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LRS-Förderung: Auf den Deutschlehrer kommt es an!

Viele Schüler kämpfen im Fach Deutsch mit der Rechtschreibung. Doch wer unter LRS leidet, braucht ganz besondere Hilfestellungen. Mit individuellen Methoden und speziellen Arbeitsaufträgen kann der Deutschlehrer solche Schüler unterstützen.

LRS: LRS-Förderung: Auf den Deutschlehrer kommt es an! Eine große Hilfe für LRS-Schüler: die Zusammenarbeit mit einem Mitschüler in einem Lerntandem © aleksandrn - Fotolia.com

Im Fach Deutsch erleben wir Kollegen in Sachen Rechtschreibung allerlei Abenteuerliches. Mitunter wird unsere Geduld auf die Probe gestellt, und wir kämpfen gemeinsam gegen das Verrohen der deutschen Orthographie, wie es z. B. durch das Schreiben auf sozialen Netzwerken vorkommen kann. Häufig lesen wir Sätze wie: In den forliegendem Text haben wir eine Kurzgeschichte. Oder: Ich glaube, das der Mensch gutgläubisch ist. In solchen Fällen raufen wir uns zwar die Haare, haben jedoch auch die Möglichkeit, entsprechend zu bepunkten bzw. zu benoten.

Nicht nur LRS-Schüler machen Fehler

Wichtig ist, dass wir erkennen, welche Fehler vorliegen. So sehen wir im ersten Satz sofort die fehlende oder mangelhafte Kenntnis der Kasus- und der entsprechenden Suffixverwendung. Dass der Satzbau hanebüchen ist, übersehen wir schon mal gern, da wenigstens die Textsorte erkannt wurde. Im zweiten Satz fehlt es dem Schüler an Nebensatzwissen. Hier kommt auch noch eine dialektale Beeinflussung seiner Schreibweise — gutgläubisch — hinzu. Im Rahmen eines normalen Grammatikunterrichts sind diese Probleme global sowie individuell behandelbar und entsprechend anzugehen. Im Notfall muss der Schüler Nachhilfe in Anspruch nehmen.

LRS-Schüler schreiben oft nach Gehör

Wenn ein Lehrer allerdings einen solchen Satz liest, sollte er hellhörig werden: Her Müler wird mohrgen zum Artzt gehen, weil ehr eine ärkeltunk hat. Ehr hat Grohse Ankst dafohr, weil er sich for ertzten vürschted.

Die grundlegende Erkenntnis aus dem Lesen eines solchen Satzes muss sein, dass in diesem extremen Fall aller Wahrscheinlichkeit nach eine Lese-Rechtschreib-Schwäche — kurz LRS — vorliegt. Es ist offensichtlich, dass der betroffene Schüler nicht zu wissen scheint, wie er Wörter zu schreiben hat. Er schreibt nach Gehör, nicht gemäß eines übergeordneten Regelsystems, einer übergeordneten Grammatik. Ihm scheint nicht klar zu sein, welchen Regeln er zu folgen hat. Welche sozialen Folgen dies für einen Schüler haben kann, soll in diesem Beitrag nicht angesprochen werden. Es wird sich vielmehr darauf konzentriert, was ich als Deutschlehrer machen kann, wenn ich einen solchen Fall habe.

Was der Deutschlehrer tun kann

Wichtig ist, dass Kollegen sich erkundigen bzw. sich gegenseitig auf mögliche LRS-Schüler aufmerksam machen, um so früh wie möglich gemeinsam mit dem Schüler eine Vorgehensweise planen zu können. Nur so kann das Problem kurativ angegangen werden. Lehrer müssen wissen, dass LRS eine diagnostizierbare Einschränkung ist, gegen die der Schüler in aller Regel allein erst einmal nichts unternehmen kann — er braucht systematische und professionelle externe Unterstützung.

Heißt das im konkreten Fall, dass ich als Deutschlehrer nichts machen muss und die Verantwortung an Dritte abgeben kann? Juristisch gesehen ja — ethisch betrachtet auf keinen Fall. Zunächst einmal: Bei einer Klassenarbeit — dies ist im positiv diagnostizierten LRS-Fall obligatorisch — muss dem Schüler die volle Punktzahl im Bereich Orthographie gegeben werden. Das mag man gutheißen oder nicht, es muss dennoch umgesetzt werden. Im Unterricht hingegen liegt es an der Lehrkraft, wie sie mit einem mit LRS diagnostizierten Schüler umgehen möchte. Im Folgenden seien ein paar Handlungsvorschläge skizziert.

Langfristige und differenzierte Hausaufgaben statt fehlerhafter Aufsätze

Es ist beispielsweise möglich, dass betroffene Schüler in den Klassenarbeiten mit dem PC schreiben dürfen. Sollte dies der Fall sein, so ist es ratsam, dass der Lehrer das Schreiben auf dem PC auch einübt. So können Arbeitsaufträge während des Unterrichts elektronisch bearbeitet werden. Das Einüben des 10-Finger-Systems wäre ebenfalls hilfreich. Dazu kann dem Schüler im Rahmen der individuellen Förderung ein Arbeitsblatt ausgehändigt werden, mit dem er üben kann und das ihm Anleitung gibt.

Denkbar wäre auch eine langfristig angelegte Hausaufgabe. Es scheint oftmals wenig sinnvoll, einen Aufsatz von einem Schüler einzusammeln, der voller Fehler ist. Da es sowieso wenig bis gar keinen Sinn macht, diese Fehler zu korrigieren, ist es u. U. wesentlich sinnvoller, dem Schüler eine Aufgabe zu geben, die er zu Hause erledigen kann. Dabei soll er sich dann wirklich auf die Rechtschreibung konzentrieren und das Ganze mit dem PC schreiben.

Beispielhaft sähe das so aus: Für die „normalen“ Schüler gibt es folgende Hausaufgabe(n): Schreibe einen inneren Monolog, in dem du beschreibst, was in der Situation xy in dir vorgeht. Oder: Arbeite Textmerkmale heraus, die Erkenntnis darüber geben, wie sich der Protagonist fühlt. Für den LRS-Schüler könnte die langfristig angelegte Hausaufgabe lauten: Überlege dir, wie sich die Beziehungen in dem Roman darstellen. Dazu sollst du: — einen inneren Monolog verfassen; — herausarbeiten, welche Textmerkmale … Wichtig ist hier, dass der Schüler inhaltlich zwar das Gleiche erledigen muss, dafür aber mehr Zeit bekommt. Dies erfordert von der Lehrkraft die Planung ihrer Unterrichtseinheit, sodass dem Schüler früh genug die langfristige Aufgabe gestellt werden kann.

Per Lerntandem zu besseren Leistungen

Ebenfalls eine praktikable Methode ist das sogenannte Lerntandem. Gibt es in der Klasse einen Schüler, der besonders gut im Fach Deutsch ist (beispielsweise im Bereich Orthographie), so ist es durchaus denkbar, dass sich dieser Schüler um den mit LRS diagnostizierten Schüler kümmert. Dabei ist es hilfreich, immer einen bestimmten Fokus zu setzen: z. B. auf Groß- und Kleinschreibung. Die beiden sollten dann die Möglichkeit bekommen, das Geschriebene daraufhin zu überprüfen.

Zusammengefasst bleibt zu sagen, dass eine LRS mit Sicherheit eine Einschränkung für Schüler darstellt. Mit entsprechender Planung und mit entsprechendem Wissen um das Problem ist sie jedoch durchaus zu bewältigen.

Tim Heidemann

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