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Entdeckendes Lernen

Eine Internetschnitzeljagd im Englischunterricht

Ein altbekanntes Spiel wird auf moderne Medien ausgeweitet, um Problemlösungen zu kreieren. So können bei einer Internetschnitzeljagd die Schüler im Englischunterricht Sprache ganz neu entdecken und anwenden.

Entdeckendes Lernen: Eine Internetschnitzeljagd im Englischunterricht Wie man in London zur Tower Bridge kommt, muss genau beschrieben werden © f11photo - Fotolia.com

Warum muss es eigentlich immer der konventionelle Weg sein? Bild auf den OHP, Sammlung an der Tafel, kurze Besprechung und dann eine Aufgabe. Diese wird dann entweder allein, mit dem Partner oder in Gruppen bearbeitet und dann am Ende der Stunde werden die Ergebnisse präsentiert. Und wenn es gut läuft, wird noch ein Fenster geöffnet, um das Thema zu abstrahieren.

Eine Alternative für den Englischunterricht ist das entdecken-lassende oder auch aufgebende Lehr-Lernverfahren, oder klassisch: das entdeckende Lernen. Nehmen wir einmal an, wir behandeln das Thema London: Big Ben, The Gurkin, and other sights im Englischunterricht. Wie oben angeschnitten wäre der konventionelle Weg, dass wir den Schülern Fotos präsentieren, mit dem Schulbuch arbeiten und dann peu à peu die einzelnen sights abarbeiten, um am Ende mit dem Thema abschließen zu können.

Entdeckendes Lernen bereichert den Englischunterricht

Entdeckendes Lernen bietet uns eine andere, motivierende Herangehensweise. Diese sei im Folgenden beispielhaft umrissen.

Bevor wir inhaltlich präziser werden, rufen wir uns ganz kurz ins Gedächtnis, was beim entdeckenden Lernen wichtig ist: Der Lehrer rückt als Lernarrangeur in den Hintergrund. Sein Ziel ist es, den Schülern eine Problemsituation aufzuzeigen und zu präsentieren, die diese dann eigenständig — in einem entdeckenden Prozess — lösen. Das entdeckende Lernen ist prinzipiell in 6 Phasen aufzuteilen, von denen jede zwar für sich steht, gleichzeitig aber auch aufeinander aufbaut.

Eine sich hervorragend anbietende Form des entdeckenden Lernens ist die sogenannte Internetschnitzeljagd. Dabei wird ein altbekanntes Spiel auf moderne Medien ausgeweitet, um Problemlösungen zu kreieren. Im Folgenden seien nun die 6 Phasen auf die Internetschnitzeljagd angewandt, um beispielhaft zu erläutern, warum sich das entdeckende Lernen so gut für den Englischunterricht eignet.

Schnitzeljagd in sechs Phasen

Im ersten Schritt, der sogenannten Problemstellung, wird den Schülern zunächst das zu lösende Problem präsentiert. In unserem Falle ist das Problem, dass wir Informationen über London und seine Sehenswürdigkeiten brauchen. Der Grund dafür kann z. B. sein, dass die Familie einen Urlaub nach London plant und dafür ein wenig Hintergrundwissen akquirieren möchte.

Zu beachten ist hierbei, dass die Problemstellung durch die Lehrkraft authentisch vermittelt werden muss. Das heißt, dass der Lehrer den Schülern ansprechend und anschaulich darstellen muss, warum das Problem zu lösen ist. Dies könnte man beispielsweise so angehen: „In den folgenden vier Stunden werdet ihr tolle Dinge in einer Megametropole entdecken. Ihr werdet Informationen zu verschiedenen Sehenswürdigkeiten jagen und einen Teil eurer Beute — die Informationen — näher beschreiben …“

Die Aufgabenstellung: Der zweite Schrittsieht nun vor, dass den Schülern dezidiert erklärt wird, was genau sie zu tun haben. Sie sollen also einen London Log, eine Art London-Logbuch entwerfen, in dem die erarbeiteten Informationen gesammelt werden. Dieser soll am Ende dazu dienen, einer Person, die London nicht kennt, die wichtigsten Sehenswürdigkeiten zu zeigen und zu erklären. Bereits an dieser Stelle sei erwähnt, dass die Lehrkraft im Rahmen der Binnendifferenzierung leistungsstarken Schülern auch eine Präsentation (in individueller Form) der erarbeiteten Ergebnisse in Aussicht stellen kann. Bei der Aufgabenstellung muss beachtet werden, dass den Schülern klar ist, was sie zu tun haben und wie sie dies anstellen sollen. Bsp: „Create a London Log and gather information for these London sights… You have to use the computer to do your research.”

