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Integration und DaZ

Lernstationen für eine bessere Sprachförderung

Sprache ist der Schlüssel zur Integration. Viele Kinder von Geflüchteten sprechen aber nur wenig oder gar kein Deutsch. Intensive Sprachförderung ist deshalb wichtig. Ein Unterrichtskonzept mit Lernstationen erleichtert das individuelle Lernen.

Integration und DaZ: Lernstationen für eine bessere Sprachförderung Die Stationen bieten Übungsmaterial, dass Schüler ihrem Vorwissen entsprechend nutzen können © Jennifer Brandt

Im laufenden Schuljahr werden in Baden-Württemberg über 30.000 Kinder in rund 1.000 Vorbereitungsklassen unterrichtet. (vgl. hier). Mit der der Einrichtung von VKL-Klassen (Vorbereitungsklassen der allgemeinbildenden Schulen) und VABO-Klassen (Vorqualifizierung Arbeit und Beruf ohne Deutschkenntnisse der beruflichen Schulen) will das Kultusministerium die Deutschkenntnisse der Flüchtlingskinder gezielt fördern. Der Unterricht in diesen Klassen stellt eine Herausforderung dar, birgt aber auch den Reiz, Menschen mit verschiedenen kulturellen Hintergründen und Lebenserfahrungen den Weg in unsere Gesellschaft zu erleichtern. Dazu ist unsere Sprache der beste Weg.

Wenn Sie als Lehrkraft in einer dieser Klassen unterrichten, können Sie sicher von den Schwierigkeiten berichten, passende Lehrmaterialien und ein geeignetes Unterrichtskonzept zu finden. Die stark heterogene Klassenzusammensetzung wird Sie teilweise vielleicht an Ihre Grenzen bringen, Ihnen sicherlich aber ein Umdenken Ihres Unterrichtens abverlangen.

Heterogenität als Chance für gemeinsames Lernen

Die Lerngruppenzusammensetzung einer DaZ-Klasse kann sich täglich ändern. Neue Lernende stoßen dazu, andere Schüler müssen in ihr Heimatland zurückkehren oder schaffen den Eintritt in eine Regelklasse. Außerdem herrscht eine immense Altersheterogenität, insbesondere in der Sekundarstufe. Das Alter kann hier von 10 Jahren bis 17 Jahren reichen.

Zudem setzt sich die Lernerschaft aus vielen, sehr individuellen Sprachhintergründen zusammen. Meist kommen in einer Klasse Schüler aus mehreren unterschiedlichen Herkunftsländern zusammen. Sie alle bringen ihren individuellen persönlichen und schulischen Hintergrund mit. Einige sprechen Englisch oder hatten sogar schon Deutsch als Unterrichtsfach in ihrem Herkunftsland, andere sind nicht alphabetisiert und haben noch nie eine Schule besucht. Nicht zu vergessen sind auch die individuellen Geschichten, die die Schüler mitbringen. Oftmals sind sie schwer traumatisiert und zeigen massive Verhaltensstörungen. Elternarbeit erfolgt ebenso vor dem Hintergrund sprachlicher Barrieren, und viele bürokratische Hürden werden zur Aufgabe des Lehrers.

Diese Heterogenität muss aber kein Störfaktor sein, sondern kann als Chance interkulturellen Lernens betrachtet werden. Der Vielfältigkeit im Unterrichtsalltag gerecht zu werden, ist nicht immer einfach. Wenn es dennoch gelingt, erfährt man täglich Sprachlernfortschritte und erlebt sehr dankbare Schüler. Dann ist es eine sehr zufriedenstellende Arbeit und wir Lehrer haben für die individuellen Entwicklungen dieser jungen Menschen einen großen Beitrag geleistet.

