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Informationsangebote im Netz

Die Pubertät als Thema im Unterricht

Pubertät ist ein Lebensabschnitt mit tiefgreifenden Veränderungen. Umso wichtiger, darüber auch im Unterricht — nicht nur im Fach Biologie — zu sprechen. Das Internet bietet jede Menge Informationsangebote und -materialien.

Informationsangebote im Netz: Die Pubertät als Thema im Unterricht Zum Thema Pubertät finden Jugendliche auch spannende Seiten im Netz © JackF - Fotolia.com

Annica ist verliebt, ist aber zu schüchtern, um „ihn“ anzusprechen. Offensichtlich geht es ihm genauso, denn wenn sie in seine Nähe kommt, machen seine Freunde „Andeutungen (…) und schubsen ihn“ in ihre Richtung, schreibt Annica im Forum beratung4kids.de (Registrierung erforderlich!) Jana klagt über extreme Stimmungsschwankungen, Regina glaubt, dass sie die hässlichsten Beine der Welt hat, und auch manche Jungs sind unglücklich über ihr Aussehen: „Willbehappy“ (!) findet sich zu dünn und hätte gern Muskeln, während „Slapp“ Probleme mit Rötungen und Pickeln im Gesicht hat.

Ganz normale Sorgen in der Pubertät, die Jugendliche jedoch stark belasten können. Die Crux dabei: Mit den Eltern — und auch mit den Lehrern — möchten die wenigsten Teenager solche Themen besprechen; und schon gar nicht, wenn sie mit Liebe oder Sexualität zu tun haben. Die Gleichaltrigen haben zwar meist ähnliche Probleme, sind aber selten kompetente Ratgeber. Deshalb wenden sich Jugendliche am liebsten schon seit den Anfängen der Rubrik „Dr. Sommer“ in der Jugendzeitschrift BRAVO anonym an Experten, die ihre Fragen offen und professionel beantworten.

Die folgenden Onlineangebote bieten nicht nur Lehrern einen interessanten Einblick in die Fragen, die Schüler wirklich interessieren. Sie eignen sich auch bestens als Anlaufstelle für ratsuchende Schüler, als Informationsquelle für Referate oder als Lernstation bei einem Thementag Pubertät.

Beratungsangebote für Jugendliche

Beratung4Kids ist eine Beratungsplattform für Jugendliche und junge Erwachsene. Die Berater („Teamer“) sind auf unterschiedliche Bereiche spezialisiert: „Schule, Mobbing, Essstörungen, selbstverletzendes Verhalten und Krisenintervention, Pubertätsfragen, Beziehungsprobleme und Homosexualität von Jungen und Mädchen“. Sie haben überwiegend einen psychologischen, pädagogischen oder medizinischen Hintergrund. Viele studieren noch und sind damit altersmäßig noch nicht allzu weit von ihrer Zielgruppe entfernt. Ratsuchende können ihre Fragen im von den Teamern kompetent und tagesaktuell betreuten Forum stellen, aber auch nicht-öffentlich in einer „Einzelberatung“.

Anonym und kostenfrei berät auch „pro familia“ auf der Internetplattfom profamilia.sextra. Direkt online, im Forum oder auch persönlich in einer regionalen Beratungsstelle. Für Schulen bietet „pro familia“ auf Anfrage außerdem sexualpädagogische Unterstützung direkt vor Ort.

Mit loveline.de bietet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ein sehr umfangreiches Internetportal mit seriösen und fachlich korrekten Informationen. Auf der attraktiven Website erweitern Jugendliche ihr Wissen über Liebe, Partnerschaft, Sexualität und Verhütung mit Tests, Umfragen, Videos, Spielen etc. Unter der Rubrik „Liebesgeschichten“ kann jeder seine eigene Geschichte erzählen. Im Forum kann themenbezogen gepostet werden und ein kleiner Sprachführer vermittelt die beziehungsrelevanten Basics in vier Sprachen. — Sicher eine Seite, auf der Teenager mit viel Spaß unterwegs sind.

Unterrichtsmaterialien und Videofilme zum Thema Pubertät

Korrespondierend zum Angebot für Schüler bietet die Website schule.loveline.de „registrierten Lehrkräften umfangreiche Informationen, aktuelle Erkenntnisse aus Wissenschaft und Praxis sowie Materialien und Methoden für die fächerübergreifende Sexualerziehung“. Unter anderem einen Pool mit Unterrichtsvorschlägen, der laufend wächst und derzeit bestückt ist mit jeweils vier bis fünf Unterrichtsbausteinen: „Pubertät Jungen“ bzw. „Mädchen“, „Verhütung“ und – ganz wichtig – Stundenkonzepten zum Thema „Sexuell übertragbare Infektionen“.

