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Geschlechterrollen

Ideen für einen gelungenen Boys’ und Girls’ Day an Ihrer Schule

Am 28.04.2016 ist es wieder so weit: Unternehmen und Einrichtungen vermitteln Schülerinnen und Schülern Einblick in Berufe, die sonst eher vom jeweils anderen Geschlecht ausgefüllt werden.

Geschlechterrollen: Ideen für einen gelungenen Boys’ und Girls’ Day an Ihrer Schule Technik kann eben auch etwas für Mädchen sein — sie müssen es nur kennenlernen und ausprobieren © goodluz - Fotolia.com

„Noch immer gibt es fast keine Maurerinnen und sehr wenige Erzieher“, konstatierte die Süddeutsche Zeitung am 22.12.2010. Ganz ähnlich lautete auch im März 2012 die Diagnose der Deutschen Welle: „Männer bauen, schrauben und erfinden, Frauen kümmern sich um die schönen Dinge oder erziehen“. Und auch 2014 hat sich daran offensichtlich wenig geändert: Noch immer wird die „Mehrzahl aller Berufe (…) entweder überwiegend von Frauen oder von Männern ausgeübt“, wie aus einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervorgeht.

Dabei bestehen die starren Grenzen in Frauen- bzw. Männerberufen vor allem in den Köpfen, denn die wenigsten Berufe sind ausschließlich für Frauen oder Männer geeignet. Trotzdem sind die Gräben tief: Ein Video auf der Website der Deutschen Welle nennt Zahlen: „Die Hälfte aller Frauen tummelt sich in gerade einmal zehn Berufen“ — leider oft mit wenig Aufstiegschancen und mit geringem Verdienst. Im Bereich der Krankenpflege etwa beträgt der Männeranteil 8,7 Prozent und bei den Erziehern gar nur 7,2 Prozent.

Hilfen für Ihre Organisation und Planung

Um die Grenzen zwischen Frauen- und Männerberufen durchlässiger zu machen, unterstützen die Kultusministerien fast aller Bundesländer den sogenannten Zukunftstag für Jungen beziehungsweise für Mädchen, auch als „Boys‘ bzw. Girls‘ Day“ bekannt. Ob der Tag als Schulveranstaltung durchgeführt wird, entscheiden die Schulen selbst, Schüler können jedoch auf Antrag der Eltern vom Schulunterricht freigestellt werden. Mit einem vorformulierten Elternbrief (hier die Version für Mädchen) informieren Sie die Eltern über den Aktionstag. Mit dabei ist auch gleich ein Antrag auf Freistellung vom Unterricht, den die Eltern gegebenenfalls unterschrieben an Sie zurückgeben.

Informationsflyer, Plakate — auch mit Raum zum Selbst-Gestalten —, Berufslisten mit Girls‘- und Boys‘-Day-Berufen, Einverständniserklärungen für Foto-, Film- und Tonaufnahmen, Teilnahmebestätigungen für die Unternehmen und vieles mehr bietet das „Kompetenzzentrum Technik, Diversity, Chancengleichheit“ auf seiner Website sowohl für Mädchen als auch für Jungs.

Videos als Einstieg ins Thema „Männerberufe — Frauenberufe“

Das oben verlinkte Video der Deutschen Welle könnte als „Opener“ fungieren. Innerhalb von zweieinhalb Minuten demonstriert es die Ungleichbehandlung von Männern und Frauen im Berufsleben. Die zugehörige Website, ebenfalls oben verlinkt, bietet außerdem einen kurzen, Interesse weckenden Multiple-Choice-Test.

Doch wie fühlt sich das an, wenn Jungs in „typischen Frauenberufen“ arbeiten, oder Mädchen z. B. technische oder handwerkliche Tätigkeiten ausüben? Diese Frage beantwortet ein etwa halbstündiges Video der Medienstelle Augsburg mit dem Titel „Einfach ausprobieren!“, das sich ebenfalls für den Einstieg in die Problematik eignet.

