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Integration und DaZ

Mehr Textkompetenz in der Zweitsprache

Viele Zweitsprachlerner können sich mündlich gut verständigen, haben aber Probleme beim Umgang mit Texten. In der Sekundarstufe hat dieses Defizit entscheidenden Einfluss auf den Schulerfolg. Mit gezielten Maßnahmen zur Förderung der Textkompetenz kann der Lehrer diese Schüler wirksam unterstützen.

Integration und DaZ: Mehr Textkompetenz in der Zweitsprache In Gruppenarbeit korrigieren die Schüler ihre Texte gemeinsam © Christian Schwier - Fotolia.com

„Ich versteh das nicht. Können Sie mir bitte helfen?“, ist die häufige Frage von Zweitsprachlernern, wenn sie in Probearbeiten oder Schulbüchern mit Texten konfrontiert werden. Auch wenn sie sich im mündlichen Sprachgebrauch gut verständlich und überzeugend ausdrücken können, ist der adäquate Umgang mit Texten, rezeptiv oder auch produktiv, für viele Schüler eine Hürde, an der sie scheitern. Dies hat logischerweise für sie gravierende Auswirkungen auf ihre Schullaufbahn bzw. die Berufsausbildung.

Der deutsche Wortschatz, den Zweitsprachlerner erwerben müssen, lässt sich zwei Gruppen zuordnen. Die Gruppe, die den Lernern zuerst auffällt, ist die Gruppe der „Inhaltswörter“: Nomen, Verben, Adjektive. Schwieriger zu verstehen und richtig anzuwenden sind die „Funktionswörter“ und andere „kleine Wörter“. Sie dienen der Verknüpfung der Inhaltswörter im Satz sowie im Text und sind für das Verstehen von Sätzen und Texten des Deutschen unverzichtbar.

Für jede Textsorte die richtigen Funktionswörter

Für das Verständnis unterschiedlicher Textsorten ist es daher hilfreich, an exemplarischen Textbeispielen auf die jeweils relevanten textorganisierenden Funktionswörter einzugehen. Hierzu einige Beispiele:

  • Berichtende und erzählende Texte: zunächst, hierauf, danach, dann, und, nachdem, als usw.
  • Beschreibende Texte: neben, hinter, vor, über, oberhalb, zwischen usw.
  • Argumentierende Texte: allerdings, obgleich, aber, weder — noch, einerseits — andererseits usw.
  • Fachliche Texte: dazu, dadurch, dort, jedoch, aber, wenn — dann, je weniger — umso weniger bzw. umso mehr, sowohl — als auch usw.

Durch die Rezeption und Analyse exemplarischer Beispiele sowie durch die Produktion der unterschiedlichen Textsorten können sich die Schüler Schritt für Schritt die „Makrostrukturen“ erarbeiten und ihre Textkompetenz entwickeln und erweitern.

Effektive Übungen zu Textverknüpfungen

Übungen zu Textsorten nach der Analyse der Beispieltexte sollten variationsreich das Augenmerk auf Elemente der Textverknüpfung sowie auf strukturelle Elemente der jeweiligen Textsorte legen.
Einige Beispiele:

  • Einzelne Sätze oder Textabschnitte werden den Schülern ungeordnet geboten. Sie müssen die sachlich und sprachlich richtige Abfolge herausfinden.
  • In Texten werden bei den Funktionswörtern Lücken gelassen, mehrere werden zur Auswahl angeboten. Das Zutreffende ist jeweils einzutragen, die falschen sind zu streichen.
  • Textteile werden nur in Großbuchstaben geboten. Die Schüler müssen die Wortgrenzen durch Striche markieren, die Satzgrenzen durch Doppelstriche.

Beispiel: MURATHATGROßEPROBLEMEMITDEUTSCHENTEXTENDESHALBMUSSERVIELÜBEN

Übungen zu Strukturelementen von Texten

Strukturelemente von Texten können durch folgende Übungen verdeutlicht und trainiert werden:

  • Zu einem berichtenden Textbeispiel werden die W-Fragen formuliert: Wer? Was? Wo? Wie? Warum?
  • Bei einer Erlebniserzählung werden Einleitung und Schluss geboten. Die Schüler müssen den Hauptteil mit Höhepunkt gestalten.
  • Die Schüler sollen aus einem Bericht eine spannende Erzählung mit direkten Reden und ausgestaltetem Höhepunkt machen.
  • Aus gebotenen Merkmalen eines Tieres sollen die Schüler eine Tierbeschreibung fertigen. Oder sie sollen zu einem Stadtplan eine Wegbeschreibung verfassen. Hilfreich ist es bei Beschreibungen, das erforderliche „Wortmaterial“ anzubieten, damit die Schüler ihr Hauptaugenmerk auf die Struktur und die Verknüpfungen im Text richten können.
  • Zu einem Sachthema, z. B. Gesundheit, Umweltschutz, ein Hobby, eine Sportart usw., soll ein Text für eine Schülerzeitung verfasst werden. Wichtig sind hierfür eine klare Zielformulierung und ein sachlogischer Aufbau des Textes.

Die Lehrkraft sollte die Schüler nach der Übungsphase dazu anhalten, zunächst in Gruppen ihre Ergebnisse zu vergleichen, bevor sie eine „Lösung“ präsentiert. Auf diese Weise wird das gemeinsame Lernen bekräftigt. Zudem erfolgt hierdurch eine intensivere Auseinandersetzung mit der deutschen Sprache.

Klaus Vogel

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