rechnen, ordnen, markieren, reflektieren, experimentieren, recherchieren, strukturieren, visualisieren, präsentieren, kommentieren, diskutieren, lösen Probleme etc. Das alles tun sie mit unterschiedlicher Produktorientierung.

Sie erstellen Texte, Schaubilder, Plakate, Gedichte, Spickzettel, Tabellen, Diagramme, Karteikarten, Arbeitsblätter, Briefe, Werkstücke, Protokolle, Referate, Vorträge, Hörspiele, Rollenspiele, Reportagen und manches andere mehr.

Ein konkretes Unterrichtsbeispiel

Weiterführende Literatur

Klippert, H.: Unterrichtsvorbereitung leicht gemacht. 80 Bausteine zur Förderung selbstständigen Lernens. Weinheim und Basel 2012.

Klippert, H.: Heterogenität im Klassenzimmer. Wie Lehrkräfte effektiv und zeitsparend damit umgehen können. Weinheim und Basel 2010 (2. Auflage 2012)

Klippert, H.: Lehrerentlastung. Strategien zur wirksamen Arbeitserleichterung in Schule und Unterricht. Weinheim und Basel 2006 (3. Aufl. 2007).

Klippert, H. (Hrsg.): Lernspiralen für die Fächer Deutsch, Mathematik, Englisch und Sachunterricht. Themenhefte. Stuttgart 2007 ff (jetzt im Auer-Verlag).

Die abgebildete Lernspirale zum Thema „Märchen“ macht dieses programmierte Fördern und Fordern deutlich.

In Schritt 1 gibt es einen Lehrervortrag; in Schritt 2 folgen klärende Gespräche in Zufallsgruppen (Nachhilfephase).

In Schritt 3 müssen die Schüler zwar alleine produzieren, die Partner aus Phase 2 sitzen jedoch weiterhin beisammen und können sich bei Bedarf natürlich fragen bzw. beraten.

Tun sie das nicht, so werden sie bei den Präsentationen in den Schritten 4 und 5 womöglich kräftige Probleme bekommen. So gesehen entsteht „Arbeitsdruck“, dem sich wegen des Losverfahrens niemand wirklich entziehen kann.

Das gilt nicht minder für die Schritte 6 bis 8, in denen die Schüler/innen Lernkärtchen zu erstellen, ein darauf aufbauendes Quiz durchzuführen und schließlich die eigene Lernarbeit vertiefend zu reflektieren haben. Auch dabei sind sie hochgradig in die Pflicht genommen. Demnach werden Fordern und Fördern im besten Sinne des Wortes verzahnt - kleinschrittig, verbindlich, aber auch wirksam.

So fördern und fordern Sie Ihre Schüler systematisch

Daraus lässt sich die immanente Systematik der Lernspiralen ersehen. Typisch für das spiralförmige Arbeiten ist einmal das konsequente Wechselspiel von Lerntätigkeiten, Lernprodukten, Sozialformen, Aufgabenstellungen und Lernmethoden, zum anderen die differenzierte Pflege unterschiedlicher fachübergreifender Kompetenzen, wie sie in den fett gedruckten Passagen von Abbildung 1 zum Ausdruck kommen.

Da die Lernspiralen den Schüler zu Stundenbeginn grundsätzlich vorgestellt werden sollten, ist unschwer zu erahnen, wie disziplinierend das eingebaute Wechselspiel von Fördern und Fordern wirkt. Wer zu wenig oder zu nachlässig arbeitet, der muss im Zuge der unterschiedlichen Anwendungs-, Besprechungs- und Kontrollphasen immer wieder damit rechnen, dass irgendwelche zugelosten Mitschüler enttäuscht werden und/oder Kritik zu üben beginnen. Das spornt an und begünstigt wirksame Lernanstrengungen und Lernaktivitäten.

 

Dr. Heinz Klippert


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