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Visualisierung über Sketchnotes

Sketchnotes kreativ im Unterricht einsetzen

Kleine Zeichnungen – Sketchnotes genannt – bieten für den Unterricht einige Vorteile. Die Visualisierung von Wörtern unterstützt das Lernen und fördert die Konzentration. Wie Sie Sketchnotes am besten im Unterricht einsetzen, erfahren Sie hier.

Visualisierung über Sketchnotes: Sketchnotes kreativ im Unterricht einsetzen Zeichnen ist ganz einfach und hilft beim Lernen 324495570 stock.adobe.com

Der Begriff Sketchnote wurde vor einigen Jahren durch Mike Rhode ins Leben gerufen, der seinerzeit das „Sketchnote Handbuch“ veröffentlichte. Es war das erste seiner Art. Seine Sketchnotes entstanden aus einer Frustration heraus, da er genug von gewöhnlichen Notizen in Textform hatte. In ärgerten vor allem der Stress, den die gewöhnlichen Notizen in Konferenzen und Meetings bei ihm auslösten und die Tatsache, dass er sie nach der Fertigstellung nie wieder anschaute. Er vermischte daraufhin seine Handschrift mit Zeichnungen, visueller Typografie, Formen und grafischen Elementen wie Pfeilen, Kästen und Linien und schuf dadurch visuelle Landkarten. Den Vorteil dieser Methode sieht er drin, dass Körper und Verstand zusammenarbeiten und sich auf diesem Wege die notierten Informationen besser merken können. Ein weiterer großer Vorteil liegt darin, dass diese neue Art, Notizen anzufertigen Spaß macht.

Das Arbeiten mit Bild und Text zugleich ist aber auch keine neue Erfindung. Eines der ersten bebilderten Lehrbücher im pädagogischen Bereich stammt von Johann Amos Comenius aus dem Jahre 1658. Es enthielt 150 Holzschnitte und war seinerzeit das meist verbreitetste Schulbuch. Comenius war der Meinung, dass das Lernen besser funktioniert, wenn mehrere Sinne gleichzeitig angesprochen werden. Wenn ein Gegenstand als bekannt identifiziert wird, sorgt dies für eine Veränderung unserer Wahrnehmung. An dieser Stelle kann man also den Wahrnehmungsprozess mit einem Lernprozess gleichsetzen. (vgl. Eid/Langer/Ruprecht, Grundlagen des Kunstunterrichts, 2002)

Wem es kein Begriff ist: Mit Sketchnotes bezeichnet man eine besondere Form des Anfertigens von Notizen, bei der man sowohl Symbole, Strukturen als auch einzelne Wörter oder kurze Texte verwendet.

Die psychologische Wirkung von Bildern

Weiterführende Literatur 

Nadine Roßa: Sketchnotes in der Schule – Unterrichtsinhalte leicht merken und darstellen. Cornelsen 2019

Silke Bosbach: Sketchnotes und Co. im Unterricht. Auer Verlag 2017 (im Lehrerbüro)

Auch die Wissenschaft belegt, dass unser Gehirn die Visualisierung liebt. Wir haben insgesamt fünf Sinne, dennoch findet ca. 80 Prozent der Wahrnehmung über die Augen statt. Der Mensch denkt, träumt und spricht in Bildern. Das Gehirn nimmt fortlaufend eine Vielzahl an visuellen Informationen auf und verarbeitet sie besonders schnell. Es zieht dem Text Bilder und Symbole vor. Dieses Phänomen nennt man den „Bildüberlegenheitseffekt“. Benennbare Bilder werden besser behalten als Wörter und Wörter mit einer konkreten bildlichen Vorstellung werden besser behalten als abstrakte Wörter. Wörter, die wir hören, werden im Gehirn sofort in Sprachbilder umgewandelt. Wir hören „Sonne“ oder „roter Stift“ und haben sofort ein Bild vor unserem geistigen Auge.

Dieses visuelle Denken kann man sich im Unterricht mit Hilfe der Sketchnotes zunutze machen…

Sketchnotes im Unterricht einsetzen

Die Anwendung von Sketchnotes im Unterricht bietet einige Vorteile. Zum Beispiel können lernschwache Schüler oder Legastheniker davon profitieren, da sie über die Bildsprache leichter Zugang zu Themen finden als über die Schriftsprache. Auch Schüler/-innen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, erhalten damit eindeutig eine Hilfestellung.

Sketchnotes helfen bei der Konzentration

Wenn Körper und Verstand zusammenarbeiten, bleibt wenig Raum für Ablenkung. In Studien hat man mittlerweile herausgefunden, dass das Anfertigen von kleinen Zeichnungen die Fähigkeit verbessert, Informationen zu verarbeiten und zu behalten. Die Psychologin Jaqueline Andrade hat in einer Studie im Jahre 2009 herausgefunden, dass Personen, die eine Nachricht hören und dabei kleine Zeichnungen anfertigen mehr Informationen abspeichern als die Personen die ausschließlich nur die Nachricht anhören.

