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LRS wirkt sich auf die Leistungen in allen Fächern aus

In höheren Klassen fühlen sich LRS-Schüler oft überfordert, denn in fast allen Fächern sind sie auf das Lesen angewiesen. Im Unterricht genauso wie bei Tests und Referaten. Doch Lehrer können solche Schüler mit vielfältigen Maßnahmen unterstützen.

LRS: LRS wirkt sich auf die Leistungen in allen Fächern aus Gruppenarbeit kann Schülern mit LRS helfen, die eigenen Fähigkeiten einzubringen und sich beim Schreiben und Lesen Unterstützung zu holen © Christian Schwier - Fotolia.com

Während in der Grundschule gutes Zuhören meist ausreichte, um den Unterrichtsstoff zu erfassen, wird in der Sekundarstufe zunehmend erwartet, dass die Schüler lesen. Dadurch geraten diejenigen, die schlecht sinnerfassend lesen können, in allen Fächern unter Druck. Wer mühsam die Buchstaben aneinanderreiht und sich so Seite für Seite quält, hat zwar die Aufgabe „Lies die Seiten x bis y“ erfüllt, kennt aber nicht unbedingt deren Inhalt. Darum kann er am Unterrichtsgespräch nur bedingt teilnehmen. Oft scheint es, als hätte er die Hausaufgaben nicht gemacht. Dass das Lesen für viele LRS-Schüler eine ausgesprochen mühsame Arbeit, oft ohne positive Erfahrung, ist, ist nicht immer leicht zu erkennen. Rechtschreibfehler dagegen können gezählt werden, machen also die Probleme dieser Schüler deutlich sichtbar.

In fast allen Fächern muss gelesen und geschrieben werden. Wie können Schüler mit erheblichen Schwierigkeiten beim Rechtschreiben und/oder Lesen gerecht bewertet, motiviert, unterstützt und gefördert werden?

Vorlesen fördert das Verstehen

Generell sollten diese Schüler, falls sie Probleme beim Lesen haben, den Unterrichtsstoff auch hören können. Dafür gibt es zahlreiche Möglichkeiten. Mitschüler, Eltern oder andere können vorlesen. Besonders wenn Eltern ihren Kindern helfen möchten, ist es sehr sinnvoll, ihnen Sachtexte vorzulesen und diese mit ihnen zu besprechen (Diktate üben nützt dagegen nichts). Die Beteiligung am Unterricht wird so, verglichen mit dem zuvor beschriebenen mühsamen Lesen ohne (vollständige) Sinnerfassung, leichtfallen. Das Selbstvertrauen wächst, die mündlichen Noten werden besser. Wer niemanden zum Vorlesen hat, kann ein Vorleseprogramm nutzen, denn wer beim Lesen mithört, wird die Texte viel besser verstehen.

Literatur sollte diesen Schülern als Hörbuch zur Verfügung gestellt werden — das ist Nachteilsausgleich. Denn es geht ja nicht darum, die Buchstaben zu Wörtern aneinanderzureihen, sondern darum, Inhalte aufzunehmen, die als Grundlage für weitere Leistungen dienen sollen.

Dem Schüler die Chance geben, sein Wissen zu zeigen

Derjenige, dem durch die Probleme beim Lesen diese Inhalte nicht zur Verfügung stehen, hat den anderen gegenüber einen erheblichen Nachteil. Wie soll man eine Charakterisierung oder Inhaltsangabe schreiben? Wie Vergleiche anstellen? Wie eine Aufgabe beantworten, die man nicht versteht? Lesen Sie die Aufgaben vor, besprechen Sie gegebenenfalls, was gemacht werden soll. Geben Sie den Schülern eine Chance, ihr Wissen zu zeigen.

Das Lesen soll nicht — weil es so mühsam ist — komplett aufgegeben werden. Motivierender ist es jedoch, zunächst Texte oder auch Comics lesen zu lassen, die verstanden werden und Spaß machen.
Die Rechtschreibung der LRS-Schüler ist schlecht und sollte in keinem Fach dazu führen, dass die eigentlichen Leistungen nicht anerkannt werden. Von diesen Schülern, die viel Zeit zum Schreiben brauchen, kann nicht erwartet werden, dass sie alles zu Hause noch einmal sauber abschreiben. So wird die Heftführung meist Mängel aufweisen. Eine gute Möglichkeit ist es, Mappen zu führen, in denen einzelne Blätter ersetzt werden können.

