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Förderunterricht

Förderpläne sind Teamsache

Um Schüler im Förderunterricht sinnvoll zu unterstützen, müssen Förder- und Regelschullehrer zusammenarbeiten. Mit der richtigen Planung können gemeinsame Förderpläne zügig und nervenschonend erstellt werden. Der Schüler profitiert dann von den Beobachtungen und Tipps des gesamten Teams.

Förderunterricht: Förderpläne sind Teamsache Im Team werden Förderpläne erarbeitet und besprochen, damit alle Lehrer am selben Strang ziehen © contrastwerkstatt - Fotolia.com

Wenn Förder- und Regelschullehrer in inklusiven Klassen aufeinander treffen, sind die Zuständigkeiten keineswegs immer klar geregelt, wie dieser Thread in einem bekannten Lehrerforum zeigt: „In der Doppelbesetzung bin ich ein sehr gut bezahlter Hiwi. Wenn es aber um Förderpläne, Anträge (...), Aktenpflege. etc. geht, bin ich auf einmal sehr kompetent und in den Augen der Kolleginnen allein dafür verantwortlich“, schreibt eine junge Sonderpädagogin, die mit 18 Wochenstunden in sechs verschiedenen Klassen eingesetzt ist. Manche der Schüler sieht sie nur drei Stunden in der Woche und fragt sich: „Wie soll ich denn da einen ernstzunehmenden Förderplan (...) schreiben?“  Eine berechtigte Frage, denn ein individueller Förderplan ist bei nur punktuellen Schülerbeobachtungen und -kontakten durch eine Lehrperson weder möglich noch im Hinblick auf eine zielführende Förderung sinnvoll.

Förderpläne sind dann am wirksamsten, wenn alle am Unterricht und am Förderprozess Beteiligten von der Bestandsaufnahme über die Definition und Evaluation der Förderziele bis zur Fortschreibung eingebunden sind. Deshalb präferieren die Schulbehörden vieler Bundesländer eine kooperative Förderplanung in Förder-Konferenzen oder -Teams. Der folgende Beitrag stellt Ihnen das Verfahren vor, das Sie mithilfe von praxisbezogenen Handreichungen leicht implementieren können.

Kooperative Förderplanung im Schnelldurchgang

Das Manual „Kooperative Förderplanung“ auf dem Niedersächsischen Bildungsserver zeigt einen möglichen Planungsverlauf im Überblick. Der Klassenlehrer lädt alle beteiligten Kollegen und ggf. auch weitere an der Förderung beteiligte Fachkräfte (Sonderpädagoge, Sozialpädagoge, Therapeut ...) ein und verteilt zunächst innerhalb des Förderplanteams bestimmte Rollen, die einen strukturierten und zügigen Ablauf gewährleisten: „Moderator“, „Zeitwächter“ und „Protokollant“. (S. 2)
Der Planungsprozess verläuft in sieben festgelegten Phasen:

  1. Begrüßung (mit Installation von Regeln wie „Kurze sachliche Schilderungen!“, „Keine Wertung der Informationen!“), Auswahl eines bestimmten Schülers.
  2. Bestandsaufnahme: Jeder notiert die „Stärken, Erfolge, Fähigkeiten“ des betreffenden Schülers auf grünen Karten, „Schwierigkeiten, Entwicklungspotenziale und Probleme“ auf blauen Karten.
  3. Bestimmen von Förderbereichen (IST-Zustand): Jeder verteilt 3 Abstimmungssteine auf die seines Erachtens wichtigsten Förderbereiche. Die zwei Bereiche mit den meisten Steinen sind für den Plan relevant und werden aufgenommen.
  4. Erarbeitung von Förderzielen (SOLL-Stand): Die Kompetenzen, die der Schüler erreichen soll, werden jeweils von allen auf weißen Kärtchen notiert. Die Beteiligten formulieren positiv und folgen dabei den drei „Ws“: „WAS soll der Schüler WANN und IN WELCHER SITUATION tun?“ Auch hier erfolgt die Auswahl der Förderziele wieder mit Abstimmungssteinen.
  5. In der nächsten Phase erarbeitet das Team Fördervorschläge, wobei jeder die für ihn sinnvollen „Maßnahmen und pädagogische Angebote“ auf gelben Kärtchen notiert. Auch hier werden die relevanten Fördervorschläge wieder mit Abstimmungssteinen ausgewählt.
  6. Dann lenkt das Team seine Aufmerksamkeit auf die obligatorische Evaluation: „Woran erkennen wir die Zielerreichung?“ „Mit welchem ‚Evaluationsinstrument‘ (Lernprozesskontrolle, Beobachtung, Lerntagebuch ...) arbeiten wir?“ „Wer macht wann was?“ Die Ergebnisse werden auf dem Förderplan vermerkt und ein Termin für das nächste Förderplangespräch wird festgelegt.
  7. Fortschreibung des Förderplans: In der Konferenz „Förderplanung“ reflektiert das Team im Rahmen eines Blitzlichts die Arbeit mit dem Schüler, legt, falls erforderlich, neue Ziele fest (gemäß der oben beschriebenen Schritte) und modifiziert bzw. ersetzt nicht erfolgreiche oder nicht umgesetzte Maßnahmen.

