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Außerschulische Lernorte

Museen - Vielfältige Möglichkeiten zur Schülerförderung

Dass er einmal im Bauchraum eines Wals gestanden hat, wird der elfjährige Ralf nicht so schnell vergessen. Er konnte die mächtigen Rippen sogar berühren.

Außerschulische Lernorte: Museen - Vielfältige Möglichkeiten zur Schülerförderung Museen bieten eine Vielfalt an Lernmöglichkeiten für alle Altersklassen © Alan Davidson - Fotolia.com

Die Klasse hat das Naturkundemuseum zur Einstimmung ins Thema „Wale“ besucht. Jetzt im Unterricht werden die Schüler in Kleingruppen einzelne Themen bearbeiten und anschließend der Klasse präsentieren.

Museen sind beliebte Ziele von Unterrichtsbesuchen und werden von Christian Salzmann als primäre außerschulische Lernorte definiert. Die ICOM-Definition „Museum“ in „Ethische Richtlinien für Museen von ICOM“ lautet S. 29:

„Ein Museum ist eine gemeinnützige, ständige, der Öffentlichkeit zugängliche Einrichtung im Dienste der Gesellschaft und ihrer Entwicklung, die zu Studien- und Bildungszwecken, zu Freude, Spaß und Genuss materielle Zeugnisse von Menschen und ihrer Umwelt beschafft, bewahrt, erforscht, bekannt macht und ausstellt.”

Von den klassischen Museumsaufgaben – Sammeln, Bewahren, Forschen, Präsentieren und Vermitteln – erhält die Bildungs- und Vermittlungsarbeit einen immer höheren Stellenwert. Seit den 1970er Jahren rückt das Museum als Lernort in das Bewusstsein der Öffentlichkeit. Die Bildungsdiskussion verstärkt den Druck auf Museen und betont ihre Rolle in der Gesellschaft.

Schüler erlangen durch den regelmäßigen Museumsbesuch eine grundlegende Museumskompetenz, die nur im Museum selbst erworben werden kann. Sie werden durch ihr Wissen über die Dinge und den Umgang damit befähigt, sich ihre direkte kulturelle Umgebung selbstständig zu erschließen und von der Institution Museum lebenslang und lebensbreit als Bildungsort zu profitieren.

Museumspädagogik

Die Museumspädagogik ist die Lehre von der Vermittlung des Sammlungsgutes eines Museums. Sie entwickelt eigene methodisch-didaktische Konzepte, um alle Gruppen von Besuchern an Ausstellungsobjekte heranzuführen.

Durch die Professionalisierung der Museumspädagogik in den letzten Jahren stimmt beim Besuch eines Museums im Rahmen des Unterrichts auch die "Kosten-Nutzen-Relation".

Der Museumspädagoge bietet eine Palette an unterschiedlichen, alters- und zielgruppenspezifischen Programmen an. Diese reichen von einmaligen Besuchen oder nachhaltig eingebettet ins Unterrichtsthema über Projekttage bzw. -wochen bis hin zu museumsübergreifenden Angeboten oder vertiefenden Kooperationen zwischen Museum und Schule. Diese sind meist problemlos in Bezug zum Lehrplan zu setzen. Museen sind analog zur Institution Orte des fächerübergreifenden Unterrichts.

Vorteile der Museumspädagogik

Praxis-Tipp

Grundsätzlich ist es bei jedem Gruppenbesuch ratsam, mit dem Museum vorher Kontakt aufzunehmen und abzuklären, ob ein Besuch möglich ist. Vor allem gegen Ende des Schul(halb-)jahres können sehr viele Kollegen auf diese Idee gekommen sein. Kleinere Museen können unter Umständen aus sicherheitstechnischen Gründen nicht zu vielen Kindergruppen gleichzeitig einlassen.

Höhere Aufmerksamkeit
Der Museumspädagoge ist der Stellvertreter des Lehrers im Museum. Im Vergleich mit der Schulpädagogik ergibt sich für die Museumspädagogik ein grundsätzlich anderer Ansatz. Steht in der Schulpädagogik die langfristige Wissensvermittlung aufgrund der allgemeinen Schul(besuchs)pflicht im Vordergrund, kann die Museumspädagogik von einem eher freiwilligen Besuch und daher aufgeschlossenerem Publikum ausgehen.