An diesem Punkt stößt man auf ein häufig auftretendes Problem beim entdeckenden Lernen: Oftmals verlieren sich die Schüler beim Suchen von Informationen — beim surfen — und sind mit der Fülle an Input hoffnungslos überfordert. Dies führt in vielen Fällen zu einem unkonzentrierten Arbeiten und ergo zu schlechten Ergebnissen. Die gewissenhafte Vorbereitung von Schritt 3, der sogenannten Materialienaufstellung, verhindert dies.

Bei der Materialienaufstellung geht es darum, den Schülern bestimmte, vorausgewählte Inhalte an die Hand zu geben. Die Lehrkraft muss also in Eigenarbeit bestimmte Webseiten recherchieren und den Schülern zur Verfügung stellen. Hierbei sollte darauf geachtet werden, dass je nachdem in welcher Klassenstufe unterrichtet wird, diese Informationsfülle die Kompetenzen der Schüler nicht übersteigt. Da eine solche Unterrichtseinheit vorzugsweise im Computerraum unterrichtet wird, bietet es sich an, die Materialienaufstellung bereits in digitaler Form vorzubereiten.

Danach beginnt der eigentliche entdeckende Prozess für die Schüler. Sie sollen mithilfe der Materialiensammlung Informationen sammeln und diese in ihr Logbuch eintragen. Hilfreich ist es für die Schüler — und hier kommt Schritt 4, die Prozessbeschreibung, ins Spiel —, dass sie ihr Handeln beschreiben. So könnte man darüber nachdenken, dass z. B. The Wheel, das Londoner Riesenrad, bereits als beispielhafte Darstellung dessen, was von den Schülern erwartet wird, für die Schüler zugänglich gemacht wird.

Dieser Schritt verhindert ein Abdriften ebenso wie fehlerhaftes Arbeiten. Der eindeutige Vorteil beim entdeckenden Lernen verbirgt sich genau in diesem Arbeitsschritt: Die Schüler lösen in eigenständiger Arbeit ein ihnen präsentiertes Problem, indem sie entdeckend tätig werden. Sie sammeln Informationen, werten sie aus, katalogisieren sie und können so selbst entscheiden, was sie benutzen wollen und was nicht. Dies fördert nicht nur die Selbstständigkeit, sondern ist gleichzeitig in hohem Maße motivierend, weil am Ende der Unterrichtseinheit etwas Eigenes steht, etwas selbst Entdecktes.

In der vorfinalen Phase, der Evaluation, geht es nun darum, dass die Schüler ihre Ergebnisse sichten und anhand bestimmter, vorher abgesteckter Aspekte bewerten. Ein sich für unser Projekt eignender Weg ist der Einsatz von Evaluationsbögen. Mögliche Kriterien für einen solchen wären z. B.: Did you manage to gather information on all of the requested sights? Is the information useful for your family: does it help them to understand the sight’s history? Did you use correct grammar? … Die Schüler können die London Logs z. B. in Partnerarbeit auswerten. Denkbar wäre aber auch Gruppenarbeit oder aber auch eine Evaluation durch die Lehrkraft.

Abschließend, in der finalen Präsentationsphase, können einzelne Schüler ihre Logbücher dem Plenum präsentieren. Dabei kann der Rest der Klasse die Rolle der Familie übernehmen. So bekommt die Lösung des ursprünglich gestellten Problems seine Bedeutung. Denkbar ist auch eine Präsentationsform in Kleingruppen.

Auch in kleinerer, weniger arbeitsintensiver Form ist das entdeckende Lernen phasenweise in den Unterricht einzubauen. Die Schüler können z. B. Kreuzworträtsel erstellen. Hier kann den Schülern Material an die Hand gegeben werden, das sich mit einem bestimmten Thema befasst — in unserem Falle wieder London sights. Sie erhalten Texte, die sie in Einzelarbeit bearbeiten müssen, und entwickeln anschließend ein Kreuzworträtsel, das sie dann untereinander austauschen und bearbeiten sollen. Auf diese Weise entdecken die Schüler spielerisch Informationen, die sie sogar selbstständig herausgearbeitet haben. Auch hier steht am Ende die Lösung eines Problems — analog zu der oben beschriebenen Internetschnitzeljagd.

Tim Heidemann

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