Vor- und Nachteil zugleich: das Denken in Bildern

Außer den leicht zu verstehenden Schwierigkeiten beim Rechtschreiben und Lesen haben viele LRS-Schüler weitere Besonderheiten, die ihnen den normalen Schulalltag erschweren. Sie zu erkennen, ermöglicht es, verständnisvoll auf die Schüler einzugehen und so ihre Stärken zu fördern.

Viele LRS-Schüler „denken in Bildern“. Sie denken nicht, wie die meisten anderen, „linear“, also erst dies, dann das. Sie denken (sehen) eher alles gleichzeitig oder wie in einem Film. Ihnen fällt es schwer, alles, was sie sehen, in eine Reihenfolge zu bringen, und noch schwerer fällt es, das Wort für Wort aufzuschreiben. Mündlich äußert sich das oft im schnellen Sprechen, nicht selten in unvollständigen Sätzen, weil sie nicht so schnell reden können wie sie denken. Manchmal brauchen diese Kinder aber auch besonders lange, bis sie mit dem Sprechen beginnen, da sie zuerst alles, was sie denken, ordnen wollen. Schriftlich gerät häufig etwas durcheinander, weil sie etwas aufschreiben, während sie ganz viel anderes sehen bzw. denken. Das Mitsprechen beim Schreiben gelingt dadurch natürlich ebenfalls nicht.

Ohne Bilder fällt das Verstehen schwer

Wer „in Bildern denkt“ hat Vorteile, weil es schnell geht und man sich komplexe Vorgänge gut vorstellen kann. Das ist besonders in den Naturwissenschaften hilfreich. Nachteile bringt es allerdings mit sich, wenn, wie oben beschrieben, etwas linear geordnet aufgeschrieben werden soll. Besondere Probleme bereiten Begriffe und Sachverhalte, zu denen es keine Bilder gibt. Diese zu behalten ist für solche Schüler ausgesprochen schwierig, da die gewohnten Mechanismen nicht funktionieren. Das gilt zum Beispiel für Begriffe aus der Grammatik (Deklination, Partizip) und der Mathematik (Subtraktion, Quotient). Folgen wie das Einmaleins, Abc, Monate usw. werden ohne einen Bezug auswendig gelernt und können nur als Ganzes aufgesagt werden. Dasselbe gilt für unregelmäßige Verben. Das „Herauslösen“ einzelner Segmente gelingt oft nicht. Aber auch Jahreszahlen, wichtig für Geschichte und Politik, sind abstrakt. Sie müssen auswendig gelernt werden, oft ohne Bezug, was leicht zu Zahlendrehern führt.

Lösungen gemeinsam mit dem Schüler finden

Ein zusätzliches Problem, das LRS-Schüler häufig haben, betrifft die Vorstellung von Raum und Zeit. Begriffe wie Vorgänger und Nachfolger verwirren ebenso wie Notenlinien oder Formen einzelner Länder oder Flüsse. Die Schüler verfügen nicht über Strategien, sich diese einzuprägen und geraten in Panik, wenn sie danach gefragt werden. Ebenso kann es mit dem Empfinden für Zeit sein. Das betrifft beispielsweise die Zeiteinteilung bei Klassenarbeiten, die Vorstellung der grammatischen Zeiten oder die Abfolge historischer Ereignisse.

Das sind nur einige Beispiele, wie sich LRS auf nichtsprachliche Fächer auswirken kann. Da  jeder Schüler seine ganz eigenen Stärken und Schwächen hat, ist es unmöglich, generelle Vorgehensweisen im Umgang damit zu empfehlen. Schlechte Lese- und Rechtschreibleistungen dürfen nicht verhindern, dass ein LRS-Schüler sein Können unter Beweis stellt. Wenn zusätzliche individuelle Schwierigkeiten erkannt werden, ist es manchmal gar nicht schwer, gemeinsam Lösungen zu finden.

Uta Livonius

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