Bereits die Abwechslung schafft Aufmerksamkeit, die Schüler bewegen sich in einer neuen Lernumgebung. Museumspädagogen setzen auf sinnliche Erfahrungen und bieten neue Methoden und Erkenntnisse.

Eine andere Kommunikationsperson und -umgebung schafft Räume für Diskussionen. Problematisch für die Museumspädagogik ist der häufig nur für kurze Zeit bestehende Kontakt zu den Besuchern. Museumspässe, Fördervereine sowie Projekte im Internet sollen Kinder und Jugendliche stärker an das Haus zu binden.

Hoher Grad der Interaktivität
Wichtig ist die Auseinandersetzung mit den dreidimensionalen Sachzeugen des Museums (zum Anschauen oder zum Anfassen), ihrer Geschichte und den Wechselwirkungen mit dem persönlichen Erfahrungsschatz des Besuchers. Der Lerngegenstand kann im wahrsten Sinne des Wortes "begriffen" werden. Häufig befindet sich ein Museum an einem authentischen Ort, der auch emotionale Zugänge schafft.

Höhere Bandbreite an Materialien
Objekte stehen im Museum nicht "für sich", sondern werden anhand der Ausstellungsthemen in didaktisch aufbereiteten Zusammenhängen beleuchtet. Für ältere Jahrgangsstufen bietet sich außerdem die Möglichkeit, die Aufgaben des Museums zu hinterfragen: Was wird gesammelt, welche Objekte gelten als sammlungswürdig, wie werden sie präsentiert, und wer entscheidet darüber?

Beispiele für Unterrichtsbesuche in Museen

Verwendete Literatur

Ethische Richtlinien für Museen von ICOM (deutsche Fassung): 2004. Paris

Flügel, Katharina: Einführung in die Museologie. Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt.2005.

Kahlert, Joachim/ Fölling-Albers, Maria/ Götz, Margarete/ Hartiner, Andreas/ von Reeken, Dietmar/ Wittkowske, Steffen (Hg.): Handbuch Didaktik des Sachunterrichts, 2007 Bad Heilbrunn,

Positionspapier Museumspädagogik. Stellungnahme des Bundesverbandes Museumspädagogik e.V. 

Freier Unterrichtsbesuch:
Für Lehrer besteht in den meisten Museen die Möglichkeit, mit einer Schulklasse auf Anmeldung und unter Einhaltung der Hausregeln (unbedingt vorher mit den Schülern besprechen) das Museum zu den regulären Öffnungszeiten zu besuchen. Entweder haben die Schüler bereits vorab Fragen erarbeitet, denen sie allein oder in Kleingruppen nachgehen. Oder das Museum stellt Material zur Verfügung, das die Kinder beim Rundgang durch das Haus nützen können (Quiz, Kinderführer etc.).

Geführter Rundgang:
Je nach Museum werden für Kindergartenkinder, Hortgruppen und Schulklassen diverser Altersstufen geführte Rundgänge und Themenführungen angeboten. Diese meist einstündigen Führungen durch das gesamte Haus, Dauer- oder Sonderausstellungen orientieren sich am Alter und an den Vorkenntnissen der Kinder. Je nach den Vorraussetzungen und Bedürfnissen der Schüler werden Objekte, Bildmaterial, Film- und Tonsequenzen, Auflockerungsspiele, Kreativangebote etc. eingebunden.

Kreativangebot:
Ein weiteres Angebot beinhaltet sowohl die inhaltliche Vermittlung als auch praktische Betätigung. Wenn das Thema in engem Bezug zur Arbeit im Klassenzimmer steht, wird der Kreativteil besonders nachhaltig in Erinnerung bleiben (Steinzeit – Zuschlagen von Feuerstein).

In vielen Museen gibt es zusätzliche Angebote wie mehrtägige Veranstaltungen für Kinder, nächtliche Führungen mit der Taschenlampe oder ausleihbare Museumskoffer, um das Erlebte zu vertiefen.

Dr. Veronika Ederer


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