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Unterricht mit ukrainischen Schüler/-innen

DaZ & deutsch-ukrainischer Hybridunterricht flexibel gestalten

Sie kommen und es werden immer mehr, aber Sie bleiben entspannt: Dieser Beitrag stellt Ihnen ein Best-Practice-Konzept vor, mit dem Sie flexibel auf die heterogenen Bedarfe der ukrainischen Schülerinnen und Schüler eingehen.

Unterricht mit ukrainischen Schüler/-innen: DaZ & deutsch-ukrainischer Hybridunterricht flexibel gestalten Auf die heterogenen Bedürfnisse ukrainischer Schüler/-innen eingehen © kieferpix - stock.adobe.com

Kein Tag ist wie der andere in der DaZ-Gruppe an der Gesamtschule in Münster Mitte. Täglich kommen neue Jugendliche in den Deutschunterricht, und manche haben ihre erste Deutschstunde, andere sind bereits seit fünf Tagen da. Wenn nötig und möglich verständigen sich die Lehrkräfte mit ihren Schülerinnen und Schülern auf Englisch. – Kein leichter Job, erzählt Lehrer Manuel van Megen in der WDR-Sendung Lokalzeit Münsterland: „Weil wir jeden Tag ja auch neu überlegen müssen, (...) mit welcher Vorerfahrung die Schüler_innen hier ankommen, ob sie Englisch sprechen können, ob sie ‘n bisschen Deutsch sprechen können, ob sie die lateinische Schrift schon können“. Kurzum: „Der Unterricht ist ein bisschen wie im Freiflug“ (ebd.) und immer für Überraschungen gut.

Eine Situation, die auch Stefan Brömel kennt. Er berät Schulen zum Thema „Erfolgreiche Lernsettings bei der Integration von geflüchteten Kindern und Jugendlichen“. Nicht etwa vom grünen Tisch aus, sondern als Lehrer, der tagtäglich mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen arbeitet. Brömel leitet das DaZ-Zentrum der Fridtjof-Nansen-Schule in Flensburg, das jetzt zunehmend auch von ukrainischen Schülerinnen und Schülern besucht wird. Mit seinem Kollegium hat er ein Konzept entwickelt, mit dem er den heterogenen Anforderungen seiner Schülerinnen und Schüler gerecht werden kann.

Ein teilintegratives Modell 

Niemand kann vorhersagen, ob die Schüler oder Schülerinnen mit ihren Familien „fünf Wochen oder fünf Jahre bei uns bleiben“, sagt Stefan Brömel in einem Interview mit Florentine Anders vom Deutschen Schulportal.

Grundsätzlich gehen die Lehrkräfte der Schule mit allen Lernenden „so um, als würden sie für immer bleiben“ (ebd.). Und dafür haben sie ein teilintegratives Konzept entwickelt, das sich optimal an die Lernvoraussetzungen anpassen lässt.
Brömels Schülerinnen und Schüler sind „sehr heterogen“ hinsichtlich Alter, Herkunft, Bildungsbiografien u. v. m. Außerdem kommen Neue nicht nur zu Schuljahresbeginn, sondern permanent das ganze Jahr. „All das braucht ein System, das maximal flexibel reagieren kann“, sagt Brömel.

In den DaZ-Zentren (= Vorbereitungsklassen in Schleswig-Holstein) werden die Neuankömmlinge zunächst in Deutsch „fit gemacht“. Jedoch nicht etwa für einen festgelegten Zeitraum: Sie sind „von Anfang an einer Regelklasse zugeordnet“, die sie, wenn sie dazu bereit sind, auch schon von der ersten Woche an stundenweise besuchen dürfen. Möglich ist das z. B. in Sport oder Werken, da braucht es noch nicht allzu viele Deutschkenntnisse.

Maximale Flexibilität für individuelles Lernen

Im DaZ-Zentrum variiert die Aufenthaltsdauer stark: Einige sind anfangs ausschließlich dort, weil sie sich dann sicherer fühlen. Manche verlassen die Vorbereitungsklasse bereits nach sechs Monaten, andere sind erst nach drei Jahren so weit. Immer können die Kinder oder Jugendlichen „zur Unterstützung vor Arbeiten oder bei Hausaufgaben zurückkommen“. 

Die Lehrkräfte im DaZ-Zentrum stehen im engen Austausch mit den Fachlehrkräften, und der Übergang in die Regelklassen erfolgt schritt- und fachweise: „Jedes Fach, das in der Regelschulklasse hinzukommt, ist ein Experiment“, sagt Brömel, und wenn es einem Kind mit dem Regelpensum nicht gut geht, kann es „wieder zurück in die DaZ-Gruppe“ (ebd.).

Individualisierter ukrainisch-deutscher Stundenplan

Jede Schülerin und jeder Schüler wechselt also gemäß seines individuellen Lernstandes zu genau dem Zeitpunkt, wo sie oder er auch wirklich soweit ist. Deshalb bekommt jeder und jede auch „einen individualisierten Stundenplan“: „Am Anfang steht da möglicherweise nur DaZ drin“, sagt Brömel, und „schon in der zweiten Woche können dann Kunst oder Sport in der Regelschulklasse hinzukommen“ (ebd.).
Bei der Stundenplangestaltung für die ukrainischen Schüler und Schülerinnen hat weder der ukrainische noch der deutsche Unterricht Priorität. Beides sei nur „gleichberechtigt“ möglich, sagt Stefan Brömel. Deshalb ist die Arbeit mit den ukrainischen digitalen Lernplattformen fester Bestandteil des Stundenplans.

Drei wichtige Voraussetzungen für ukrainisch-digitale Lernangebote

Damit die Schülerinnen und Schüler die ukrainischen digitalen Lernangebote aber auch effektiv nutzen können, sind laut Stefan Brömel gewisse Voraussetzungen zu erfüllen:

  • flexible Stundenpläne,
  • eine funktionierende digitale Ausstattung 
  • und das Einüben eigenverantwortlichen Lernens. (Ebd.)

Das Bottleneck an vielen Schulen wird vermutlich eine funktionierende digitale Ausstattung sein, wie ja auch schon die Erfahrungen im Distanzunterricht während des Corona-bedingten Lockdowns gezeigt haben. 

Gute Impulse zur Förderung des eigenverantwortlichen Lernens gibt das pädagogische Konzept der Fritjof-Nansen-Schule mit dem programmatischen Motto „ ‚Lernen will gelernt sein‘ – mehr Verantwortung fürs eigene Lernen“. Es wird im Schulalltag „in unterschiedlichsten Facetten gelebt und ausgeführt“ (ebd., S. 2): So ist „Projektorientiertes Lernen lernen [sic!]“ in den Klassen 5 bis 10 mit zwei Wochenstunden fester Bestandteil des Stundenplans. Hier werden u. a. „Arbeitsformen für erfolgreiches, selbstständiges und gemeinsames Lernen“ trainiert. Und in drei „Vorhabenwochen“ pro Schuljahr arbeiten die Klassen an selbst gewählten Projektthemen mit Planung, Durchführung und Präsentation.

Jeder und jede Jugendliche lernt auch in hohem Maße selbstbestimmt: So beginnt jeder Tag damit, dass die Schüler und Schülerinnen der Klassen 5 bis 10 ihren Schultag eigenständig planen. Und drei Wochenstunden lang bestimmen die Jugendlichen in der sogenannten „Studienzeit“ selbst, woran sie arbeiten. 

Martina Niekrawietz


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