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Feedback mithilfe von Metakarten

Wer kennt das nicht? Ein Schüler hält ein Referat und seine Klassenkameraden sollen ihm anschließend ein Feedback geben. Doch bis dahin haben die meisten ihre Beobachtungen schon wieder vergessen und das Feedback bleibt oberflächlich.

Methoden: Feedback mithilfe von Metakarten Eine Notiz pro Karte: Während des Referats halten die Schüler Positives wie Negatives beim Vortragenden fest © iStockphoto.com/Lobsterclaws

In Vorträgen geht es vornehmlich um den Inhalt. Schließlich ist es das Ziel eines Referates, aufbereitete Informationen zu übermitteln. Folglich konzentriert sich der Zuhörer auch stärker auf inhaltliche als auf formale Aspekte. Und dennoch machen wir den Gesamteindruck, den wir von einem Referenten erlangen, nicht ausschließlich an dessen inhaltlichen Aussagen fest. Mindestens ebenso bedeutsam sind körpersprachliche oder stimmliche Aspekte. Diese werden jedoch weitaus unbewusster verarbeitet, sodass es bekanntermaßen schwerfällt, jemandem im Nachgang eine differenzierte Rückmeldung etwa zu dessen Blickverhalten oder gesamtkörpersprachlichem Auftreten zu erteilen.

Wenn der Blick Ihrer Schüler auch für solche Beobachtungsaspekte geschärft werden soll, kann es sehr förderlich sein, wenn die Schüler in dem Moment, da sie eine außerinhaltliche Beobachtung machen, selbige niederschreiben können. Hierfür bietet sich die Methode der Metakarten an. Dabei erhalten alle Schüler zu Beginn einer Unterrichtsstunde oder eines Vortrags leere Karten, wie zum Beispiel Moderations- oder Karteikarten, und je einen Filzstift. Wenn an Material gespart werden soll, genügen natürlich einfache Zettel und jeweils ein Stift für zwei nebeneinander sitzende Schüler. Zu vorab erläuterten oder gemeinsam gesammelten Beobachtungskriterien sollen die Schüler nun während der Unterrichtsstunde bzw. während des Referats immer dann eine Notiz pro Karte machen, wenn ihnen etwas Positives wie Negatives beim Vortragenden auffällt. Die Methode lässt sich also sowohl für das Schüler-Lehrer-Feedback (Beobachtung einer Unterrichtsstunde) als auch für das Schüler-Schüler-Feedback einsetzen (Beobachtung eines Referats).

Metakarten schaffen Verbindlichkeit

Bei dieser Methode bietet es sich an, von vornherein darauf hinzuweisen, dass jeder Schüler am Ende der Stunde oder des Referats eine bestimmte Mindestanzahl an Karten beschriftet haben muss und dass diese beispielsweise im Anschluss auch eingesammelt werden können. Weiterhin soll jeder Schüler in der Lage sein, seinen schriftlichen Punkt mündlich zu erläutern und an konkreten Beobachtungen festzumachen. Insofern ist es sinnvoll, bereits während des Beobachtens und Notierens möglichst konkret zu werden und etwa bestimmte Formulierungen oder Bewegungen des Referenten zu notieren, wie zum Beispiel passende Gesten oder unkontrollierte Beinbewegungen, auf die sich die Rückmeldung bezieht.

Wenn nun ein Schülerreferat abgeschlossen ist, können einzelne Schüler aufgerufen werden, ihre Beobachtungen zurückzumelden. Hierfür wird die beschriftete Karte mit Klebeband an der Tafel fixiert und der jeweilige Verfasser erläutert seinen Punkt.
Eine Variante dieser Methode besteht darin, nicht jedem Schüler alle zuvor besprochenen Beobachtungskriterien in Auftrag zu stellen, sondern hierfür im Klassenverband arbeitsteilig vorzugehen.

Sechs Schüler erhalten beispielsweise den Beobachtungsauftrag, insbesondere auf die körpersprachlichen Aspekte des Referenten zu achten, sechs weitere Schüler sollen auf die Stimmführung, Pausensetzung, Lautstärke, Betonung, Sprechgeschwindigkeit usf. achtgeben, wiederum sechs andere Schüler nehmen den Umgang mit dem Medium, wie zum Beispiel Overhead-Projektor, Tafel oder Beamerpräsentation ins Visier, sechs andere beobachten gezielt den inhaltlichen Aufbau und die Nachvollziehbarkeit der Ausführungen und die letzten sechs Schüler begutachten die erstellten Materialien und Visualisierungen, wie zum Beispiel die Präsentation, das Handout, das Tafelbild.

Bei dieser Variante ist es sinnvoll, vor dem eigentlichen Feedback einen Zwischenschritt einzubauen: Die Schüler, die sich mit demselben Beobachtungsfeld befasst haben, schließen sich in ihrer Gruppe zusammen, gleichen ihre Wahrnehmungen miteinander ab, einigen sich beispielsweise auf die wichtigsten drei Beobachtungen und halten diese gut leserlich auf separaten Karten fest. In diesem Falle genügt es natürlich, wenn die Schüler zuvor ihre individuellen Beobachtungen nicht auf Karten, sondern in ihrem Heft notiert haben. Somit würden für einen solchen Feedbackdurchlauf nur ca. 18 Karten benötigt.

Metakompetenz schärfen

Die Methode schärft die Metakompetenz der Schüler, indem sie dazu anleitet, während eines Vortrags eine bestimmte „Beobachtungsbrille“ aufzusetzen. Somit sind die Schüler nicht mehr nur passive Zuhörer, sondern zugleich aktive Analysten mit einer gesonderten, verantwortungsvollen Aufgabe. Hierdurch wird die Aufmerksamkeit jedes Einzelnen erhöht. Insbesondere die Ankündigung, dass potenziell jeder Schüler beim Feedback aufgefordert werden kann, seine Punkte oder die Karten der Gruppe vorzustellen, steigert die Aufmerksamkeit jedes Einzelnen. Hierfür kann das Zufallsprinzip angewendet werden.

Natürlich muss sich die Lehrperson darüber im Klaren sein, dass die Fokussierung auf ein bestimmtes Beobachtungsfeld zwangsläufig dazu führen kann, dass sich die Schüler weniger auf den Inhalt des Vortrags oder auf sonstige andere Beobachtungsfelder werden konzentrieren können. Es ist also eine Frage des didaktischen Ziels, ob und wann diese Methode eingesetzt wird. Geht es um eine Sensibilisierung für rhetorische Beobachtungsaspekte oder um die Implementierung einer funktionierenden Feedback-Kultur im Klassenraum, so bietet sich die Methode zweifelsohne an. Geht es hingegen mehr darum, dass die Mitschüler die Inhalte eines Referates nachvollziehen können sollen, so sollte womöglich eine andere Art des Hörauftrags erteilt werden.

Dennis Sawatzki

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