Schüler bei ihrem Vorwissen abholen

Ein klassischer Unterricht mit frontalem Input und gemeinsamen Unterrichtsgesprächen wird zwar den Aspekten des Sprechens und der Kommunikation gerecht, doch er lässt zwei wesentliche Lernvoraussetzungen außer Acht: Sowohl das Vorwissen als auch die Lernfähigkeit und das Lerntempo variieren in einer Sprachlernklasse besonders stark. So entstehen viele Leerzeiten für manche Schüler, während andere sich resigniert abwenden.

Und was geschieht bei einem fortlaufenden Lehrgang mit hinzukommenden Schülern? Können sie einfach einsteigen oder müssen sie sich zunächst sehr selbstständig ein Grundwissen erarbeiten?

Zusammenfassend lässt sich sagen: Unterricht wie in einer Regelklasse ist für eine Vorbereitungsklasse nicht ideal. Er lässt viel Potenzial ungenutzt und stellt die Lehrperson vor große organisatorische Herausforderungen.

Aus meiner Erfahrung im Unterrichten einer VKL mit den extrem heterogenen Lernvoraussetzungen leiten sich zwei klare Grundvoraussetzungen einer Unterrichtsvorbereitung und -gestaltung ab:

  1. Den Lernenden muss ein Einstieg in die Klasse jederzeit möglich sein.
  2. Sie müssen dabei bei ihren persönlichen Vorerfahrungen und ihrem Vorwissen abgeholt werden.

Lernangebote an individuellen Stationen

Aus diesen Grundannahmen habe ich ein Unterrichtskonzept entwickelt, das genau diese zwei Bedingungen ermöglicht. Basierend auf einem Kompetenzraster durchlaufen meine Schüler an Stationen (je nach Arbeitstempo) innerhalb eines Schuljahres verschiedene Sprachlernangebote. Angefangen bei der Alphabetisierung bis hin zum Ziel des B1-Niveau (orientiert am Europäischen Referenzrahmen für Sprachen). Je nach Vorwissen werden sie ihren Lerngang an einer anderen Station beginnen.

Ihre Arbeit protokollieren sie in Arbeitsplänen, die von der Lehrkraft kontrolliert und begleitet werden. Wenn die Lernenden wissen, wie sie an bestimmten Aufgaben zu arbeiten haben, und zwar jeder in seinem individuellen Tempo, entfällt sehr viel Organisationszeit. Die kann der Lehrer nutzen, einzelne Schüler oder Lerngruppen zu unterstützen und sprachlich zu begleiten.

Das Unterrichtskonzept hat sich sehr positiv auf meinem Unterricht ausgewirkt. Die Lehrer-Schüler-Arbeit erlebt eine deutliche Qualitätsaufwertung, die Selbstorganisation wird gefördert, individuelles Lernen unterstützt und die Sprachinteraktionsmöglichkeiten erhöht. Nicht zuletzt erleben die Schüler einen deutlichen Motivationsschub.

Ein buntes Angebot für engagierte Schüler

Neben meiner Stationenarbeit, die den Erwerb lexikalischer, grammatischer, phonetischer, sprachrezeptiver und sprachproduktiver Kompetenzen im Fokus hat, erteilen meine Kollegen Fachunterricht wie Englisch, Mathematik, Kunst, Sport und Kochen. Eine sehr engagierte Kollegin macht viele Ausflüge mit den Schülern und ermöglicht ihnen so wertvolle Einblicke in unsere Kultur und Verhaltenssicherheit, sich darin zu bewegen.

So erleben unsere Schüler ein bunt gemischtes Bildungsangebot und nehmen sehr gern und engagiert am Schulalltag teil. Die Schüler, die die VKL bereits durchlaufen haben, begleite ich auch im Unterricht in einer Regelklasse und freue mich daran zu erleben, wie sie sich rasch einfinden, dem Unterricht folgen können und großartige Fortschritte machen. Ich arbeite deshalb sehr gern in der VKL. Wenn man ein Unterrichtskonzept gefunden hat, das einem selbst und den Schülern liegt, ist es wohl eine der dankbarsten Aufgaben als Lehrerin.

Jennifer Brandt

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