Auch auf den beiden Webseiten zum Zukunftstag Girls‘ und Boys‘ Day finden sich zahlreiche ansprechende Videos: diejenigen zum Girls‘-Day dokumentieren unter anderem Mädchen und junge Frauen in unterschiedlichen „Männerberufen“. Und ein umfangreicher YouTube-Channel widmet sich diversen Aspekten des Boys‘ Day: Hier finden sich auf Jungen zugeschnittene Videos über typische Boys-Day-Berufe oder auch filmische Portraits von Jugendlichen in für Männer außergewöhnlichen Berufen wie Florist, Medizinischer Fachangestellter, Kindheitspädagoge et cetera.

FAQs und Angebote auf einen Blick

Kernzielgruppe des Boys‘- und Girls‘-Day sind Jugendliche von Jahrgangsstufe 5 bis 10.

  • Die Mädchen sollen am Girls’ Day technische, naturwissenschaftliche oder handwerkliche Berufe kennen lernen.
  • Die Jungs sollen am Boys’ Day Einblick in soziale, pädagogische oder pflegerische Berufe bekommen.

Alle Mädchen und Jungen können an diesem Tag in Unternehmen und Einrichtungen hospitieren: Wohnortnahe Angebote zeigen der Boys‘ Day-Radar und der Girls‘ Day-Radar.

Die informativen Websites für Jungs und Mädchen beantworten die wichtigsten Fragen mit kurzen, schülergerechten Videos, zum Beispiel: Wie können Jungen beim Boys’ Day mitmachen? oder Worum geht es beim Girls’ Day überhaupt? und natürlich ganz wichtig: Was sind typische Girls‘ Day-Berufe beziehungsweise Boys‘ Day-Berufe, in denen nur maximal 40 Prozent Frauen beziehungsweise Männer eine Ausbildung machen oder arbeiten?

Materialien und Downloads für einen Projekttag in der Schule

Zur Vorbereitung, Begleitung und Nachbereitung des Zukunftstages im Unterricht nutzen Lehrkräfte einfach fertige Materialien, Leitfäden und Arbeitsblätter. Sie stehen, sowohl für Jungen als auch für Mädchen, zum freien Download und können — ohne Vorbereitungsaufwand — direkt eingesetzt werden. Bei der Organisation des Aktionstages ist die „Schulbroschüre für Lehrerinnen und Lehrer“ überaus hilfreich.

Wer am 28.04.2016 lieber einen schulinternen Projekttag gestalten möchte, kann dafür die „Mitmachaktionen“ nutzen, die sich mit einfachen Mitteln auch in den Unterrichtsräumen realisieren lassen:

Der Girls‘-Day-Technikparcours enthält Vorschläge für Lernstationen zu den vier Themenbereichen Handwerk, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.

Das Pendant für die Jungs ist ein Haushaltsparcours mit Stationen zu Wäschepflege, Essen und Ernährung, Putz- und Reinigungsarbeiten und Haushalts- und Alltagsplanung.

Immerhin steht hierbei auch die eine oder andere Aufgabe auf dem Plan, die viele Jungs vermutlich wirklich nützlich finden, z. B. verschmutzte weiße Sportschuhe „wieder zum Glänzen bringen“ (S. 33). Manche Stationen können Jugendlichen vielleicht schmackhaft gemacht werden, indem ein Alltagsbezug hergestellt wird: Bügeln zum Beispiel wird dann „überlebensnotwendig“, wenn man abends weggehen möchte, und das Lieblings-T-Shirt noch nicht ganz trocken ist.

Bedenkt man allerdings, dass in vielen Elternhäusern gerade das Mithelfen im Haushalt zu Konflikten mit pubertierenden Jugendlichen führt, dürfte es tendenziell schwierig sein, die Jungs für den Haushaltsparcours zu begeistern. Vielleicht ist das der Grund, warum die Autoren auch handwerkliche Tätigkeiten eingebaut haben, die nach traditionellem Rollenverständnis eher „Männersache“ sind: „Fahrrad reparieren“ (S. 37) und „hämmern & schrauben“ (S. 39). — Mit den Zielen des Boys‘ Day hat das aber wenig zu tun.

Martina Niekrawietz

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