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Mnemotechnik

Einfaches Einprägen mit der Loci-Methode

Die Loci-Technik hilft Schülern auf sehr effektive Art und Weise beim selbstständigen Wissenserwerb.

Mnemotechnik: Einfaches Einprägen mit der Loci-Methode Mit der Loci-Methode lassen sich lange Lerninhalte einfach einprägen © lassedesignen - Fotolia.com

Als Simonides von Kea im sagenumwobenen Griechenland vor rund 2500 Jahren die Methode erfand,  die bei den Römern später — und bis heute — Loci-Technik genannt werden sollte, hatte sie genau diesen Zweck: Die Schüler der Antike lernten Reden zu halten, auswendig natürlich, denn es gab ja noch kein Papier! Sie durften dabei nichts vergessen, und dazu half ihnen das jedem Menschen eigene fantastische Ortsgedächtnis. Daher der Name Loci, von lokus, dem lateinischen Ort.

Was das soll in Zeiten von Powerpoint und Whiteboard, von Google, Apps und Wikipedia, mögen Sie sich fragen. Doch ein gut geschultes Lernorgan, das eigene Gehirn eben, ist so wertvoll und wichtig wie nie. Es ist unersetzlich! Und immer mehr Menschen erkennen, wie wichtig es ist, das eigene Gehirn gut zu schulen und die eigenen Fähigkeiten immer besser zu nutzen. Daher erleben die alten mnemotechnischen Verfahren derzeit eine kleine Renaissance.

Klare Struktur

Diese elementare Technik ist schlicht wie das kleine Einmaleins: Sie brauchen zunächst eine sichere Grundlage, die Loci eben. Einmal gelernt, stehen Ihnen diese dann immer wieder aufs Neue zur Verfügung. Einer Reihe von Kleiderhaken vergleichbar, an denen man immer wieder neue Lerninhalte festmachen kann. Geeignete Strukturen zur Auswahl gibt es um Sie herum reichlich:

  • Der Weg zur Schule,
  • die eigene Wohnung,
  • die Räume Ihrer Schule,
  • die Stationen auf der Fahrt zu einem beliebigen Ziel.

Auch die imaginäre Reise den Rhein hinunter von Basel bis Rotterdam oder die Stationen einer Zugreise sind mögliche Loci-Routen. 

Ich lade Sie für die hier geschilderte Aufgabe ein, sich einen Text mit Hilfe einer Loci-Route in Ihrem Supermarkt sinngemäß zu merken. Der Vorteil dieses Ortes fällt sofort ins Auge: Klare Strukturen und eine Fülle von Möglichkeiten. Allein die große Zahl von klar unterscheidbaren Abteilungen ermöglicht eine deutliche Aufgliederung: Obst, Gemüse, Haushaltswaren, Textilien, Backwaren, Süßwaren, Getränke, Milchprodukte, Nährmittel, Gewürze, Konserven, Tiefkühlprodukte, Tierfutter, Wasch- und Putzmittel, Kosmetik, Schreibwaren und mehr.

Wählen Sie so viele Abteilungen aus, wie Sie für Ihre Aufgabe brauchen und bringen Sie diese in eine feste Reihenfolge. In den einzelnen Abteilungen finden Sie genügend Artikel, von denen Sie jeweils zehn für Ihre Loci-Liste auswählen. So können Sie leicht ziemlich systematisch eine Route aus zehnmal zehn Artikeln zu einer 100er Route zusammenstellen. Einen Prototyp dieser 100er Route finden Sie bei den Arbeitshilfen. Sie können diese Route aber auch ganz nach Ihren eigenen Vorstellungen gestalten.

Die Route muss sitzen

Viele Lernende machen den Anfängerfehler, sich vor dem eigentlichen Lernen die Loci-Route nur so ungefähr einzuprägen. Diese muss jedoch zuerst absolut sicher im Gedächtnis verankert sein. Das erreichen Sie am besten, indem Sie die grundlegende Struktur schriftlich fixieren und öfter, auch in Teilen, repetieren.

Die 100er Route  bietet beim Lernen den Vorteil, dass man das große Paket leicht in Zehnerpäckchen aufteilen kann. Beginnen Sie beim Lernen mit den übergeordneten 10 Abteilungen. Die können Sie zu Hause, sogar beim Joggen oder anderen Freizeitaktivitäten im Geist durchschreiten! Lernen Sie dann jedes einzelne Zehnerpäckchen, was Ihnen leichter fällt, wenn Sie sich dabei die Bilder der entsprechenden Gegenstände vorstellen.

Dies ist ein trivialer, dennoch wichtiger Lernvorgang und nichts weniger als die solide Basis für das Lernen mit Hilfe der Loci. Einmal voll im Kopf, kann die Route — auch in Teilen — nämlich für immer neue Lerninhalte genutzt werden. Wie ein Werkzeug, das dann stets verfügbar ist und das Lernen ungemein effektiv macht. Lassen Sie sich deshalb genügend Zeit für diesen elementaren Lernvorgang. Die Mühe lohnt sich!

Das eigentliche Lernen

Das Behalten eines Lerninhalts setzt voraus, dass Sie ihn zuerst einmal verstanden haben. Es kann hilfreich sein, vor dem eigentlichen Lernen in Ihrem Text alle Sinn tragenden Worte zu markieren. Dann kann es losgehen! So wie bei anderen hier schon beschriebenen mnemotechnischen Lernvorgängen läuft das auch hier: Merkinhalt (z. B. Begriff) — Routenpunkt — Verknüpfung per Assoziation.

Die Inhalte werden gewissermaßen an der Route aufgehängt. Folgen Sie also beim Lernen dem Text und parallel Ihren Loci-Punkten. Gehen Sie bei jedem neuen Abschnitt in die nächste Abteilung. So folgen Sie systematisch dem Textaufbau. Haben Sie sich den Text auf diese Weise mehrfach wiederholend sinngemäß eingeprägt, können Sie zur erfolgreichen Wiedergabe den Vorgang umdrehen: Folgen Sie der Loci-Route und Sie gelangen sicher über jeden Routenpunkt zum gelernten Inhalt ohne auch nur ein Detail zu vergessen.

Horst Kasper

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