Die Entwürfe eignen sich für den Einsatz in unterschiedlichen Fächern, sind detailliert geplant und übersichtlich dargestellt mit Zielen, Methoden, Sozialformen, Medien und jeweils einer Skizze des Stundenverlaufs inklusive Hinweisen auf didaktische Besonderheiten, Materialien und weiterführende Links. Folienvorlagen und Arbeitsblätter können direkt übernommen werden. Für Abwechslung sorgen neben Einzel- und Gruppenarbeit auch Wissenstests und Videos, die direkt angeklickt und gezeigt werden können. Zum Beispiel die „Fake-Doku-Soap“ „Sex, we can?!“, ein Animationsfilm, dem es tatsächlich gelingt, das Thema „Sex“ „über den Schlüssel Humor unpeinlich verdaubar“ zu machen. (Aber Vorsicht mit den rechtlichen Informationen bezüglich der Regeln für die Pille: Der Film des Österreichischen Instituts für Sexualpädagogik gibt die diesbezüglich liberalere Rechtslage unseres Nachbarlandes wieder!)

Das Unterrichtsmodul „Let’s talk about Porno“ besteht aus vier Bausteinen: Der erste widmet sich der Frage „Was ist schon normal?“ und behandelt die körperlichen und psychosozialen Veränderungen der Jugendlichen in der Pubertät. Baustein 2 thematisiert Schönheitsideale in unserer Gesellschaft und Baustein 3 packt das „heiße Eisen“ „Pornografie im Netz“ an. Ergänzend dazu nimmt Baustein 4 („Der Typ ist voll Porno“) die sexualisierte Kommunikation unter Jugendlichen ins Visier. Die Unterrichtskonzepte eignen sich auch bestens für einen Projekttag oder für einen Lernparcours, denn die Schüler erarbeiten sich die Lerninhalte selbstständig in „Projekten“, zum Beispiel, indem sie mit Handys ein Video zum Thema „Rollenklischees“ drehen oder als Redakteure Leserfragen im Dr.-Sommer-Stil recherchieren und beantworten.

„Du bist kein Werwolf“ ist eine Sendereihe des SWR und WDR, die sich mit dem Leben in der Pubertät befasst. Die derzeit 21 Folgen (Stand Dezember 2015) stehen komplett auf der Website zur Verfügung und handeln von Liebe, Sexualität, körperlichen Veränderungen, Freundschaft, Konflikten und der Suche nach dem eigenen Ich. Die kurzen, informativen Clips eröffnen vielseitige Möglichkeiten für den schulischen Einsatz in verschiedenen Fächern der Jahrgangsstufen 5 bis 10. Wie das dann konkret im Unterricht aussehen kann, zeigen ausgestaltete Unterrichtseinheiten mit Arbeitsblättern und Bezügen zur Sendung auf der Website planet-schule.de.

Mit interaktiven Lernspielen erarbeiten sich die Schüler zum Beispiel per Online Multiple-Choice-Aufgabe die anatomischen Fachtermini des männlichen bzw. weiblichen Beckens, klicken sich durch die interaktive Lernsoftware „Alles normal?? — Max klärt dich auf …“ oder informieren sich auf der Website der Züricher Fachstelle für Sexualpädagogik über die Veränderungen in ihrem Körper.  

Auch das österreichische Schulportal schule.at bietet interessante Angebote für den Aufklärungsunterricht.

Stundeneinstiege: mit den „Kids“ ins Gespräch kommen

Wie schafft man es als Lehrer, mit Teenagern schwierige Themen wie Liebe, Sexualität und körperliche Veränderungen anzuschneiden, ohne dass es „peinlich“ wird? Als Eisbrecher könnte zum Beispiel ein Cartoon fungieren, vielleicht auch der Radiobeitrag von SWR1 Erziehungsratgeber „Pubertät“, ein Wissenstest, ein Jugendbuch, das das Lebensgefühl in der Pubertät schildert und vieles mehr.

Auch könnte man als Lehrer mit den Jugendlichen darüber sprechen, dass zwar jeder Erwachsene selbst die Pubertät durchlebt hat, aber mit den Jahren mehr und mehr vergisst, wie es sich angefühlt hat. So vermittelt man den Schülern, dass auch sie in Pubertätsfragen „Expertenwissen“ zum Unterricht beizutragen haben. Dass selbst angesagte Rapper nur noch mit einiger Selbstironie auf die schwierige Lebensphase zwischen 11 und 17 Jahren zurückblicken können, zeigt „Rockstah“ mit seinem Video „Pubertät“, das zum Beispiel ein Unterrichtsgespräch über Klischees allgemein eröffnen könnte (Wie sind Jugendliche?), um dann zu Rollenklischees (typisch Jungs, typisch Mädchen) überzuleiten.

Martina Niekrawietz

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