Die Kommunikation folgt festen Regeln: Nur an einigen wenigen Stellen im Ablauf gibt es Raum für kurze, sachbezogene Gespräche, ansonsten sorgt der an vielen Stellen des Prozesses ausdrücklich vermerkte Hinweis „NICHT SPRECHEN! KEINE DISKUSSION!“ sicherlich für ein fokussiertes Vorgehen, birgt aber auch die Gefahr, dass dadurch das kollegiale Gespräch an wichtigen Stellen „abgewürgt“ wird und wichtige Aspekte für eine sinnvolle Förderung außen vor bleiben.

Das Verfahren implementieren

Wer die Kooperative Förderplanung an seiner Schule einführen oder auch die Teamarbeit im Rahmen des Förderprozesses optimieren möchte, findet dazu konkrete Arbeitshilfen in der Broschüre „Förderplanung im Team“, die das Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg (LISUM) herausgegeben hat:

  • Einen tabellarischen Überblick mit Fragen zu möglichen Lern- und Entwicklungsbereichen, z. B. zu „Sprache/Kommunikation“: „Hat das Kind einen altersentsprechenden aktiven und passiven Wortschatz? Ist die Sprachproduktion (Artikulation, Grammatik, Semantik) unauffällig? Wie ist sein Kommunikationsverhalten?“ (S. 18)
  • Ausformulierte Beispiele für vollständige Förderpläne in unterschiedlichen Förderbereichen, die in Spalte 1 festlegen, wo die Schwerpunkte der Förderung und die vorrangigen Förderziele liegen, in Spalte 2 die pädagogischen Angebote dazu definieren, in Spalte 3 festhalten, wer wann und wo was macht und in Spalte 4 die Evaluationsergebnisse bzw. Erfolge zusammenfassen.
  • Eine genaue Beschreibung der einzelnen Arbeitsschritte mit den dabei verwendeten Informationen und Strategien sowie Moderationskarten für die Leitung der Förderkonferenz (S. 17)

Förderplanung mit Blitzlicht und Brainstorming

Der kooperative Planungsprozess, wie er in der LISUM-Broschüre beschrieben wird, weicht im Ablauf und bei der Bezeichnung und Anzahl der Phasen (hier acht) von der oben vorgestellten „Kurzform“ leicht ab. Zum Einsatz kommen dabei kooperative Techniken und Methoden, die auch bei der Verwendung der Kurzform sicherlich gute Dienste leisten können.

Das Förderteam startet bei der — im Vergleich zur Kurzform wesentlich aufwendigeren und gründlicheren — Bestandsaufnahme (Phase 2 nach der Begrüßung) mit einem „Blitzlicht“: Jeder in der Runde sagt „in zwei kurzen Sätzen“, was ihm im Hinblick auf den Schüler am meisten Sorgen bzw. Hoffnung macht. Dann sammeln und sichten die Teammitglieder „auf der Grundlage einer längerfristigen Beobachtung (...) alle verfügbaren Informationen“ (Lernstandsanalysen, Gespräche mit Personen aus dem Umfeld, Gutachten ...) und „Ressourcen“. Eine Checkliste (S. 16) hilft dabei, die wesentlichen Aspekte zu berücksichtigen.
Phase 3 widmet sich der „Analyse des Bedingungsfeldes“, wobei „die Ursachen und Bedingungen der Lern- und Entwicklungsprobleme analysiert“ werden (S. 11). Besonders interessant für alle Beteiligten kann dabei eine „Ich-als-Runde“ sein, bei der jedes Teammitglied sich in die Perspektive des Schülers hineinversetzt: „Nicht selten kommen in dieser Phase ganz neue und für die Beteiligten erstaunliche Aspekte zutage, die neue Förderansätze liefern“, so die Erfahrung der Autorinnen. Sie warnen jedoch auch vor mechanischen „Ursache-Wirkungs-Zuweisungen“, weil Lern- und Entwicklungsstörungen meistens viele verschiedene Ursachen haben. (S. 12)

