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Einstiegsphase

Ideen für Unterrichtseinstiege per Mausklick

Einen wirklich treffenden Unterrichtseinstieg entwickeln, der die Schüler motiviert und zugleich geradewegs zum Thema führt, ist ohne übergroßen Planungs- und Zeitaufwand nicht zu bewerkstelligen. Oder doch …? Webseiten und Materialien im Internet bieten vielseitige Anregungen, um frischen Wind in die Eingangsphase zu bringen.

Einstiegsphase: Ideen für Unterrichtseinstiege per Mausklick Ein gelungener Unterrichtseinstieg führt zielgenau zum Unterrichtsthema – und motiviert die Schüler © Rido - Fotolia.com

Einfache und oft auch ritualisierte „Schrotschuss-Einstiege“ mit Breitenwirkung auf die ganze Klasse haben durchaus ihre Berechtigung: Der Mathematiklehrer, der mit fünf Minuten Kopfrechnen in die Stunde startet, ein kollektives Vokabelnabfragen zu Beginn des Englischunterrichts oder auch das „übende Wiederholen“ am Anfang einer Geschichts- oder Erdkundestunde, all diese Stundenauftakte erfüllen die Aufgabe, „den Seelen-, Körper- und Pausenschutt beiseitezuräumen, der den ‚eigentlichen‘ Beginn der Arbeit behindert“, schreibt Hilbert Meyer (in: Unterrichtsmethoden, Bd. 2 Praxisband, Berlin 1987, S. 122 ff., die Ausführungen zum Thema Unterrichtseinstiege sind hier online zugänglich). Die Schüler disziplinieren — das ist die eine — und in den ersten Unterrichtsminuten vordringliche — Aufgabe des Stundeneinstiegs.

Die zweite und grundlegende Funktion ist es, das neue Thema (der Stunde oder einer mehrstündigen Unterrichtseinheit) für die Schüler „aufzuschließen“ bzw. zu „erschließen“: die Schüler neugierig zu machen, bei ihnen eine Fragehaltung zu wecken, Vorkenntnisse oder -erfahrungen zu mobilisieren und ihr Interesse und ihre Aufmerksamkeit „auf das neue Thema, auf das zu lösende Problem, auf die zu erwerbende Qualifikation [zu] lenken“ (ebd.). Oder auch einfach nur die Schüler über den geplanten Unterrichtsverlauf zu informieren – ganz im Sinne der „Klarheit der Lehrperson“, die laut John Hattie für den Lernerfolg äußerst starke Effekte hat.

Was kennzeichnet einen guten Unterrichtseinstieg?

Ein Unterrichtseinstieg sollte einen „Prozess der doppelseitigen Annäherung“ in Gang setzen: Zum einen ist dabei das Thema so aufzubereiten, dass es für die Schüler verstehbar wird, gleichzeitig sollten die Schüler motiviert werden, sich ihrerseits auf das Thema zuzubewegen. In jedem Fall muss der Wurm dem Fisch schmecken und nicht dem Angler: Erst „dann, wenn der Einstieg vom Schüler aus gedacht wird, wird er gut!“, betont Meyer. (ebd.)

Vor allem aber führt ein gelungener Einstieg wirklich zielgenau auf das Unterrichtsthema hin. – Eine große Herausforderung für den Unterrichtenden, denn dabei kann manches schiefgehen, wie Lutz Eisele und Prof. Dr. Angela Kräft vom Staatlichen Seminar für Didaktik und Lehrerbildung in Karlsruhe in ihrem „Skript Unterrichtsplanung, Unterrichtsmethoden“ anhand zweier Beispiele erläutern (S. 20):

  • Ein Lehrer leitet während der WM eine Stunde über „Eigentum und Besitz“ mit einem Foto ein, auf dem ein Spieler im Ballbesitz ist. Sofort entwickelt sich in der Klasse eine lebhafte Diskussion – über Fußball!
  • Der Lehrer betritt die Klasse im Blaumann, was eine unterhaltsame Stunde verspricht. Doch was folgt ist eine Stunde zum Thema „Regeln und Normen“, die mit dem Ausfüllen eines Arbeitsblatts weitergeht. — Dieser Einstieg weckt falsche Erwartungen, und die Schüler beziehungsweise deren Motivation gehen praktisch beim Übergang zum „Ernst des Themas“ verloren.

Manchmal passt auch der Einstieg nur zum Teil, doch es kommt — „wie bei jedem Vergleich“ darauf an, dass „der Vergleichspunkt erstens stimmig ist und dass sich zweitens der Empfänger der Botschaft auch darauf einlässt“ (ebd.). Andernfalls ist ein Unterrichtseinstieg vergebene Liebesmüh, besonders dann, wenn die Schüler auf die falsche Fährte gelangen und das Stundenthema nicht erraten. Für sie beginnt die Stunde mit einem kontraproduktiven Frustrationserlebnis.

Den passenden Unterrichtseinstieg per Mausklick

Das Sächsische Staatsinstitut für Unterricht und Schulentwicklung bietet ein modulares Online-Methodentraining für schüleraktives Lernen: Die Website „Schulleben und Unterricht demokratisch gestalten“ versammelt dazu vielfältige Anregungen für Unterrichtseinstiege. Strukturiert ist das umfassende Methodenkompendium nach den Grundformen des Unterrichtseinstiegs, wie sie Hilbert Meyer klassifiziert hat: Einstiege „zum Kennenlernen“ (Presseschau, Partnerinterview etc.) sowie problemorientierte, assoziative, lehrerzentrierte, spielerische und sinnlich-anschauliche Einstiege.

Weiterführende Hinweise:

Sonja Lindemann legte im März 2011 eine Examensarbeit vor, in der sie Unterrichtseinstiege analysiert und reflektiert.

Zu jeder dieser Grundformen finden sich zwischen vier und acht Einstiegsformen, zum Beispiel bei den „assoziativen Einstiegen“ Brainstorming und Brainwriting, Sprechmühle, Fragelandschaften, Meinungskarussell. Klickt man die jeweiligen Methoden an, so finden sich didaktisch relevante Informationen (die Grundidee, Umsetzungshinweise und Beispiele), manchmal auch noch Materialien und weiterführende Links.

Wer sich, zum Beispiel im Zuge der Unterrichtsreihenplanung, eine halbe Stunde Zeit nimmt und einmal alle Methoden durchklickt, erweitert nicht nur das persönliche Repertoire von Einstiegsmöglichkeiten, sondern findet auch praktische Anregungen für spätere Phasen: Bei den lehrerzentrierten Einstiegen etwa bietet der Untermenüpunkt „Wiederholung“ fünf verschiedene Möglichkeiten mit Umsetzungstipps, die auch in der Phase der Ergebnissicherung gute Dienste leisten.

Martina Niekrawietz

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