Das Visualisieren hilft, Inhalte besser zu reflektieren

Durch das Visualisieren in Form von Sketchnotes werden Schüler dazu angeleitet die gelernten Inhalte besser zu reflektieren. Lerninhalte werden durch das Reflektieren in Bilder und kleine Texte umgewandelt. Die Dual-Coding-Theorie, die 1971 von Allan Paivio aufgestellt wurde, zeigt auf, dass das Bilden von mentalen Bildern das Lernen unterstützt. Man stellte fest, dass Informationen, die aus Bild und Text bestehen, sich besser einprägen als rein textliche Informationen. Sketchnotes regen den gesamten Verstand an, der Informationen auf zwei Kanälen verarbeitet: verbal und visuell.

Sketchnotes erzeugen visuelle Landkarten

Durch die gleichzeitige Verarbeitung von verbalen und visuellen Konzepten, wird eine visuelle Karte von dem erzeugt, was man hört, sieht und denkt. Außerdem wird durch diese ganzheitliche Beanspruchung des Gehirns die Erinnerungsfähigkeit verbessert.

Von der Dual-Coding-Theorie abgeleitet, gibt es auch noch den Bildüberlegenheitseffekt (Picture Superiority Effect) bei dem man ebenfalls durch zahlreiche Experimente feststellte, dass von Informationen die nur gelesen oder gehört werden nach zehn Tagen nur noch zehn Prozent abrufbar sind. Wenn diese Informationen aber durch Bilder ergänzt werden, sind nach drei Tagen noch ca. 65 Prozent der Informationen abrufbar.

Sketchnotes erstellen macht Spaß

Der aus Sicht der Schüler/-innen wahrscheinlich wohl gewichtigste Grund für den Einsatz von Sketchnotes im Unterricht ist, dass sie Spaß macht. Das Zeichnen von kleinen Bildern mit kurzen Texten oder einzelnen Wörtern ist sicherlich motivierender, als nur mitzuschreiben.

Wie kann man Sketchnotes im Unterricht einsetzen?

Zunächst kann man ein visuelles Wörterbuch erstellen. Zum Beispiel könnte man Symbole für die einzelnen Fächer zeichnen und damit zum Beispiel auch den Stundenplan gestalten. So könnte man auch die Hausaufgaben in Form von Sketchnotes notieren oder To-do-Listen damit anfertigen. Wenn die visuellen Notizen dann auf diese Weise Einzug in den Schulalltag erhalten, kann man auch Mind-Maps damit anfertigen lassen. Die Schüler und Schülerinnen erhalten zum Beispiel zum Ende einer Unterrichtseinheit die Aufgabe, das Gelernte noch einmal in Form einer Mind-Map festzuhalten und können dies dann mit Hilfe von Sketchnotes ausführen. Eine weitere Möglichkeit des Einsatzes von visuellen Notizen bietet auch der naturwissenschaftliche Unterricht. Hier können zum Beispiel Protokolle in Form von Sketchnotes angefertigt werden. Außerdem können die Schulkinder Sketchnotes über Informationstexte anfertigen, indem sie den Inhalt mit Sketchnotes wiedergeben bzw. zusammenfassen. Auf diese Weise lässt sich auch leicht überprüfen, ob sie den Inhalt verstanden haben, und der gelernte Inhalt prägt sich so für die Schüler besser ein. Des Weiteren könnten sie Handouts bei Referaten oder Lernplakate mit Sketchnotes anfertigen. So setzen sie sich intensiver mit dem Inhalt ihres Themas auseinander und lernen auch ganz nebenbei, sich auf die wichtigen Inhalte zu beschränken. Die Aufzeichnungen werden dadurch auch für Mitschüler/-innen und Lehrkräfte, die Zuhörer sind, verständlicher.

Auch die Lehrpersonen können sich an dieser Form der Aufzeichnung versuchen. Sie können Sketchnotes:

  • in Tafelbildern verwenden,
  • sie als Gestaltungselemente von Arbeitsblättern benutzen oder
  • beim Illustrieren von Textaufgaben einsetzen.

Zu guter Letzt

Man muss kein begnadeter Zeichner sein, um visuelle Notizen anfertigen zu können. Auch Schüler/-innen, die zuvor behauptet haben, dass sie nicht zeichnen können, werden schnell merken, dass Sketchnotes kein Hexenwerk sind und man kein guter Künstler dafür sein muss. Um einen Einstieg ins Zeichnen zu finden, kann das visuelle Alphabet eine gute Grundlage bieten. Das visuelle Alphabet besteht aus einfachen Grundformen, wie dem Rechteck oder Quadrat, dem Kreis, dem Dreieck, der Linie und dem Punkt. Mit diesen Grundelementen kann man fast jedes denkbare Objekt zeichnen.

Mit dieser einfachen Methode ist es auch für Nicht-Künstler eine Erleichterung, kleine Zeichnungen anzufertigen. Vor allem dann, wenn sie vorher noch dachten, dass sie nicht zeichnen können. Bei den Sketchnote-Zeichnungen liegt der Fokus auf der Idee und nicht auf der perfekten Zeichnung. Aus den Grundelementen lässt sich praktisch alles zusammensetzen und zeichnen. Objekte werden so stark vereinfacht oder abstrahiert, dass sie sich aus diesen Grundformen zusammensetzen lassen. Hiermit lassen sich Symbole erstellen, aus denen man sich dann seine eigene „Symbol-Bibliothek“ zusammenstellen kann.

Im Lehrerbüro finden Sie viele Unterrichtsmaterialien, mit denen Sie das Thema Sketchnotes im Unterricht anleiten können. Wir haben Ihnen einige davon unter diesem Beitrag verlinkt.

Christina Meyer

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