In Phase 4 einigt sich das Team auf Förderziele, die nummeriert auf Karteikarten geschrieben und in der Mitte des Tisches platziert werden. Pädagogische Angebote zu diesen Zielen entwickelt das Team dann in Phase 5 mithilfe eines Brainstormings: Dabei wird nichts kommentiert oder „zensiert“, jede Idee ist erlaubt und wird auf einem eigenen Zettel notiert. „Es hat sich bewährt, in dieser Phase nicht miteinander zu sprechen und auch ausreichend Zeit für das Entwickeln weiterer kreativer Ideen zu Verfügung zu stellen“, so die Autorinnen (S. 13). Das führe zu „weitaus mehr Ideen“ als das mündliche Sammeln von Vorschlägen. Auch beim Brainstorming unterstützt die Konferenzteilnehmer eine kurze Checkliste mit gezielten Impulsen: „Wann ist der Schüler motiviert?“ „Wann arbeitet er selbstständig?“, „Wie kann die geplante Förderung mit dem Klassenunterricht verbunden bleiben?“ usw.

Förderziele konkret formulieren

Von der Formulierung der Ziele und ihrer Konkretisierung in pädagogischen Angeboten hängt der Erfolg der Förderung maßgeblich ab. Eine gelungene Zielformulierung

  • beschränkt sich auf Prioritäten,
  • berücksichtigt möglichst viele Lern- und Entwicklungsbereiche,
  • ist konkret und positiv,
  • behält die Erfolge im Blick und
  • ist erreichbar und überprüfbar. (ebd., S. 12)

Aus den Zielen entwickelt das Team in Phase 5 die pädagogischen Angebote. Hierbei ist es wichtig, den Prozess des Suchens konkreter Maßnahmen deutlich vom „Vorgang der Entscheidung“ zu trennen, betonen die Autorinnen. Andernfalls bestehe die Gefahr, dass das Team „zu schnell auf bewährte Maßnahmen“ zurückgreift und sich dadurch „den Raum der Möglichkeiten“ beschneidet (S. 13).

Wie genau die Ergebnisse der Zielformulierung mit zugehörigem Angebot im Förderplan aussehen können, demonstrieren die Planbeispiele (S. 22 ff.): Schon das Ziel spezifiziert genau, was der Drittklässler Marvin im Lernbereich „Sprache/Kommunikation“ im Laufe der Förderphase erreichen soll: „Marvin verbessert seine Schriftsprachkompetenz, er liest Texte und Wörter einer Übungskartei flüssig.“ Die zugehörigen pädagogischen Angebote sind nicht nur präzise und konkret formuliert, sondern zielen auch auf maximale Motivation des Schülers. Sie lauten z. B. „Steigerung der Motivation durch erlebnisbezogene Texte (persönliche Erlebnisse, Haustiere, Freundschaften)“ oder „Entlastung und Ermutigung beim Erstellen von Texten durch Einzelförderung“, oder auch „Mitschüler als Lesepartner zur Unterstützung auswählen dürfen“.

Schüler und Eltern kennen den Förderplan

Auch das spielt bei der kooperativen Förderplanung eine wichtige Rolle. Unterschiedlich gesehen und gehandhabt wird es in den Bundesländern, inwieweit die Kinder und Jugendlichen in die Förderplangespräche einbezogen werden sollten. Darf oder kann ein Schüler nicht teilnehmen, sollte er wenigstens durch eine ihm vertraute Person (Klassen-, Beratungslehrer etc.) zu seiner „Sichtweise zur Situation“ sowie zu seinen Kompetenzen, Bedürfnissen, Ressourcen und Möglichkeiten befragt werden, raten die Autoren der Website des „Vereins zur Förderung der Kooperativen Beratung“. Wenn der Plan steht, sollten die Schüler und die Eltern darüber informiert werden. Festgehalten wird deshalb im Plan auch, wer aus dem Förderplanteam diese Aufgabe übernimmt.

Das Förderplan-Team der Wilhelm-Busch-Schule, einer Sprachförderschule in Mühlheim, stellt das Konzept der Kooperativen Förderplanung zudem in einer Broschüre auf seiner Schulwebsite vor. Außerdem hat das Kollegium einen digitalen Förderplaner „verbindlich“ eingeführt. Auf diese Weise können alle Beteiligten „zu jeder Zeit“ auf den Plan zugreifen.

Martina Niekrawietz

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